Ich und die Menschen von Matt Haig – meine Rezension

Besser als eine Reise zum Mond:

Erst war ich skeptisch, ob ich dieses Buch überhaupt lesen möchte. Der Klappentext erwähnt etwas von einem Außerirdischen, der auf der Erde den Platz eines Menschen einnimmt. Meine Erwartungen gingen also erst einmal in Richtung Fantasy-Roman, doch ich wurde mehr als überrascht – im positiven Sinn. Aber erst einmal kurz zur Story:

Andrew Martin ist der vielleicht intelligenteste Mensch der Erde, zumindest was die Mathematik betrifft: er schafft einen elementaren Durchbruch. Doch diese einmalige Entdeckung ist gleichzeitig auch sein Todesurteil: Außerirdische entführen Professor Martin, um schlimmere Folgen zu verhindern. Schließlich wissen sie schon länger, dass wir Menschen mit weiteren Fortschritten und noch mehr Technologie nicht wirklich umgehen können, wir zerstören uns und unsere Umwelt damit nur immer noch mehr.
Einer der Außerirdischen muss die unangenehme Aufgabe übernehmen und auf die Erde reisen, um herauszufinden, ob Andrew vor seiner Entführung noch anderen Menschen von seinem Wissen erzählt hat.
Doch die zunächst einfach klingende Mission gestaltet sich schwieriger als gedacht: der neue Andrew lernt die Menschen näher kennen. Er hört Musik, er erlebt Fürsorge, er liest Gedichte, er genießt ein Glas Wein… kurz gesagt: er lebt und erlebt, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Und damit ändert sich alles für ihn…

Diesem Buch würde ich gerne mehr als 5 Sterne geben, wenn es ginge. Es ist einfach das Beste, was sich seit Langem gelesen habe.
Zunächst die Szenen, als der „neue Andrew“ auf der Erde ankommt: nackt, mitten auf der Autobahn, voller Ekel vor den Menschen mit ihren vielen seltsamen Öffnungen und Vorsprüngen im Gesicht. Matt Haig beschreibt das mit so viel Witz, dass ich oft laut lachen musste beim Lesen. Dann folgt die Phase, in der sich Andrew mit seiner menschlichen Rolle anfreundet. Auch das geschieht mit so viel Liebe für Details, für Dinge, die wir „echten“ Menschen leider viel zu oft nicht mehr zu schätzen wissen.
Und dann trifft der Außerirdische eine folgenschwere Entscheidung und es kommt sogar etwas Spannung in die Geschichte.
Am Schluss war ich zu Tränen gerührt und wollte nicht, dass das Buch schon zu Ende ist. Ich hätte noch ewig weiterlesen können…
Es ist nicht nur ein Buch, das eine (lustige) Geschichte erzählen soll, es ist weit mehr als das. Wir Menschen können darin so viel über uns selbst lernen, über den Sinn oder Unsinn des Lebens – je nachdem, wie wir es gestalten.
In einer Nachbemerkung des Autors erfährt man dann noch, dass die Idee zu diesem Buch einen sehr tragischen Hintergrund hatte: um die Jahrtausendwende war er sehr krank. In dieser Zeit beschloss er, diese Geschichte aufzuschreiben. Er konnte es erst einige Jahre später verwirklichen, mit dem nötigen Abstand zum Geschehenen.

Mein Fazit: In diesem Roman steckt mehr Weisheit als in etlichen Sachbüchern, mehr Liebe als in jedem Schnulzenroman, mehr Gefühle als in jeder Tragödie, mehr Aufmunterung als in einer Schachtel Antidepressiva und dazu noch eine Riesenportion Humor und eine Prise Spannung. Er ist schlichtweg genial!

Normalerweise vergibt man maximal 5 Sterne, diesem Buch würde ich glatte 7 Sterne geben! :o)

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