DER ALTE, DEM KUGELN NICHTS ANHABEN KONNTEN von Daniel Friedman – Meine Rezension …

Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (12. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 374663153X
ISBN-13: 978-3746631530
Originaltitel: Don´t Ever Get Old
übersetzt von: Teja Schwaner
Autor: Daniel Friedman

Und so geht es weiter mit Buck Schatz:

Die Geschichte:
Buck Schatz ist ein 87-jähriger Ex-Cop, der ans Sterbebett seines alten Kumpels Jim Wallace gerufen wird. Kurz bevor Jim zum letzten Mal seine Augen schließt, erzählt er Buck eine lange zurückliegende Geschichte aus dem 2. Weltkrieg. Damals waren die beiden zusammen als Soldaten in Europa und in einem Lager inhaftiert. Der dort zuständige SS-Mann Heinrich Ziegler hatte Buck fast zu Tode geprügelt und starb dann aber selbst kurz nach Kriegsende.
Nun stellt Jims spätes Geständnis alles in Frage: er hat den angeblich toten Heinrich Ziegler damals noch einmal lebend gesehen – und hat sich von diesem auch noch mit einem Barren Nazigold bestechen lassen.
Buck hat nicht vor, dieser Information in irgend einer Weise nachzugehen. Doch dann kommen plötzlich einige Angehörige und Bekannte von Jim auf ihn zu und fordern ihren Anteil am angeblichen Goldschatz, den er bei Ziegler finden würde. Als sich dann auch noch sein Enkel Billy in die Sache einmischt und ebenfalls auf Schatzsuche gehen will, gibt Buck schließlich nach und stürzt sich in ein Abenteuer, das leider nicht ohne tödliche Folgen bleibt …

Meine Meinung:
Dieses Buch gehört zu den vielen tollen Exemplaren, die ich mir zwar sofort nach Erscheinen gekauft habe, die aber dann aus verschiedensten Gründen für viel zu lange Zeit auf einem viel zu hohen SUB (Stapel ungelesener Bücher – oder bei mir eher R(egal)UB) gelandet sind.
Doch nun ist inzwischen bereits der zweite Roman mit dem ungewöhnlichen Protagonisten Buck Schatz erschienen und das ist ein guter Grund, um beide Bücher gleich zeitnah hintereinander zu lesen.

Buck ist für mich irgendwie eine Mischung aus Dr. House und dem „Hundertjährigen“ von Jonas Jonasson: er ist nicht direkt ein Menschenhasser, aber er hat doch am liebsten seine Ruhe und raucht dabei seine geliebten Luckys. Einzige Ausnahme bildet seine geliebte Frau Rose, mit der er schon so viele Jahrzehnte glücklich ist. Die altersbedingte Gebrechlichkeit holt die beiden immer mehr ein und die daraus resultierenden Folgen nehmen viel Raum in der Geschichte ein. Nicht nur durch diese Aspekte wirken die Charaktere sehr authentisch und glaubwürdig mit all ihren Sorgen und Ängsten.

Erzählt wird uns die ganze Geschichte aus Bucks Sicht und Daniel Friedman hat ihm mit seinem frechen Schreibstil immer die passenden Worte in den Mund gelegt. Es gibt viele Stellen, an denen ich schmunzeln musste. So wie bei diesem Satz hier:
„Ich war auf der Suche nach Beweisen“, sagte Silver, stolz, trotzig und so randvoll mit Scheiße, dass er wahrscheinlich schon braune Augen hatte. (S. 60)

Insgesamt überwog aber in meinen Augen tatsächlich eher die Krimikomponente; ich hätte mir noch etwas mehr bissigen Humor gewünscht.
Zunächst baut sich die Geschichte eher gemächlich auf, wir lernen die verschiedenen Figuren näher kennen, doch dann wird es so spannend, dass man das Buch vor dem Ende gar nicht mehr zuklappen möchte. Es gibt einige recht blutige Todesfälle und viele Verdächtige – und Buck und Billy sind ständig mittendrin und stehen bald ganz oben auf der Liste der Verdächtigen.

Einige Rückblicke lassen die Schrecken des Krieges wieder lebendig werden. Die Tatsache, dass Buck (der eigentlich „Baruch“ heißt) ein Jude ist, spielt eine nicht unwichtige Rolle in der Story.
Es geht auch oft um Gewissensfragen oder um Glauben und was diese Themen betrifft, ist Buck gar kein so schlechtes Beispiel, egal wie schnodderig er zunächst wirken mag. Unter seiner harten Schale steckt doch ein sehr weicher Kern und ein großes Herz. Bin sehr gespannt, wie es im nächsten Buch mit ihm und seiner Rose weitergeht.

Fazit:
Ein außergewöhnlicher Protagonist, der mit seinem misanthropischen Auftreten und seinen frechen Sprüchen für eine gute Portion Humor sorgt. Und das inmitten einer ganz und gar nicht lustigen Story rund um Kriegsverbrechen, Mord und Gier – spannend, fesselnd und sehr unterhaltsam!

Bewertung:
4,5pfoten

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