Die Magie der kleinen Dinge von Jessie Burton – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Limes Verlag (16. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3809026476
ISBN-13: 978-3809026471
Originaltitel: The Miniaturist
LESEPROBE
Autorin: Jessie Burton

Die Geschichte:
Wir schreiben das Jahr 1686 und begleiten die 18-jährige Petronella Oortman nach Amsterdam, wo sie künftig als frisch getraute Madame Brandt wohnen soll. Die Ehe mit dem viel älteren Johannes ist nicht etwa auf Liebe begründet, sondern Ergebnis einer Abmachung, die zum Wohl beider Familien geschlossen wurde.
Zunächst fühlt sie sich in dem fremden großen Haus nicht so recht wohl: ihre Schwägerin verhält sich abweisend, die beiden Hausangestellten sind ihr auch keine große Unterstützung. Und das Eheleben gestaltet sich ebenso seltsam … Johannes ist sehr distanziert – und dann macht er ihr ein großzügiges Geschenk: eine luxuriöse Miniaturausgabe des Hauses, in dem sie alle wohnen. Nella fragt sich, was sie damit machen soll, denn dem Alter für Kinderspiele ist sie ja wohl längst entwachsen. Doch dann beauftragt sie einen Miniaturisten damit, einige Gegenstände für das Puppenhaus anzufertigen.
Sie erhält kurz darauf die bestellten Gegenstände, wie zum Beispiel eine kleine Laute und einen Hochzeitskelch. Doch die Lieferung enthält noch weitere Dinge, die Nella nicht einordnen kann – und die ihr irgendwie Angst machen. Immer wieder erhält sie kleine Pakete mit Miniaturen, obwohl sie längst nichts mehr bestellt und bezahlt hat. Jemand scheint sie damit auf gewisse Geheimnisse ihrer Mitbewohner hinweisen zu wollen. Es wird immer mysteriöser und wirkt fast wie eine Art Voodoozauber, den jemand mit ihr veranstaltet. Das Schicksal nimmt seinen Lauf, schreckliche Dinge geschehen und Nella fragt sich ständig, ob sie alles hätte verhindern können …

Meine Meinung:
Auf dieses Buch hatte ich mich sehr gefreut, doch dann habe ich verhältnismäßig lange gebraucht, um damit wirklich „warm zu werden“.
Erst nach etwa 150 Seiten hat mich die Story in ihren Bann gezogen und fast ebenso lange habe ich gebraucht, um mich an den Schreibstil zu gewöhnen. Dieser ist zwar absolut nicht schlecht, aber stellenweise nicht so flüssig lesbar, wie ich es mir gewünscht hätte.
Allerdings passt der Stil auch irgendwie wieder sehr gut zum 17. Jahrhundert, in dem die Geschichte angesiedelt ist. Und Sätze – wie dieser auf Seite 283 – machen das Buch auch wieder zu etwas Besonderem:
„Weihnachten schlurft vorbei wie ein armer Verwandter der Freuden, die es einst verheißen hat.“

Die Charaktere, die zunächst noch etwas sperrig wirken, entwickeln sich im Lauf der Geschichte – und am Ende blickt man zurück und kann gar nicht verstehen, dass man sie einmal fast unsympathisch fand. Nella ist eine tolle Protagonistin, die glaubwürdig und authentisch wirkt. Ihre Zweifel, Gefühle und Ängste machen sie zu einer lebendigen Figur, mit der man gerne mitfühlt.

Zunächst kam es mir so vor, als würde sich die Geschichte viel zu langsam entwickeln. Doch rückblickend versteht man viele Kleinigkeiten besser und ich hatte fast das Gefühl, das Buch direkt noch einmal von vorne lesen zu müssen, um die versteckten Hinweise und Geheimnisse besser zu verstehen. Die zweite Hälfte ist dagegen direkt actionreich und die Story wird zunehmend tragischer und dramatischer.
Die titelgebende Magie ist nicht allzu fantastisch und wird größtenteils am Ende gut erklärt. Überhaupt wirkt der Schluss sehr passend, wenn auch für meinen Geschmack noch zu viele lose Enden bleiben, die ich gerne in einer Fortsetzung verknüpft sehen möchte.

Das Buch hat mich nach anfänglichen Startschwierigkeiten sehr gefesselt und bestens unterhalten. Die Personen sind mir im Lauf der Geschichte so ans Herz gewachsen, dass ich gerne wissen möchte, wie es mit ihnen allen weitergeht. Auch nach dem Zuklappen der letzten Seite denkt man noch länger darüber nach – und erst dann versteht man auch das kurze erste Kapitel, das eigentlich einen Teil des Schlusses darstellt.

Fazit:
Wer bereit ist, sich anfangs etwas zu gedulden, wird mit einer sehr emotionalen, tragisch-schönen Geschichte belohnt.

Bewertung:
4pfoten

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