BLUTROTE PROVENCE von PIERRE LAGRANGE – Meine Rezension …

Broschiert: 432 Seiten
Verlag: FISCHER Scherz
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3651025446
ISBN-13: 978-3651025448
Autor: Pierre Lagrange
Teil 2 der „Albin Leclerc“-Reihe nach „Tod in der Provence“

Meine Meinung:
Schon das wunderschöne Cover dieses Krimis weckt mein Fernweh nach Südfrankreich ganz enorm: ein idyllisches kleines Bergdörfchen, sattes Grün, Palmen und die typischen ockerfarbenen Häuser – einfach traumhaft. Doch in Pierre Lagranges Büchern geht es mitnichten immer so idyllisch und ruhig zu, eher im Gegenteil.

Wer die Krimireihe um den pensionierten Kriminalkommissar Albin Leclerc und seinen süßen Mops Tyson noch nicht kennt, dem empfehle ich, mit Band 1 zu beginnen. So lernt ihr die Protagonisten schon einmal besser kennen und außerdem würde euch sonst ein extrem spannendes Buch entgegen, das ich fast noch ein klitzekleines Bisschen besser fand als den Nachfolger.

Aber nun zum aktuellen Fall: an einem beliebten See werden drei Leichen gefunden, grausam hingerichtet mit jeweils zwei Schüssen. Alles deutet auf einen Profikiller hin, aber die Morde weisen auch auffällige Parallelen zu einem alten Verbrechen auf, für das bereits ein Weinbauer verurteilt wurde.
Albin Leclerc kann seine Spürnase natürlich mal wieder nicht aus der Arbeit der Polizei heraushalten und geht den Ermittlern ordentlich auf die Nerven mit seiner Neugier. Doch wenn sie ihn nicht hätten, würden sie ja ewig im Dunkeln tappen, das erkennt auch bald die strafversetzte Streifenpolizistin Caterine Castel, die sich von Leclercs Eifer anstecken lässt. Leider hat die sympathische junge Frau ganz eigene Probleme, die ihr bald ernsthafte Sorgen bereiten. Aber auch Albin begibt sich wieder einmal in große Gefahr, da er vor Alleingängen natürlich keinen Halt macht.

Eine ganz prima ausgedachte Geschichte, die recht komplex und damit niemals eintönig ist. Spannend erzählt im gewohnt lockeren und toll lesbaren Schreibstil von Pierre Lagrange, gewürzt mit humorvoll-lebendigen Dialogen und wundervollen Landschaftsbeschreibungen, die Lust auf Urlaub machen.
Das Buch hat mich von Anfang bis Ende gefesselt und besonders mochte ich auch die Nebenhandlungen, in denen es beispielsweise einfach „nur“ darum geht, Albin mit seiner lieben Veronique beim Kochen über die Schulter zu sehen. Es freut mich einfach, dass Albin glücklich ist und das sagt schon aus, dass mir die Charaktere dieser Reihe schon enorm ans Leserherz gewachsen sind. Auch mit Caterine habe ich sehr mitgefiebert und ich fand es äußerst interessant, dass wir mehr über ihre Vergangenheit erfahren durften.

Diese Krimireihe hat einfach alles, was man sich wünscht: wunderschöne Schauplätze, ein Quäntchen Humor, sympathische Protagonisten, einen süßen Hund und immer spannende Fälle, die bis zum Ende fesseln und begeistern.
Unbedingt lesen! Ich freue mich schon auf Band 3, der voraussichtlich im April erscheinen wird: „Mörderische Provence„.

Bewertung:

Eine alte Leidenschaft ist wieder erwacht …

Meinen aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass nach einem sehr lebhaften Dezember wieder ein sehr ruhiger Januar folgte. 🙂 Ok, nach einem Monat, in dem man über 30 Bücher gelesen hat, braucht man auch mal wieder eine kleine Pause, aber daran lag es gar nicht primär. Es geht eher um ein wiederentdecktes altes Hobby, das neben dem Lesen in den letzten Jahren immer mehr in den Hintergrund getreten ist: gute Filme und Serien.
Meistens lief der Fernseher eher so nebenher, denn ohne Buch in der Hand sieht man mich ja kaum. 😀 Wirklich konzentriert zugesehen habe ich selten, aber nun ist die alte Leidenschaft wieder entflammt und das sieht dann unter anderem so aus:

Natürlich sind unter meinen Lieblingsfilmen auch zahlreiche Literaturverfilmungen zu finden, am liebsten Krimis oder Fantasy. Darunter weltbekannte Klassiker, wie „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien, aber auch meine absolute Lieblingsserie „Dexter“, die auf den Romanen von Jeff Lindsay basiert.
Was Fantasy betrifft ist natürlich auch der leider bereits verstorbene Terry Pratchett für immer unvergessen: seine total durchgeknallten Scheibenwelt-Romane sind längst Kult und einige davon wurden auch sehr beeindruckend mit realen Personen auf die Leinwand gebracht.
Sehr viele nordische und französische Bücher wurden ebenfalls erfolgreich verfilmt und stehen zum Teil in meinem Regal: die „Kommissar Dupin“-Reihe von Jean-Luc Bannalec, einige meiner Lieblingsthriller von Jean-Christophe Grangé oder die hochspannenden Bestseller von Jussi Adler-Olsen und Stieg Larsson.
Lustiges darf aber auch nicht fehlen: wenn ich die „Eberhofer„-Krimis von Rita Falk lese, habe ich schon immer lebhaft die Schauspieler dazu im Kopf, die wirklich super besetzt wurden (abgesehen vielleicht von der Oma, die hätte noch etwas schrulliger und älter ausfallen dürfen). Oder auch immer wieder toll (vor allem auch als vom Autor gesprochene Hörbücher): die Alpenkrimis von Jörg Maurer. Was unbedingt noch verfilmt werden sollte, das sind die grandiosen Krimis von Andreas Föhr. Wallner und Kreuthner würde ich gerne mal in Aktion auf dem Bildschirm sehen.

An vielen Romanverfilmungen ist auch interessant, dass man auf Details achten sollte, denn einige Autoren lassen es sich nicht nehmen und treten in kleinen Nebenrollen kurz selbst in Erscheinung, wie einst schon Alfred Hitchcock.
In diesen sogenannten Cameoauftritten findet man zum Beispiel Stephen King, Rita Falk oder auch Terry Pratchett.

Auf dem Foto sieht man auch viele Actionfilme, die ihren Ursprung in Comics haben (meist von Marvel), also quasi ebenso eine Buchvorlage. 🙂

Interessant zu diesem Thema fand ich auch einen Artikel im audible Magazin, der die Beliebtheit von Buch, Hörbuch und Film vergleicht. Als Film lag am deutlichsten „Forrest Gump“ vorne, während man statt zum Streifen „Seventh Son“ lieber zur Romanvorlage „Spook – Der Schüler des Geisterjägers“ von Joseph Delaney greifen sollte.

Hier einige meiner Lieblingsfilme bzw. Serien, die Liste könnte noch vieeeel länger sein. Leider gibt es auch manche Filme nicht auf DVD, sondern diese liefen nur im Fernsehen, wie beispielsweise die sehr gelungenen Zorn-Verfilmungen nach den Krimis von Stephan Ludwig.

NICHTS DRIN? von IRENE MATT – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 361 Seiten
Verlag: Verlag am Eschbach (22. Februar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3869175532
ISBN-13: 978-3869175539
Autorin: Irene Matt
Teil 2 mit Kommissarin Alexandra Rau nach „Der Augenblick“

Meine Meinung:
Diese Rezension fällt mir nicht wirklich leicht, denn meine Gedanken nach Beenden des Buches sind etwas zwiespältig. Einerseits merkt man, dass die Autorin dieses Buch mit sehr viel Herzblut geschrieben hat, dass ihr die Themen und auch die darin enthaltene Gesellschaftskritik sehr wichtig sind, was auch bei mir als Leser voll angekommen ist. Andererseits drängen sich ebendiese Themen doch zu sehr in den Vordergrund der Handlung, was leider auf Kosten der Spannung geht.
Wie auch in „Der Augenblick“ werden die psychischen Beweggründe vieler Personen genauer beleuchtet, was manchmal dazu führt, dass kleine Längen entstehen und man Informationen erhält, die für den Verlauf der Geschichte gar nicht so nötig gewesen wären. Auch Nebenhandlungen, die zwar auch wieder zur Verdeutlichung bestimmter Umstände dienten, hätten etwas kürzer ausfallen können.
Etwas zu oft für meinen Geschmack kam der Zufall zu Hilfe, so dass sich am Ende zwar alles ineinander fügte, aber es war mir größtenteils doch zu unglaubwürdig.

Die Idee, die hinter diesem Krimi steckt, ist wirklich interessant und kann sehr kontrovers diskutiert werden: kann man mittels Homöopathie einen Menschen umbringen? Was sagt die Rechtsprechung zu so einem Fall und wie würde der Leser entscheiden? Für mich persönlich ist die Wirksamkeit homöopathischer Mittel absolut unstreitig, aber dieses Urteil hätte ich nicht fällen wollen.
Die beiden Ermittler Alexandra und Isidor bilden ein ganz gutes Team, ein bisschen lockerer dürfte der Umgang noch werden. Manche Dialoge klingen etwas steif, was nicht so recht zum Alter der beiden Protagonisten passen will.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, da ich mich auch viel mit Gesundheitsfragen befasse und mich somit der Untertitel „Ein Homöopathie-Krimi“ direkt angesprochen hat. Allerdings sollte man nicht zu viel Spannung erwarten, sondern eine durchaus fesselnde Geschichte, die mehr durch emotionale Tiefe und psychologische Einblicke überzeugen kann.

Bewertung:

Daggi hat das Buch ebenfalls gelesen, hier findet ihr Daggis Meinung darüber.

SCHLÜSSEL 17 von MARC RAABE – Meine Rezension …

Broschiert: 512 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (9. Februar 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548289134
ISBN-13: 978-3548289137
Autor: Marc Raabe
Teil 1 der „Tom Babylon“-Reihe

Meine Meinung:
Dieser Thriller ist mein erstes Lesehighlight 2018: atmosphärisch, bestens durchdacht, vielschichtig, emotional, blutig und ich mag den Protagonisten sehr.

Marc Raabes Bücher sind immer hochspannend und extrem fesselnd. Umso mehr habe ich mich auf den Start einer neuen Reihe gefreut, in der Tom Babylon im Mittelpunkt steht.
Tom war mir sofort sympathisch, er ist ein Mensch, der sich gerne von seinem Bauchgefühl leiten lässt und der es nicht immer so genau nimmt mit den Vorschriften. Er ist hartnäckig, emotional und leider auch leicht traumatisiert durch einen Vorfall in seiner Kindheit. Damals fand er zusammen mit einigen Freunden eine Wasserleiche, die einen Schlüssel bei sich trug. Tom nahm diesen mysteriösen Schlüssel mit nach Hause und schließlich verschwand seine kleine Schwester Viola damit spurlos.
Diesen Verlust hat er nie richtig verkraftet und er zweifelt noch heute daran, dass Viola nicht mehr lebt.

Als er nun zu einem Mordfall in den Berliner Dom gerufen wird, fällt ihm sofort der Schlüssel auf, der an einer Kette am Hals der schlimm zugerichteten Leiche hängt. Er sieht exakt so aus wie damals. Was hat das zu bedeuten?
Tom will der Sache unbedingt nachgehen, doch leider wird er von dem Fall sofort wieder abgezogen. Nur in Begleitung der Psychologin Sita Johanns darf er weiter ermitteln.
Sita und Tom sind beide eher dickköpfig und jeder hat mit alten Wunden zu kämpfen. So dauert es eine Weile, bis sie sich zusammengerauft haben und diese Dynamik ist interessant zu beobachten.

Was den Fall betrifft: dieser ist extrem fesselnd, spannend und durch sehr viele überraschende Wendungen ergeben sich immer wieder neue Blickwinkel. Toll ausgedacht und durch die Verbindungen von Vergangenheit und Gegenwart noch vielschichtiger und sehr komplex.
Nicht nur in den Hauptrollen finden sich wunderbare Charaktere, mit denen man gerne mitfiebert, auch die Nebenrollen sind mit Personen besetzt, die interessant und glaubhaft wirken.
Mit genauso viel Liebe zum Detail beschreibt der Autor auch seine Schauplätze und sorgt so dafür, dass wir Leser immer ein lebendiges Bild vor Augen haben. Der Schreibstil ist grandios und man merkt kaum, wie schnell man die Seiten umblättert.

Diesen Thriller kann ich nur empfehlen und ich freue mich schon sehr auf weitere Fälle mit Tom Babylon und Sita Johanns. Dieses toughe Ermittlerduo gehört zu meinen Favoriten, bitte mehr davon!

Bewertung:

DER AUGENBLICK von IRENE MATT – Meine Rezension …

Taschenbuch: 249 Seiten
Verlag: Schardt, M; Auflage: 1 (1. Dezember 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3961521247
ISBN-13: 978-3961521241
Autorin: Irene Matt

Meine Meinung:
Dieses Buch ist wie ein Blick hinter die Kulissen, es zeigt eine völlig andere Perspektive, die bei normalen Krimis meist im Dunkeln bleibt. Die Geschichte befasst sich weniger mit der Aufklärung eines Verbrechens, sondern mit dem Schicksal der Täter.
Das klingt zunächst abenteuerlich, denn im ersten Moment denken wir ja meistens eher schwarz-weiß: es gibt die „Guten“ und die „Bösen“, Täter und Opfer. Doch was ist, wenn die Täter eigentlich auch nur Opfer sind?

Irene Matt erzählt uns von einer eigentlich ganz normalen jungen Frau, die plötzlich eine unglaubliche Tat begeht. Niemand kann sich das Ganze erklären, am wenigsten sie selbst. Hauptkommissarin Alexandra Keller kann den Fall nicht aufklären, da es keine verwertbaren Spuren gibt.
Doch einige Monate später stellt sich die Frau selbst der Polizei und wird inhaftiert.
Alexandra lässt dieses Geständnis keine Ruhe, sie spürt, dass mehr hinter der Sache steckt und wendet sich an ihren früheren Ausbilder, den Fallanalytiker Hermann Rau.
Dieser ruft eine Therapiegruppe ins Leben, die sich näher mit dem Leben und dem Schicksal der Täter befasst. Sechs Patienten, ein Theologe, eine Analytikerin, ein forensischer Psychiater, Alexandra als Protokollführerin und Hermann als Leiter treffen sich zu Gruppen- und Einzelsitzungen und arbeiten alte Traumata auf.

Eindrucksvoll zieht uns Irene Matt in einen Strudel aus Emotionen, Zweifeln und überraschenden Enthüllungen. Wir lernen die andere Seite kennen, dürfen teilhaben an den Gedanken und Gefühlen der sogenannten „Täter“.

Wer einen herkömmlichen Krimi erwartet, der könnte vielleicht leicht enttäuscht sein, denn es fehlt etwas an Spannung und natürlich auch Action. Der Schreibstil ist gut lesbar, wirkte aber auf mich manchmal etwas „hölzern“, was auch in den Dialogen zum Ausdruck kommt. Aber die Geschichte liest sich trotzdem sehr fesselnd und es hat mir gefallen, diesen anderen Blickwinkel einmal näher kennenlernen zu dürfen.

Leider muss ich noch erwähnen, dass das Korrektorat etwas versagt hat: doppelte Satzfragmente oder falsche Namen bei den Protagonisten haben mich manchmal leicht verwirrt beim Lesen, hier ist noch Verbesserungspotential vorhanden.

Bewertung:

HANGMAN von DANIEL COLE – Meine Rezension …

Broschiert: 480 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch; Auflage: Deutsche Erstausgabe, 1. Auflage (2. Januar 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548289215
ISBN-13: 978-3548289212
Autor: Daniel Cole
Teil 2 der „New-Scotland-Yard“-Thriller

Meine Meinung:
Diesen Thriller habe ich leider ohne Kenntnis des Vorgängers „Ragdoll“ gelesen und ich würde deshalb allen raten, die Reihenfolge einzuhalten. Es wird zwar einiges erklärt, aber der Großteil der Vergangenheit bleibt natürlich im Dunkeln und man hat doch an vielen Stellen das Gefühl von Wissenslücken.
Verstehen kann man natürlich den aktuellen Fall trotzdem, aber die Reihe baut schon sehr aufeinander auf, was auch das Ende deutlich macht: ein Cliffhanger und offene Fragen machen jetzt schon neugierig auf Teil 3.

Zunächst zu den Charakteren: Chief Inspector Emily Baxter ist nicht jedermanns Sache, denn sie ist eine eher schwierige Person. Extrem misstrauisch, unangepasst, vorlaut und rücksichtslos. Aber ich mochte sie wirklich gerne, genau wie ihren Kollegen Alex Edmunds, ihren Freund Thomas und Agent Rouche, der sie beim aktuellen Fall unterstützt. Rouche ist ein sehr geheimnisvoller Charakter mit einer bewegenden Geschichte, dessen Schicksal mich sehr berührt hat.
Die Personen wirken allesamt lebendig und glaubwürdig, was auch dem allgemein atmosphärischen und wunderbaren Schreibstil des Autors zu verdanken ist. Besonders toll fand ich die immer wieder eingestreuten humorvollen Szenen, die manchmal schon absurd komisch waren und den blutigen Stoff echt aufgelockert haben.

An Spannung mangelt es diesem Buch absolut nicht und auch grausame, horrorähnliche Momente sorgen für Gänsehaut. Alles läuft wie ein actionreicher Film ab, dem man sich nicht entziehen kann. Einzig bei der Auflösung hätte ich mir noch etwas mehr Raffinesse gewünscht, aber alles ist stimmig und ganz gut nachvollziehbar.

Für Leser mit schwachem Magen würde ich das Buch nicht empfehlen, aber echte Thrillerfans werden ihre Freude daran haben. Eine Leseempfehlung, aber zuerst bitte „Ragdoll“ genießen!

Bewertung: