{"id":411,"date":"2014-06-03T21:15:24","date_gmt":"2014-06-03T19:15:24","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.beastybabe.de\/?p=411"},"modified":"2014-06-03T21:15:24","modified_gmt":"2014-06-03T19:15:24","slug":"rezension-der-fall-gurlitt-ein-gespraech-zwischen-koldehoff-oehmke-und-stecker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.beastybabe.de\/?p=411","title":{"rendered":"Rezension: Der Fall Gurlitt &#8211; Ein Gespr\u00e4ch zwischen Koldehoff, Oehmke und Stecker"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3894798637\/ref=as_li_tf_il?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3894798637&#038;linkCode=as2&#038;tag=beastybueche-21\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"http:\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&#038;ASIN=3894798637&#038;Format=_SL250_&#038;ID=AsinImage&#038;MarketPlace=DE&#038;ServiceVersion=20070822&#038;WS=1&#038;tag=beastybueche-21\" ><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=beastybueche-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3894798637\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/p>\n<p>Broschiert: 144 Seiten<br \/>\nVerlag: Nicolaische Verlagsbuchhandlung; Auflage: 1 (28. April 2014)<br \/>\nSprache: Deutsch<br \/>\nISBN-10: 3894798637<br \/>\nISBN-13: 978-3894798635<\/p>\n<p>Dieses Buch ist quasi die Aufzeichnung einer Diskussionsrunde im Januar 2014 \u00fcber den &#8222;Fall Gurlitt&#8220;. Die Mitwirkenden:<\/p>\n<p><strong>Stefan Koldehoff<\/strong> hat Kunstgeschichte, Germanistik und Politikwissenschaft studiert. Er arbeitete freiberuflich als Journalist f\u00fcr die FAZ, taz und den WDR. Ab 1998 war er drei Jahre lang Redakteur, dabei zuletzt stellvertretender Chefredakteur, des Kunstmagazins \u201eArt\u201c in Hamburg. 2001 wechselte er auf eine Redakteursstelle beim Deutschlandfunk. In den folgenden Jahren ver\u00f6ffentlichte er als Autor zahlreiche Sachb\u00fccher zum Themenfeld Kunstmarkt, Kunstf\u00e4lschung und Kunstgeschichte. <\/p>\n<p><strong>Ralf Oehmke<\/strong> studierte nach einer kaufm\u00e4nnischen Ausbildung Rechtswissenschaften an der Universit\u00e4t K\u00f6ln und promovierte 1990 bei Prof. Ulrich H\u00fcbner mit einer Arbeit \u00fcber Entsch\u00e4digungsfonds. Er war mehrere Jahre in verschiedenen Funktionen im Wirtschafts- und Immobilienrecht t\u00e4tig. Als Rechtsanwalt war er unter anderem mit der Durchsetzung von Restitutionsanspr\u00fcchen aus Enteignungsma\u00dfnahmen auf dem Gebiet der fr\u00fcheren Deutschen Demokratischen Republik befasst. Er ber\u00e4t verschiedene Institutionen und Privatpersonen in kunst- und wettbewerbsrechtlichen Fragen. <\/p>\n<p><strong>Raimund Stecker<\/strong> studierte nach einer Buchbinderlehre in Bochum, Hamburg und Florenz Kunstgeschichte, Philosophie, Neue Geschichte und Publizistik. Er schrieb als freier Mitarbeiter f\u00fcr die Frankfurter Allgemeine Zeitung und verschiedene internationale Kunstzeitschriften. Nach seiner Promotion \u00fcber Barnett Newmans \u201eThe Stations of the Cross\u201c an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum leitete er 1993 bis 2000 als Direktor den Kunstverein f\u00fcr die Rheinlande und Westfalen, D\u00fcsseldorf. Von 2000 bis 2005 war er Gr\u00fcndungsdirektor des Arp-Museums Bahnhof Rolandseck. Anschlie\u00dfend entwickelte er sowohl k\u00fcnstlerisch wie architektonisch und bauhistorisch Museumsprojekte in Deutschland und im Ausland. Von 2009 bis 2013 war er k\u00fcnstlerischer Direktor des Lehmbruck Museums in Duisburg. Zurzeit arbeitet er unter anderem eine Privatsammlung zur Russischen Avantgarde auf, betreibt Wissenschaftsmanagement f\u00fcr verschiedene Privatsammlungen und ist verlegerisch sowie publizistisch t\u00e4tig. Seit 1986 lehrt Stecker als Honorarprofessor f\u00fcr Kunstgeschichte an der Kunstakademie in M\u00fcnster. <\/p>\n<p>Tragisch daran finde ich die Tatsache, dass dieses Buch nur wenige Tage vor dem Tod der Hauptperson im &#8222;Fall Gurlitt&#8220; erschienen ist: am 06. Mai 2014 starb Cornelius Gurlitt. <\/p>\n<p><em>&#8222;Bei Herrn Gurlitt d\u00fcrfte noch eines hinzukommen &#8211; n\u00e4mlich die Frage einer Rechtsnachfolge in f\u00fcnf, zehn oder zwanzig Jahren; je nachdem, wie es das Schicksal mit ihm meint&#8230;&#8220;<\/em> Zitat Seite 129<\/p>\n<p>Inzwischen ist sicher, dass es das Schicksal nicht so gut mit Cornelius Gurlitt meinte. Und wenn man die Diskussion in diesem Buch so verfolgt, dann k\u00f6nnte man auch mutma\u00dfen, dass die Behandlung, die ihm seit Februar 2012 durch unsere rechtsstaatlichen Organe zuteil wurde, einen nicht unerheblichen Anteil daran hat.<br \/>\nMan m\u00f6chte fast von einem Justizskandal sprechen, wenn man bedenkt, wie mit diesem Mann umgegangen wurde. Es wurde nicht einmal davor zur\u00fcckgeschreckt, Herrn Gurlitt &#8222;unter Betreuung zu stellen&#8220;, was fr\u00fcher allgemein als &#8222;Entm\u00fcndigung&#8220; bezeichnet wurde.<br \/>\nOhne wirkliche rechtliche Grundlagen wurden Pers\u00f6nlichkeitsrechte verletzt und schlie\u00dflich ein Medienaufriss enormen Ausma\u00dfes gestartet, bei dem der echte Wahrheitsgehalt der Meldungen auch sehr in Frage zu stellen ist. Da war pl\u00f6tzlich von unglaublichen Werten die Rede und alles wurde mit dem Negativ-Stempel des Nationalsozialismus versehen, v\u00f6llig ohne differenzierte Betrachtung der Kunstwerke. Dabei war der Kunsth\u00e4ndler Hildebrand Gurlitt selbst ein Mann mit j\u00fcdischen Wurzeln und er hatte somit unheimliches Gl\u00fcck, die schlimmen Verfolgungen im 2. Weltkrieg so schadlos \u00fcberstanden zu haben.<br \/>\nSein Sohn Cornelius war damals noch ein Kind und niemand vermag zu sagen, was er \u00fcberhaupt \u00fcber die Herkunft der vielen Kunstwerke in seinem Besitz wusste. \u00dcberhaupt wissen wir viel zu wenig \u00fcber diesen Mann, der pl\u00f6tzlich in die \u00d6ffentlichkeit gezerrt wurde und durch den die Diskussion \u00fcber &#8222;Raubkunst&#8220; entfacht wurde. Es scheint, als h\u00e4tte sich niemand die M\u00fche gemacht, mit ihm zu reden. Es wurde beschlagnahmt, ver\u00f6ffentlicht und verurteilt: verurteilt aber nie im wirklichen rechtlichen Sinn, denn bis zu seinem Tod war Gurlitt unschuldig und das Verfahren gegen ihn nicht abgeschlossen.<\/p>\n<p>Die Diskussion ist durchaus anspruchsvoll und ich musste stellenweise schon konzentriert lesen, um das &#8222;Anwaltsdeutsch&#8220; zu verstehen.<br \/>\nEs ist interessant und ich habe viel \u00fcber &#8222;Raubkunst&#8220;, &#8222;Beutekunst&#8220; und &#8222;entartete Kunst&#8220; erfahren, diese Begriffe konnte ich vorher nicht wirklich voneinander trennen, da ich mich noch nie n\u00e4her mit der Thematik besch\u00e4ftigt hatte. Die rechtlichen Grundlagen werden angesprochen und die aktuelle Situation, mit der alle Beteiligten (Museen, Kunstsammler, fr\u00fchere Eigent\u00fcmer, etc.) zu k\u00e4mpfen haben, wird beleuchtet. Es werden auch L\u00f6sungsans\u00e4tze diskutiert, aber es ist fraglich, ob es jemals dazu kommen wird, dass zum Beispiel ein Fonds eingerichtet wird, um solche F\u00e4lle auch in Zukunft gerecht abwickeln zu k\u00f6nnen.<br \/>\nWas bei der ganzen Diskussion um gro\u00dfe Werte oft vergessen wird, das ist die eigentliche Geschichte der Opfer: die Trag\u00f6dien, die hinter so manchem Kunstwerk stecken. Viele Erben von fr\u00fcher Enteigneten wollen ja einfach nur erreichen, dass neben einem Bild in einem Museum ein Schild angebracht wird, das auf die Herkunft verweist.<br \/>\nDie Bef\u00fcrchtung, dass viele Werke allerdings zur\u00fcck in Privatbesitz gelangen k\u00f6nnten &#8211; und damit der \u00d6ffentlichkeit entzogen w\u00fcrden &#8211; wird aber wohl daf\u00fcr sorgen, dass auch in Zukunft nicht gro\u00df darauf gedr\u00e4ngt werden wird, die Besitzverh\u00e4ltnisse zu kl\u00e4ren. Vielen d\u00fcrfte es ganz recht sein, dass der &#8222;Fall Gurlitt&#8220; aus den Medien mehr oder weniger wieder verschwunden ist&#8230;<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong> Anspruchsvoll zu lesen und stellenweise durch die aktuellen Ereignisse leider schon etwas \u00fcberholt, aber durchaus interessant und informativ.<\/p>\n<p>Bei <a href=\"http:\/\/www.daggis-welt.de\/15506\/daggis-buch-challenge-2014\/\" target=\"_blank\">Daggis Buch-Challenge 2014<\/a> hake ich hiermit Punkt 40 ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Broschiert: 144 Seiten Verlag: Nicolaische Verlagsbuchhandlung; Auflage: 1 (28. April 2014) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3894798637 ISBN-13: 978-3894798635 Dieses Buch ist quasi die Aufzeichnung einer Diskussionsrunde im Januar 2014 \u00fcber den &#8222;Fall Gurlitt&#8220;. 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