Todeswächter von Veit Etzold – Meine Rezension …

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); 15. August 2014
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404169913
ISBN-13: 978-3404169917
Preis: 9,99 EUR

Über die Reihe:
„Todeswächter“ ist das inzwischen dritte Buch über bzw. mit Clara Vidalis. Das sind die beiden vorherigen Teile:

Über den Autor:
Veit Etzold, geboren 1973 in Bremen, studierte Anglistik, Medienwissenschaften und General Management in Oldenburg, London und Barcelona und promovierte zum Kinofilm „Matrix“. Er arbeitete für Medienkonzerne, Banken, in der Unternehmensberatung und als Management-Trainer und Vortragsredner. Seine ersten beiden Thriller FINAL CUT und SEELENANGST waren wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurden in bislang sieben Sprachen übersetzt.
Mehr findet ihr unter www.veit-etzold.de oder bei Facebook.

Der Klappentext:
Drei Opfer, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Drei Menschen, die ihrer größten Angst ins Auge blicken.
Ein Mörder, der das grausamste Spiel aller Zeiten spielt …
Nichts für schwache Nerven – der neue Bestseller von Veit Etzold!

(Anmerkung: Woher weiß man eigentlich schon bei der Erstausgabe, dass ein Buch zum „Bestseller“ wird? 🙂 )

Die Geschichte:
Eine erstickte Frau ist das erste Opfer des Serienkillers, der Clara Vidalis und ihren Kollegen viel Arbeit beschert. Er nennt sich selbst den „Todeswächter“ und er scheint wahllos Menschen auf grausamste Weise ins Jenseits zu befördern. Seltsam ist, dass auch die Angehörigen der Opfer verschwunden sind.
In wechselnden Kapiteln erleben wir sowohl Gegenwart als auch Vergangenheit: die tragische Kindheitsgeschichte eines kleinen Jungen sorgt in Rückblenden immer wieder für Gänsehaut und stummes Entsetzen.
Für Stammleser der Reihe wenig überraschend: auch Clara gerät bei den Ermittlungen in ernste Gefahr. Kann sie rechtzeitig gerettet werden, bevor auch sie zu einem Mitglied des schaurigen Leichenkabinetts des Killers wird?

Meine Meinung:
Auf dieses Buch habe ich mich sehr gefreut, denn ich lese sehr gerne Bücherreihen. Außerdem bin ich ein Fan von Veit Etzold und habe mit Begeisterung „Das große Tier“ und „Final Cut“ gelesen. „Seelenangst“ fand ich etwas schwächer als die anderen beiden Bücher, aber auch noch wirklich gut. Leider kann ich das von „Todeswächter“ nicht so uneingeschränkt behaupten, was ich sehr schade finde. Und das lag nicht nur an der Tatsache, dass ein Hund sterben musste und Sodomie eine Rolle spielt – zwei Dinge, die für mich persönlich ein No-Go darstellen.

Das Buch beginnt gleich sehr blutig und mir war klar, dass es sich dabei um einen Alptraum von Clara handelt. Wer die Hauptperson dieser Thrillerreihe noch nicht kennt, weiß also gleich, dass sie in der Vergangenheit schon sehr viel Traumatisches erlebt hat und unter diesen Eindrücken noch heute leidet.
An dieser Stelle ein Lob an den Autor: er versteht es, die Verzweiflung seiner Figuren sehr eindrucksvoll und lebendig wirken zu lassen.

Dann geht es auch schon los mit der ersten Toten und das Grauen nimmt seinen Lauf. Wer auf viel Blut, andere Leichenflüssigkeiten und Innereien steht, der kommt hier voll auf seine Kosten. Es wird nicht gespart mit forensischen Details und den ausführlichen Theorien der Ermittler.
Oft werden auch mehr oder weniger humorige Anekdoten aus der Welt der Serienmörder und Gerichtsmediziner in die Handlung eingeflochten, sozusagen als informatives Beiwerk. Mit dem eigentlichen Fall hat das nichts zu tun, ist aber interessant zu lesen. Man merkt hier einfach, dass Veit Etzold gute Beziehungen zu Experten pflegt und viel Recherchearbeit leistet.

Was die Spannung betrifft, muss ich leider sagen, dass ich den Fall sehr durchschaubar fand und man schon zu einem recht frühen Zeitpunkt den richtigen Verdacht haben kann. Trotzdem ist das Buch noch fesselnd und ich habe es innerhalb von zwei Tagen gelesen.

Die Charaktere wirken lebendig und durchaus authentisch. Sogar die Figur des Täters erhält so viel Tiefe, dass sie nicht nur oberflächlich böse wahrgenommen wird.
Meistens spielt in Buchreihen auch das Privat- / Gefühlsleben der Ermittler eine größere Rolle. Das hat mir in diesem Buch fast ein wenig gefehlt, ich habe solche Szenen als eher selten empfunden. Andere Leser wird das allerdings freuen, denn so können diese Nebenhandlungen nicht vom eigentlichen Kriminalfall ablenken.

Durchgehend störend empfand ich in diesem Thriller, dass manche Sachverhalte immer und immer wieder besprochen werden, sodass bei mir als Leser schon mal der Gedanke „Ja, ich hab´s kapiert, es reicht jetzt auch mit Erklärungen …“ aufkommt. Auch die Zusammenhänge der Morde werden am Ende noch einmal komplett wiederholt, obwohl ein normal intelligenter Leser sich das auch denken kann.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass das Buch zum Ende hin irgendwie sehr abbaut. Plötzlich häuften sich Unstimmigkeiten, Übertreibungen und unglaubwürdige Szenen. Das fand ich extrem schade.

Falls ihr das Buch schon kennt oder ihr keine Angst vor möglichen Spoilern habt, dann findet ihr anschließend einige Beispiele, um meine Aussagen zu erklären. Der Rest der Leser darf an dieser Stelle gern zum Fazit scrollen. 🙂

Teilweise mag es spitzfindig sein von mir, aber man lädt ein Handy im Auto doch nicht „am Aschenbecher“ auf, sondern eher am Zigarettenanzünder. Es ist nicht wirklich falsch, aber es klingt einfach komisch.
Oder dass man bei einer Verfolgungsjagd kaum das Navi leiser stellen muss, denn wozu sollte man das aktivieren (außer, um zu sehen, wo man ist, aber dann „spricht“ es eigentlich nicht). Oder dass das Alter des Täters variiert.
Unmittelbar nach einem Mord verfolgt Clara eine Person über einen Zeitraum von etwa 45 Minuten. Während dieser Zeit wurde die Leiche bereits vom Tatort in die Gerichtsmedizin verbracht, ein CT gemacht und der Rechtsmediziner schnippelt gerade am Herzen herum, während er mit Clara telefoniert. Das war für mich sehr unglaubwürdig und unlogisch, weil es zeitlich einfach nicht passte.
Außerdem hinterließ der Mörder Spuren an einem Tatort, indem er etwas Wichtiges abmontierte. Das hätte auf jeden Fall sofort auffallen müssen, wurde jedoch nicht erwähnt.
Ganz seltsam und auch nicht logisch: die Ermittler stoßen auf eine Prozessakte, die den Täter betrifft. Zu diesem Zeitpunkt kennen sie aber noch gar nicht dessen Namen bzw. Identität.
Einen Dialog fand ich auch nicht sehr gut gelungen, falls er nicht dazu dienen sollte, die Inkompetenz der Krankenschwester zu verdeutlichen. Auf nur zwei Seiten wechselt die Einschätzung des Zustands einer Patientin von „Möglicherweise leidet sie obendrein an einem Trauma, aber das werden wir erst später herausfinden können.“ über „Wir nehmen an, dass die Patientin traumatisiert ist.“ zu „Wir möchten nicht, dass es zu einer Retraumatisierung kommt.“

Fazit:
Vielleicht wäre das Buch als gekürztes Hörbuch etwas spannender, wenn einige Wiederholungen und Ausschweifungen wegfallen.
Eine klare Leseempfehlung für Thrillerfans, die es gern ausführlich blutig mögen und die Wert legen auf viele Einzelheiten frisch vom Obduktionstisch.
Weniger empfehlenswert für Leser, die etwas zartbesaitet sind oder die sich an Unstimmigkeiten stören.

Bewertung:
3pfoten

2 Gedanken zu „Todeswächter von Veit Etzold – Meine Rezension …

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