Besserland von Alexandra Friedmann – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Graf Verlag (30. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3862200523
ISBN-13: 978-3862200528
Preis: 18,00 EUR

Über die Autorin:
Alexandra Friedmann, geboren 1984 in Gomel, Weißrussland, kam 1989 über Umwege mit ihrer Familie nach Krefeld. Nach ihrem Abitur 2004 verbrachte sie acht Jahre in Paris, wo sie Literatur und Journalismus studierte. 2010 Praktikum bei der taz, zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften.
Alexandra Friedmann lebt mit Mann und Tochter in Berlin. Besserland ist ihr erster Roman.

Mehr über sie auf http://www.alexandra-friedmann.com.

Der Klappentext:
Gomel, Weißrussland 1987: Papa Edik ist ein herzensguter Hausmann, der unter dem Pantoffel seiner Frau Lena steht, einer arbeitsamen Bauzeichnerin. Er spielt lieber mit seinen Freunden Karten, besucht sein Töchterchen im Kindergarten und lässt sich nach sowjetischer Manier für immer neue sinnlose Tätigkeiten einspannen. Als Cousin Mischa Goldstein jedoch eines Tages eine Möglichkeit findet, zu seiner Tante Raja nach Brooklyn auszureisen, setzt sich eine Lawine in Gang.
Denn seit Perestroika herrscht und damit die gemütlichen staatsfinanzierten Jobs wacklig sind, zugleich der Antisemitismus weiter Blüten treibt, lassen sich die Friedmanns von der allgemeinen Auswanderbegeisterung anstecken.
Als sie endlich das Visum in Händen halten und der Familien-Tross schließlich zusammen mit den befreundeten Grosmanns gen Westen aufbricht, lernen wir noch einen ganzen Reigen von skurrilen Typen kennen, als da sind: Sima Semjonowna, Jossik, das Schlitzohr, bei dem sie in Wien Unterschlupf finden, Oma Anna und am Ende den Asylhelfer Klaus Krämer.
Denn während ihrer Tour durch Europa stellen Edik und Lena fest, dass sie eigentlich gar nicht bis nach Amerika müssen, um das zu haben, wonach sie sich sehnen: Freiheit und Wohlstand gibt es schließlich fast vor der Haustür!
Alexandra Friedmanns Roman ist schwindelerregend tempo- und anekdotenreich, voller überraschender, witziger Metaphern und haarsträubender wahrer Begebenheiten. Sie zeigt uns das heutige Europa als einen Kaninchenbau voller raffinierter Schlupf-löcher, aber auch, wieviel von Glück und Zufall abhängt, ob man am Ende tatsächlich in Besserland ankommt.

Die Geschichte:
Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer eigenen aufregenden Kindheit. Als sie gerade einmal im Kindergartenalter war, beschlossen ihre Eltern, Russland für immer zu verlassen und nach Amerika auszuwandern.
Das gelobte Land, in dem man viel Geld verdienen kann, im eigenen riesigen Haus wohnen und schlicht frei sein – für die kleine Alexandra ist es einfach nur „Besserland“.
Zusammen mit einer befreundeten Familie machen sie sich auf den Weg und erleben allerhand skurrile Abenteuer. Sie landen allerdings am Ende nicht in den USA, sondern lassen sich in Deutschland nieder.
In „Besserland“ gibt es den köstlichsten Brotaufstrich der Welt und aus Zapfhähnen fließt Saft … das muss das Paradies sein, oder doch nicht?

Meine Meinung:
Zuerst war ich etwas skeptisch wegen des quietschbunten Covers, aber schon der Klappentext hat mich eigentlich überzeugt, dass ich es unbedingt lesen will.
Und ich bin sehr froh über diese Entscheidung, denn dieses Buch ist einfach so toll geschrieben.
Die Story ist eigentlich nicht wirklich lustig, denn wer lässt schon gerne seine Verwandten zurück und verkauft sein ganzes Hab und Gut, um mit einigen Koffern in eine ungewisse Zukunft aufzubrechen? Natürlich kann man sagen, dass sie es ja freiwillig getan haben, aber wenn man nicht selbst in so einer Lebenssituation steckt, sollte man sich besser ein Urteil verkneifen.
So habe ich diese Geschichte vorurteilsfrei und niemals wertend gelesen und habe mich einfach blendend unterhalten lassen. Unter anderem von grandiosen Formulierungen wie dieser hier:

„Guten Tag“, sagte das Radio. Das hatten meine Eltern verstanden. Plötzlich tauchte die Hoffnung in der Tür unseres Kommunalhäuschens auf, bat sich selbst herein und setzte sich der Hilflosigkeit dreist auf den Schoß.
Seite 188

Die Charaktere wirken lebendig und authentisch, auch die Gauner in der Geschichte kommen gut weg, denn irgendwie wird über alle Erlebnisse ein rosa Schleier gelegt. So wirkt sogar der Tisch, über den man gezogen wird, noch sehr hübsch! 🙂

Auf dem Schutzumschlag findet man übrigens einige Familienfotos. Wäre noch das Tüpfelchen auf dem i gewesen, wenn einige Bilder im Buch und etwas größer verewigt worden wären.

Fazit:
Der wunderbare humorvolle Schreibstil lässt die Seiten nur so dahinfliegen. Es macht einfach Spaß, dieses Buch zu lesen!

Bewertung:
5pfoten

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