Die Illusion des Getrenntseins von Simon van Booy – meine Rezension…

Gebundene Ausgabe: 207 Seiten
Verlag: Insel Verlag; Auflage: 1 (14. April 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 345817592X
ISBN-13: 978-3458175926
Originaltitel: The Illusion of Separateness

Der Autor:
Simon van Booy, geboren und aufgewachsen in Wales, lebt mit Frau und Tochter in Brooklyn. Er veröffentlichte neben mehreren Erzählungsbänden und Romanen auch drei Philosophiebücher und schreibt u. a. für die New York Times, den Guardian und die BBC. Sein Werk wurde in vierzehn Sprachen übersetzt.
Weitere Infos: http://www.simonvanbooy.com

Die Übersetzerin:
Claudia Feldmann, Jahrgang 1966, studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf und übersetzt aus dem Englischen und Französischen. Unter anderem hat sie Eoin Colfer und Morgan Callan-Rogers ins Deutsche übertragen.

Der Klappentext:
Eine kleine Bäckerei in Paris, mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. Ein Soldat, dem in einem Akt der Güte das Leben geschenkt wird und der damit das Richtige tut. Eine mutige junge Frau, die offene Arme hat für ein Neugeborenes ohne Namen. Und ein Autor, der die Geschichte dieser Menschen in einer wunderbar zarten, eleganten Prosa erzählt – und dabei die unglaubliche Wucht menschlichen Schicksals entfaltet.

Die Geschichte:
Die Erzählung beginnt im Jahr 2010 in Los Angeles. Wir lernen Martin kennen, der in einem Seniorenheim als Hausmeister und vor allem als „gute Seele“ für alle tätig ist. Er kann auf ein erfülltes Leben zurückblicken, seine Frau ist leider bereits verstorben.
In Rückblenden erfahren wir, wie Martin als Baby gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zu seinen Zieheltern gefunden hat. Ein unbekannter Mann hat Martin einer jungen Frau anvertraut, kurz bevor er von einer Kugel in den Kopf getroffen wird. Die Frau flüchtet vor den schießenden Soldaten in eine Bäckerei und lernt dort ihren späteren Ehemann kennen. Gemeinsam kümmern sie sich um das Findelkind und sind ihm liebende Eltern.
In weiteren Erzählsträngen lernen wir noch mehr Menschen kennen, deren Lebenswege sich immer wieder kreuzen und die alle auf schicksalhafte Art miteinander verbunden sind.

Meine Meinung:

Normalerweise lese ich ja hauptsächlich Krimis und Thriller, also gerne etwas Spannendes. Und so war ich anfangs etwas skeptisch, ob mir dieses Buch gefallen könnte.
Jetzt, nachdem ich es beendet habe, kann ich sagen, dass es nicht nur meine Erwartungen weit übertroffen hat, sondern dass es mich wirklich begeistert hat.
Der Schreibstil war für mich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig: meist etwas poetisch, aber an den passenden Stellen bedient sich der Autor auch harter, deutlicher Worte. Er beschreibt in einer bildgewaltigen Sprache nicht nur die Schauplätze, sondern lässt auch zuweilen ganz alltägliche Dinge wie etwas Besonderes wirken. Und dann sorgt auch noch eine gewisse Portion gut eingesetzten Humors ab und zu für ein Schmunzeln, so zum Beispiel hier:

„Er weiß, dass man älter sein muss, um zu heiraten. Das ist schade, denn er ist jetzt bereit dazu. Und dann sucht man sich ein Haus, und dann bekommt man im Krankenhaus Babys überreicht, in Handtücher gewickelt. Ihre winzigen Lippen sagen oh.“
Zitat Seite 52

Das Buch sollte man aufmerksam lesen, die Details aufsaugen, abspeichern. Immer mehr Zusammenhänge und Berührungspunkte zwischen den Protagonisten werden deutlich, man denkt zurück an das Gelesene, hat „Aha“-Momente. Und so fügt sich Teil für Teil in das große Puzzle und am Ende des Buches hatte ich sofort den Wunsch, es noch einmal von vorne zu lesen, um noch tiefer in die Geschichte einzutauchen.

Fazit:
Ein wunderschönes Buch über das Leben, über Liebe und Nächstenliebe, über Schuld und Wiedergutmachung. Noch nie vorher hatte ich das Gefühl, ein Buch nach der letzten Seite sofort wieder von vorne beginnen zu wollen: „Die Illusion des Getrenntseins“ hat dies geändert und ich empfehle das Buch gerne weiter!
Wertung: 5 von 5 Sterne

Bei Daggis Buch-Challenge 2014 hake ich hiermit Punkt 7 ab.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.