Um Mitternacht von Augusto Cruz – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 392 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (6. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3518424777
ISBN-13: 978-3518424773
Originaltitel: Londres después de medianoche
Übersetzer: Christian Hansen
Autor: Augusto Cruz

Die Geschichte:
Der Ex-Agent McKenzie wird vom berühmten Horror- und Science-Fiction-Sammler Forrest Ackerman angeheuert, um ein Exemplar des längst als verschollen geltenden Stummfilmes „Um Mitternacht“ zu finden.
McKenzie hat keine Ahnung, auf welches Abenteuer er sich einlässt und dass es durchaus gefährlich werden könnte. Er reist durchs Land, verfolgt eine Spur nach der anderen und landet schließlich in Mexiko. Je näher er dem Geheimnis kommt, das sich um den alten Film rankt, desto tödlicher wird die Bedrohung. Liegt auf dem Vampirfilm wirklich ein Fluch?
Auf seiner Reise begegnet er so manch seltsamen Zeitgenossen und besucht Orte, die so fantastisch klingen, als würden sie einem Märchen entstammen.

Meine Meinung:
Erst nach dem Lesen habe ich erfahren, dass sehr vieles an dieser Geschichte keineswegs nur der Fantasie des Autors entsprungen ist. Viele Personen, aber auch Schauplätze sind (oder waren) real und vor allem das absolut ungewöhnliche Schloss mit dem seltsamen Garten inmitten des mexikanischen Dschungels gibt es wirklich: im Internet einfach Bilder zu „Las Pozas“ suchen und staunen.

Auf dieses Buch habe ich mich sehr gefreut, da ich spannende Geschichten und Vampire sehr gerne mag, aber die Erwartungen konnte es leider nicht ganz erfüllen.
Streckenweise war es wirklich sehr fesselnd und durch die skurrilen Figuren und fantastischen Schauplätze fühlte man sich manchmal wie in einem schaurigen Horrormärchen. An anderen Stellen war die Geschichte dann aber wieder eher zäh und man muss aufpassen, dass man den Überblick nicht verliert, denn so manches scheint irgendwie nur in den Gedanken oder Träumen von McKenzie stattzufinden. Was ist Wahrheit, was ist Fiktion? Das ist hier oft die Frage und die Grenzen sind fließend.

Den dicksten Minuspunkt muss ich dem Buch aber leider für die gleichförmige Schreibe verleihen: kaum ein Absatz ist hier zu finden, es wird erzählt und erzählt und man muss sich ständig konzentrieren, um nicht den Anschluss zu verlieren. Zwischendurch mal nach einem Absatz kurz die Augen ausruhen? Fehlanzeige … dann muss man erst wieder suchen, wo man aufgehört hat mit dem Lesen. 🙂
Auch ganz schlimm: Dialoge werden weder durch Anführungszeichen gekennzeichnet, noch irgendwie abgesetzt. So weiß man erst nach dem Lesen, wem der vorangegangene Satz zuzuordnen ist. Echt anstrengend auf die Dauer. Aber ihr könnt euch gerne ein eigenes Bild machen: hier geht es zur LESEPROBE!
Andererseits mochte ich aber den ironisch-humorvollen Unterton, der mich an vielen Stellen zum Schmunzeln brachte.

Man merkt an vielen Stellen, dass der Autor sehr genau recherchiert hat. Beispielsweise über die Stummfilmzeit habe ich mir noch nie größere Gedanken gemacht, aber durch das Buch sehr viel Interessantes darüber erfahren.
Auch Edward James war mir vorher kein Begriff, obwohl er ein sehr interessanter Mann mit einem außergewöhnlichen Lebenswerk (dem vorher erwähnten Skulpturengarten „Las Pozas“) war. Viele weitere Personen werden im Zusammenhang mit McKenzies Agentenjob erwähnt, aber diesen Teil der Handlung fand ich nicht ganz so interessant und empfand es manchmal eher als Ablenkung vom Wesentlichen.

McKenzie als Hauptfigur war mir nicht unsympathisch, aber so richtig ins Herz schließen konnte ich ihn auch nicht wirklich. Ich würde unser „Leser-Protagonisten-Verhältnis“ daher als eher neutral beschreiben. 🙂

Besonders am Ende ließ mich das Buch irgendwie mit dem Gedanken zurück, dass der Autor etwas Wichtiges ausdrücken wollte, das ich aber nicht so richtig verstanden habe. Es blieb so ein diffuses Gefühl zurück, das mich fast dazu veranlasst hätte, wieder einige Seiten zurück zu blättern. Dafür war das Ganze aber dann einfach nicht fesselnd genug, sonst wäre es wirklich ein guter „Re-Read-Kandidat“.

Fazit:
Stellenweise fesselnd, stellenweise eher langweilig … überzeugt durch den geheimnisvollen Touch und die skurrilen Figuren und Schauplätze, die häufig sogar real existieren. Eher anstrengend zu lesen durch die fehlende Gliederung des Textes.

Bewertung:3pfoten>

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