Ganz oben Ganz unten von Christian Wulff – Meine Rezension…

Gebundene Ausgabe: 259 Seiten
Verlag: C.H.Beck
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3406672000
ISBN-13: 978-3406672002

Der Klappentext:
Niemals zuvor haben die Medien unseres Landes einen Politiker so erbarmungslos verfolgt – die Demütigungen reichten noch über den Tag des Freispruchs hinaus. Christian Wulff schildert aus seiner Sicht, wie die Affäre inszeniert wurde, was sich hinter den Kulissen abspielte und wer aus welchen Motiven seinen Sturz betrieben hat. Die Fehler, die er selber zu verantworten hat, werden ebenso offen benannt.
„Ganz oben Ganz unten“ ist das Protokoll einer öffentlichen Vernichtung und ein nachdenklich machendes Stück deutscher Zeitgeschichte.

Meine Meinung:
Sicher hat jeder von uns den großen „Wulff-Skandal“ mehr oder weniger intensiv verfolgt. Selbst wenn man nicht politikinteressiert ist, kam man an den großen Schlagzeilen Ende 2011 / Anfang 2012 kaum vorbei.

Als Christian Wulff schließlich im Februar 2012 von seinem Amt als Bundespräsident zurücktrat, war das noch lange nicht das Ende der Hetzkampagne gegen ihn.
Dass die Presse fast genau zwei Jahre später nicht in gleichem Umfang über den vollständigen Freispruch von Herrn Wulff berichtete, sagt schon vieles.

Als ich anfing, dieses Buch zu lesen, habe ich erst einmal zurückgedacht und versucht, mir in Erinnerung zu rufen, was ich damals ob dieses Skandals empfunden habe. Genau kann ich das nicht mehr rekapitulieren, aber beim Aufkommen solcher Vorwürfe ist meine Meinung zumeist, dass kein Mensch fehlerfrei ist und dass es vielen Anklägern gut zu Gesicht stehen würde, erst einmal vor ihrer eigenen Tür zu kehren. Erst wenn echte (keine konstruierten) Beweise für das Fehlverhalten vorliegen, kann man sich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie die Folgen für den Betreffenden aussehen sollten.
Wenn solche „Skandale“ einen Politiker betreffen, frage ich mich zusätzlich, ob es nicht besser wäre, wenn die Herrschaften ihre Energie in ihre eigentliche Aufgabe investieren würden, für die sie bezahlt werden – und die Aufklärung den zuständigen Stellen überlassen würden.

Im Fall von Christian Wulff lief das alles leider ganz anders und er erläutert in diesem Buch seine Sicht der Dinge.
Er tut dies in einem sehr angenehmen, flüssig zu lesenden Schreibstil und auch Leser, die sich sonst weniger für Politik interessieren, können seinen Ausführungen sehr gut folgen. Zuweilen sorgt eine gewisse Ironie, die man angesichts seiner Erlebnisse fast als „Galgenhumor“ bezeichnen möchte, sogar für etwas Erheiterung in der ansonsten eher ernsten Lektüre.
Übersichtlich und nicht zu ausschweifend werden nicht nur die Amtszeit und die zwei Jahre nach dem Rücktritt beleuchtet, sondern auch einiges aus Christians Wulff Vergangenheit.
Er erläutert sachlich die Hintergründe der medialen Hetzjagd gegen ihn und sucht nach Erklärungen für die persönlichen Beweggründe mancher „Ankläger“. Angenehm fand ich, dass das Geschriebene keinen Beigeschmack von Selbstbeweihräucherung hat und dass Herr Wulff auch eigene Fehler, Versäumnisse oder Fehleinschätzungen ehrlich zugibt.

Was mich sehr beeindruckt hat, das war der Umfang der angestellten Ermittlungen: auf der schier verzweifelten Suche nach irgendeinem verwertbaren Beweis für die Schuld von Herrn Wulff wurden Millionen an Steuergeldern verschwendet und die Kriminalbeamten hätten während der ganzen Zeit sicher in relevanteren Fällen bessere Ergebnisse erzielen können.

Nach dieser Lektüre fragt man sich unweigerlich, welche Pressemeldungen überhaupt noch einen zweiten Blick wert sind oder besser: welchen Medien kann man noch vertrauen? Eine gewisse Skepsis und vor allem die Vermeidung von Vorverurteilungen sollte hier für alle Menschen selbstverständlich sein, damit solche Fälle künftig sachlich und in angemessenem Rahmen geklärt werden.

Fazit:
Sachlich, informativ und durchaus unterhaltsam zeigt dieses Buch die Hintergründe der „Wulff-Affäre“ auf.
Auch Lesern, die nicht so politikinteressiert sind, würde ich nicht abraten, denn stellenweise liest es sich eher wie ein spannender Krimi.
Ein wichtiges Buch, das zum Nachdenken über die Macht der Medien anregt…

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