Schuld vergeht nicht von Nike Andeer – Meine Rezension …

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (15. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442480558
ISBN-13: 978-3442480555
Preis: 9,99 EUR

Der Klappentext:
Mena Reglin, Mitarbeiterin des Instituts für zeitgeschichtliche Forschungen, stößt im Zuge ihrer Recherchen über einen bekannten Politiker immer wieder auf den Namen Uwe Biskop. Das ist umso überraschender, als Mena seit Kurzem anonyme E-Mails erhält, in denen Professor Biskop als Verbrecher verleumdet und bedroht wird. Als in seinem Umfeld zudem mehrere Menschen auf brutale Weise umgebracht werden, ist klar, dass es nicht um Eitelkeiten unter Wissenschaftlern geht. Mena taucht tief in die Vergangenheit von Uwe Biskop ein – und gerät selbst in tödliche Gefahr …

Die Geschichte:
Mena Reglin ist die Hauptperson in dieser Geschichte und gerät durch ihre Arbeit als Datenforscherin in einen wahren Strudel diverser Verbrechen: Verleumdung, Spionage, Erpressung und sogar Mord.
Zunächst erscheint alles noch recht harmlos, als sie mit einer Recherche über einen bekannten Politiker beauftragt wird, doch bald merkt sie, dass mehr dahintersteckt.
Ein Geheimnis aus der Vergangenheit kann einigen Leuten mächtige Probleme bereiten und diese sind nur allzu willig, für die Beseitigung der Beweise über Leichen zu gehen – auch über Menas …

Meine Meinung:
Leider war das so gar nicht mein Buch und wäre es kein Rezensionsexemplar gewesen, so hätte ich es allerspätestens nach der Hälfte abgebrochen.

Man kann hier irgendwie nicht von Handlungssträngen sprechen, viel mehr kam mir das Ganze wie ein Handlungsknäuel vor, das sich aber nicht etwa entsponnen hat, sondern immer verworrener wurde. Fast alle Charaktere haben irgendeinen Berührungspunkt, was mir schon recht konstruiert und unglaubwürdig erscheint.
Die Handlung dreht sich gefühlt im Kreis, man landet immer wieder an den gleichen Orten, hört die selben Dinge immer und immer wieder.
Spätestens in der Mitte des Buches ist die Lösung des Rätsels klar, was sich auch nicht sehr positiv auf die Spannung auswirkt.
Die zweite Hälfte beschäftigt sich dann mit einer Art Rachefeldzug und es wird immer unglaubwürdiger und zudem schleichen sich noch (zeitliche) Logikfehler ein.
Die Antagonisten wachsen über sich hinaus, wirken langsam wie übermächtige Schurken in einem Action-Streifen à la Batman, James Bond & Co. – mit schier übernatürlichen Fähigkeiten und einer ebensolchen technischen Ausstattung.
Ganz schlimm finde ich auch, dass die Polizei fast durchgehend als komplett unfähig dargestellt wird. Eindeutigste Spuren an Tatorten finden sie anscheinend nicht, lassen Morde sofort als Unglücksfälle, natürliche Tode oder gar Selbstmord in die Presse setzen. Und das bei einer Leiche sogar bereits am nächsten Tag, obwohl der Tote entsprechend präpariert war, dass er so schnell nicht gefunden werden sollte bzw. konnte. Als Krönung folgte dann noch der Ausspruch eines Polizisten einen Tag später, dass sich derjenige doch „letztens“ selbst getötet hätte?!

Mit dem Schreibstil konnte ich mich auch nicht so recht anfreunden. Einerseits „schellen“ Telefone und Klingeln, was sich nicht sehr hochdeutsch, sondern eher umgangssprachlich anhört, andererseits wird erwartet, dass den Lesern Begriffe wie „sakrosankt“ geläufig sind. Diese Diskrepanz zwischen ländlicher Sprache und anspruchsvollen Formulierungen fällt an vielen Stellen auf, auch in den Dialogen.
Außerdem gibt es – wie gesagt – viele Wiederholungen, was zu Längen führt. Gefühlt hundertmal drehte sich alles darum, wer in dem etwas seltsam anmutenden Institut, in dem Mena arbeitet, Kaffee kochen oder die Küche aufräumen muss. Irgendwann sind solche Dinge auch überstrapaziert und nerven nur noch.

Die Charaktere fand ich allesamt nicht sehr sympathisch und auch sehr oft unglaubwürdig in ihren Handlungen. Es waren für meinen Geschmack auch zu viele Klischees, derer man sich hier ausführlich bedient hat.
Der chauvinistische Chef, dessen Verhalten ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte, zieht einen faulen Typen der fleißigen, erfolgreicheren Kollegin vor? Auch dann noch, als sein Unternehmen mehr oder weniger von der drohenden Pleite bedroht wird.
Dann wäre da noch das hochdotierte und extrem elitäre Pärchen, dem sogar das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde und das nichts Besseres zu tun hat, als ständig übereinander herzufallen (natürlich auch noch nach einschlägigen filmischen Vorlagen). Und die Frau Doktor (ja, Titel sind in diesem Buch extrem wichtig) denkt dann auch beim Besuch der Hauptprotagonistin Mena sofort daran, diese ins eheliche Bett zu zerren und empfängt sie in einem knappen Bikini, der schließlich dramatisch verrutscht. Muss das sein, zumal es für die Handlung nicht von Belang ist? An dieser Stelle hätte ich das Buch auch am liebsten einfach zugeklappt.
Was auch sehr auffällig ist: die Handelnden führen gern und oft Selbstgespräche.

Fazit:
Gerne hätte ich noch etwas höher bewertet als 2,5 Sterne, da es sich schließlich um einen Debütroman handelt, aber die Handlung wurde leider zunehmend unglaubwürdiger. Zu keinem der Charaktere konnte ich eine wirkliche Bindung aufbauen, sie blieben mir irgendwie fremd. Etwas weniger wäre hier manchmal mehr gewesen.

Bewertung:
2pfoten

Neuzugänge nach dem Urlaub …

Eigentlich wäre ja auch grad die Frankfurter Buchmesse und ich gebe zu, dass ich auf den ein oder anderen Messebericht von euch schon … nein, neidisch darf man ja nicht sein 🙂 … also sagen wir: ich wäre manchmal schon gern dabei gewesen. 😉
ABER wir hatten auch eine schöne Zeit – und wenn dann zu Hause so etwas wartet, dann kann man sich nicht beschweren:

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Und ich verrate euch auch noch, was nach dem Auspacken so zum Vorschein kam. Alles dabei: getauschte Bücher, gewonnene Bücher und einige Rezensionsexemplare … die nächsten Wochen Lesezeit sind gesichert! 🙂

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Sie konnten mich nicht töten von Soraya Alekozei – Meine Rezension …

Broschiert: 272 Seiten
Verlag: Econ (30. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3430201748
ISBN-13: 978-3430201742
Preis: 18 EUR

Über die Autorin:
Soraya Alekozei wurde 1955 in Kabul geboren, studierte dort Literaturwissenschaft und lebt seit 1979 mit ihrem Mann und den beiden Söhnen in Deutschland. Sie moderierte für die Deutsche Welle und arbeitete später bei der Deutschen Post. Soraya Alekozei initiierte bereits private Hilfsprojekte in Kabul, bevor sie erstmals 2005 als Leutnant für die Bundeswehr nach Afghanistan ging.

Die Kurzbeschreibung auf der Buchrückseite:
„Habe ich die Schreie meiner Kameraden gehört? Gesehen, wie sie vor mir in Stücke gerissen wurden? Konnte ich spüren, wie ein dreißig Zentimeter langes Kantholz in meinen Kopf eindringt, wie unzählige Splitter meine Haut durchbohren und meine Hände Feuer fangen?“
Bei einem Anschlag in Taloqan wird die Bundeswehr-Soldatin Soraya Alekozei so schwer verletzt, dass sie zunächst als tot gilt. Dabei war die 1979 aus Afghanistan Geflohene gekommen, um ihr Heimatland zu befrieden. Nicht mit Waffen, sondern mit Worten: Sie dolmetscht für die Generäle, kümmert sich um Waisenkinder. Bis zu jenem Schicksalstag im Mai 2011.
Der bewegende Bericht einer ungewöhnlichen Kriegsveteranin, der uns Afghanistan und die menschlichen Dimensionen des Bundeswehreinsatzes neu sehen lässt.

Die Geschichte:
Soraya ist in Kabul geboren, zu einer Zeit, als dort noch niemand an Krieg und Terror dachte. Afghanistan war noch nicht das gefährliche, von Schicksalsschlägen gebeutelte Land, dessen Namen fast jeder nur noch mit den Taliban in Verbindung bringt. Soraya erlebt eine unbeschwerte, wunderschöne Kindheit in einer großen Familie, die sie stets behütet und umsorgt.
Doch dann marschierten die Russen ins Land und die Idylle zerbrach: auch Sorayas Familie gerät in größte Gefahr, manche von ihnen werden sogar verschleppt und brutal gefoltert. Einigen Mitgliedern gelingt die Flucht, Soraya und ihr Mann lassen sich in Deutschland nieder.
Viele Jahre später wird Soraya noch immer von Schuldgefühlen und Heimweh geplagt: sie sehnt sich nach „ihrem alten Kabul“, das es so aber leider nicht mehr gibt. Sie hat ein schlechtes Gewissen, weil sie geflüchtet ist, während viele Freunde und ein Teil der Familie in Kabul geblieben sind.
Dann erfährt sie von ihrem Vorgesetzten, dass es ihr als Angestellter der Deutschen Post möglich ist, als Reservistin für die Feldpost-Dienststellen in Afghanistan zu arbeiten. Soraya entscheidet sich für den Dienst bei der Bundeswehr und wird schließlich Dolmetscherin. Viele Einsätze folgen und bei jedem Aufenthalt in ihrem Geburtsland ist ihr die direkte Hilfe für die Bevölkerung ganz wichtig: sie organisiert unermüdlich verschiedenste Projekte von Brillenspenden bis hin zum Bau eines Waisenhauses.

Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich in einem Rutsch durchgelesen, weil es so fesselnd und unglaublich berührend ist. Soraya ist zwar „nur“ 1,55 m groß, aber ihre wahre menschliche Größe werden (leider) nicht viele erreichen können.
Sie ist so selbstlos, großzügig und handelt einfach, wo andere noch lange diskutieren und überlegen würden. Manche ihrer Projekte waren leider zum Scheitern verurteilt, weil sie davon ausging, dass auch ihre Mitmenschen so denken und fühlen müssten ob des ganzen, doch so offensichtlichen Leides der Bevölkerung. Doch hier wurde sie immer wieder eines Besseren (oder eher Schlechteren) belehrt: die meisten Vertreter unserer Spezies sind einfach nur egoistisch und sind – vor allem wenn es die eigenen Finanzen betrifft – nicht bereit, größere Hilfe zu leisten. Aber sie hat sich von Rückschlägen niemals entmutigen lassen und auch viele Mitstreiter gefunden, mit deren Unterstützung sie bis heute einiges erreicht hat.

Durch Sorayas Geschichte habe ich unheimlich viel gelernt über Afghanistan und die Bundeswehr- bzw. NATO-Einsätze dort. Was man normalerweise meistens nur als Randnotiz in den Abendnachrichten wahrgenommen hat, hat ein Gesicht und reale Namen bekommen. Schicksale und Todesfälle werden lebendig, brennen sich ins Gedächtnis und lassen erahnen, was die Soldaten im Auslandseinsatz leisten und erleiden müssen.
Aber auch das Leben der afghanischen Bevölkerung wird eindrucksvoll skizziert. Dass heute viele Menschen nur noch „Terror“ und „Taliban“ mit diesem wundervollen Land assoziieren, ist einfach nicht hinnehmbar und hoffentlich kann dieses Buch einen Teil dazu beitragen, das zu ändern.

Fazit:
Fesselnd, eindrucksvoll und unglaublich berührend schildert Soraya einen Teil ihres Lebens. Aus dieser Geschichte können wir alle sehr viel lernen: nicht nur Informatives über Afghanistan, sondern vor allem über wahre Menschlichkeit und Hingabe!

Bewertung:
5pfoten

Urlaubsgrüße aus Frankreich

Hallo zusammen,

wie versprochen: heute folgen ein paar Fotos aus unserem Urlaub, den wir jetzt leider nur noch einen Tag genießen dürfen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Ein See, der gerade sehr „leer“ war …

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Jay-Jay

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Teddy

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Ammonitenfeld / Digne les Bains

OLYMPUS DIGITAL CAMERA … und ein paar provencetypische Zikaden

Das Wetter ist toll – wie man am blauen Himmel sehen kann – und viel Lesezeit hatte ich auch schon: vier Bücher habe ich fertig gelesen und es waren zwei absolut tolle Exemplare dabei! 🙂 „Sie konnten mich nicht töten“ von Soraya Alekozei und „Das Lied des Blutes“ von Anthony Ryan fand ich einfach super!

Damit sende ich euch noch ganz liebe Urlaubsgrüße und wünsche euch schon mal ein schönes Wochenende (ist ja „nur“ noch der Freitag, der uns davon trennt)! 🙂

Venezianische Verwicklungen von Daniela Gesing – Meine Rezension …

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 1881 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 269 Seiten
Verlag: Midnight (8. August 2014)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
ASIN: B00LXZ58SK
Preis des eBooks: 3,99 Euro

Die Kurzbeschreibung:
Luca Brassoni – Kaffeeliebhaber, geschieden und der Ermittler mit dem besten Gespür bei der Polizei von Venedig – wird zu dem Fundort einer Leiche gerufen. Vor der Gallerie dell’Accademia am Südufer des Canal Grande liegt unter einer Plane der deutsche Kunstexperte Konstantin Becker. Der Professor reiste in Begleitung seiner jungen Mitarbeiterin und mit einem lukrativen Auftrag. Er sollte die Echtheit eines Picassos klären, der in der Sammlung Guggenheim aufgetaucht ist. Ein Gemälde, das viele Begehrlichkeiten weckt. Luca Brassoni lässt sich von der eleganten Kunstwelt nicht blenden, dazu kennt er die Menschen, vor allem seine Venezianer, viel zu gut.
(Amazon)

Die Geschichte:
Ein brutal ermordeter deutscher Kunstprofessor wird in Venedig aufgefunden. Luca Brassoni und sein Team stehen vor vielen Rätseln. Die junge Frau, die den Professor auf seiner Reise begleitet hat, erzählt von einem Gemälde von Picasso, das der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt ist. In den Fall scheint auch ein schon lange gesuchter Verbrecher verwickelt zu sein.
Auch die Professorenwitwe wirkt sehr verschwiegen, als hätte sie etwas zu verbergen – und verschwindet außerdem plötzlich spurlos …

Meine Meinung:
Der Autorin ist es hervorragend gelungen, die Atmosphäre in Venedig lebendig erscheinen zu lassen. Ihre ausführlichen Beschreibungen der Schauplätze, viel Lokalkolorit durch die Erwähnung regionaler Speisen und Besonderheiten lassen den Roman wie ein Stück Urlaub wirken.

Mein gefühlter Eindruck war, dass sich das Buch zu einem Drittel mit den Ermittlungen beschäftigt, zu einem Drittel mit dem Privatleben der Protagonisten und den Rest nehmen die Schauplätze und Nebenhandlungen ein, die dafür sorgen, dass man viel von Venedig kennenlernt.

Für die Spannung ist diese Aufteilung eher hinderlich, sie war für mich nicht so spürbar. Langweilig war das Buch aber trotzdem auch keinen Fall, es las sich durchaus fesselnd.

Die titelgebenden „Verwicklungen“ lösen sich nur nach und nach auf und der Weg dahin ist gut nachvollziehbar. Die Auflösung fand ich recht passend, doch einiges bleibt leider auch zu offen für meinen Geschmack.

Was die Charaktere betrifft: es gibt einige sympathische Figuren in diesem Buch, doch zu einem richtigen „Favoriten“ hat es nicht gereicht. Der Hauptprotagonist Luca Brassoni ist mir viel zu sehr mit seinen Frauengeschichten beschäftigt. Seine meisten Kollegen stehen eher im Hintergrund und wir erfahren nicht ganz so viel von ihnen. Insgesamt wirkt die Truppe aber ganz stimmig und authentisch.

Fazit:
Ein solider Krimi mit ausführlicher Ermittlungsarbeit vor der wunderschönen Kulisse Venedigs, der sehr unterhaltsam zu lesen ist. Die Romanzen des Protagonisten haben mich allerdings nicht so wirklich interessiert.

Bewertung:
4pfoten

Das Lied des Blutes von Anthony Ryan – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 775 Seiten
Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1., Aufl. (23. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3608939253
ISBN-13: 978-3608939255
Originaltitel: Blood Song
Preis der gebundenen Ausgabe: 24,95 EUR
Hier gibt es eine LESEPROBE.

Das Buch ist Teil 1 der „Rabenschatten“-Trilogie. Band 2 ist bereits in der Originalsprache erschienen:

Die Kurzbeschreibung:
Vaelin Al Sorna, der berühmteste Gefangene des Reichs und sein größter Kämpfer, erzählt die atemberaubende Geschichte seines Lebens. Er ist auf einem Schiff unterwegs, das ihn zu dem Ort bringen soll, an dem es für ihn um Leben und Tod geht. »Er besaß viele Namen. Noch nicht einmal dreißig Jahre alt war er im Lauf der Geschichte bereits reich mit Titeln beschenkt worden: ›Schwert des Königs‹ hieß er für den wahnsinnigen Herrscher, der ihn als Geißel zu uns sandte; ›Junger Falke‹ für die Männer, die ihm in die Wirrnisse des Krieges folgten; ›Dunkelklinge‹ für seine cumbraelischen Feinde und ›Rabenschatten‹ für die geheimnisvollen Stämme des großen Nordwaldes.«

Die Geschichte:
Wir begleiten Vaelin etwa ab dem Zeitpunkt, als ihn sein Vater – kurz nach dem Tod der geliebten Mutter – in die Obhut eines Ordens übergibt. Noch ist er ein kleiner, eher schüchterner Junge, doch das soll sich bald ändern. Er wird zusammen mit seinen „Brüdern“ ausgebildet, um ein geschickter Krieger im Namen des Glaubens zu werden. Sie müssen viele Abenteuer, Prüfungen und Schicksalsschläge überstehen – und nicht alle von ihnen werden die Ausbildung erfolgreich abschließen können.
Vaelins Vater war ein „Schwert des Königs“, also ein naher Vertrauter des Regenten. So bleibt es nicht aus, dass auch Vaelin (der beste Schwertkämpfer des Ordens) irgendwann in den Diensten des Königs steht, wenn auch nicht ganz freiwillig. Und in seiner neuen Funktion als Kommandant muss er bald in einen grausamen Krieg ziehen, den viele seiner Kameraden nicht lebend überstehen werden.

Meine Meinung:
Dieses Buch empfand ich als das Beste seit Langem, aber es ist schwer zu erklären, was genau so faszinierend an dieser Story ist. Es ist nicht wirklich etwas Neues, das uns der Autor Anthony Ryan präsentiert, aber die Art und Weise wie er das tut, ist einfach grandios.

Die Charaktere wirken so lebendig, dass man sich ihrer Ausstrahlung kaum entziehen kann. Vaelin ist ein erfolgreicher Kämpfer und muss viele Schlachten schlagen, trotzdem wirkt er niemals wie ein grausamer Haudegen. Die emotionale Seite der Figuren wird so wunderbar herausgearbeitet, dass man einfach mitfiebern muss – und mit ihnen trauert, wenn mal wieder einer der Kameraden (ob menschlich oder tierisch) zu den Ahnen abberufen wird.

Der stellenweise fast plastische Schreibstil lässt uns die Szenen, ob Kampfgetümmel oder normaler Alltag, immer hautnah erleben. Etwas gut platzierter Humor lockert das Geschehen zuweilen auf, doch meistens herrscht eine immer von latenter Spannung geprägte Atmosphäre.

Auch für Leser, die normalerweise nicht so gerne zum Genre „Fantasy“ greifen, ist dieses Buch bestimmt gut geeignet: die fantastischen Elemente beschränken sich eigentlich hauptsächlich auf besondere „Dunkle Gaben“, wie Vaelins „Lied des Blutes“ (vereinfacht ausgedrückt: eine Art „Warnsystem“ vor Lügen oder Gefahren) oder andere Fähigkeiten, wie Hellsehen, Visionen erzeugen, Wunderheilen oder herausragendes handwerkliches Geschick. Drachen, Zwerge, Hobbits und andere Sagengestalten sind nicht Bestandteil dieser Story, die Handelnden sind einfach ganz normale Menschen.

Das Buch ist so fesselnd geschrieben, dass ich es eigentlich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Gegen Ende habe ich mich allerdings dabei ertappt, dass ich mich oft und gerne ablenken ließ vom Lesen, weil ich einfach den Moment des abschließenden Zuklappens noch etwas hinauszögern wollte. Es fiel mir dann auch wirklich schwer und jetzt muss ich geduldig auf Band 2 warten, um endlich zu erfahren, wie es mit Vaelin und seinen verbliebenen Freunden weitergeht.
Leider musste ich schon von zu vielen liebgewonnenen Charakteren in Band 1 Abschied nehmen, aber lange Zeit für Trauer bleibt in dieser Geschichte nie, dafür passiert einfach zu viel Spannendes und Geheimnisvolles.

Fazit:
Ein wundervolles Epos mit starken Charakteren und einem durchgehend hohen Spannungsniveau. Mit Vaelin und seinen Kameraden muss man einfach mitfiebern. Kann den nächsten Teil kaum erwarten!
Auch für Normalerweise-Nicht-Fantasy-Leser würde ich das Buch empfehlen!

Bewertung:
5pfoten

Das andere Tier von Taavi Soininvaara – Meine Rezension …

Taschenbuch: 392 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (12. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746630940
ISBN-13: 978-3746630946
Preis: 14,99 EUR

Der Klappentext:
Bei Ratamo, dem Liebhaber schwieriger Frauen, kühlen Biers und siedender Saunagänge, scheint alles unverändert: Er macht sich Sorgen um seine 14-jährige Tochter, und sein Exchef betritt noch immer ungefragt die Wohnung. Doch etwas ist anders: Ratamo hat eine Hüfte aus Titan und ist psychisch labil. Als er mit Schmerzmitteln und eisernem Willen seinen Dienst antritt, wird er sofort degradiert. Trotzdem ist er mitten im Geschehen: eine Leiche, kriminelle Geschäfte mit illegalen Einwanderern und atomares Wettrüsten im explosiven Nahen Osten.

Die Geschichte:
Der Autor erzählt uns eine sehr komplexe Story in zwei Handlungssträngen, die sich immer wieder berühren, aber anfangs noch nicht so ganz zusammenpassen wollen. Zum einen geht es um illegale Einwanderer in Finnland und zum anderen um einen US-Soldaten, der seine Frau rächen will. Er wird von seinem Vorgesetzten dazu gebracht, einen Atomphysiker zu töten – und er hinterlässt Spuren, die die Polizei schnell auf seine Spur führen.
Arto Ratamo tritt nach einer langen Krankschreibung wieder seinen Dienst an und leider scheint nichts mehr so zu sein wie früher. Er wird in eine Abstellkammer abgeschoben und auch bei seinen Ermittlungen erfährt er wenig Unterstützung seitens seiner Kollegen und Vorgesetzten. Trotzdem lässt er nicht locker, auch wenn er dabei selbst immer wieder in Gefahr gerät.
Dieses Buch ist bereits der 8. Fall, in dem Ratamo ermittelt.

Meine Meinung:
Der Klappentext erzählt schon mehr über den Ermittler als über den eigentlichen Fall, dieses Verhältnis setzt sich im Buch aber nicht fort. Wir erfahren zwar vieles aus dem Privat- und Gefühlsleben von Arto Ratamo, aber der Fokus liegt schon eher auf den Ermittlungen.

Arto ist ein eher sympathischer Charakter, der sehr unter den Folgen eines Verkehrsunfalls zu leiden hat. Als Ermittler ist er nicht der nervige notorische Einzelgänger, sondern er holt sich durchaus Hilfe, wenn auch eher unorthodoxer Art. In diesem Buch spielt er zum Beispiel einer Journalistin Informationen zu, woraufhin diese ihre eigenen Ermittlungen anstellt.
Als Protagonist wirkt Arto sehr authentisch und auch ohne Vorkenntnis der bereits erschienenen sieben Bücher kam ich gut mit ihm klar. Auch die anderen Figuren (ob gut oder böse) hat der Autor lebendig und mit eigener Geschichte ausgestattet.

Die Story wirkt anfangs etwas verworren und man fragt sich, wohin das alles führen soll. Etwas Konzentration ist gefordert, aber ein Personenregister am Anfang hilft im Notfall auch schnell weiter.
Der Spannungsbogen hält sich fast beständig auf recht hohem Niveau, man fiebert mit und möchte wissen, wie es weitergeht.
Was mich etwas gestört hat: es gibt zu viele Zufälle, die die Handlung manchmal doch recht konstruiert wirken lassen. Und die Verhaltensweisen mancher Figuren sind auch nicht immer nachvollziehbar.
Das Ende war mir viel zu offen, auch wenn es sich um eine Buchreihe handelt, hätte ich mir einen richtigen Abschluss dieses Falles bzw. dieser Fälle gewünscht.

Was ich sehr gut fand: der Autor schreibt auch mit einer guten Portion Humor. Immer wieder lässt er lustige Sprichwörter und ähnliches einfließen.
Auch gut gemacht: geschichtliche Begebenheiten über Land oder Leute werden ebenfalls gerne in die Handlung eingebaut.

Extrem blutige Szenen gibt es eigentlich nicht, das fand ich ganz positiv und nicht so effektheischend wie in manch anderen Thrillern.

Fazit:
Ein komplexer, temporeicher Thriller mit etwas Humor und Wortwitz, der sehr unterhaltsam ist. Manchmal waren es mir ein bisschen zu viele Zufälle und das Ende blieb mir zu offen.

Bewertung:
4pfoten

Urlaubsgrüße aus Frankreich

Hallo zusammen,

heute zeig ich euch mal meinen Lesestapel, der es mit in den Urlaub geschafft hat:

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„Das andere Tier“ habe ich gerade beendet, Rezension folgt bald. Es hat stark angefangen, aber dann doch etwas nachgelassen.

Als nächstes werde ich „Das Lied des Blutes“ zu Ende lesen, das gefällt mir extrem gut!

Das Wetter ist toll hier, am Abend gewittert es meistens ein bisschen, aber beim Lesen stört das nicht! 🙂

Weitere Bilder folgen … ich wünsche euch allen eine schöne Woche!