Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek von David Whitehouse – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 314 Seiten
Verlag: Tropen-Verlag Label von Klett-Cotta; Auflage: 1., Aufl. (21. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3608501487
ISBN-13: 978-3608501483
Originaltitel: Mobile Library

Über den Autor:
David Whitehouse wurde 1981 in Nuneaton, England geboren. Sein Debut »Bed« wurde 2010 mit dem »To Hell with Prizes Award« ausgezeichnet. Er lebt in London.

Der Klappentext:
Bobby Nusku fristet seine Tage damit, Haare, Kleidungsstücke und weitere Spuren seiner verschwundenen Mutter zu sammeln und zu archivieren. Er fühlt sich im Haus seines grobschlächtigen Vaters und dessen wasserstoffblonder Freundin ziemlich einsam, besonders nachdem sein einziger Freund Sunny eines Tages wie vom Erdboden verschluckt ist. Die Freundschaft zum Nachbarsmädchen Rosa und ihrer Mutter Val, die Putzfrau in einem Bücherbus ist, gibt ihm Hoffnung und macht ihm Mut, sich gegen sein Schicksal aufzulehnen. Als alles drunter und drüber geht, machen sich Val, Rosa und Bobby gemeinsam mit dem sympathischen Outlaw Joe auf eine verrückte Reise mit Vals Bücherbus quer durch England. Im Gepäck haben sie nur das Nötigste: ihre Freundschaft und eine Menge guter Bücher.

Die Geschichte:
Alles beginnt mit Bobby, einem Jungen, der es nicht leicht hat im Leben. Sein Vater beachtet ihn überhaupt nicht und wenn er es doch tut, dann nur, um ihn grundlos zu schlagen. Einziger Trost im Dunkel des Alltags: seine Hoffnung auf eine baldige Rückkehr seiner geliebten Mutter – und sein neuer Freund Sunny. Sunny ist auch ein ganz besonderer Junge: er lebt alleine mit seiner Mutter und hat den Plan, mit Bobbys Hilfe zum Cyborg zu werden. Dann könnte er sie vor allen Gefahren des Lebens beschützen.
Eines Tages lernt Bobby das Mädchen Rosa kennen und deren Mutter Val. Immer öfter verbringt er seine Zeit mit den beiden, denn zu Hause vermisst ihn ja sowieso niemand.
Dann nimmt das Unheil seinen Lauf: Sunny erscheint nach den Ferien nicht mehr in der Schule, Bobby begeht eine Verzweiflungstat und Val verliert ihren Job: das Putzen im Bücherbus. So kommt es, dass Val, Bobby und Rosa schließlich die rollende Bibliothek einfach stehlen und sich auf große Abenteuerfahrt begeben.
Unterwegs treffen sie auf Joe, dessen Vorgeschichte auch alles andere als glücklich ist und zusammen erleben sie einen Road Trip der ganz besonderen Art.

Meine Meinung:
Es gibt Bücher, an die ich hohe Erwartungen stelle – und es gibt Bücher, die ich mit dem Gedanken „Naja, kann man ja mal lesen. Vielleicht gefällt es mir ja.“ in die Hand nehme.
So ein Buch ist dieses hier gewesen: das Cover und der Titel sagten mir nicht sofort zu, es klang nach einer halbwegs lustigen Unterhaltung für Zwischendurch.
Doch weit gefehlt: schon nach wenigen Seiten war ich so hin und weg, dass ich das Buch eigentlich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Das liegt natürlich erst einmal am wundervollen Schreibstil von David Whitehouse: so bildgewaltig und atmosphärisch, dass man sofort mitten im Geschehen ist. Ein toller Humor, der niemals aufdringlich wirkt, unterstreicht das Ganze noch gekonnt.

Die lebendig und authentisch wirkenden Protagonisten machen es einem praktisch unmöglich, nicht mit ihnen zu fühlen. Bobby ist ein Junge, der einerseits sehr zerbrechlich wirkt, dem aber auch eine unglaubliche Stärke innewohnt. Man möchte ihn fast selbst aus seiner lieblosen Umgebung reißen – und ist dann erleichtert, als Val diesen Schritt geht.
Auch sie hat es im Leben nicht leicht: von der einzigen Liebe verlassen, weil der sich nicht vorstellen konnte, sich mit ihr um die gemeinsame behinderte Tochter Rosa zu kümmern.
Rosa ist eher der Sonnenschein in der Geschichte: meistens wirkt sie sorglos und zeigt den Anderen, dass wahre Freude auch in kleinen Dingen stecken kann.
Und dann wäre da noch Joe, der auch einen ganzen Haufen an Problemen mit sich herumschleppt … doch ihnen allen ist eines gemein: sie sehnen sich nur nach einer Familie, nach Liebe und Geborgenheit.

In weiten Teilen ist das Ganze schon recht tragisch und man glaubt kaum an ein gutes Ende. Das verdeutlicht das folgende Zitat über Bobby ganz schön:

„Er wollte Teil eines Buches sein, wollte ein Abenteuer erleben. Aber seine Geschichte schien schon geschrieben zu sein. Und es würde sich niemals lohnen, sie zu lesen.“ (Seite 74)

Doch dann gibt es auch wieder so viele Momente der Freude, der Hoffnung und der Gewissheit, dass diese Menschen einfach ein Happy End verdient haben. Eine große Hilfe auf ihrer turbulenten Reise sind ihnen immer wieder die vielen Bücher, aus denen sie neue Ideen und Kraft schöpfen:

„Liebe, Verlust, Leben, Tod, all jene gewaltigen Schicksalsstürme, die über einen Menschen hereinbrechen, waren auf den Seiten der Bücher so oft überwunden worden, dass man sich ihnen niemals wieder allein gegenüberstellen musste.“ (Seite 301)

Das Buch hat mich so gefesselt, dass ich es fast in einem Rutsch gelesen habe. Es berührt das Leserherz und es ist spannend und unterhaltsam. Das Ende, mit dem das Buch übrigens seltsamerweise beginnt, lässt viel Raum für das Weiterspinnen der Geschichte. Und ich fand es sehr gelungen.

Fazit:
Ein absolutes „Unbedingt lesen“-Buch, das ich allen nur wärmstens empfehlen kann! So bildhaft erzählt, dass man alles mit den sympathischen Protagonisten zusammen durchlebt: man spürt Liebe, Verzweiflung, Hoffnung, Wut, Schmerzen, Trost und Zusammengehörigkeit – und manchmal kann man auch ein bisschen lachen.

Bewertung:
5pfoten

Bei Daggis Buch-Challenge hake ich hiermit Punkt 10 ab.

2 Gedanken zu „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek von David Whitehouse – Meine Rezension …

  1. Der Autor wird im März in meinem Wohnort eine Lesung halten. Deine Rezension hat mich überzeugt, dass auf keine Fall verpassen zu wollen <3
    Danke dafür!

    Liebste Grüße,
    Kasia

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