Der Totenzeichner von Veit Etzold – Meine Rezension …

Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); erschienen 16. Juli 2015
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404172299
ISBN-13: 978-3404172290
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
Autor: Veit Etzold

Über die Reihe:
„Der Totenzeichner“ ist das inzwischen vierte Buch über bzw. mit Clara Vidalis. Das sind die vorherigen Teile:

Die Geschichte:
Grausam verstümmelte Leichen, denen die Herzen fehlen und seltsame Zeichen in die Haut geritzt wurden, beschäftigen Clara Vidalis und ihr Team im inzwischen vierten Buch der Reihe. Die Toten sind meist Unterweltgrößen, es könnte sich also um eine Art Bandenkrieg handeln.
Doch dann wird schnell klar, dass der Killer früher in den USA sein Unwesen trieb, weshalb sie bald von einigen Amerikanern bei den Ermittlungen unterstützt werden. Der Täter scheint ein Phantom zu sein, trotz DNA-Spuren kann er nicht ausfindig gemacht werden …

Meine Meinung:
Der Vorgängerband „Todeswächter“ konnte mich nicht mehr so wirklich überzeugen: Logikfehler, ständige Wiederholungen und ausufernde Erklärungen machten das Lesen nicht gerade zum Genuss. Doch Veit Etzold war einmal einer meiner absoluten Lieblingsautoren, ich habe seine Bücher mit größter Begeisterung verschlungen! Deshalb musste ich trotz allem auch das neueste Buch lesen, denn ich wollte ihm noch eine Chance geben.
Langsam merkt man aber auch an den Rezensionen anderer Leser, dass die Bewertungen immer kritischer werden und dass ich absolut nicht alleine bin mit meiner Meinung. Diesen Trend finde ich sehr schade, denn ich wünsche mir wirklich den früheren Etzold zurück, bei dem man das Gefühl hatte, er würde nicht „auf die Schnelle“ ein Buch nach dem anderen auf den Markt bringen, sondern ihm läge wirklich etwas an dem, was er schreibt.

Was hat mich also nun gestört am Totenzeichner und am „neuen Etzold“?
Zunächst die Charaktere: wer die Reihe nicht von Anfang an verfolgt hat, dürfte sich kaum ein Bild der Protagonisten machen können. Auf die Menschen und ihren Background wird einfach so gut wie überhaupt nicht mehr eingegangen. Es sind einfach nur hohle Namen ohne Gesicht, Privat- und Gefühlsleben. Absolut schwach dargestellt und völlig farblos.

Wenn dann mal auf eine Gefühlsregung eingegangen wird, wie beispielsweise in dieser Szene auf Seite 403:
Clara spürte das Adrenalin, wie vor jedem Zugriff, das Stresshormon Cortisol, das ihr Gehirn in Alarmbereitschaft versetzte und ein Gefühl höchster Wachsamkeit und zugleich höchster Angst weckte, wie der menschliche Körper es nur für Situationen bereithielt, in denen es um Leben oder Tod ging.„,
dann wird sofort wieder eine wissenschaftliche Belehrung daraus gemacht. So kommt keinerlei Mitgefühl mit der Person auf, sondern man ist einfach nur erschlagen von den ständigen Erklärungen von absolut allem.

Das Buch wirkt leider in weiten Teilen wie ein kriminalwissenschaftlicher Vortrag, manchmal kam mir auch das böse Wort „klugscheißerisch“ in den Sinn, denn in der Fülle langweilt es einfach nur noch. Dabei wird nicht nur seitenlang über fallrelevante Themen referiert, sondern es werden auch gerne mal Dinge erklärt, die überhaupt nichts mit den Verbrechen zu tun haben. Man kann das Buch locker großzügig querlesen, ohne irgend etwas Wichtiges zu verpassen.
Ganz schlimm sind auch die ständigen Wiederholungen: wieder und wieder wird dem Leser etwas vorgekaut und man kommt sich vor, als würde man für absolut dumm gehalten.

Eine aufwändig gestrickte Handlung habe ich leider auch vermisst und Spannung kommt durch die ganzen Abhandlungen und Ausschweifungen sowieso keine auf. Da helfen auch keine möglichst ekligen und detailreichen Schilderungen der Morde. Meistens geraten bei Thrillern auch die „Guten“ etwas in Bedrängnis, was etwas für Nervenkitzel sorgen soll, aber solche Szenen fehlen hier auch.

Eigentlich hätte ich schon bei Seite 22 aufhören sollen mit dem Lesen, denn da hat der Mörder bereits den zweiten Hund um die Ecke gebracht. Das geht für mich normalerweise gar nicht. Aber ich wollte meinem ehemaligen Lieblingsautor noch eine Chance geben, die er leider nicht genutzt hat.

Fazit:
Hier stimmt noch der alte Spruch: „Früher war alles besser“! Ich wünsche mir den früheren Etzold zurück, bei dem man nicht den Eindruck hat, es geht beim Schreiben nur darum, geballtes und teilweise unnützes Wissen über alles Mögliche loszuwerden. 🙁

Bewertung:
2pfoten

Das Geheimnis des Genter Altars von Klaus-Jürgen Wrede – Meine Rezension …

Broschiert: 444 Seiten
Verlag: Acabus Verlag; Auflage: 1 (3. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3862823679
ISBN-13: 978-3862823673
Autor: Klaus-Jürgen Wrede

Die Geschichte:
Daniel findet seinen Nachbarn und Freund Juri leblos in dessen völlig zerstörter Wohnung auf. Fast gleichzeitig taucht Juris Schwester Mara auf und berichtet Daniel von einem Geheimnis, das wohl zu diesem Verbrechen geführt hat. Die Täter waren auf der Suche nach etwas, für das sie sogar über Leichen gehen.
Daniel und Mara entschlüsseln gemeinsam die Hinweise, die Juri ihnen hinterlassen hat und begeben sich auf eine spannende, abenteuerliche Reise. Ihr Weg führt sie zunächst nach Belgien, denn das Geheimnis hat mit der 1934 verschwundenen Tafel des berühmten Genter Altars zu tun.
Leider sind ihnen diverse Verfolger immer dicht auf den Fersen und sie geraten in so manch brenzlige Situation.
Am Ende landen sie in Südfrankreich und folgen der Fährte bis in eine Gegend, in der früher die Templer sehr aktiv waren. Haben auch sie mit dem Geheimnis zu tun, das Daniel und Mara so verzweifelt zu ergründen versuchen?

Meine Meinung:
Klaus-Jürgen Wrede hat sich ja bisher als Spieleerfinder einen großen Namen gemacht, aber auch als Autor muss er sich wahrlich nicht verstecken.
Der Schreibstil ist zwar stellenweise eher einfach und schnörkellos, aber für einen Thriller ist dies genau richtig. Da erwarte ich keine literarischen Höhenflüge, sondern einfach spannende Action und das bietet dieses Buch auf jeden Fall.

Die Protagonisten hat er auch wunderbar charakterisiert: sie wirken lebendig und sympathisch – auch die Nebendarsteller.
Manchmal erscheinen sie auch ein bisschen übermenschlich „unkaputtbar“, aber das müssen sie wohl sein, denn der Autor geht nicht gerade zimperlich mit seinen Figuren um. 😉 Mara und Daniel geraten in so viele lebensbedrohliche Situationen, dass ich beim Lesen oft das Gefühl hatte, dass sie da einfach unter normalen Umständen niemals heil davon gekommen wären. Aber sie schaffen es glücklicherweise immer wieder und es hat mir echt Spaß gemacht, mit den beiden mitzufiebern.

Was zunächst wie eine Schnitzeljagd beginnt, wird schnell zu einer fesselnden Schatzsuche á la Dan Browns „Sakrileg“. Es gibt einige Parallelen, was aber nicht weiter verwunderlich ist, denn um die Geschichte der Templer, Merowinger, Katharer, etc. und deren Geheimnissen ranken sich so viele Legenden, dass dies Stoff für Hunderte von Büchern geben würde. Durch die umfassenden Recherchen des Autors erfahren wir auch viele reale Begebenheiten, die geschickt mit der fiktiven Story verknüpft wurden.

Am Ende finden wir uns in einer Gegend wieder, die ich persönlich ja nur zu gerne mag: Südfrankreich. Hier sind die Berge oft von ausgedehnten Höhlensystemen durchzogen, die geradezu zur Schatzsuche einladen. Die realistischen Beschreibungen der Schauplätze haben mir sehr gut gefallen, denn man kann sich alles prima vorstellen.

Wie schon erwähnt, wird es an manchen Stellen ein klein wenig unglaubwürdig, wenn Daniel und Mara ihre Superman-Gene entdecken und zäh wie sonst nur Indiana Jones selbst größte Gefahren meistern. Aber das passte prima zu diesem actionreichen Thriller und deshalb gibt es dafür keinen Punktabzug.
Die Geschichte hat mich bestens unterhalten und mir einige wirklich schöne und aufregende Lesestunden beschert.

Fazit:
Sehr spannend, gut recherchiert und dazu noch die interessanten Schauplätze … bin begeistert von diesem Debüt!

Bewertung:
5pfoten

Sag, es tut dir leid von Michael Robotham – Meine Rezension …

Broschiert: 480 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (16. September 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442313163
ISBN-13: 978-3442313167
Originaltitel: Say you’re sorry
Übersetzer: Kristian Lutze
Autor: Michael Robotham

Die Geschichte:
Die beiden Freundinnen Piper und Tash (Natasha) verschwinden im Alter von 15 Jahren spurlos nach einem Kirmesbesuch. Umfangreiche Suchmaßnahmen und die polizeilichen Ermittlungen bringen keine Ergebnisse, man vermutet, dass die beiden Mädchen gemeinsam weggelaufen sind.
Als Leser wissen wir allerdings mehr, denn die wechselnden Kapitel werden uns von verschiedenen Erzählern geschildert. Wir erfahren von Piper, was sie in Gefangenschaft erlebt und andererseits begleiten wir den Psychologen Joe O’Loughlin, der der Polizei bei den Ermittlungen hilft.
Tash kann schließlich dem Entführer entkommen, doch ihre Flucht nimmt ein tragisches Ende. Kann Joe helfen, Piper noch rechtzeitig zu finden, bevor der Täter ihr etwas antut?

Meine Meinung:
Durch die wechselnden Perspektiven liest sich das Buch total fesselnd und man merkt gar nicht, wie schnell man die Seiten umblättert.
Piper erzählt, was die beiden Mädchen in ihrem Versteck alles erdulden müssen. Ihren Entführer nennen sie „George“, aber sie kennen den Mann nicht wirklich. Manchmal behandelt er sie ganz gut, dann tickt er wieder völlig aus und verhält sich sehr unberechenbar. Vor allem Tash hat unter ihm zu leiden und irgendwann gelingt ihr wirklich die Flucht. Man fiebert richtig mit, obwohl man durch den Klappentext ja vorher schon weiß, dass es kein gutes Ende nimmt mit ihr.

Joe ist in diesem Band der Reihe wieder der Hauptcharakter, der uns auch die Ereignisse aus seiner Sicht schildert. In anderen Büchern ist er wohl manchmal sogar nur Nebenfigur, wie ich durch Recherche im Internet erfahren habe. Doch für mich war dies meine erste Begegnung mit ihm, deshalb hätte mich auch nicht gewundert, wenn sein Kumpel Ruiz uns die Story erzählt hätte. 🙂
Beide Männer waren mir übrigens gleich sehr sympathisch, wie auch noch weitere Figuren, z. B. Joes Tochter.
Obwohl ich die immerhin sieben Vorgängerbände nicht kannte, hatte ich an keiner Stelle das Gefühl von großen Wissenslücken, wie es leider oft bei Buchreihen der Fall ist, wenn man mittendrin einsteigt.
Michael Robotham schafft es trotzdem, dass man sich sehr schnell mit den lebendig beschriebenen Protagonisten anfreundet und auch seine Schauplätze wirken authentisch.

Über mangelnde Spannung konnte ich mich auch überhaupt nicht beschweren. Und das ohne viele widerlich-ausführlich blutige Szenen, sondern allein durch eine gut erzählte Story.

Mir hat es super gefallen und ich bin froh, dass in meinem Regal noch weitere Bücher aus der Reihe auf mich warten! 🙂

Fazit:
Sehr spannend erzählt, sympathische Charaktere und ein überraschendes Ende – perfekt!

Bewertung:
5pfoten

Die Brücke der Gezeiten – Die scharlachrote Armee von David Hair – Meine Rezension …

Broschiert: 512 Seiten
Verlag: Penhaligon Verlag (29. Juni 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764531398
ISBN-13: 978-3764531393
Originaltitel: The Scarlet Tides (The Moontide-Quartet 2) Part One
Übersetzer: Michael Pfingstl
Autor: David Hair

Hier findet ihr eine LESEPROBE!

Bisherige Bücher der Reihe:

Die Geschichte:
Im dritten Teil der Saga erhebt sich die Leviathanbrücke nach 12 Jahren endlich wieder aus den Fluten und wird passierbar. Dies nutzt die scharlachrote Armee, unter ihnen befindet sich auch Ramon.
Elena hat zunächst den Kampf gegen ihren Widersacher Gurvon Gyle verloren, doch sie hat noch lange nicht aufgegeben. Ihre Wege kreuzen sich irgendwann mit denen Kazims.
Ramita befindet sich nach dem Tod ihres Mannes in großer Gefahr, denn sie ist schwanger. Sind die Zwillinge von Kazim oder von Antonin, dem verstorbenen Erzmagus?
Und dann verfolgen wir in diesem Teil natürlich auch, wie es mit Cym weitergeht, die sich gerade mit der Skytale auf der Flucht befindet – und mit Alaron, der sie verzweifelt sucht.

Meine Meinung:
Für die Stammleser der Reihe ein weiterer spannender Teil der Saga, für Neuleser ist ein Einstieg bei Band 3 nicht empfehlenswert, denn ohne die Vorgeschichte zu kennen, wird man vielem leider nicht folgen können. Da hilft auch ein kurzes „Was bisher geschah“ am Anfang des Buches wenig weiter.
Sogar ich als Fan tat mich anfangs etwas schwer, wieder in die Geschichte hineinzufinden, denn es geht gleich wieder voll zur Sache: es werden neue Ränke geschmiedet, Allianzen geknüpft, Herrscher erpresst und Fallen gestellt. Bis ich mich wieder vollständig an das „Wer gegen wen“ erinnert habe, sind einige Seiten vergangen.

Für das bessere Verständnis findet man immer einen umfangreichen Anhang in den Büchern, der die wichtigsten Personen aufführt und grundlegende Dinge erklärt (Zeitrechnung, Religionen, etc.). Außerdem sind innen im Umschlag detaillierte Karten der Kontinente abgedruckt.

Die Geschichte wird ja in wechselnden Handlungssträngen erzählt, in denen wir jeweils andere Personen begleiten: hauptsächlich Ramita, Kazim, Alaron, Ramon und Elena. Doch natürlich hängen diese Einzelschicksale alle zusammen, sind verbunden durch ein großes Ganzes, das immer wieder sichtbar wird.

Sehr interessant fand ich in diesem Band die Erlebnisse von Alaron, der sich auf der Suche nach Cym und der Skytale befindet. Sie werden gejagt von der Inquisition und dabei kommt es zu Szenen, die mich stark an die Flucht von Hobbit Frodo vor den Ringgeistern erinnerten. Immer mehr „Gnosisgeschöpfe“ tauchen in diesem Band auf, also durch Magie erschaffene Mischwesen, die mitunter ganz schön furchteinflößend beschrieben werden.

Die wichtigsten Charaktere kannte ich ja bereits aus den Vorgängerbänden und die meisten von ihnen haben sich auch schon einen festen Platz im Leserherz erobert. Vor allem Alaron und Elena mag ich sehr gerne.
So fand ich es umso grausamer, dass dieser Band ausgerechnet mitten in einer Szene mit Elena endet und man eigentlich sofort wissen möchte, wie es weitergeht. Gut, dass ich dieses Mal auf die Fortsetzung nur bis Oktober warten muss. 😉

David Hair hat mit dieser Saga eine Fantasywelt erschaffen, die unserer realen Welt leider oft etwas zu ähnlich ist. Viele Begriffe werden einfach leicht abgeändert, so wird zum Beispiel aus „Porridge“ „Porrij“ oder aus „Yoga“ wird „Goyo“ und so weiter. Auch die Kontinente, Völker und Religionen orientieren sich übermäßig stark an echten Vorbildern: Indien ist deutlich erkennbar, aber auch die sizilianische Mafia und vieles andere.
Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und es stört mich nicht mehr allzu sehr, vor allem weil in diesem Teil die vielen Gnosisgeschöpfe für Abwechslung und echtes Fantasygefühl sorgen. 🙂

In die Charakterisierung seiner Protagonisten legt er allerdings viel Herzblut und auch die Beschreibungen der Umgebung wirken sehr lebendig und eindrücklich.

Auf die Fortsetzung freue ich mich schon sehr und kann es kaum erwarten. Der Spannungsbogen am Ende des Buches war recht hoch und dann endete es leider sehr abrupt.

Fazit:
Für Fans der Saga natürlich ein Muss, für alle anderen: bitte mit Band 1 beginnen und die Bücher der Reihe nach genießen, sonst kann man den Zusammenhänge kaum verstehen.

Bewertung:
4,5pfoten

Und damit geht´s schon im Oktober 2015 weiter:

Und du bist nicht zurückgekommen von Marceline Loridan-Ivens – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 111 Seiten
Verlag: Insel Verlag; Auflage: 1 (6. September 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3458176608
ISBN-13: 978-3458176602
Originaltitel: Et tu n’es pas revenu
Übersetzerin: Eva Moldenhauer
Autorin: Marceline Loridan-Ivens

HIER findet ihr ein Autorenvideo und HIER eine Leseprobe.

Die Geschichte:
Mit 86 Jahren blickt Marceline zurück auf ihr Leben und wendet sich in diesem Buch noch einmal direkt an ihren im Krieg verschollenen Vater.
Im April 1944 wurden die beiden zusammen deportiert und landeten schließlich in Auschwitz-Birkenau. Was sich wie ein Ort anhört, waren jedoch zwei getrennte Lager: Marceline saß in Birkenau ein, ihr Vater nur etwa drei Kilometer entfernt in Auschwitz. Nur mickrige drei Kilometer, aber diese Distanz konnten sie nur ein einziges Mal überwinden in Gestalt eines kleinen Zettels, den ein Elektriker nach Birkenau hineinschmuggelte.
Marceline erinnert sich nicht mehr an die wenigen Zeilen, nur die Anrede und die Grußformel sind ihr im Gedächtnis geblieben. Immer wieder hadert sie mit sich, zermartert sich in den vielen Jahren danach das Gehirn, aber es will ihr nicht mehr einfallen, was ihr Vater ihr damals als letzte Botschaft geschickt hatte.

Es war notwendig, dass das Gedächtnis zerbrach, sonst hätte ich nicht leben können. (S. 29)

An so vieles andere kann sie sich aber lebhaft erinnern … an das unvorstellbare Leid, das sie im Lager ertragen mussten, an Hunger, Krankheiten, Tod und Hoffnungslosigkeit.
Als sie nach Kriegsende wieder zu ihrer Familie heimkehrt, ist nichts mehr wie es war. Der Vater fehlt einfach überall, lange Zeit noch hoffen sie, dass er wieder auftaucht. Doch schließlich wird er für tot erklärt.
Marceline kann ihr eigenes Überleben nicht immer als Geschenk betrachten, oft kommt es ihr auch wie ein Fluch vor. Und der Verlust des Vaters reißt eine klaffende Wunde in die Familie, die nie mehr heilen kann.

Meine Meinung:
Besonders angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatten finde ich solche Bücher immer sehr wichtig. Leider werden aber die Personen, die es nötig hätten, sich gewisse geschichtliche Geschehnisse wieder einmal ins Gedächtnis zu rufen, kaum zu solcher Lektüre greifen.

Dieses Buch ist sehr persönlich, denn Marceline schildert ein Einzelschicksal bzw. das Schicksal ihrer Familie und solche Berichte sind immer noch ein bisschen eindrücklicher als allgemeine Informationen über die Gräueltaten der Nazis.
Der Fokus liegt hier auch nicht unbedingt auf den Erlebnissen im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, sondern es geht viel mehr darum, was diese Tragödie aus Marcelines Familie gemacht hat. Sie selbst hat überlebt, aber sie kann das nicht wirklich genießen. Sie wünscht sich sogar oft, sie wäre anstatt des Vaters gestorben.
Andere Familienmitglieder zerbrechen am Verlust des Vaters, schaffen es einfach nicht, das Ganze zu verarbeiten.
Auch die Entscheidungen vor dem Krieg werden angesprochen: hätte man die Tragödie verhindern können, wäre man anderswo sicherer gewesen?

Marceline Loridan-Ivens erzählt auch, was danach aus ihrem Leben geworden ist, wie sie und ob sie die Erlebnisse verarbeitet hat. Was sie mit ihrem zweiten Ehemann Joris Ivens geleistet hat, finde ich sehr beeindruckend: sie filmten in Kriegsgebieten und wollten den Menschen damit helfen.
Für mich ist Marceline eine beeindruckende, starke Frau, die trotz aller Widrigkeiten die Hoffnung niemals aufgegeben hat. Wirklich toll!

Fazit:
Eindrücklich, persönlich und erschreckend … ein wichtiges Buch gegen das Vergessen.

Bewertung:
5pfoten

Bretonischer Stolz von Jean-Luc Bannalec – Meine Rezension …

Broschiert: 384 Seiten
Verlag: KiWi-Paperback (17. Juni 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462048139
ISBN-13: 978-3462048131
Autor: Jean-Luc Bannalec

Die bisherigen Bücher der Reihe:

Die Geschichte:
Alles beginnt mit einem Toten auf einem Parkplatz, der bis zum Eintreffen der Polizei wieder spurlos verschwunden ist. Die einzige Zeugin ist eine alte, etwas wunderliche Frau, der nicht jeder Glauben schenken will. Doch dann taucht etwas später (noch) eine Leiche auf: schlimm zugerichtet und in den Bergen abgestürzt.
Kommissar Dupin glaubt der Zeugin und er findet sogar bald Parallelen zwischen den beiden Fällen. Als dann allerdings verschiedene Spuren nicht nur in die Druidenszene führen, sondern auch noch Dudelsackfans, Sandräuber, Keltenbrüder und Austernzüchter eine Rolle spielen, wird die Sache immer wunderlicher. Da fehlt es Dupin gerade noch, dass er außerdem mal wieder Ärger mit seinem Vorgesetzten bekommt.

Meine Meinung:
Dupin und sein Team mag ich sehr gerne, deshalb habe ich schon einige Teile der Reihe gelesen bzw. als durchaus gelungene Verfilmung im TV genossen. So war ich natürlich auch auf den neuen Fall sehr gespannt …

Wer die Reihe kennt, weiß, dass Infos über Land und Leute nicht zu kurz kommen: eben richtige Regionalkrimis. Das ist für mich als Frankreichfan auch ein wichtiger Grund, warum ich die Bücher so mag.
In diesem Band kam es mir allerdings stellenweise so vor, als wäre der Autor ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen. Es waren unglaublich viele Infos über alle möglichen Themen, die man liest und eigentlich auch gleich wieder vergisst. Natürlich waren auch ein paar interessante Erklärungen darunter, wie zum Beispiel über die Austernzucht, die auch länger im Gedächtnis bleiben.
Die Häufung der Lobeshymnen auf die Bretonen und ihre Erfindungen und Errungenschaften habe ich auf den Buchtitel zurückgeführt: hier sollte wohl der „bretonische Stolz“ gerechtfertigt werden. Das ist zwar eindrucksvoll gelungen, aber es lenkte doch manchmal von der Krimihandlung ab, so dass insgesamt wenig Spannung aufkam.

Der Fall an sich präsentiert sich zunächst sehr verworren und mit unzähligen möglichen Motiven und Spuren. Ab einem bestimmten Punkt (und etwas zu früh) war die Lösung allerdings leicht vorhersehbar, doch trotzdem hat es der Autor geschafft, mich am Ende noch mit etwas anderem zu überraschen. Aber ich verrate hier natürlich nichts. 🙂

Die Charaktere waren mir ja schon aus früheren Büchern bekannt und es gibt unter ihnen einige sehr sympathische Leute: Dupin natürlich, aber auch seine Freundin, einige seiner Mitarbeiter und die alte Dame, die als wichtige Zeugin eine größere Rolle spielt. Auch der Präfekt, mit dem sich Dupin gerne anlegt, bekommt wieder seine Auftritte – und man kann ihn wirklich leidenschaftlich hassen.

Fazit:
Es war wieder ein Vergnügen, das Buch zu lesen. Allerdings waren mir diesmal die Nebeninformationen einfach zu umfangreich. Die schönen Landschaftsbeschreibungen hingegen habe ich wieder sehr genossen: ein kleiner Urlaub im Alltag! 🙂

Bewertung:
3,5pfoten

Dreikampf von Sabine Fink – Meine Rezension …

Broschiert: 281 Seiten
Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 1 (1. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839217350
ISBN-13: 978-3839217351
Autorin: Sabine Fink

Die bisherigen Bücher der Reihe:

Die Geschichte:
Die Kommissarin Maria Ammon nimmt im dritten Teil der Krimireihe als Staffelläuferin an einem Triathlon in Roth teil. Hochkonzentriert auf den eigenen Einsatz nimmt sie einige Vorfälle während der Veranstaltung zunächst nur eher nebenbei wahr: ein Schwimmer stirbt, ein Radfahrer stürzt schwer, ein Läufer wird vergiftet. Doch einen Todesfall erlebt sie hautnah, denn sie ist als eine der ersten am Ort des Geschehens. Der Sohn eines bekannten Sportgeschäftsinhabers wird tot auf einer Toilette gefunden.
Maria fragt sich, ob all diese Fälle irgendwie zusammenhängen, doch sie ahnt noch nicht, dass sie dem Täter damit gefährlich nahe kommt und bald ebenfalls in dessen Visier gerät.

Meine Meinung:
Mit Sport hab ich ja eigentlich so gar nichts am Hut und so hat mich das Cover (obwohl es wunderschön gemacht ist mit aufwändigem Glanzdruck) und der Titel zunächst nicht so angesprochen. Doch dann hab ich gelesen, dass es sich um einen Krimi handelt, der sich praktisch gleich in der Nachbarschaft, nämlich in der Nürnberger Gegend abspielt und schon war mein Interesse geweckt.
Daran sieht man auch gleich, dass ich die Reihe vorher (leider) noch nicht kannte. Trotzdem hab ich mich ganz gut zurechtgefunden mit den Charakteren und ihrer Vorgeschichte. Die Autorin hat einige kleine Rückblicke so geschickt platziert, dass man als Leser unbedingt wissen will, was vorher schon passiert ist: so stehen die beiden Vorgänger natürlich jetzt auf meiner Wunschliste ganz oben. 🙂

Aber nun endlich zum Wesentlichen … zunächst die Charaktere: Maria war mir gleich sympathisch. Sie wirkt so natürlich und umgänglich – im Umgang mit Kollegen genauso wie innerhalb ihrer Familie. Was ihre Beziehungen zu Männern betrifft, ist sie zwar wohl nicht so erfolgreich wie im Lösen ihrer Fälle, aber dazu muss ich noch die Vorgängerbände lesen, die hier etwas Licht ins Dunkel bringen.
Michelle ist Praktikantin und steht Maria immer zur Seite. Auch sie habe ich gleich sehr gemocht, da sie so ungekünstelt, frech, mutig und klug rüberkommt.
Dann gibt es da natürlich noch eine ganze Menge anderer Figuren, die ich mal mehr und mal weniger gut fand. Charakterisiert waren sie alle bestens, auch Nebendarsteller bleiben nicht blass.

Mit der gleichen Liebe zum Detail beschreibt Sabine Fink auch ihre Schauplätze. So kommt es, dass man sich fast fühlt, als stünde man mitten im Trubel des riesigen aufregenden Sportevents. Sie hat die Atmosphäre perfekt eingefangen und auf die Seiten gebannt. Besonders gefreut habe ich mich auch über einige Dialoge, die sehr realitätsgetreu im fränkischen Dialekt geschrieben wurden. Man muss aber auch als Fränkisch-Unkundiger keine Angst haben, denn diese Passagen halten sich doch sehr in Grenzen.

Auch durch das sehr hohe Maß an Spannung, das schon auf den ersten Seiten aufkommt, wirkt die ganze Geschichte nicht wie der typische Regionalkrimi, denn diese sind doch meistens eher unblutig und harmlos.
Hier ist das ganz anders, wobei die Autorin es aber auch nicht nötig hat, zu sehr in blutige Details zu gehen. Viel mehr erzeugt sie eine nervenzerreißende Atmosphäre durch kleine Andeutungen, geschickt platzierte Kapitel aus Tätersicht und die Verwendung beinahe mystischer Elemente.
Was Sabine Fink auch absolut perfekt beherrscht, das ist das „In-die-Irre-führen“ des Lesers, wobei ich mich hier als „geübter“ Krimileser auch nicht ausnehmen kann. Auch ich bin bereitwillig ihren geschickt gelegten falschen Spuren gefolgt, die zwar stellenweise schon etwas durchschaubar waren, aber was die wahre Auflösung betraf, hatte ich trotzdem keinerlei Ahnung. Immer wieder wurde ich überrascht und am Ende fügte sich – trotz vieler Irrwege – alles sauber zusammen.

Wirklich toll geschrieben und so fesselnd, dass ich das Buch fast gar nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Die Auflösung wird noch unterstützt von einigen Erklärungen und Rückblicken, was der ganzen Geschichte noch mehr Authentizität verleiht. Und man merkte auch, dass die Autorin hier viel recherchiert hat.

Fazit:
Ein Verwirrspiel der Extraklasse … habe schon lange keinen Krimi mehr gelesen, der mich so oft überraschen konnte!

Bewertung:
5pfoten

Amsterdam blutrot von Lena Avanzini – Meine Rezension …

Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Emons Verlag (16. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3954516616
ISBN-13: 978-3954516612
Autorin: Lena Avanzini
LESEPROBE

Die Geschichte:
Maxi (39) lebt mit zwei etwas skurrilen Mitbewohnern auf ihrem eigenen Hausboot in Amsterdam. Doch auch sie selbst ist nicht gerade das, was man als „normal“ bezeichnen würde: sie verdient ihr Geld als freiberufliche Klavierlehrerin, in ihrer Freizeit liest sie leidenschaftlich gerne Krimis und sie hat eine besondere Fähigkeit, die ihr manchmal echt zu schaffen macht. Maxi kann Töne als Farben sehen und gehört damit zu den extrem seltenen Synästhetikern.

Als die Mutter eines Klavierschülers brutal ermordet aufgefunden wird, erschwindelt sich Maxi ganz dreist Zugang zum frischen Tatort. Sofort ist ihr kriminelles Gespür geweckt und sie kann sich einfach nicht zurückhalten: sie muss selbst ermitteln. Der zuständige Hoofdinspecteur Cornelius Bontekoe erscheint ihr sowieso vollkommen unfähig zu sein, was ihren Ehrgeiz erst recht anstachelt.
Dank eines Tipps von ihrem Klavierschüler hat Maxi auch bald eine heiße Spur und die führt zu einem noch heißeren Callboy – und geradewegs hinein in ein extrem gefährliches Abenteuer!

Meine Meinung:
Dieser Krimi hat mich auf ganzer Linie überzeugt, denn hier stimmt für meinen Geschmack einfach alles. 🙂

Fangen wir mit den Protagonisten an: Maxi mochte ich gleich sehr gerne, da sie eine toughe ungewöhnliche Frau ist, die allerdings oft etwas über´s Ziel hinausschießt. Sie hat ein großes Herz, das merkt man auch gleich im Umgang mit ihren beiden leicht durchgeknallten Mitbewohnern. Tess ist Medizinstudentin mit einem besonderen Talent für das Zerschnippeln von Leichen und ihr Traumberuf ist Präparatorin für Gunther van Hagens. Rudel ist ein schwäbischer Fotograf und der mieseste Hobbygärtner aller Zeiten.
Und dann wäre da noch der Hoofdinspecteur Cornelius: auch der hat sich bald einen Platz in meinem Leserherz erobert – und daran ist eine gewisse Karin nicht ganz unschuldig. 🙂
Es gibt aber noch mehr liebenswerte Figuren in dieser Story – und alle wirken lebendig und wurden mit viel Liebe charakterisiert.

Dann kommen wir zum Schreibstil, der mir auch sehr gut gefallen hat. Lässt sich super lesen, sehr flüssig und die Dialoge sind lebensnah und glaubhaft. Manche Kapitel werden aus einer besonderen Sichtweise geschildert, doch ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten.

Die Krimihandlung ist super durchdacht und man kann gut miträtseln und mitfiebern, wenn Maxi sich mit Übereifer in ihre Hobbyermittlungen stürzt. Falsche Spuren, einige actionreiche und thrillerwürdige Szenen und ausreichend Tote sorgen für die nötige Spannung. Hab das Buch nur noch ungern aus der Hand gelegt und fast in einem Rutsch durchgelesen bis zum stimmigen Ende.

Der Schluss hat mir gefallen und ich hoffe jetzt, dass ich bald noch mehr von Maxi, Cornelius & Co. lesen darf!
Urlaub in Amsterdam steht sowieso auf unserem Plan und durch diesen Krimi habe ich jetzt schon einmal einen ersten Eindruck von Land und Leuten erhalten. Wobei sich die lokalen Besonderheiten immer prima in die Story einfügen und niemals zu dominant wirken – sehr gut gemacht.

Fazit:
Einfallsreich, humorvoll, super durchdacht, spannend – und dazu noch sympathische Ermittler. Jetzt warte ich auf eine Fortsetzung! 🙂

Bewertung:
5pfoten

Kräuterrosi, ledig, sucht … von Doris Fürk-Hochradl – Meine Rezension …

Broschiert: 304 Seiten
Verlag: Emons Verlag (12. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3954515229
ISBN-13: 978-3954515226
Autorin: Doris Fürk-Hochradl
LESEPROBE

Die Geschichte:
Die „Kräuterrosi“ (62) heißt so, weil sie bei ihren Mitmenschen dafür bekannt ist, für nahezu jedes Wehwehchen das richtige Hausmittel zur Hand zu haben. Auch für allerhand andere Probleme ist sie die erste Anlaufstelle, denn sie ist einfach sympathisch, hilfsbereit und hat immer ein offenes Ohr.
So ist die Rosi natürlich auch gleich Feuer und Flamme, als in ihrem kleinen Dorf ein angeblicher Mord passiert: ein Mann stirbt im Moor und ausgerechnet ihr tierlieber Freund Hias ist der Hauptverdächtige, da er sich am Vortag noch lautstark mit dem Opfer gestritten hat.
Doch das bleibt nicht die einzige Aufregung in Rosis Leben: eine Radio-Datingshow, ein angedrohter Urlaub mit der Schwägerin, das seltsame Liebesleben ihrer Tochter, die Verbrechensvorwürfe gegen ihren Sohn und dann auch noch ein Bordellbetreiber mit besonders delikaten Problemen halten sie extrem auf Trab. Langeweile kommt hier nicht so schnell auf!

Meine Meinung:
Mit Rosi hab ich mich gleich wohlgefühlt, sie ist echt ne ganz Liebe … so eine Nachbarin kann man sich nur wünschen. An ihr hat mich nur gestört, dass sie manchmal sehr unentschlossen war und so einige Dinge unnötig in die Länge gezogen hat. Aber das sei ihr verziehen. 🙂
Auch viele andere Charaktere wirkten gleich sympathisch und liebenswürdig und man fiebert gerne mit ihnen mit, wenn sie gemeinsam diverse Abenteuer bestehen müssen.

Das Buch las sich kurzweilig, humorvoll und durch die verschiedenen Handlungsstränge auch recht abwechslungsreich. Was mich allerdings etwas gestört hat: eine Liebesgeschichte, die etwas zu viel Raum einnahm und zu sehr von der Krimihandlung ablenkte. Von der im Buchrückentext angepriesenen „Hochspannung“ war deshalb für mich als leidenschaftlichen Krimi- und Thrillerleser leider nichts zu spüren, aber die „fröhliche Unterhaltung“ kann ich voll bestätigen! 🙂
Fesselnd war es aber trotzdem und aufgrund fehlender Schockmomente kann ich das Buch auch allen Nicht-Krimilesern guten Gewissens empfehlen. Jedes Kapitel wird außerdem mit nützlichen Tipps eingeleitet: Rosi verrät ihre Hausmittelchen gegen Verstauchungen, Kopfschmerzen und allerhand anderer kleiner Beschwerden des Alltags.

Richtig toll fand ich das Ende der Geschichte, das schlüssig und reichlich positiv daherkommt. Auch fast schon wieder zu nett und lieb für einen Krimi – aber passend zur Rosi! 😉

Fazit:
Unterhaltsame Geschichte mit liebenswerten Charakteren, leider mit etwas viel Ablenkung von der Krimistory, die dadurch leider deutlich an Spannung einbüßt.

Bewertung:
4pfoten

Geheimprojekt Flugscheibe von Sebastian Thiel – Meine Rezension …

Broschiert: 278 Seiten
Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 1 (1. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839217997
ISBN-13: 978-3839217993
Autor: Sebastian Thiel

Die vorherigen Bände der Reihe:

Die Geschichte:
Im dritten Teil der Reihe (Mitte Februar 1945) ist der ehemalige Polizist Nikolas Brandenburg gerade noch dabei, seine Verletzungen auszukurieren, die er sich bei der letzten Widerstandsaktion zugezogen hat. Noch immer hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, sein kleines Patenkind Marie wieder zu finden, deren Vater von Nikolas‘ Ex-Chef Luger ermordet wurde.
Dann taucht ein amerikanischer Geheimdienstler auf, der Nikolas erzählt, dass Marie noch lebt.
Zur gleichen Zeit wird in der Nähe von Berlin ein seltsames flaches Flugobjekt beobachtet. Hat Hitler wirklich eine Wunderwaffe entwickeln können, die den Ausgang des Krieges noch verändern kann?
Nikolas macht sich mit einigen alten Bekannten auf den Weg zur Wewelsburg, denn dort vermuten sie Hinweise, die sie nicht nur zur geheimnisvollen Flugscheibe führen sollen sondern auch zu Marie.

Meine Meinung:
Sebastian Thiel schafft es einfach grandios, den Leser in die düstere, erschreckende Atmosphäre des Krieges zu entführen. Ausführliche Recherchen und viele interessante zeitgeschichtliche Infos, die er so nebenbei in die Story einstreut, bringen einem die furchtbare Zeit sehr nahe. Das allein erzeugt schon ein hohes Maß an Spannung, aber dann ist da ja auch noch Nikolas und seine sympathische Truppe, die wieder sehr viele heikle Abenteuer bestehen müssen.

Ok, nicht alle im Team wirken auf den ersten Blick liebenswürdig, doch das liegt oft an ihrer schlimmen Vergangenheit. Jeder hat sein Päckchen zu tragen und seine eigenen Gründe, warum er oder sie sich dem Widerstand angeschlossen haben.
Zwar kann man der Geschichte auch ganz gut folgen, wenn man die Vorgängerbücher nicht kennt. Aber ich würde trotzdem dringend dazu raten, die Reihe komplett zu lesen. So entwickelt man auch eine tiefere Beziehung zu den Charakteren.

Nicht nur an Nikolas kann man sehr gut sehen, was der Krieg mit den Menschen anstellt. Sie werden gezwungen, Dinge zu tun, die sie normalerweise niemals tun würden. Diese „Verrohung“ der Gesellschaft kommt auch an vielen Stellen im Buch sehr gut zur Geltung. Oft kann man sich als Leser fragen, wie weit man selbst gehen würde. Wie wichtig ist Rache, wenn man dadurch selbst zum Täter wird?
Und dann sind da aber auch noch die tröstlichen Momente: das Wiedersehen mit alten Weggefährten und sogar ein bisschen Liebe in Zeiten des Hasses.

Alles in allem wieder ein absolut gelungenes, spannendes, informatives Buch, das mich allerbestens unterhalten hat. Der halbe Stern Abzug liegt einzig daran, dass mir das Ende zu offen war. Es blieben zu viele meiner Fragen unbeantwortet und das mag ich immer gar nicht.

Fazit:
Eine sehr spannende, informative Krimireihe, die ich jedem Spannungsfan nur wärmstens empfehlen kann. Aber lest die Bücher am besten der Reihe nach für den vollen Genuss! 🙂

Bewertung:
4,5pfoten