GOTTESLÜGE von Kathrin Lange – Meine Rezension …

Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (16. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442383463
ISBN-13: 978-3442383467
Autorin: Kathrin Lange

Die gesamte bisherige Reihe:

Die Geschichte:
Sondereinheitsermittler Faris Iskander kämpft noch mit den Nachwirkungen der Schrecken, die er im letzten Band „40 Stunden“ erleben musste. Doch ihm bleibt kaum Zeit zum Luftholen, denn er gerät sofort in den nächsten Alptraum: ein junger Mann droht mit einem Selbstmordattentat und Faris soll zum Tatort kommen.
Er begreift schnell, dass es sich um etwas Persönliches handelt, denn er kennt den Jungen und dieser soll ihm eine Botschaft übermitteln: er wird der Nächste sein, der auf den Auslöser drückt.
Wer steckt hinter diesem perfiden Racheplan, der Faris zum Mörder machen soll? Wird das Druckmittel, das der Täter hat, wirklich ausreichen, um einen Polizisten in einen Attentäter zu verwandeln? Eine atemlose Jagd nimmt ihren Lauf und nicht alle Beteiligten überleben den Wahnsinn …

Meine Meinung:
Der erste Teil der Reihe hat mir echt gut gefallen und so war ich sehr gespannt auf die Fortsetzung. Leider konnte mich dieses Buch aber nicht wirklich überzeugen – trotz des gewohnt tollen, lebendigen Schreibstils.

Faris steht absolut im Mittelpunkt dieser Geschichte, andere Personen werden zu Randfiguren, die ihm mehr oder weniger im Weg stehen bei diesem Alptraum. Er wird von einem unbekannten Täter erpresst und um die Geisel zu schützen, tut er fast alles, was von ihm verlangt wird. Es ist eine richtige Katz- und Mausjagd, die mir aber irgendwie zu eintönig war. So richtig mitfiebern konnte ich nicht, denn vieles erschien mir zu konstruiert und vor allem unglaubwürdig. Ok, Authentizität ist nicht das Hauptkriterium, wenn es darum geht, einen Thriller zu bewerten, denn diese schießen gerne mal etwas übers Ziel hinaus. Aber hier gibt es Szenen, in denen der als intelligent beschriebene Täter als absolut naiv und leichtgläubig rüberkommt. Außerdem erweist sich einiges am Ende als nicht besonders schlüssig und offensichtliche Spuren wurden wohl nicht verfolgt.
Vielleicht wird einiges davon noch im nächsten Band aufgelöst, denn dieses Buch endet mit einem recht fiesen Cliffhanger.

Fazit:
Auch wenn mir dieser Band nicht so gut gefallen hat, werde ich der Fortsetzung eine Chance geben, denn Faris ist mir eigentlich recht sympathisch. Ich wünsche ihm, dass er in Teil 3 nicht wieder so gequält wird, denn sonst wird es eintönig …

Bewertung:

BLUMENKINDER von Meike Dannenberg – Meine Rezension …

Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: btb Verlag (14. November 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442714494
ISBN-13: 978-3442714490
Autorin: Meike Dannenberg

Die Geschichte:
Nora Klerner ist Sonderermittlerin des BKA und wird von Fallanalytiker Johan Helms zur Unterstützung der Kripo in Lüneburg angefordert. Ein kleines Mädchen wurde brutal ermordet und vom Täter in besonderer Weise geschmückt: ein Blumenkind.
Johan hat eine Verbindung nach Tschechien entdeckt, denn dort wurde eine ähnlich drapierte Tote gefunden. Die Ermittlungen fördern zunächst wenig Brauchbares zutage und dann passiert das Schlimmste: ein weiteres Mädchen wird vermisst. Befindet auch sie sich in den Fängen des skrupellosen Mörders? Nora und die Kripo suchen fieberhaft nach Hinweisen und bald haben sie gleich mehrere Verdächtige. Doch können sie die Kleine noch rechtzeitig retten?

Meine Meinung:
Für dieses Buch habe ich eine gefühlte Ewigkeit gebraucht, weil ich anfangs irgendwie keinen richtigen Zugang dazu fand. Im Nachhinein kann ich mir das aber gar nicht mehr so wirklich erklären, denn es ist echt gut. Vielleicht hätte ich auch einfach mal dranbleiben sollen und es nicht immer nach nur wenigen Seiten wieder weglegen. Einziger Kritikpunkt, der mir dazu einfällt, ist der manchmal etwas zu detaillierte Schreibstil, der dazu führt, dass es nicht so schnell vorwärts geht, wie ich mir das oft wünschen würde.
Andererseits sorgt der atmosphärische Schreibstil aber eben auch dafür, dass sich das komplette Geschehen ständig wie ein lebendiger Film im Kopf abspielt. Nachdem ich meine Ungeduld überwunden hatte, konnte ich das auch genießen.

Die Charaktere werden auch ganz gut beschrieben, allerdings wirken die beiden Hauptpersonen Nora und Johan ein bisschen geheimnisvoll. Nora hat wohl schon einiges erlebt, das sie zu einem nicht einfachen Menschen gemacht hat. Sie gibt sich immer etwas distanziert, ist extrem ehrgeizig und leidet auch unter verschiedenen Ängsten.
Johan ist sehr intelligent und weiß nicht so recht, wohin er im Leben will. Sollte er sich mehr auf sein Privatleben konzentrieren oder ist ihm seine Arbeit doch das Wichtigste?
Auch die übrigen Figuren erscheinen recht glaubwürdig und manche durchaus sympathisch. Nora und Johan mochte ich auch ganz gern und ich könnte mir vorstellen, noch weitere Bücher mit ihnen zu lesen.

Der Fall an sich ist sehr komplex und es wird in verschiedenste Richtungen ermittelt. Die Lösung ist dann trotzdem noch eher überraschend, aber wenigstens taucht der Täter nicht ganz aus dem Nichts auf.
Besonders am Ende wirkt das Buch viel mehr wie ein Thriller. Natürlich steht die Arbeit der Polizei schon im Vordergrund, aber Nora ist einfach eine Einzelgängerin, die sich auch gern in brisante Situationen bringt. So bleibt es nicht aus, dass sie in große Gefahr gerät, was auch noch einiges an Action in die Story bringt.

Spannung ist durchgehend vorhanden, meistens auf einem eher moderaten Niveau. Das Buch liest sich fesselnd, aber erst zum Schluss gibt es ein paar echte Gänsehautmomente.
Die blutigen Szenen halten sich übrigens im sehr erträglichen Rahmen, so dass ich das Buch auch zarteren Gemütern weiterempfehlen kann.

Fazit:
Ein sehr komplexer Kriminalfall hält Sonderermittlerin Nora und Fallanalytiker Johan in Atem. Fesselnd, atmosphärisch, geheimnisvoll … empfehle ich gern weiter!

Bewertung:

DAS ENDE ALLER GEHEIMNISSE von Stefan Keller – Meine Rezension …

Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 1 (20. Januar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499272490
ISBN-13: 978-3499272493
Autor: Stefan Keller

Die Geschichte:
Eine verbrannte männliche Leiche ist der erste Fall für Kriminalkommissarin Heidi Kamemba, die in Düsseldorf im KK12 ihren Dienst antritt.
Der Medienrummel um ihre Person ist ihr absolut zuwider, doch als Tochter eines Kongolesen ist sie leider so etwas wie eine Exotin bei der Kripo. Hinzu kommen ungewöhnliche Spannungen in ihrem neuen Team, deren Ursprung anscheinend im Selbstmord ihres Vorgängers liegt.
Heidi ist sehr neugierig und ehrgeizig, was nicht bei allen Kollegen gut ankommt. Doch sie lässt sich nicht beirren und deckt schließlich brisante Geheimnisse auf …

Meine Meinung:
Dieser Krimi, der oft eher wie ein Thriller wirkt, ist der Beginn einer Reihe um die Kriminalkommissarin Heidi Kamemba. Mein Leserherz hat sie bereits erobert, denn sie ist eine sympathische, taffe Frau, die sich auch von Widerständen nicht aufhalten lässt. Außerdem lernen wir sie auch von einer emotionaleren Seite kennen, denn der Autor lässt uns auch an ihrem Privatleben teilhaben. Diese Szenen nehmen aber nicht überhand und fügen sich sehr gut in die Kriminalgeschichte ein.

Genau wie Heidi werden auch die übrigen Mitglieder des Kripoteams sehr gut charakterisiert. Man merkt bald, dass jeder seine dunkle Seite hat, doch bis jetzt kann man die Ausmaße nur erahnen. Trotzdem wirkt alles nicht übertrieben, sondern durchaus glaubwürdig.
Schön fand ich auch, dass Heidi nicht nur auf Ablehnung oder Misstrauen stößt. Die Momente, in denen sie Unterstützung und Zustimmung erfährt, werden immer mehr. Am Ende wirkt das Ganze schon recht harmonisch und ich freue mich jetzt schon auf eine Fortsetzung.

Was den zu lösenden Fall betrifft: hier kommen im Lauf der Ermittlungen immer wieder neue Aspekte hinzu, die dem Ganzen überraschende Wendungen geben. Eine sehr fesselnde Geschichte, die genau die richtige Menge Action und Polizeiarbeit bietet. Am Ende löst sich alles schlüssig auf, aber ich hatte das Gefühl, dass es auf den letzten Seiten etwas schnell ging. Vielleicht wollte ich mich auch einfach noch nicht von Heidi und ihren Kollegen trennen …

Fazit:
Ein sehr fesselnder Krimi mit Action und Spannung, der durch interessante Charaktere und eine vielschichtige, super durchdachte Story überzeugt. Unbedingt lesen!

Bewertung:

DIE MUTTER DES KOMMISSARS UND DAS FRANZÖSISCHE MÄDCHEN von Margarete Bertschik – Meine Rezension …

Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Isensee, Florian, GmbH; Auflage: 1 (16. November 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3730813188
ISBN-13: 978-3730813188
Autorin: Margarete Bertschik

Die Geschichte:
Hanna ist die titelgebende „Mutter des Kommissars“ Thomas Morgenroth und das „französische Mädchen“ ist Yvette Duchamp, die als Au-Pair bei der wohlhabenden Bauunternehmerfamilie Cordes lebt.
Yvette wird leider tot aufgefunden und Thomas soll den Fall mit seinen Kollegen aufklären. Inoffizielles und selbsternanntes Mitglied des Ermittlerteams ist auch Hanna, die sich als findige Spürnase entpuppt. Auf eigene Faust führt sie Gespräche im Umfeld des Opfers, reist sogar in deren Heimatstadt nach Frankreich und schließlich auch noch in die Schweiz. Ihre Hinweise führen die Polizei schließlich auf die richtige Spur und sie decken ein altes Geheimnis auf …

Meine Meinung:
Der Schreibstil ist sehr atmosphärisch und detailreich, für meinen Geschmack waren es aber manchmal ein klein wenig zu viele Informationen oder Wiederholungen. Dass man als geübter Krimileser sehr schnell den Täter entlarven kann, fand ich auch etwas schade, aber das war es dann auch schon an Kritik.

Ansonsten habe ich den eher ruhigen Krimi genossen, denn die Autorin haucht ihren Figuren sehr viel Leben ein. Nicht nur Hauptperson Hanna, sondern auch ihre Familie und die Kollegen ihres Sohnes Thomas werden glaubwürdig und authentisch dargestellt.

Zwischen Privatem und der Aufklärung des Falles herrscht eine sehr angenehme Balance. Die Nebeninformationen tragen meist dazu bei, den Figuren noch mehr Tiefe zu verleihen.

Hanna ist zwar schon etwas älter, aber das hält sie nicht davon ab, sich aus vollem Herzen ins Abenteuer zu stürzen. Da sie die Tote selbst gekannt hat, nimmt sie die Sache sehr ernst und geht auch einige Risiken ein.
Durch ihr harmlos wirkendes Auftreten erhält sie so manchen Hinweis, den die Leute der Polizei vielleicht nicht so leicht verraten hätten. Mit ihrer ruhigen Art trägt sie so nach und nach die Puzzleteilchen zusammen und löst das große Rätsel um Yvette, das sie schließlich auch zum Mörder führt.

Die Geschichte ist sehr gut durchdacht und durchaus vielschichtig. Die Spannung wird leider durch zu viele Hinweise auf den Täter leicht getrübt, aber das Buch liest sich trotzdem noch sehr fesselnd. Schlüssig und recht glaubwürdig fand ich auch das Ende, das kaum noch Fragen offen lässt.

Für Fans von Hanna noch eine gute Nachricht zum Schluss: es wird wohl weitere Fälle geben, die sie lösen darf.

Fazit:
Ein eher ruhiger Ermittlerkrimi mit sympathischen Charakteren. Gut durchdacht, atmosphärisch und für alle Krimifans zu empfehlen.

Bewertung:

ICARUS von Deon Meyer – Meine Rezension …

Audio CD
Verlag: Aufbau Audio; Auflage: 1 (12. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3945733081
ISBN-13: 978-3945733080
Originaltitel: Icarus

Die Geschichte:
Im Sand verbuddelt wird eine männliche Leiche gefunden, deren Identität schnell geklärt ist: Ernst Richter. Als Polizist Bennie Griessel und seine Kollegen nach möglichen Motiven suchen, wird klar, dass Richter sehr viele Feinde hatte. Er verkaufte nämlich an fremdgehende Menschen wasserdichte Alibis für deren Partner – eine Geschäftsidee, die nicht allen gefällt.

Meine Meinung:
Aus der Krimi- / Thrillerreihe rund um Bennie Griessel habe ich nun schon einige Teile gehört bzw. gelesen und die Atmosphäre gefällt mir immer sehr gut. Südafrika ist ein toller Schauplatz, der allerdings auch recht konfliktbeladen ist. Für Probleme sorgt außerdem immer wieder die Alkoholsucht von Hauptfigur Bennie, die er einfach nicht in den Griff bekommt. Auch in diesem Buch erleidet er durch einen Schicksalsschlag wieder einen Rückfall. Es ist wunderbar zu lesen, wie seine Kollegen immer zu ihm halten: ein super Team!

Der Fall ist sehr spannend und vielschichtig, denn zwei Handlungsstränge, die anfangs so gar nicht zusammenpassen wollen, enden in einem schlüssigen Finale. Wir dürfen den Ermittlungen hautnah folgen und für mich las sich das Buch schon eher wie ein Krimi, denn von einem Thriller würde ich noch etwas mehr Gänsehautfeeling und brenzlige Situationen für die Ermittler erwarten.

Fazit:
Ein sehr interessanter, anfangs absolut undurchsichtiger Fall, der viele fesselnde Lesestunden garantiert.

Bewertung:

PURPURNE RACHE von Jean-Christophe Grangé – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 768 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Ehrenwirth) (11. November 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3431039642
ISBN-13: 978-3431039641
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
Originaltitel: Lontano
Autor: Jean-Christophe Grangé

Die Reihe (Teil 2 noch nicht übersetzt):

Die Geschichte:
Im neuen Thriller des französischen Spannungsautors dreht sich fast alles um die Familie Morvan. Der Clan besteht aus Oberhaupt Grégoire und seiner Frau Maggie, sowie den drei Kindern Erwan, Gaëlle und Loïc (mit Anhang).
Grégoire war früher Kommissar und diskreter Problemlöser für die Regierung, sein Sohn Erwan ist ebenfalls Polizist, Gaëlle ist erfolglose Schauspielerin und Escortdame und Loïc ist ein Finanzgenie mit einem großen Drogenproblem.
Eine sehr konfliktbeladene Familie, was nicht nur daran liegt, dass der Vater gerne mal Mutter Maggie schlägt.
Der eigentliche Kriminalfall ist eine sehr grausame Mordserie, bei der die Opfer bizarr zugerichtet werden wie afrikanische Geisterkultobjekte, verunstaltet mit einer Vielzahl von Nägeln und anderen Gegenständen.
Das Besondere daran: der Modus Operandi entspricht fast exakt dem Vorgehen des sogenannten „Nagelmanns“, den Grégoire vor einigen Jahrzehnten in Afrika verhaften konnte. Ist ein Nachahmungstäter unterwegs oder will jemand nur gezielt Rache nehmen an Grégoire? Erwan soll es herausfinden und das fordert ihm einiges ab …

Meine Meinung:
Der Schreibstil von Grangé ist wirklich toll zu lesen. Er haucht nicht nur seinen Figuren glaubhaftes Leben ein, sondern beschreibt auch die Schauplätze immer sehr atmosphärisch, so dass man richtig mitten im Geschehen ist. Hier ist es beispielsweise die raue Schönheit der Bretagne, in die uns die Handlung entführt, aber auch die unbarmherzige Hitze Afrikas kann man als Leser gut nachfühlen. Auch der Einsatz gut gewählter Metaphern gefällt mir immer sehr an Grangés Schreibstil.

Was mir in diesem Thriller allerdings weniger gefallen hat, das waren die Figuren an sich. Die Familie Morvan verfügt eigentlich nicht wirklich über einen echten Sympathieträger, alle Mitglieder sind viel mehr schwierig, undurchsichtig, kaputt und zuweilen sogar etwas nervig. Erwan kommt dabei noch am besten weg, aber auch er ist nicht gerade ein Otto-Normalbürger: als Polizist handelt er oft sehr unprätentiös und verkloppt schon mal den ein oder anderen Verdächtigen.
In seinem Kollegenkreis finden sich dann allerdings schon ein paar Charaktere, mit denen ich mich durchaus anfreunden konnte.

Einen Punkt Abzug gibt es von mir aufgrund der fehlenden Thriller-Hochspannung. Die Geschichte ist zwar sehr fesselnd und absolut nicht langweilig, aber das richtige Gänsehautfeeling wollte sich einfach nicht einstellen. Vieles dreht sich auch um die persönlichen Probleme der Morvan-Familienmitglieder und so zogen sich manche Passagen doch etwas hin. Wenige Actionszenen sorgen vor allem gegen Ende dann doch noch für Thrillerstimmung und eine (nicht ganz überraschende) Wendung setzte der Story die Krone auf. Zartbesaitete Leser könnten kleine Probleme mit den ausführlichen Schilderungen der Folterungen haben.

Der Schluss lässt einige Fragen im Umfeld der Familie Morvan offen, der zu lösende Fall wird aber schlüssig aufgeklärt. Eine Fortsetzung ist in Frankreich bereits erschienen und wird auch hoffentlich in Deutschland bald verfügbar sein. Obwohl mir der Morvan-Clan nicht wirklich sympathisch ist, möchte ich schon gerne wissen, welche Geheimnisse sie noch verbergen. Ich freue mich deshalb auf den nächsten Band.

Fazit:
Könnte streckenweise etwas spannender sein, liest sich aber trotzdem sehr gut. Die Familie Morvan, die im Vordergrund steht, ist nicht so wirklich sympathisch. Der Fall an sich ist sehr undurchsichtig, blutig und gut durchdacht. Für Grangé-Fans ein Muss, aber auch anderen Thrillerlesern kann ich das Buch trotz kleinerer Schwächen empfehlen.

Bewertung:

WER SCHATTEN KÜSST von Marc Levy – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (23. April 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764504307
ISBN-13: 978-3764504304
Originaltitel: Le voleur d’ombres
Autor: Marc Levy

Die Geschichte:
Wir begleiten einen Jungen auf dem Weg zum Erwachsensein und dürfen mit ihm die Höhen und Tiefen des Lebens mitfühlen. Das Besondere an ihm ist eine ungewöhnliche Begabung: er kann sich mit den Schatten anderer Personen unterhalten und erfährt so einige Geheimnisse, die die Menschen normalerweise mit niemandem teilen möchten.
Es ist also irgendwie auch ein bisschen Fantasy, was uns Marc Levy hier präsentiert. Aber vor allem ist es eine Geschichte mit viel Herz und unheimlich schönen Momenten …

Meine Meinung:
Der Schreibstil von Marc Levy lässt sich super und flüssig lesen. Er haucht seinen Charakteren sehr viel Leben ein und sie wachsen einem nach nur wenigen Seiten ans Leserherz. Das gilt nicht nur für die Hauptperson: den in der Ich-Form erzählenden Jungen bzw. Mann, von dem wir nicht einmal den Namen erfahren, wenn ich jetzt so drüber nachdenke. Seine Mutter, sein Freund Luc und viele weitere Personen, oft nur in Nebenrollen, wirken so lebendig und liebenswürdig, dass man sich am Ende des Buches wünscht, man könnte noch mehr Zeit mit ihnen verbringen.
Die Schauplätze sind auch wundervoll gewählt, denn auch das Meer spielt eine Rolle.

Im ersten Teil der Geschichte erzählt uns der Junge aus seiner Schulzeit und wir teilen mit ihm die schweren Momente, als sein Vater die Familie verlässt. Man kann beim Lesen durchaus eine Packung Taschentücher bereithalten.

Dann machen wir einen Zeitsprung und begleiten den inzwischen erwachsenen Jungen bei seiner Ausbildung zum Arzt. Wir treffen auf alte Bekannte aus der Schulzeit und der Kreis schließt sich.
Es geht nicht nur um die Bewältigung familiärer und persönlicher Schicksalsschläge, sondern vor allem darum, dass jeder Mensch selbst entscheiden kann, was er sich für seine Zukunft wünscht – um dann entsprechend handeln zu können. Beugen wir uns nicht viel zu oft den äußeren Umständen oder scheinbaren Zwängen? Dabei wäre es manchmal ganz leicht, einen anderen Weg einzuschlagen, auch auf die Gefahr hin, dass wir später erkennen, dass es eine Sackgasse war. Erfahrungen sind da, um gemacht zu werden …

Einen halben Punkt Abzug gibt es nur für das Ende, das mir mal wieder zu offen war. Ich hätte mir noch einen kleinen Epilog gewünscht, bei dem wir noch einige Jahre in die Zukunft sehen dürfen.

Fazit:
Ein sehr berührendes, emotionales, aber auch humorvolles und leicht fantastisches Buch, das ich jedem Leser wärmstens empfehlen kann. Kein Kitsch, sondern einfach wunderschöne Momente und viele Sätze, die man sich ins Poesiealbum schreiben möchte.

Bewertung:

DER FREMDE BRETONE von Emmanuel Grand – Meine Rezension …

Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (14. November 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746632374
ISBN-13: 978-3746632377
Originaltitel: Terminus Belz
Autor: Emmanuel Grand

Die Geschichte:
Vier Ukrainer machen sich auf den Weg in ein besseres Leben, so hoffen sie zumindest anfangs. Doch schon auf der Fahrt nach Europa gibt es einen tragischen Zwischenfall mit den Schleusern, der mit einem gestohlenen LKW und einer Leiche endet. Den vier Flüchtlingen ist klar, dass sie sich nun gut verstecken müssen, denn die rumänische Mafia ist ihnen auf den Fersen.
Marko entscheidet sich für eine kleine bretonische Insel, auf der er Arbeit als Fischer findet – und das, obwohl er seekrank ist. Doch nicht nur dieser offensichtliche Umstand macht ihn sofort zum Objekt von Hass und Spott: die Einwohner misstrauen dem Fremden und verstehen auch nicht, warum keiner der ihren den Job bekommen hat.
Keine guten Voraussetzungen für Marko, vor allem, als auch noch ein Mann brutal ermordet wird …

Meine Meinung:
Erst einmal möchte ich den lebendigen Schreibstil von Emmanuel Grand loben, der sich flüssig und sehr atmosphärisch liest. Schon nach wenigen Seiten hatte mich die Story gepackt und gefesselt.
Das ist nicht nur den gut ausgearbeiteten Charakteren geschuldet, sondern auch dem actionreichen Einstieg. Es treten gleich allerhand zwielichtige Gestalten auf, die nicht gerade zimperlich sind, aber das ist auch kein Wunder, wenn man es mit der Mafia zu tun bekommt. Diese Szenen wirkten stellenweise wie aus einem Tarantino-Film – so unnötig blutig und brutal, dass es schon wieder gut ist.
Als Marko, den ich als Protagonisten sehr gern mochte, dann schließlich auf seiner kleinen Insel ankommt, geht die Geschichte weniger actionreich weiter. Es überwiegen plötzlich Schilderungen über Glauben, Aberglauben, Hexen und den Satan. Hier flachte für mich das Buch leider kurzzeitig etwas ab, denn das wurde mir etwas zu viel in der Ausführlichkeit. Ich habe mir an diesen Stellen endlich wieder einen Schwenk zum zweiten Handlungsstrang gewünscht, in dem wir den Mafiakiller auf seinem blutigen Weg begleiten dürfen.
Trotzdem konnte mich das Ende wieder überzeugen, wenngleich es etwas unrealistisch rüberkam. Einige humorvolle Stellen finden sich übrigens auch in der Geschichte, wenn auch ziemlich schwarzer Art.
Das Gesamtpaket hat mich auf jeden Fall prima unterhalten und für einen ersten Roman ist das Buch echt toll gelungen!

Fazit:
Ein sehr unterhaltsames Buch mit vielen actionreichen Szenen, aber auch mit viel Aberglauben und fast mystischen Elementen … absolut gelungenes Debüt!

Bewertung:
4,5pfoten

ZERO von Marc Elsberg – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (26. Mai 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764504927
ISBN-13: 978-3764504922
Autor: Marc Elsberg

Die Geschichte:
Aus unserer global vernetzten Welt ist die moderne (Kommunikations-)Technik nicht mehr wegzudenken. Doch welche Gefahren birgt diese ständige Überwachung durch Kameras, Internet und alle möglichen Datengeräte, wie beispielsweise Cyberbrillen?
Die Journalistin Cynthia Bonsant erlebt die negativen Auswirkungen dieser Entwicklung am eigenen Leib. Durch den Tod eines Bekannten wird sie auf die Internetplattform „Freemee“ aufmerksam, die ihren Nutzern unter anderem durch sogenannte „ActApps“ mehr Erfolg, ein besseres Leben und durch die Sammlung und den Verkauf eigener Daten sogar noch einen Zusatzverdienst verspricht. Selbst Cyns eigene Tochter Viola nutzt diese Apps und hat sich in den letzten Monaten sehr verändert.
Der Internetaktivist ZERO wird indes nicht müde, mittels aufrüttelnder Videos und anderer Maßnahmen auf die Gefahren von „Freemee“ und ähnlichen Datensammlern aufmerksam zu machen. Als auch Cyn genauer recherchiert und auf erschreckende Dinge stößt, wird sie – genau wie Zero – zur Gesuchten. Und sie stellt schnell fest, dass man sich heutzutage kaum noch irgendwo verstecken kann: die Jagd ist eröffnet und es geht um Leben oder Tod …

Meine Meinung:
Wieder einmal nimmt uns Marc Elsberg mit in eine Welt, die durchaus im Bereich des Möglichen liegt und im Fall von „Zero“ gar nicht mal mehr so weit in der Zukunft. Eigentlich ist sogar heute schon alles real, bis auf wenige Ausnahmen, wie eine internationale Rankingseite für alle Menschen. Die „ActApps“ sind in Zeiten von Fitnessarmbändern und entsprechenden Apps eigentlich bereits teilweise in unser tägliches Leben eingezogen.

Abgesehen von dem nicht wirklich futuristischen, dafür umso realistischeren Szenario dreht sich in dem Buch fast alles um Cynthia Bonsant, mit der ich mich aber nicht so recht anfreunden konnte. Warum das so war, kann ich gar nicht wirklich sagen. Es gab irgendwie überhaupt keinen richtigen Sympathieträger in der Story, was ich etwas schade fand.
Cyn sorgt sich sehr um ihre Tochter und legt dabei viel Misstrauen an den Tag, was angesichts ihrer späteren Lage wohl absolut berechtigt ist. Trotzdem fand ich ihr Handeln manchmal komisch.

Stellenweise zieht sich die Geschichte durch gefühlte Wiederholungen und manche Sprüche konnte ich irgendwann nicht mehr hören. Trotzdem liest sich das Buch noch recht gut und insgesamt interessant. Kleine Überraschungen und zwei actionreiche Verfolgungsjagden bringen etwas Auflockerung.

Fazit:
Nicht so gut wie „Blackout“, aber durch die recht realistische Szenerie interessant und unterhaltsam.

Bewertung:
3,5pfoten

DIE TÄNZERIN VON AUSCHWITZ von Paul Glaser – Meine Rezension …

Taschenbuch: 286 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (14. November 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 374663248X
ISBN-13: 978-3746632483
Originaltitel: Tante Roosje. Het oorlogsgeheim van mijn familie
Autor: Paul Glaser

Die Geschichte:
Paul Glaser wächst als Katholik in Maastricht auf und erst später in seinem Leben beginnt er, sich über seine Familiengeschichte Gedanken zu machen: er hat jüdische Wurzeln, über die sein Vater allerdings beharrlich schweigt.
Durch Kontakte mit anderen Verwandten gelingt es ihm schließlich, vieles aus der Vergangenheit zu rekonstruieren und den Verbleib einiger Angehöriger während des Zweiten Weltkriegs zu klären.
Die herausragendste Persönlichkeit ist dabei seine Tante Roosje, eine Frau mit unheimlich viel Mut, Tatkraft, Optimismus und einer bewegenden Geschichte …

Meine Meinung:
Vor solchen Büchern habe ich immer sehr viel Respekt, denn man erlebt als Leser emotional meist recht hautnah, aber doch aus sicherer Entfernung die echte Geschichte eines realen Menschen.
In „Die Tänzerin von Auschwitz“ erzählt uns Paul Glaser nicht nur aus seinem eigenen Leben, sondern vor allem hat er aus Gesprächen mit Zeitzeugen, alten Briefen und anderen Dokumenten ein Porträt seiner Tante Roosje geschaffen, das tief bewegt. Er hat sie sogar noch einmal selbst kennenlernen dürfen, aber leider blieb es bei einem kurzen Besuch.

Roosje wurde 1914 in den Niederlanden geboren und wuchs nicht nur dort, sondern auch einige Jahre in Deutschland auf. Ihr Vater war ein erfolgreicher Unternehmer, Roosje selbst gründete später mit ihrem Partner eine beliebte Tanzschule.
Musik, Poesie und vor allem Tanz waren Rosies Leben, sie hat – egal in welcher schlimmen Situation auch immer sie sich befand – Gedichte verfasst, Lieder komponiert, Choreografien kreiert und ihre eigene Geschichte zu Papier gebracht.

Dass von allen im Zweiten Weltkrieg besetzten Ländern in den Niederlanden der prozentual höchste Anteil der jüdischen Bevölkerung getötet wurde, war mir neu. Erschreckende 72 Prozent (die Dunkelziffer liegt noch höher), die wohl auch aufgrund tatkräftiger Mithilfe eifriger Bürger durch Verrat an ihren jüdischen Nachbarn, Kollegen, ja sogar Partnern begünstigt wurden.
Rosie konnte da gut mitfühlen, denn auch sie wurde mehrfach verraten. Sie war von ihrem Land, der Königsfamilie und den Behörden zutiefst enttäuscht, denn sie hatte nie den Eindruck, dass von dieser Seite große Hilfe zu erwarten gewesen wäre, eher im Gegenteil. Sogar nach dem Krieg wurden ihr nur Steine in den Weg gelegt, von Wiedergutmachung keine Spur. Umso besser war ihre Entscheidung, nach Schweden auszuwandern.

Das Eindrucksvolle an Rosie ist wirklich, dass sie sich immer an die unterschiedlichsten Situationen in ihrem Leben angepasst hat, wie ein Chamäleon, das immer die Farbe seiner Umgebung annimmt, um sich zu tarnen und dadurch zu überleben. Und Rosie hat vieles überlebt: grausame medizinische Versuche im Konzentrationslager, die Arbeit in der Gaskammer und in verschiedenen Rüstungsbetrieben, Hunger, Krankheiten, unsagbares Leid und den Tod zahlreicher liebgewonnener Freunde und Familienangehöriger.
Rosie lehrt uns, das Leben zu lieben und immer das Beste draus zu machen. Und vor allem zeigt sie uns, dass – nicht nur im Krieg – hinter der Fassade eines Feindes ein echter Freund stecken kann … und leider auch umgekehrt. Man sollte ohne Vorurteile an die Menschen herangehen, denn oft liegt man mit dem ersten Eindruck doch falsch.
Und sie hat sich auch niemals gescheut, alle Chancen, die sich ihr geboten haben, zu ergreifen. Manchmal muss man die Rücksichtnahme und Zurückhaltung eben vergessen, wenn es ums eigene Überleben geht.

Das Buch habe ich in einem Rutsch gelesen, denn es hat mich sehr gefesselt und bewegt. Ganz toll sind auch die vielen Fotos im Mittelteil, die ein lebendiges Bild von Rosie und einigen anderen Personen ermöglichen.

Fazit:
Ein aufmunterndes Zeitzeugnis, das uns zeigt, dass man nie aufgeben sollte im Leben.

Bewertung:
5pfoten