RATTENKINDER von B.C. Schiller – Meine Rezension …

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe Taschenbuch; Auflage: 1. Aufl. 2015 (8. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404172647
ISBN-13: 978-3404172641
Autoren: Barbara u. Christian Schiller
©_Soravit_Lertphiphat
© Soravit Lertphiphat: B.C. Schiller und mit ihrem Hund Jabali

Neugierig geworden? Dann findet ihr hier eine LESEPROBE

Die gesamte bisherige „Tony Braun“ – Reihe:

Die Kurzbeschreibung auf der Buchrückseite:
Eine junge Mutter wird grausam zugerichtet auf einer Parkbank gefunden, neben sich ihr quicklebendiges Baby – und ein Rattenschädel. Das ist nicht der einzige geheimnisvolle Hinweis, den Chefinspektor Tony Braun erhält: Ausgerechnet Viktor Maly, ein Insasse der Psychiatrie, scheint mehr über den Fall zu wissen. Doch er hat seit über einem Jahr keinen Kontakt mehr zur Außenwelt. Wurde die Frau Opfer eines lange geplanten Komplotts?
Da geschieht eine weitere Bluttat. Und es gibt nur einen Zeugen: Viktor Maly …

Die Geschichte:
In einem Roma-Ghetto in Tschechien verschwinden immer wieder Babys, auch der jungen Mutter Tara wird ihr Sohn gestohlen. Sie macht sich auf die Suche nach ihm und ahnt nicht, in welch große Gefahr sie sich damit begibt.
Zur gleichen Zeit wird in Linz mitten in einem Park eine Frau getötet. Neben ihr steht ein Kinderwagen, in dem ihr Sohn schläft.
Chefinspektor Tony Braun steht vor einem Rätsel, denn er hat die Leiche höchstpersönlich entdeckt – aufgrund eines Hinweises des seltsamen Psychiatriepatienten Victor Maly. Victor leidet an Amnesie und wird in einer geschlossenen Abteilung therapiert. Kann er trotzdem der Mörder sein?
Tonys Kollegin Franka verstrickt sich während der Ermittlungen immer tiefer in persönliche Probleme, irgend etwas verbirgt sie und diese Geheimnisse sind nicht gut für die Zusammenarbeit.

Meine Meinung:
Chefinspektor Tony Braun ermittelt inzwischen bereits zum sechsten Mal. Für mich war es allerdings die erste Begegnung mit ihm und seinem Team.
Es ist den Autoren trotzdem grandios gelungen, dass ich an keiner Stelle das Gefühl hatte, ich müsste zum besseren Verständnis die Vorgeschichte kennen. Natürlich werden vergangene Fälle erwähnt und auch im Privatleben der Ermittler hat sich seit Band 1 sicher viel verändert, aber „Rattenkinder“ kann man problemlos als Einzelbuch lesen.

Die Charaktere sind vielschichtig und wirken sehr authentisch. Tony hat ein kleines Aggressionsproblem, das er meistens gut im Griff hat. Außerdem leidet er etwas unter den schwierigen Familienverhältnissen, aber das wurde wohl in den Vorgängerbänden stärker thematisiert, hier rückt es eher in den Hintergrund.
Im Vordergrund steht dagegen Tonys junge Kollegin Franka, über deren Lebensgeschichte wir sehr viel erfahren. Sie war mir gleich sympathisch, aber das trifft auch auf Tony, Bruno und Jan zu: ein sehr interessantes Ermittlerteam, das toll zusammenhält und nicht immer nur mit ganz legalen 08/15-Methoden arbeitet.

An den Schreibstil, der sehr angenehm und flüssig lesbar ist, musste ich mich trotzdem erst ein wenig gewöhnen. Es wird beispielsweise häufig mit Vergleichen gearbeitet, was nicht prinzipiell unangenehm ist, aber oft gar nicht nötig wäre. Es gelänge den Autoren auch ohne „Schnickschnack“ eine lebendige, fesselnde Atmosphäre entstehen zu lassen, der man sich nicht so schnell wieder entziehen kann – oder will. Für mich war dieses Buch jedenfalls ein echter „Pageturner“, den ich in kürzester Zeit verschlingen musste.

Es geht in diesem Buch ja größtenteils um Menschenhandel und das viele damit verbundene Leid der Betroffenen und Angehörigen. Eine berührende und sehr emotionale Thematik, die für zartbesaitete Leser vielleicht eher ungeeignet ist. Manche Szenen waren wirklich grausam, aber nicht im Sinne von übertriebener, ausführlicher Gewaltdarstellung. Viel mehr schaffen es die Autoren, dass das eigene Kopfkino angeregt wird und dazu sind oft nur wenige Sätze oder Andeutungen nötig.
Was die Nähe zur Realität betrifft: in Thrillern wird ja gerne auch mal etwas übertrieben und nicht unbedingt größter Wert auf Authentizität gelegt, doch hier fand ich alles recht glaubwürdig. Einzig eine Szene kurz vor dem Ende erschien mir leicht überzogen, aber für einen spektakulären Showdown benötigt man eben auch Action.
Die dargestellten Verstrickungen von Personen hohen gesellschaftlichen Ansehens haben sicher mehr Wahrheitsgehalt als man sich wünschen würde – genau wie das beschriebene Schicksal der verschleppten Kinder und Frauen.

Das stimmige Ende hat mir ganz gut gefallen. Es bleiben noch einige Dinge offen, die neugierig machen auf die hoffentlich baldige Fortsetzung der Reihe.

Fazit:
Eine Geschichte, die berührt, aufwühlt, zum Nachdenken anregt … über Vorurteile, Vertreibung, Verschleppung, Moral und den Deckmantel der Wohltätigkeit. Gleichzeitig bietet das Buch sehr spannende Unterhaltung und fesselndes Lesevergnügen mit sympathischen Charakteren. Für Thrillerfans ein echter Leckerbissen!

Bewertung:
5pfoten

Ein Gedanke zu „RATTENKINDER von B.C. Schiller – Meine Rezension …

  1. B.C. Schiller hat ja gute Chancen, einer meiner Lieblingsautoren zu werden. Ich habe von ihm „Töten ist ganz einfach“ gelesen und fand es erfrischend außergewöhnlich.
    LG
    Sabienes

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