SCHATTEN DER SCHULD von Petra Johann – Meine Rezension …

Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (16. November 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3734102030
ISBN-13: 978-3734102035
Autorin: Petra Johann

Die Geschichte:
Hauptkommissarin Charlotte (Charly) Rumor wird von ihrem Chef Frank Quirin extra aus dem Urlaub an einen Tatort gerufen. Als sie die Tote sieht, erkennt sie sofort den Zusammenhang mit einer ungelösten Mordserie, bei der vor einigen Jahren drei Frauen ums Leben kamen: die tödlichen Wunden deuten auf eine Axt oder ein Beil als Tatwaffe hin.
Das damalige Ermittlerteam ist sich einig: der „Axtmörder“ ist wieder aktiv. Nur Benny, der neue Partner von Charly, hat einen frischen Blick auf die damaligen Verdächtigen, die Indizien und Zusammenhänge. Er ist noch nicht lange bei der Mordkommission, wird aber aufgrund seines sehr jugendlichen Aussehens auch von manchen Kollegen nicht gleich wirklich ernst genommen.
Die tote Frau kann sehr lange nicht identifiziert werden, doch sie wird schmerzlich vermisst: in einer abgelegenen Blockhütte wartet die 16-jährige Lilli auf ihre Rückkehr.
Charly hat ein sehr persönliches Problem mit dem „Axtmörder“-Fall und das holt sie jetzt mit aller Härte ein und bringt sie in große Bedrängnis …

Meine Meinung:
Am Anfang habe ich mich gefühlt wie bei einem Puzzlespiel: man sieht auf der Vorlage zwar schon, wie es einmal aussehen soll, aber man hat trotzdem keine Ahnung, wie die vielen Teile sinnvoll zusammengehören. Die Autorin lässt uns einiges wissen, aber umso mehr verbirgt sie im Dunklen – und sie lässt ihre Figuren permanent diesbezügliche Anspielungen machen. Man bekommt also als Leser nur bröckchenweise Informationen, was natürlich neugierig macht, aber auch ein bisschen für Ungeduld sorgte bei mir.

Bis man die Protagonisten richtig kennenlernt, vergeht auch einige Zeit. Charly, Benny, Mick und Frank waren mir aber auf Anhieb recht sympathisch und dieser Eindruck verstärkte sich noch. Es gibt viele undurchsichtige Charaktere in dieser Geschichte, die man nur schwer einschätzen kann – und mit deren Hilfe sich natürlich vortrefflich falsche Spuren legen lassen.
Petra Johann zeichnet ihre Figuren mit sehr viel Liebe zum Detail, und das nicht nur bei Äußerlichkeiten. Vor allem die authentischen Emotionen lassen den Leser mitfühlen und mitfiebern.

Man kann als Leser auch ständig miträtseln bei der Aufklärung dieses Falles. Aber nicht nur das macht das Lesen zu einem Vergnügen. Die Geschichte ist toll konstruiert, sehr undurchsichtig und viele Überraschungen und Wendungen sorgen zusätzlich für Spannung.
Für geübte Krimileser ist die Lösung zwar schon früh durchschaubar, aber bis man wirklich die Bestätigung dafür erhält, vergeht noch viel Zeit. Die Ermittler spielen die unterschiedlichsten Szenarien durch und immer wieder gibt es neue Theorien. Gegen Ende wurde mir das einen Tick zu viel, da kam stellenweise das Gefühl auf, man würde sich im Kreis drehen und man hätte zu vieles bereits gehört.

Der Schluss hatte für mich einen sehr bitteren Beigeschmack, aber er war insgesamt stimmig und hat zur ganzen Story gepasst. Wenn es eine Fortsetzung mit Charly, Frank, Mick, Benny & Co. gäbe, wäre ich wieder dabei!

Fazit:
Ein spannender Krimi mit einer gut durchdachten Story, bei dem die Ermittler und ihre Arbeit im Vordergrund stehen.
Bestens geeignet zum Mitraten und Mitfiebern – oder einfach als gute, fesselnde Unterhaltung.

Bewertung:
4,5pfoten

DER AFGHANE von Frederick Forsyth – Meine Rezension …

Taschenbuch: 349 Seiten
Verlag: Goldmann; Auflage: 1. (Mai 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442467012
ISBN-13: 978-3442467013
Originaltitel: The Afghan
Autor: Frederick Forsyth

Die Geschichte:
Frederick Forsyth hat dieses Buch zwar bereits vor etwa 10 Jahren geschrieben, doch angesichts der Ereignisse der letzten Zeit ist es leider (wieder) sehr aktuell. Es geht um fanatische Glaubensanhänger, die der westlichen Welt den Kampf angesagt haben.
Durch einen Zufall gelangen die Geheimdienste Amerikas und Englands an eine verschlüsselte Botschaft, die einen drohenden Terroranschlag enormen Ausmaßes ankündigen könnte. Keine ihrer Quellen kann ihnen Näheres dazu sagen, so dass langsam ein irrwitziger Plan Gestalt annimmt: sie wollen einen ihrer Agenten bei al-Qaida einschleusen.
Mike Martin ist mit knapp Mitte Vierzig zwar bereits im Ruhestand, doch er erfüllt alle nötigen Voraussetzungen für diese Mission. Er wird in die Rolle eines inhaftierten Taliban-Kommandanten schlüpfen und kann nur hoffen, dass er überzeugend genug ist, um nach vielen Monaten Vorbereitungszeit nicht sofort enttarnt zu werden.

Meine Meinung:
Der Autor lässt anfangs noch einmal sehr übersichtlich einige wichtige Eckdaten und Ereignisse in die Geschichte einfließen, die erklären, wie es überhaupt zur heutigen Terrorbedrohung und zu den vielen fanatischen Gruppen gekommen ist, die den „Ungläubigen“ den Dschihad erklärt haben. Da ich kein Experte auf diesem Gebiet bin, waren diese Informationen sehr interessant und aufschlussreich.
Frederick Forsyth ist ein Mann „vom Fach“, was man an vielen Stellen deutlich merkt: die Arbeit der Geheimdienste, die eingesetzten Waffen und die technische Ausrüstung werden sehr authentisch beschrieben. Überhaupt wirkt die ganze Story sehr lebensnah und erschreckend real.

An Spannung mangelt es nicht, obwohl zunächst viel Zeit für die Vorbereitung der Mission aufgewendet werden muss. Wechselnde Schauplätze bringen zusätzlich Tempo und Abwechslung in die Geschichte. Alles ist bestens durchdacht und es gibt zwar einige Zufälle, die maßgeblich zum Gelingen beitragen, aber diese nehmen nicht überhand.

Hauptperson ist der Geheimagent Mike Martin, der gerade so sympathisch rüberkommt, dass man ihn gern auf seiner heiklen Mission begleitet und ihm wünscht, dass er am Ende wohlbehalten in seinen Ruhestand zurückkehren kann. Andererseits übertreibt es der Autor aber nicht mit emotionalen Hintergrundinformationen, so dass man als Leser trotzdem noch einen guten Abstand zu den Protagonisten wahren kann und nicht zu entsetzt ist über mögliche Verluste.

Die zweite wichtige Person ist natürlich „der Afghane“, also der Gefangene, dessen Leben Mike übernimmt. Sein Lebenslauf ist ein gutes Beispiel dafür, wie eigentlich ganz normale, unschuldige Menschen irgendwann in den Fängen des Fanatismus enden.

Sehr schön fand ich auch die Beschreibung der Schauplätze: der Autor erschafft authentische Szenarien, denen man sich nur schwer entziehen kann.

Fazit:
Interessant, fesselnd, erschreckend realistisch – ein Agententhriller mit viel Spannung und Action!

Bewertung:
4pfoten

DEAD END von Sharon Bolton – Meine Rezension …

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (21. April 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442480604
ISBN-13: 978-3442480609
Originaltitel: Dead Scared
Übersetzerin: Marie Luise Bezzenberger
Autorin: Sharon Bolton

Die gesamte bisherige „Lacey Flint“ – Reihe:

Die Geschichte:
Die junge Polizistin Lacey Flint hat die letzte grausige Mordserie in London, zu deren Aufklärung sie maßgeblich beigetragen hat, noch immer nicht ganz verarbeitet, da erhält sie schon einen neuen Auftrag. Was zunächst harmlos klingt, wird für sie immer mehr zum Alptraum.
Sie soll sich als Studentin ausgeben und in Cambridge wohnen, da sich dort in den letzten Jahren auffallend viele Selbstmorde ereignen. Ihr Kollege Mark Joesbury erklärt ihr unmissverständlich, dass sie nicht ermitteln, sondern nur beobachten soll. Doch Lacey wird schnell klar, dass hinter der Sache mehr steckt und sie kann sich natürlich nicht einfach heraushalten.
Sie findet heraus: die jungen Frauen fühlen sich verfolgt, verschwinden tagelang und nehmen sich schließlich selbst das Leben – und das auf oft spektakuläre Weise. Und bevor sie es richtig begreift, ist sie die Nächste auf der Liste …

Meine Meinung:
Der Wahnsinn … hab gerade das Buch zugeklappt und immer noch beschleunigten Puls. Ein echtes Herzschlagfinale mit viel Action und Brisanz haben diesen Thriller perfekt abgerundet. Ok, mit einer kleinen Einschränkung: ich hätte mir noch einen Epilog gewünscht, in dem man erfährt, was aus den wichtigsten Personen geworden ist. Es endet etwas abrupt.

Aber erst mal zum Anfang: „Dead End“ ist ja der zweite Teil der Reihe um Lacey Flint und Mark Joesbury. Es ist nicht zwingend nötig, den ersten Band zu kennen, aber ich würde es immer empfehlen. Schon allein, weil „Dunkle Gebete“ auch ein sehr spannendes Buch ist.
Lacey Flint und einige der anderen Protagonisten kannte ich also schon und hab mich auf das „Wiedersehen“ sehr gefreut. Dana spielt dieses Mal keine große Rolle, auch Mark hält sich sehr im Hintergrund, so dass der Fokus allein auf Lacey liegt. Sie ist eine mutige Person, die allerdings mit vielen psychischen „Altlasten“ zu kämpfen hat. Sie birgt viele Geheimnisse, die im Vorgängerband gelüftet wurden, hier aber nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Auch ein wichtiger Charakter in dieser Geschichte ist Evi, eine Psychiaterin, die seit einem Skiunfall gehbehindert und auf ständige Schmerzmittelgabe angewiesen ist. Eine sympathische Frau, die mir sehr leid tat und mit der ich – genau wie mit Lacey und den Opfern – echt mitgefühlt habe.

Ein großes Thema in diesem Thriller ist der Missbrauch von allen möglichen Arzneimitteln und Drogen. Es ist wirklich absolut erschreckend, was diverse Beruhigungs-, Narkose-, Aufputschmittel, Halluzinogene und Psychopharmaka so alles anrichten können, vor allem bei Menschen, die ohnehin schon psychisch labil sind.
Die Autorin spielt auch maßgeblich mit schlimmsten Ängsten, die bestimmt viele kennen: das Gefühl, ständig beobachtet zu werden, die Begegnung mit realen Geschöpfen aus unseren Alpträumen oder die Gewissheit, im eigenen Haus nicht mehr sicher zu sein.

Die Spannung setzt zwar etwas langsamer ein, da Lacey ja anfangs auch nur harmlosere Nachforschungen anstellt, doch dann erreicht sie enorme Höhen und hält sich bis zum Schluss. Während der zweiten Hälfte konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, es wird immer fesselnder. Was hinter der ganzen Sache steckt, wird erst sehr spät klar. Einige Verdächtige kann man zwar relativ schnell ausmachen, aber bei einigen wird man auch sicher falsch liegen – die falschen Spuren hat die Autorin sehr geschickt gelegt.

Fazit:
Ein Wahnsinnsthriller über ein sehr gruseliges Thema, der besonders gänsehauterzeugend ist, weil er mit Ängsten spielt, von denen wir alle einige kennen dürften. Fesselnd, hochspannend, sehr komplex und super durchdacht! Unbedingt lesen!

Bewertung:
5pfoten

Meine Challenge-Übersichtsseite

Goldmann 2016 3

Die Goldmann-Challenge beim Lesenden Katzenpersonal geht in die zweite Runde und ich versuche wieder mein Bestes, um sie zu meistern. Genug Bücher dieses tollen Verlags stehen allemal im Regal, um das zu schaffen … fehlt nur noch die nötige Lesezeit! 🙂

HIER findet ihr alle Infos über die schöne Challenge, eine Anmeldung ist jederzeit möglich! Macht doch auch mit!

Das Ziel: mindestens 20 Goldmann-Bücher zu lesen.

Mein Fortschritt: 27/20 Bücher

1. Die Puppenmacherin / Max Bentow
2. Der Schlafmacher / Michael Robotham
3. Ein Kopf macht noch keine Leiche / Colin Cotterill
4. Mit Axt, Charme und Melone / Colin Cotterill
5. Sieben Stunden im April / Susanne Preusker
6. Ich bin voller Hass – und das liebe ich / Joachim Gaertner
7. Totengebet / Elisabeth Herrmann
8. Aprikosenküsse / Claudia Winter
9. Unerbittlich / James Patterson
10. Manipuliert / Keith Thomson
11. Ich schweige für dich / Harlan Coben
12. Die Liebe, das Glück und ein Todesfall / Kerry Fisher
13. Verrat / Jamie Doward
14. Ein wunderbarer Sommer / Kerry Fisher
15. Codename Tesseract / Tom Wood
16. Clean Eating / Dörte + Jesko Wilke
17. Teufelstritt / Ursula Hahnenberg
18. Bretonische Brandung / Jean-Luc Bannalec
19. Todesmal / Elias Palm
20. Blutwind / Jakob Melander
21. Die Totentänzerin / Max Bentow
22. Hitzetod / Mark Pearson
23. Blutbeute / Mark Pearson
24. Wer nicht das Dunkel kennt / Sabine Klewe
25. Engelskalt / Samuel Bjørk
26. Federgrab / Samuel Bjørk
27. Todesmahnung / Elias Palm

DUNKLE GEBETE von Sharon Bolton – Meine Rezension …

Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (17. Juni 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442479428
ISBN-13: 978-3442479429
Originaltitel: Now You See Me
Übersetzerin: Marie-Luise Bezzenberger
Autorin: Sharon Bolton

Die gesamte bisherige „Lacey Flint“ – Reihe:

Die Geschichte:
Die junge Polizistin Lacey Flint kümmert sich besonders engagiert um junge Mädchen, die Opfer von Vergewaltigungen geworden sind. Sie hat selbst eine tragische Vergangenheit, die sie jederzeit einholen könnte.
Als eine blutüberströmte Frau ausgerechnet in Laceys Armen an zahlreichen Messerstichen stirbt, rückt sie in den Fokus und zieht das Misstrauen eines erfahrenen Ermittlers auf sich: Mark Joesbury lässt sie fortan nicht mehr aus den Augen.
Die Tote bleibt nicht das einzige Opfer und alles deutet darauf hin, dass der Serienmörder einem prominenten Vorbild nacheifert … Jack, the Ripper ist zurück in London!

Meine Meinung:
Dieser Thriller ist einfach nur spannend – und das von Anfang bis zum überraschenden Ende.

Sharon Bolton hat mit Lacey Flint eine sehr interessante, mysteriöse Protagonistin geschaffen, die ich schnell ins Leserherz geschlossen habe. Obwohl sie eine Person mit vielen Geheimnissen und manchmal seltsamen Verhaltensweisen ist, wirkte sie auf mich sehr sympathisch. Ihre aufgewühlte, lebhafte Gefühlswelt macht sie ziemlich authentisch und auch irgendwie liebenswürdig.
Mark Joesbury ist auch ein etwas undurchsichtiger Charakter, der sich einfach nicht entscheiden kann, was er von Lacey halten soll. Dieses emotionale Hin und Her prägt die Story in weiten Teilen.
Auch einige andere Ermittler lernt man etwas näher kennen, aber hauptsächlich dreht sich die Geschichte um Lacey, Mark und deren Vorgesetzte Dana, die ich ebenfalls gerne mag.

Das Aufgreifen der legendären Morde von „Jack, the Ripper“ fand ich besonders gruselig. Man erfährt vieles über die damaligen Morde und im Anhang geht die Autorin noch einmal näher auf verschiedene Thesen ein, die im Laufe der Zeit darüber aufgestellt wurden. Bis heute ist das Rätsel nicht gelöst und die Schreckenstaten sorgen bis heute für Gänsehaut, wenn man sich näher damit befasst.

Trotz der brutalen, blutigen Morde geht Sharon Bolton nicht so sehr ins Detail, dass es wirklich schlimm wird. Es bewegt sich alles noch im erträglichen Rahmen. Um fesselnde Spannung zu erzeugen, schafft sie eine geheimnisvolle Atmosphäre, der man sich bis zum Ende nicht mehr entziehen kann. Einfach toll geschrieben – und in kürzester Zeit gelesen. Freu mich schon auf den nächsten Teil: „Dead End“ liegt schon bereit.

Fazit:
Die komplexe, mysteriöse Story sorgt für Nervenkitzel bis zum überraschenden Ende! Thrillerfans kommen voll auf ihre Kosten … diese Reihe empfehle ich gerne weiter!

Bewertung:
5pfoten

STILL – CHRONIK EINES MÖRDERS von Thomas Raab – Meine Rezension …

Audio CD
Verlag: Argon Verlag; Auflage: 1 (14. Januar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839813514
ISBN-13: 978-3839813515
Autor: Thomas Raab

Die Geschichte:
Im kleinen Ort Jettenbrunn wird ein ganz besonderes Kind geboren: Karl Heidemann. Das Baby hat ein extrem empfindliches Gehör und wird für seine unwissenden Eltern zu einer einzigen Herausforderung. Karl ist nur dann einigermaßen glücklich, wenn um ihn herum Stille herrscht. Sein Aufwachsen ist deshalb sehr isoliert, Kontakte zu anderen Kindern gibt es nicht und auch Erwachsene sieht er nicht viele.
Missverständnisse prägen Karls Leben – seinerseits und vor allem auch von Seiten seiner Mitmenschen. Aus Liebe und Wohlwollen Entstandenes wird nicht gewürdigt und sogar als strafbar und verwerflich angesehen. Karl versteht diese Welt und ihre Bewohner nicht, bis er eines Tages als Jugendlicher auf der Flucht auf das Mädchen Marie trifft.
Viele Jahre später kehrt er zu ihr zurück, um endlich Frieden zu finden. Doch bis es so weit ist, hinterlässt Karl Heidemann viele Leichen auf seinem Weg – und am Ende auch seine selbst verfasste Chronik.

Meine Meinung:
Zunächst war ich noch etwas skeptisch, denn der Schreibstil von Thomas Raab ist ungewöhnlich und klang für mich irgendwie altmodisch. Er spielt geradezu mit der Sprache, verknappt beispielsweise Sätze, lässt bewusst Lücken und damit Raum für eigene Interpretationen. Hier ein kurzes Beispiel:

„Vor ihr das immer höher steigende Wasser, in ihr das Verlangen nach Befreiung, der Gedanke, die Tat. Ein kurzer Blick ins Leere, dann ein Stoppen des Wassereinlaufes, ein Betrachten dieses Bündels Verachtung in ihren Armen, ein Vorbeugen, ein Aus-den-Händen-gleiten-Lassen.“

Schnell habe ich mich dann allerdings auch daran gewöhnt und in der Hörbuchversion passt sowieso die Stimme von Frank Arnold perfekt zu diesem Stil. Einfach grandios vorgetragen!

Wir dürfen Karl Heidemann ja von seinem ersten Atemzug an durch sein Leben begleiten. Und dabei lernen wir ihn kennen, sehen die Welt mit seinen Augen, dürfen hinter die Fassade blicken. Und so wird schnell klar: er ist keinesfalls ein blutrünstiger Mörder.
Meine Sympathie für ihn ist immer mehr gewachsen – trotz der Tatsache, dass er sich anfangs auch wehrlose Tiere als Opfer auserkoren hat. Karl tötet zunächst niemals brutal, sondern aus falsch verstandenen „guten“ Gründen. Er ist eher ein „Todesengel“ und kein Serienmörder im herkömmlichen Sinn.
Außerdem ist er hochintelligent und sehr geschickt mit seinen Händen … ein Kunstschaffender: Maler, Schnitzer, Schreiber. Und er liebt die Natur, das einfache Leben und natürlich die Stille. Städte sind ihm ein Graus und so ist es ganz passend, dass es ihn irgendwann in ein ruhiges Kloster verschlägt.

Vieles hat der Autor geschickt in diese fiktive Lebensgeschichte gepackt: Gesellschaftskritisches, Spannung, eine riesige Bandbreite an Gefühlen und zahlreiche Themen, über die man sich eigene Gedanken machen kann. Kindererziehung, Moral, Sterbehilfe, Glaube, Tier- und Umweltschutz und ebenso die Frage, welche Werte im Leben wirklich zählen.
Es ist ein Buch, das nicht nur bestens unterhält, sondern das auch aktiv Emotionen weckt und einen echten Nachhall erzeugen kann. Bei mir hat es das auf jeden Fall geschafft. Ich bin begeistert und habe Karl sehr gerne begleitet, mit ihm gelitten und auch viel Schönes erlebt. Das Ende passt perfekt, ein Happy End ist es irgendwie trotzdem.

Fazit:
Ein grandioses Buch mit einer sehr tragischen Hauptfigur, das den Leser tief berühren und zum Nachdenken bewegen kann. Perfekt für Menschen, die die Stille und die kleinen Dinge des Lebens noch zu schätzen wissen.

Bewertung:
5pfotenplus

Meine Übersichtsseite 2016

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Erledigte Aufgaben: 60/60

Die Aufgaben:

Lese
1. ein Buch mit einem überwiegend blauen oder lilafarbenen Cover
2. ein Buch mit einem überwiegend rosafarbenen oder roten Cover
3. ein Buch mit einem überwiegend grünen oder türkisen Cover
4. ein Buch mit einem überwiegend gelben oder orangen Cover
5. ein Buch, das dich zum Schmunzeln, Grinsen, Lachen gebracht hat
6. ein Buch, das dich traurig oder nachdenklich gemacht hat
7. ein Buch, das verfilmt wurde, gerade verfilmt wird oder für das eine Verfilmung geplant ist
8. ein Buch, das mit einem Cliffhanger endet
9. ein Buch mit mindestens einer Person auf dem Cover
10. ein Buch mit einem Tier oder einer Pflanze auf dem Cover
11. ein Buch mit etwas Essbarem (Melone) oder einem Getränk auf dem Cover
12. ein Buch mit einem Gebäude oder Bauwerk (Eiffelturm) auf dem Cover
13. einen Krimi oder Thriller
14. ein Kinder- oder Jugendbuch
15. ein Sachbuch oder eine Biografie
16. einen Frauen- oder Erotik-Roman
17. ein Buch rund um das Thema Weihnachten oder Winter im Titel oder auf dem Cover
18. ein Buch rund um das Thema Frühling oder Ostern im Titel oder auf dem Cover
19. ein Buch rund um das Thema Sommer oder Urlaub im Titel oder auf dem Cover
20. ein Buch rund um das Thema Herbst im Titel oder auf dem Cover
21. ein Buch rund um die sieben Todsünden (Zorn) im Titel oder auf dem Cover
22. ein Buch mit einem der vier Elemente (Wasser) im Titel oder auf dem Cover
23. ein Buch mit etwas, was man am Himmel findet (Wolken), im Titel oder auf dem Cover
24. ein Buch mit einem Tierkreiszeichen im Titel oder auf dem Cover
25. ein Buch eines Autors, der jünger ist als du
26. ein Buch eines Autors, der einer der folgenden Gruppierungen angehört: Qindie, Autorensofa, Romance-Alliance
27. ein Buch von einem Autor, der nicht aus Deutschland, Großbritannien oder den USA stammt
28. ein Buch eines Autors, der die gleichen Initialen hat, wie Du
29. ein Buch eines Autors, von dem du bisher noch nichts gelesen hast
30. ein Buch, mit dessen Autorin (Facebook-Freundin) du in Kontakt stehst
31. ein Buch, das von mindestens zwei Autoren geschrieben wurde
32. den Debütroman eines Autoren / einer Autorin
33. ein Buch, das du vor dem Erscheinungsdatum lesen durftest
34. ein Buch, das 2015 erschienen ist
35. ein Buch, das 2014 erschienen ist
36. ein Buch, das 2012 erschienen ist
37. ein Buch, das im deutschsprachigen Ausland spielt
38. ein Buch, das im englischsprachigen Ausland spielt
39. ein Buch, das nicht in Europa oder den USA spielt
40. ein Buch mit einem Schauplatz, den du schon besucht hast
41. ein Buch, das in der Vergangenheit oder in der Zukunft spielt
42. ein Buch mit Bildern / Illustrationen
43. ein Buch mit einer Zahl im Titel
44. ein Buch mit einem Protagonisten, dessen Vorname mit dem gleichen Buchstaben beginnt wie dein eigener Vorname
45. ein Buch eines Selfpublishers
46. ein Buch aus einem Indie-Verlag
47. ein Buch, das bisher nur als eBook erschienen ist
48. ein Buch aus dem Verlag, aus dem (mit) die meisten Bücher auf deinem SuB liegen
49. ein Buch, das dir geschenkt wurde
50. ein Buch, das du ausgeliehen hast (privat)
51. ein Buch aus einem öffentlichen Bücherschrank
52. ein Buch, das du mit verbundenen Augen aus dem SuB gezogen hast
53. ein Buch mit weniger als 300 Seiten
54. ein Buch mit mindestens 400 Seiten
55. ein Buch mit mindestens 500 Seiten
56. ein Buch, das mehr als 333 Gramm wiegt
57. ein Buch aus einer Reihe
58. ein Buch, das schon mindestens ein Jahr auf deinem SuB liegt
59. ein Buch, das du vorbestellt hast (29.01.2016)
60. ein Buch das jemand für dich bestimmt hat

Wenn jemand mitmachen möchte: HIER findet ihr alle Infos zu dieser tollen Challenge, das Anmeldeformular und das Meldeformular für gelesene Bücher! 🙂

SUBSTANCE – DIE FORMEL von Boyd Morrison – Meine Rezension …

Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (21. Januar 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442477093
ISBN-13: 978-3442477098
Originaltitel: The Catalyst
Übersetzer: Otto + Max Merkatz
Autor: Boyd Morrison

Die Geschichte:
Kevin Hamilton ist Chemiestudent und wurde vor einigen Monaten von seinem Doktorvater Michael Ward nach einem Laborunfall fristlos entlassen. Umso überraschter ist er, als er plötzlich eine seltsame E-Mail von Ward erhält, in der ihm dieser unter anderem mitteilt, dass er verfolgt wird.
Einen Tag später sterben Ward und seine Frau bei einem mysteriösen Brand und Kevin begreift langsam, dass er in eine hochbrisante Sache hineingeraten ist. Ein einflussreicher, unbekannter Gegner ist hinter Informationen her, die Milliarden wert sind – und für die er ohne Skrupel über Leichen geht.
Eine actionreiche Hetzjagd beginnt, in die auch noch eine Freundin von Kevin verwickelt wird: Erica, eine Medizinstudentin. An die Polizei können sie sich nicht wenden, denn auch dort sitzen Spitzel … wem sollen die beiden noch trauen?

Meine Meinung:
Dies war der erste Thriller von Boyd Morrison, den ich gelesen habe, aber es werden sicher noch weitere folgen.
Sein ungekünstelter Schreibstil mit vielen authentisch wirkenden Dialogen hat mir sofort bestens gefallen.

Die beiden Hauptpersonen Kevin und Erica sind sympathische junge Leute, deren Handlungsweisen ganz glaubwürdig erscheinen, obwohl in Thrillern ja gerne auch mal leicht übertrieben wird. Beide haben einen etwas tragischen Familienbackground, aber das nimmt nicht viel Raum ein in der Geschichte. Ihre Intelligenz und ihr Mut bringen ihnen entscheidende Vorteile gegen die übermächtigen Gegner, die übrigens auch sehr gut charakterisiert wurden.

Dieses Buch wäre eine tolle Grundlage für einen superspannenden Actionfilm: Verfolgungs- und Hetzjagden durch mehrere Bundesstaaten, Schießereien, Einsatz moderner Computertechnik und raffinierte Tricks machen die Story zu einem echten Pageturner. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und fand es sehr fesselnd.

Dass der Autor vom Fach ist und weiß, worüber er schreibt, fällt auch positiv auf. Er legt viel Wert auf Authentizität und hat das ursprüngliche Manuskript aus dem Jahr 1995 sogar später noch einmal nach dem neuesten Stand der Wissenschaft überarbeitet.

Fazit:
Actionreich, brisant, bestens durchdacht und authentisch … bitte mehr von diesem Autor!

Bewertung:
4,5pfoten

DER SCHNEEGÄNGER von Elisabeth Herrmann – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (26. Januar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442313864
ISBN-13: 978-3442313860
Autorin: Elisabeth Herrmann

Die bisherige Sanela Beara / Lutz Gehring – Reihe:

Die Geschichte:
Sanela Beara drückt nach ihrem letzten spektakulären Fall wieder die Schulbank. Sie leidet immer noch unter den Folgen des Mordversuchs und ist froh, dass sie erst einmal Abstand zu Hauptkommissar Lutz Gehring hat.
Doch dann steht dieser plötzlich vor dem Hörsaal und will sie direkt zu einer Befragung mitnehmen. Sanela erfährt, dass es dabei um den vor vier Jahren entführten Darijo geht, dessen Leiche nun von einem Jäger im Wald gefunden wurde.
Zum Hauptverdächtigen wird schnell der Vater des Jungen, doch Sanela will daran nicht glauben. Sie meldet sich in der Uni krank und schleust sich als angebliche Putzfrau auf eigene Gefahr bei der neuen Familie der inzwischen geschiedenen Mutter von Darijo ein.
Wieder einmal setzt Sanela ihr eigenes Wohlergehen aufs Spiel, um mit ihren ungewöhnlichen Methoden die stockenden Ermittlungen voranzubringen. Ein Netz aus Lügen und undurchsichtigen Allianzen machen ihr diese Aufgabe nicht gerade leicht …

Meine Meinung:
Als großer Fan von Elisabeth Herrmann habe ich mich schon sehr auf die Fortsetzung von „Das Dorf der Mörder“ gefreut. Sanela Beara ist eine ungewöhnliche, kluge Frau, die mit ihren erst 24 Jahren bereits viel mitgemacht hat. Ihre Mutter hat sie früh verloren und musste dann mit ihrem Vater aus einem Kriegsgebiet flüchten. Diese Erfahrungen machen sie einerseits stärker, aber andererseits bieten sie auch Angriffspunkte. Das muss sie auch in diesem Buch wieder schmerzhaft erfahren.

Ihr Kollege Lutz Gehring ist ein eher zwiespältiger Charakter: er kann wirklich sympathisch sein, aber meistens wirkt er eher griesgrämig und überheblich. Durch die Verfilmung von „Das Dorf der Mörder“ habe ich jetzt beim Lesen leider oft den Schauspieler Jürgen Tarrach (geb. 1960) vor Augen, der aber in dieser Rolle etwas fehlbesetzt war, denn im Buch ist Lutz erst Mitte 30.

An Elisabeth Herrmanns Krimis mag ich auch, dass sie immer Themen aufgreift, die ihr wohl selbst sehr am Herzen liegen. Das merkt man nicht nur an der guten Recherchearbeit. In diesem Buch geht es um Kindesmissbrauch und nebenbei auch noch um die Wiederansiedelung von Wölfen in unseren Wäldern.
Auch die gute Balance zwischen ermittlungsrelevanten Fakten und Infos aus dem Privatleben der Protagonisten finde ich immer absolut gut gelungen.

Insgesamt muss ich aber leider schon zugeben, dass „Der Schneegänger“ für mich das bisher schwächste Buch der Autorin ist. Fast wie in einem Thriller wirkten manche Dinge etwas unrealistisch und es wird mit vielen Klischees gearbeitet.
Eigentlich bewegt sich die ganze Handlung auch größtenteils innerhalb einer Familie. Spannend war es trotzdem und ich habe das Buch in nur zwei Tagen komplett gelesen. Die vielen Verstrickungen, undurchsichtigen Beweggründe und widersprüchlichen Aussagen der Verdächtigen erinnerten mich oft an einen Psychothriller. Man weiß nie, wem Sanela trauen sollte und wem besser nicht.

Das Ende hätte für meinen Geschmack noch etwas positiver ausfallen können, aber man kann ja nicht alles haben. Auf den nächsten Fall mit Sanela freue ich mich auf jeden Fall schon jetzt.

Fazit:
Dieser Krimi wirkt größtenteils eher wie ein Psychothriller … trotz kleinerer Schwächen fesselnd und spannend bis zum Ende.

Bewertung:
4pfoten

RATTENKINDER von B.C. Schiller – Meine Rezension …

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe Taschenbuch; Auflage: 1. Aufl. 2015 (8. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404172647
ISBN-13: 978-3404172641
Autoren: Barbara u. Christian Schiller
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© Soravit Lertphiphat: B.C. Schiller und mit ihrem Hund Jabali

Neugierig geworden? Dann findet ihr hier eine LESEPROBE

Die gesamte bisherige „Tony Braun“ – Reihe:

Die Kurzbeschreibung auf der Buchrückseite:
Eine junge Mutter wird grausam zugerichtet auf einer Parkbank gefunden, neben sich ihr quicklebendiges Baby – und ein Rattenschädel. Das ist nicht der einzige geheimnisvolle Hinweis, den Chefinspektor Tony Braun erhält: Ausgerechnet Viktor Maly, ein Insasse der Psychiatrie, scheint mehr über den Fall zu wissen. Doch er hat seit über einem Jahr keinen Kontakt mehr zur Außenwelt. Wurde die Frau Opfer eines lange geplanten Komplotts?
Da geschieht eine weitere Bluttat. Und es gibt nur einen Zeugen: Viktor Maly …

Die Geschichte:
In einem Roma-Ghetto in Tschechien verschwinden immer wieder Babys, auch der jungen Mutter Tara wird ihr Sohn gestohlen. Sie macht sich auf die Suche nach ihm und ahnt nicht, in welch große Gefahr sie sich damit begibt.
Zur gleichen Zeit wird in Linz mitten in einem Park eine Frau getötet. Neben ihr steht ein Kinderwagen, in dem ihr Sohn schläft.
Chefinspektor Tony Braun steht vor einem Rätsel, denn er hat die Leiche höchstpersönlich entdeckt – aufgrund eines Hinweises des seltsamen Psychiatriepatienten Victor Maly. Victor leidet an Amnesie und wird in einer geschlossenen Abteilung therapiert. Kann er trotzdem der Mörder sein?
Tonys Kollegin Franka verstrickt sich während der Ermittlungen immer tiefer in persönliche Probleme, irgend etwas verbirgt sie und diese Geheimnisse sind nicht gut für die Zusammenarbeit.

Meine Meinung:
Chefinspektor Tony Braun ermittelt inzwischen bereits zum sechsten Mal. Für mich war es allerdings die erste Begegnung mit ihm und seinem Team.
Es ist den Autoren trotzdem grandios gelungen, dass ich an keiner Stelle das Gefühl hatte, ich müsste zum besseren Verständnis die Vorgeschichte kennen. Natürlich werden vergangene Fälle erwähnt und auch im Privatleben der Ermittler hat sich seit Band 1 sicher viel verändert, aber „Rattenkinder“ kann man problemlos als Einzelbuch lesen.

Die Charaktere sind vielschichtig und wirken sehr authentisch. Tony hat ein kleines Aggressionsproblem, das er meistens gut im Griff hat. Außerdem leidet er etwas unter den schwierigen Familienverhältnissen, aber das wurde wohl in den Vorgängerbänden stärker thematisiert, hier rückt es eher in den Hintergrund.
Im Vordergrund steht dagegen Tonys junge Kollegin Franka, über deren Lebensgeschichte wir sehr viel erfahren. Sie war mir gleich sympathisch, aber das trifft auch auf Tony, Bruno und Jan zu: ein sehr interessantes Ermittlerteam, das toll zusammenhält und nicht immer nur mit ganz legalen 08/15-Methoden arbeitet.

An den Schreibstil, der sehr angenehm und flüssig lesbar ist, musste ich mich trotzdem erst ein wenig gewöhnen. Es wird beispielsweise häufig mit Vergleichen gearbeitet, was nicht prinzipiell unangenehm ist, aber oft gar nicht nötig wäre. Es gelänge den Autoren auch ohne „Schnickschnack“ eine lebendige, fesselnde Atmosphäre entstehen zu lassen, der man sich nicht so schnell wieder entziehen kann – oder will. Für mich war dieses Buch jedenfalls ein echter „Pageturner“, den ich in kürzester Zeit verschlingen musste.

Es geht in diesem Buch ja größtenteils um Menschenhandel und das viele damit verbundene Leid der Betroffenen und Angehörigen. Eine berührende und sehr emotionale Thematik, die für zartbesaitete Leser vielleicht eher ungeeignet ist. Manche Szenen waren wirklich grausam, aber nicht im Sinne von übertriebener, ausführlicher Gewaltdarstellung. Viel mehr schaffen es die Autoren, dass das eigene Kopfkino angeregt wird und dazu sind oft nur wenige Sätze oder Andeutungen nötig.
Was die Nähe zur Realität betrifft: in Thrillern wird ja gerne auch mal etwas übertrieben und nicht unbedingt größter Wert auf Authentizität gelegt, doch hier fand ich alles recht glaubwürdig. Einzig eine Szene kurz vor dem Ende erschien mir leicht überzogen, aber für einen spektakulären Showdown benötigt man eben auch Action.
Die dargestellten Verstrickungen von Personen hohen gesellschaftlichen Ansehens haben sicher mehr Wahrheitsgehalt als man sich wünschen würde – genau wie das beschriebene Schicksal der verschleppten Kinder und Frauen.

Das stimmige Ende hat mir ganz gut gefallen. Es bleiben noch einige Dinge offen, die neugierig machen auf die hoffentlich baldige Fortsetzung der Reihe.

Fazit:
Eine Geschichte, die berührt, aufwühlt, zum Nachdenken anregt … über Vorurteile, Vertreibung, Verschleppung, Moral und den Deckmantel der Wohltätigkeit. Gleichzeitig bietet das Buch sehr spannende Unterhaltung und fesselndes Lesevergnügen mit sympathischen Charakteren. Für Thrillerfans ein echter Leckerbissen!

Bewertung:
5pfoten