GIER von MARC ELSBERG – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag
Erscheinungsdatum: 25. Februar 2019
ISBN-13: 978-3764506322
Autor: Marc Elsberg
LESEPROBE

Meine Meinung:
Marc Elsbergs gesellschaftskritische Thriller liebe ich immer sehr, denn es ist für mich wie eine Verbindung von Nützlichem mit Schönem.
Im neuen Thriller kam diese Kritik an der zunehmenden Ausbeutung der Schwächeren zwar größtenteils auch sehr gut rüber, aber an einigen Stellen wirkte es auf mich doch zu klischeehaft. Jan, die Hauptperson, verkörpert in der Geschichte quasi diese Menschen, die von früh bis spät arbeiten und es doch niemals zu Reichtum bringen, egal wie sehr sie sich auch anstrengen. Die möglichen Gründe dafür zeigt dieses Buch aber sehr anschaulich auf.

Jan ist Pfleger und gerade auf dem Weg nach Hause, als er Zeuge eines unglaublichen Vorfalls wird. Eine Oberklasselimousine kommt mitten in Berlin von der Fahrbahn ab und überschlägt sich, so dass mehrere Insassen sofort tot sind. Doch ein Mann hat den Unfall überlebt und Jan kann noch kurz mit ihm sprechen, bevor ein bewaffnetes Killerkommando den Wagen mitsamt Opfern einfach in die Luft sprengt.
Wider Erwarten kann Jan dem Inferno noch ganz knapp entkommen und mit der Polizei sprechen, die kurz darauf vor Ort ist. Doch Jörn, der die Ermittlungen zunächst leitet, glaubt ihm leider nicht. Gut, dass später Kriminalkommissarin Maja mit von der Partie ist, denn diese ist weniger voreingenommen und geht das Ganze etwas schlauer an.
Jan indes geht den Hinweisen nach, die er aus den letzten Worten des unbekannten Unfallopfers rekonstruieren konnte. In einer Bar trifft er auf den Spieler Fitzroy, der ein Freund des Toten war. Zusammen versuchen sie herauszufinden, welche Gründe zu diesem grausamen Mordanschlag geführt haben. Doch das wird erheblich erschwert durch die Killerbrigade, die ihnen ständig auf den Fersen ist, um auch letzte Zeugen der Tat noch zu beseitigen.

Die Geschichte ist eine atemlose Katz-und-Maus-Jagd durch Berlin, bei der die Killer leider sehr gut vernetzt sind und Jan und Fitz manchmal sogar ein Stück voraus. Oft können sie nur noch knapp entkommen und verdanken ihr Leben einigen Helfern, auf die sie im Lauf der Story stoßen.
Die Charaktere fand ich größtenteils recht sympathisch, manche etwas klischeehaft, aber durchaus liebenswürdig. Man kann auf alle Fälle gut mit ihnen mitfiebern, was mir sehr wichtig ist.
Der Schreibstil ist bestens lesbar, unkompliziert und man kann sich alles sehr schön visualisieren. Einige Formulierungen fand ich aber zu bemüht und der „Durchsuchungsbefehl“, der eigentlich ein „-beschluss“ ist, blieb leider auch nicht aus.
Aber trotz allem liest sich die Geschichte wirklich sehr fesselnd und spannend und man möchte ständig wissen, wie es weitergeht.

Das eigentliche Geheimnis, das hinter allem steckt, entpuppt sich ja letztendlich als ein recht einfaches Rechenmodell, welches wirklich die Kraft hätte, die Welt zu verändern. Das hat mich ehrlich tief beeindruckt und man kann im Internet auch weitere Informationen über die sogenannte „Bauernfabel“ finden. Es wäre uns allen nur zu wünschen, dass sich diese Vorgehensweise bald wirklich weltweit durchsetzen würde, aber aktuell sind wir noch sehr weit davon entfernt. Marc Elsberg zeigt dies im Lauf der Geschichte immer wieder an anschaulichen Beispielen und es ist auch für Mathematik- und Finanzlaien bestens nachvollziehbar.

Dieser Thriller ist sehr spannend und rasant, die Protagonisten kommen kaum zur Ruhe, es ist wirklich eine fesselnde Hetzjagd, die den Leser schnell in ihren Bann zieht. Das Ende fand ich sehr stimmig und die Moral von der Geschichte kam bei mir sehr gut an. Von mir gibt es deshalb trotz kleinerer Kritikpunkte eine klare Leseempfehlung!

Bewertung:

Auch Daggi hat das Buch bereits gelesen. HIER findet ihr ihre Meinung dazu! 🙂

NEMESIS von JILLIANE HOFFMAN – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Verlag: Wunderlich
Erscheinungsdatum: 26. März 2019
ISBN-13: 978-3805250726
Autorin: Jilliane Hoffman
Teil 4 der „C.J. Townsend“-Reihe nach „Cupido“, „Morpheus“ und „Argus“
Leseprobe (PDF)

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich einige Stunden Schlaf gekostet, denn ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen. Hochspannend und fesselnd erzählt uns Jilliane Hoffman wie es mit C.J. Townsend, der Staatsanwältin mit der schlimmen Vergangenheit, weiter geht.
Dazu muss man vielleicht sagen, dass die Autorin selbst einmal Staatsanwältin in Florida war und somit kann man schon mal ein hohes Maß an Authentizität voraussetzen, was ich sehr schätze.
Man kann dieses Buch sicher ohne Vorkenntnisse lesen, aber dann würde schon einiges an wichtigem Hintergrundwissen fehlen, welches der Story erst so richtig Tiefe verleiht. Für die Neueinsteiger werden aber natürlich die grundlegendsten Ereignisse aus den vorherigen drei Bänden kurz wiederholt.

C.J. geriet vor vielen Jahren in die Fänge eines brutalen Serienkillers, der nach erfolgreicher Verhaftung allerdings doch wieder entkommen konnte. Im letzten Band kam es zu einem erneuten Zusammentreffen, bei dem C.J. sich dieses „Problems“ endgültig entledigen konnte. Aber leider weiß sie, dass um sie herum noch weitere Monster in Menschengestalt auf neue Opfer lauern.
Zurück in Miami arbeitet sie als Stellvertreterin des leitenden Oberstaatsanwalts und es dauert nicht lange, bis sie von einem weiblichen Mordopfer erfährt, das eindeutige Zeichen aufweist, die C.J. nur zu gut kennt. Von ihrem damaligen Peiniger Bill Bantling (genannt „Cupido“) hat sie vor dessen Tod noch wichtige Informationen erhalten über den wohl grausamsten Club, den man sich vorstellen kann. Reiche, teils berühmte und einflussreiche Männer zahlen viel Geld dafür, virtuell bei der Folterung und Ermordung junger Mädchen dabei sein zu können.
C.J. kennt einige Namen, aber sie kann den offiziellen Weg der Justiz nicht gehen, ohne sich selbst auszuliefern. So bleibt ihr nur, die Sache selbst in die Hand zu nehmen – und die Göttin der Rache wird neu geboren …

Die ganze Reihe ist Hochspannung pur, allerdings für Leser mit schwachem Magen eher weniger geeignet. Die Thematik „Snuff-Film“ ist erschreckend, grausam und beinahe schon sagenumwoben, wobei ich persönlich deren Existenz leider nicht bezweifeln kann. Menschen tun so unvorstellbare Dinge, dass sie sicher auch vor dieser Grenze keinen Halt machen. Im Grunde genommen sind Videos von realen Hinrichtungen ja auch nichts anderes.

So wirkt für mich die Story also recht real, was zusätzlich für Gänsehaut beim Lesen sorgt. C.J. ist als Rachegöttin auch keine übermächtige Figur ohne Schwächen, sondern man kann gut nachvollziehen, wie die Situation sie an ihre Grenzen bringt. Sie fühlt sich gezwungen, etwas zu tun, wozu sie sich eigentlich kaum imstande sieht. Aber durch ihre eigenen Erlebnisse und die Begegnungen mit den Tätern wächst sie über sich hinaus.
Sehr gefreut habe ich mich über ein Wiedersehen mit „Bär“, dem Polizisten Manny, der schon in den vorherigen Bänden ein enger Vertrauter von C.J. war. Auch er hat durch den Club das Liebste verloren: seine Freundin Daria.
Auch andere sympathische Charaktere sind wieder mit von der Partie, natürlich auch Dominick, der Partner von C.J.

Die Story ist fesselnd, grausam, emotional und hochspannend. Man möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen bis zum stimmigen, versöhnlichen Ende. Eine grandiose Buchreihe, die ich jedem Thrillerfan nur wärmstens empfehlen kann!

Bewertung:

ELIAS & LAIA – In den Fängen der Finsternis von Sabaa Tahir – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Verlag: ONE
Erscheinungsdatum: 28. Februar 2019
ISBN-13: 978-3846600788
für Leser/innen ab 14 Jahren
Genre: Fantasy
Teil 3 der „Elias & Laia“ – Reihe nach „Die Herrschaft der Masken“ und „Eine Fackel im Dunkel der Nacht“
Autorin: Sabaa Tahir

Meine Meinung:
Vom ersten Band war ich sehr begeistert, Band 2 habe ich leider nur als Hörbuch gehört und durch die Kürzung hatte die Story weniger Tiefgang. So habe ich jetzt ein bisschen länger gebraucht, bis ich mich wieder an alle Personen und die ganze Vorgeschichte erinnern konnte. Komplett ohne Vorkenntnisse würde ich das Buch eigentlich weniger empfehlen, denn die wunderbare komplexe Saga entwickelt sich immer weiter und man sollte alle Details kennen.

In der Fortsetzung geht die Jagd spannend weiter: Elias und Laia sind zwar wieder frei, aber sie werden weiterhin gnadenlos verfolgt. Auch ihre frühere Freundin Helena, inzwischen der „Blutgreif“ des Martialenimperators Marcus, hat es nicht leicht. Sie bangt um ihre Schwester Livia, steht oft zwischen den Fronten und muss schwere Entscheidungen treffen.
Elias hat ein großes Erbe angetreten: er ist nun der „Seelenfänger“ und muss dafür sorgen, dass die Geister der Verstorbenen problemlos an ihr Ziel gelangen. Doch er ist mit seiner neuen Rolle noch nicht sehr vertraut, er kann die Brücken zu seinem früheren Leben nicht abbrechen, was noch für einige Schwierigkeiten sorgen wird.
Laia indes erfährt im Lauf der Geschichte Dinge, die alles verändern. Auch sie steht oft vor schier unüberwindbaren Hürden und stößt an ihre Grenzen.
Können sie gemeinsam das Böse in Form des „Nachtbringers“ wirklich aufhalten?

Das Tolle an diesen Büchern sind nicht nur die sympathischen Charaktere, die man ganz schnell ins Leserherz schließt. Es ist auch der absolut mitreißende, atmosphärische und lebendige Schreibstil von Sabaa Tahir, dem man sich nicht entziehen kann. Ihre Geschichten sind sehr emotional, spannend, mit vielen überraschenden Wendungen und nicht geahnten Verquickungen, die dafür sorgen, dass man gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören möchte.
Erzählt wird die Geschichte in wechselnden Kapiteln aus der Sicht von Laia, Elias und Helena. Der Perspektivenwechsel sorgt für Abwechslung, manchmal verwirrt er allerdings auch ein bisschen.

Bei aller Liebe und manchmal auch etwas humorvollen Szenen steckt aber auch ordentlich viel Gewalt, Blutvergießen, Ränke, Rache, Verrat und unsägliches Leid in dieser Story. Es herrscht absolut keine friedvolle Atmosphäre, sondern eher eine stetige Anspannung und man weiß oft nicht, wem man trauen kann oder nicht. Dabei entpuppt sich jedoch auch so mancher Feind selbst als Opfer, was die Grenzen zwischen Gut und Böse oft verschwimmen lässt.
Es ist eine vielschichtige, komplexe Geschichte, die auf jeden Fall die Vorkenntnisse aus den anderen beiden Bänden erfordert, um alles zur Gänze zu verstehen. Charaktere entwickeln sich weiter, alte Verbindungen spielen später wieder eine große Rolle, wir erleben, wie quasi eine ganze Welt in Aufruhr versetzt wird und einige Stämme ums Überleben kämpfen.

Das Ende lässt auf eine Fortsetzung hoffen, denn so vieles liegt noch im Argen und neue Figuren sind aufgetaucht, die mit Sicherheit auch noch eine tragende Rolle spielen werden. Ich freue mich schon sehr auf einen vierten Band, der hoffentlich bald erscheint.

Bewertung:

DER MONGOLE von IAN MANOOK – Meine Rezension …

Broschiert: 640 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag
Erscheinungsdatum: 14. Januar 2019
ISBN-13: 978-3764506056
Originaltitel: Yeruldelgger
Autor: Ian Manook
Teil 1 der „Yeruldelgger“-Reihe

Meine Meinung:
Das Lesen diesen Buches habe ich aufgrund der etwas furchteinflößenden Dicke von über 600 Seiten doch tatsächlich immer wieder aufgeschoben, um es letztendlich in zwei Tagen förmlich zu verschlingen.
Und am Schluß hätte ich sogar noch gerne weitergelesen, denn es endet mit einem Cliffhanger, der bereits ankündigt, dass es weitere Bücher mit Kommissar Yeruldelgger geben wird. Ich freue mich schon darauf.

Schon die ersten Seiten haben mich total in ihren Bann gezogen, denn der Schreibstil ist so lebendig, mit der richtigen Menge an Details und vor allem mit einem wunderbaren Humor, der einem sogar bei blutigen Szenen noch ein Schmunzeln entlocken kann.
Kommissar Yeruldelgger ist ein Mann, der gezeichnet ist vom Verlust seiner kleinen Tochter, die ermordet wurde. Aufgrund der damaligen Umstände geben ihm viele Menschen eine Mitschuld daran. Und zu allem Überfluss hat ihn dieser Schicksalsschlag auch noch von seiner Frau und der älteren Tochter Saraa getrennt, die nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen. Ich habe mich sehr schnell mit seiner Art angefreundet und mag ihn als Hauptperson sehr gern.
Auch die Inspektorin Oyun und die Gerichtsmedizinerin Solongo sind absolut sympathische Charaktere, die man gleich ins Leserherz schließt, genau wie viele weitere Figuren, die im Laufe der Geschichte auftauchen.
Im Gegensatz dazu stehen einige Kollegen von Yeruldelgger, die sehr passend als echte Nervensägen dargestellt werden. Alle Personen sind sehr fein gezeichnet und wirken durchaus authentisch.

Auch die Schauplätze kann man sich stets bestens visualisieren und dieses Land und seine Bräuche und Probleme waren mir bis dato noch recht unbekannt. Das konnte das Buch ein bisschen ändern und ich fand den kleinen Einblick sehr interessant.

Die Kriminalfälle, die Yeruldelgger aufzuklären hat, sind teils wirklich sehr brutal und es fehlt nicht an Szenen, bei denen man schon einen etwas stabileren Magen braucht. Doch die ironisch-witzigen Stellen überwiegen, so dass die Mischung für einen Krimi wirklich extrem gelungen ist. Es fehlt auch nicht an Emotionalem und wir dürfen auch – wie in Reihen üblich – viel am Privatleben von Yeruldelgger teilhaben.
Bestens durchdacht und klug konstruiert weiß diese Story wirklich zu fesseln und den Leser durch überraschende Wendungen und ungeahnte Zusammenhänge von Anfang bis zum Ende grandios zu unterhalten. Kann ich nur empfehlen!

Bewertung:

NIEMAND WEISS, DASS DU HIER BIST von NICOLETTA GIAMPIETRO – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: 1. März 2019
ISBN-13: 978-3492059183
Autorin: Nicoletta Giampietro

Interview mit der Autorin (PIPER Blog)

Meine Meinung:
Dieses Buch ist ein richtiges Herzensbuch, das eigentlich mehr als 5 Sterne verdient hätte.
Es hat mich bestens unterhalten, zutiefst berührt und mehrfach zum Weinen gebracht.

Alles dreht sich um den zwölfjährigen Lorenzo, der von seiner Mutter im August 1942 aus Tripolis (der italienischen Kolonie Libyen) in die ruhigere Toskana nach Siena geschickt wird. Dort soll er bei seiner Tante Chiara, seinem Großvater und deren Haushälterin Cesarina vor dem sich ausbreitenden Krieg in Sicherheit gebracht werden.
Lorenzos Vater dient trotz einer alten Verletzung an der Front und die Mutter versucht, ihn mithilfe eines Verwandten von dort wegzuholen.
Zunächst ist Lorenzo sicher, dass er nur die Sommerferien in Siena verbringen würde, doch daraus sollen mehrere Jahre werden, die ihn verändern und für sein gesamtes weiteres Leben prägen.
Er freundet sich mit dem Nachbarsjungen Franco an, der – genau wie Lorenzo – ein überzeugter Faschist ist. Man ist stolz auf Uniform, Zusammengehörigkeit und Angehörige, die ihren Dienst an der Front leisten.
Doch trotzdem sind auch zwischen den beiden Kindern und ihren Familien Standesunterschiede bemerkbar: während Francos Eltern einen Krämerladen führen, hat Lorenzo einen Adelstitel.

Wir dürfen hautnah und extrem berührend miterleben, wie aus dem kleinen Faschisten Lorenzo ein mutiger Held des Widerstands wird. Erste Zweifel an der Gesinnung, die ihm jahrelang eingeimpft wurde, zeigen sich, als die Durchsetzung der Rassengesetze immer strenger wird und ein kleines Mädchen brutal der Schule verwiesen wird, nur weil sie Jüdin ist. Spätestens hier merkt Lorenzo auch, dass seine Tante Chiara wohl auch keine so überzeugte Faschistin ist, wie er zunächst dachte. Die Lehrerin kündigt nach diesem Vorfall kurzerhand ihre Arbeit.
Die absolute Wende folgt, als Lorenzo auf Daniele trifft: er ist Jude – und die beiden werden zu besten Freunden.
Eines Nachts werden plötzlich alle jüdischen Einwohner der Stadt deportiert. Einigen gelingt die Flucht, was auch daran liegt, dass viele Soldaten großzügig wegsehen und damit zeigen, dass auch sie mit den Gesetzen nicht wirklich einverstanden sind. Doch für Danieles Eltern kommt die Einsicht zu spät, dass so etwas Unfassbares tatsächlich eintreffen könnte. Sie werden nach Deutschland gebracht, während es Lorenzo in letzter Sekunde gelingt, Daniele aus dem Transporter zu retten. Unerwartete Hilfe leistet ihm dabei ein deutscher Offizier, der Mitleid mit dem Kleinen hat.
Was dann folgt, ist eine extreme Belastung für Lorenzo. Obwohl er selbst nicht genug zu essen bekommt, versorgt er ab sofort noch seinen Freund mit der mageren Verpflegung. Niemand darf wissen, dass er ihn heimlich im Haus versteckt hat und die beiden beweisen einen enormen Einfallsreichtum, um irgendwie an Nahrung zu kommen in den harten Zeiten. Werden sie ihr Geheimnis bis zum rettenden Kriegsende bewahren können?

Der Schreibstil von Nicoletta Giampietro ist einfach wunderbar zu lesen: so atmosphärisch, lebendig, berührend und eindrücklich. Ihren sympathischen Protagonisten haucht sie so glaubwürdiges Leben ein, dass man gar nicht anders kann, als sie sofort ganz fest ins Leserherz zu schließen.
Ihr ist es sehr realistisch gelungen, die widersprüchlichen Gefühle Lorenzos immer genau auf den Punkt zu bringen. Oft kann man richtig mitfühlen, wenn quasi zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Einerseits sind da die alten Werte, die ihm von Kindesbeinen an eingetrichtert wurden, andererseits hat er Augen und Ohren und sieht die Realität um sich herum und was der Krieg mit den Menschen wirklich anrichtet.
Überhaupt beweisen in dieser Geschichte viele Menschen, dass es doch noch Mitgefühl gibt, obwohl man es oft erst im Nachhinein erfährt und von Leuten, denen man dies niemals zugetraut hätte. Nicht nur Lorenzo ist zwiegespalten und so kommt es zu zahlreichen Situationen, die einfach nur herzerwärmend sind. Überraschungen und schicksalhafte Begegnungen sind an der Tagesordnung und sorgen für durchgehende Spannung.

Das Buch hat mich absolut gefesselt, man mag es gar nicht mehr aus der Hand legen und gleichzeitig möchte man eigentlich nicht, dass es irgendwann endet. Es gibt durchaus erheiternde Szenen, aber größtenteils sind es die emotionalen und tragischen Momente, die einem oft schier den Atem rauben. Je mehr es auf den Schluss zuging, desto weniger konnte ich mich zurückhalten und irgendwann flossen zwangsläufig die Tränen. Vor allem, als wir im letzten Kapitel noch einen Zeitsprung von 21 Jahren machen dürfen, um zu erfahren, was aus all den lieben Figuren geworden ist.
Ein absolutes Herzensbuch, das ich Lesern jeden Alters nur wärmstens empfehlen kann.

Bewertung:

DIE VERBORGENEN STIMMEN DER BÜCHER von BRIDGET COLLINS – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 467 Seiten
Verlag: Rütten & Loening
Erscheinungsdatum: 15. Februar 2019
ISBN-13: 978-3352009211
Autorin: Bridget Collins

LESEPROBE (PDF)

Meine Meinung:
In dieses Buch habe ich mich sofort verliebt, als ich es ausgepackt habe: optisch so wunderschön gestaltet und der Schnitt im gleichen satten Blauton gefärbt, den auch die Blätter auf dem Cover zieren. Eine echte Augenweide …

Allerdings musste ich bald feststellen, dass der Inhalt irgendwie so gar nicht zu dieser blumig-leichten Optik passen wollte. Vielmehr geht es eher tragisch zu, wenn wir den jungen Emmett Farmer dabei begleiten, wie er einfach so aus seiner geliebten Familie und Umgebung gerissen wird.
Nach einer sehr mysteriösen schweren Krankheit ist er immer noch geschwächt und kaum fähig, die Arbeit auf dem Bauernhof zu bewältigen. Da erreicht die Familie ein Brief: Emmett soll zu einer alten Buchbinderin in die Lehre gehen. Er ist geschockt, denn Bücher sind etwas streng Verbotenes, Geheimnisumwittertes und er hat auch keinerlei Erfahrungen in diesem Bereich. Doch sein Vater schickt ihn sofort weg.

Als Emmett bei der Buchbinderin Seredith ankommt, ist dies für ihn wie eine neue Welt. Die Alte wirkt reichlich verschroben und geheimnisvoll und nicht wenige bezeichnen sie sogar als „Hexe“. Sie lehrt ihn den handwerklichen Teil der Buchbinderei, doch das eigentlich Wichtige bleibt ihm zunächst verborgen. Die fertigen Bücher bewahrt sie in einem stets gut verschlossenen Gewölbe auf und Emmett kann sich keinen Reim auf die Vorgänge im Haus machen.
Erst so nach und nach begreift er, welche Macht Seredith hat: sie kann Menschen auf deren Wunsch hin ihre schlechten Erinnerungen nehmen und sie in einem Buch einschließen.
Dann stirbt die Buchbinderin plötzlich und damit werden Ereignisse losgetreten, die Emmett schon wieder komplett aus der Bahn werfen. Er muss in die Stadt ziehen zu einem anderen Buchbinder, der weniger sorgfältig mit dieser besonderen Gabe umgeht. Was Emmett dort erlebt, kommt einem spannenden Drama gleich …

Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, in das Buch hineinzufinden. Der Schreibstil war mir zu ausführlich und detailreich, ich hatte ein leichtes Gefühl von Stillstand und wusste nicht so recht, wohin die Geschichte nun gehen würde. Das sorgte dafür, dass ich es etwas frustriert für eine ganze Weile wieder aus der Hand gelegt habe.
Erst mit dem Tod von Seredith kam dann für mich so richtig Bewegung und Spannung in die Story.
Was danach folgte, war allerdings fast ein bisschen schockierend. Die Schattenseiten dieser Gabe rückten in den Vordergrund, es wurde zum Thema, wie Menschen dies für eigene Zwecke missbrauchen.

Manche sehen im „Binden“ einen Freibrief, ein Leben ohne Grenzen führen zu können. Man kann sich ja jederzeit aller schlechter Erinnerungen entledigen. Aber auch für schlimmste Verbrechen wird die Gabe benutzt, indem sie den Opfern hinterher als willkommene Lösung zum Neuanfang präsentiert wird.
Doch nicht nur dies sorgt für Missbrauch, denn wenn die Bücher in falsche Hände geraten, kann auch das üble Folgen haben. Schließlich enthalten sie einen Teil des Lebens einer bestimmten Person und viele sind bereit, für pikante Geschichten eine Menge Geld zu bezahlen. Deshalb ist es so wichtig, sie in sicherer Obhut zu wissen.
Wir erfahren auch, wie „Romane“ entstanden sind: es handelt sich schlicht um Fälschungen „echter Bücher“, für mich eine irgendwie lustige Erkenntnis.

Die Geschichte wird in drei Teilen erzählt, wobei in den ersten beiden Emmett der Erzähler ist und wir im letzten Abschnitt plötzlich alles aus der Sicht von Lucian erleben. Das hat mich manchmal etwas verwirrt, rückte ihn aber als zweite Hauptperson passenderweise noch mehr in den verdienten Mittelpunkt.

Dieses Buch ist phantasievoll, emotional, aber auch unerwartet grausam und wartet mit vielen Überraschungen auf. Trotz kleinerer Phasen, die mich weniger gepackt haben, würde ich das Buch weiterempfehlen an alle Leser, die auf der Suche nach etwas anderer Unterhaltung sind und sich gern auf Phantastisches einlassen.

Bewertung:

RHEINBLICK von BRIGITTE GLASER – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: List Hardcover
Erscheinungsdatum: 22. Februar 2019
ISBN-13: 978-3471351802
Autorin: Brigitte Glaser

Meine Meinung:
Zunächst beginnt alles mit mehreren Handlungssträngen, die die Autorin nach und nach geschickt zu einer stimmigen Story verknüpft: wir lernen Hilde Kessel kennen, die das Lokal „Rheinblick“ führt. Bei ihr geben sich alle möglichen Politiker die Klinke in die Hand, weshalb sie auch so einiges erfährt, das nicht für jedermanns Ohren bestimmt ist.
Außerdem begleiten wir die junge Krankenschwester Sonja bei ihrer Arbeit. Sie möchte sich irgendwann als Logopädin selbstständig machen und ihr Sprungbrett dazu könnte ein ganz besonderer Patient sein: Willy Brandt. Nach einer Stimmbandoperation versucht sie, ihn mit ihren Übungen zu therapieren. Auch sie erfährt so einiges aus der Politik, was nicht für Außenstehende bestimmt ist.
Und dann haben wir da noch Lotti, die aus Achern nach Köln reist, um eine Reportage zu schreiben. Sie landet bei einem Kumpel in einer WG, in der auch Sonja wohnt. Außerdem lernt sie dort Max kennen, einen Studenten, der nebenbei Taxi fährt. Auch er bekommt durch seine Fahrgäste so einiges mit, was durchaus brisant sein könnte in politischen Kreisen.
Alle Protagonisten eint eine Gemeinsamkeit: ein totes Mädchen, dessen Schicksal besonders Sonja und Lotti am Herzen liegt. Auf eigene Faust beginnt Lotti Nachforschungen anzustellen und schon bald fällt der Verdacht auf einen Politiker.

Der Schreibstil ist prima zu lesen, flüssig und eindrücklich. Man kann sich auch alle Schauplätze gut visualisieren und einige Protagonisten (Lotti, Sonja, später auch Max) waren mir recht sympathisch.

Was mir etwas Probleme bereitet hat, das waren die unendlich vielen politischen Details, Verquickungen und Personen. In dieser Fülle einfach zu übermächtig für mich. Ich habe mich dann immer gefreut, wenn es um Lotti, Sonja und Max ging, da war es etwas weniger dominant als bei Hilde.

Aber insgesamt ein interessantes, gut zu lesendes Buch. Und für politisch interessierte Menschen sicher ein Gewinn, da man auch einige wahre Begebenheiten aus der damaligen Zeit erfährt.
Ich fand die Schilderungen auch sehr informativ, wie es im Jahr 1972 so zuging, zum Beispiel in Bezug auf die Volljährigkeit, die Rechte von Frauen und vielem mehr.

Bewertung:

RÜCKWÄRTSWALZER von VEA KAISER – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum: 7. März 2019
ISBN-13: 978-3462051421
Autorin: Vea Kaiser

Meine Meinung:
2019 scheint ein gutes Lesejahr zu werden, denn schon wieder habe ich ein echtes Spitzenbuch entdeckt, obwohl ich es in der Buchhandlung wohl niemals beachtet hätte. Das Cover und der Titel verraten nicht, welch wunderbare, emotionale und anrührende Geschichte sich dahinter verbirgt.

Es geht um die österreichische Familie Prischinger, die wir auf einer abenteuerlichen Reise begleiten dürfen. Aber zunächst erfahren wir vieles aus der Vergangenheit der Figuren.
Die Geschwister Mirl, Wetti, Hedi und Sepp haben früh in ihrem Leben einen großen Verlust erlitten: ihr Bruder Nenerl ist in der Nachkriegszeit verstorben. Die Mutter hat sich niemals so richtig von diesem Schicksalsschlag erholt und so mussten die Kleinen schon bald lernen, Verantwortung zu übernehmen. Alle sind ihren Weg gegangen und sie haben allerhand erlebt. Nun sind sie im Rentenalter und regelmäßig treffen sich Mirl und Wetti bei Hedi und ihrem Lebensgefährten Willi.
Auch Sepps Sohn Lorenz besucht seine Tanten gerne, vor allem, weil es dort immer deftiges Essen gibt und weil er als erfolgloser Schauspieler sowieso nichts Besseres zu tun hat. Als sich dann auch noch seine Freundin von ihm trennt und er seine Wohnung wegen drohender Pleite verlassen muss, sucht er kurzerhand bei Hedi Asyl.
Doch dann passiert etwas Schreckliches: Willi stirbt eines Nachts überraschend und stellt die Hinterbliebenen damit vor ein Problem.
Eigentlich wurde Willi nämlich vor vielen Jahren als Koviljo in Montenegro geboren und ist dort im Haus eines Bärenforschers aufgewachsen. Mit dessen Tochter verband ihn eine tiefe Freundschaft und er hatte der leider bereits Verstorbenen versprochen, später einmal im Grab neben ihr zu liegen und über sie zu wachen in der Dunkelheit.

Leider hat niemand in der Familie Prischinger genug Geld, um die Überführung des Toten in seine Heimat zu bezahlen. So beschließen die unerschrockenen Schwestern kurzerhand, dass Willi eben mit seinem Fiat Panda ans Mittelmeer gebracht wird – und Lorenz wird zum Fahrer bestimmt.
Der steckt gerade mitten in einer echten Krise und dann auch noch das … doch er kann Willi seinen letzten Wunsch nicht abschlagen, also geht die abenteuerliche Reise los!

Dieses Familienepos ist wirklich hochemotional und so witzig, dass man oft nicht weiß, ob man nun weinen oder lachen soll. Alles liegt so nah beieinander – eben wie oft im richtigen Leben.
In abwechselnden Kapiteln begleiten wir die durchgehend sympathischen, wenngleich nicht ganz einfachen Charaktere in der Gegenwart und in Rückblicken in die Vergangenheit, die so manches Geheimnis offenbaren. Ein extrem bewegtes Dasein mit unglücklichen Lieben, Anfeindungen, Entbehrungen und Täuschungen liegt hinter den Schwestern und Willi, aber immer wieder zog auch das Glück ein in Form von Kindern, Abenteuern und schicksalhaften Fügungen.

Man fiebert lebhaft mit, wenn der vollbesetzte Panda Grenze für Grenze passiert auf seinem über 1000 km langen Weg zum Ziel. Willi auf dem Beifahrersitz, die drei Schwestern auf der Rückbank. Der Schreibstil von Vea Kaiser ist einfach grandios: humorvoll, lebhaft, augenzwinkernd, mitreißend und emotional. Man kann sich der Geschichte nicht entziehen und sie fesselt von der ersten bis zur letzten Seite.
Dieses Buch kann ich nur wärmstens empfehlen und am liebsten würde ich es selbst gleich noch einmal lesen, denn der Abschied von den liebgewonnenen Figuren fällt wirklich schwer.

Bewertung:

MEIN BULLET PLANER von JASMIN ARENSMEIER – Meine Meinung …

Paperback, Flexobroschur, 192 Seiten
Format: 15,5 x 21,0 cm
Verlag: Südwest Verlag
ISBN-13: 978-3517097763
Autorin: Jasmin Arensmeier

Meine Meinung:
Jetzt habe ich dieses sehr schön gestaltete Büchlein also seit zwei Monaten in Gebrauch und kann endlich ein Fazit ziehen.
Für mich als Anfänger im „Journaling“ ist die Aufteilung ok, denn es ist eigentlich alles schon vorgegeben: Listen für „Ausgeliehenes“, „Urlaubsziele“, „Sparziele“ oder „Geschenke“, aber auch Übersichten, in den man seine Arztbesuche eintragen kann oder Ziele, die man erreichen will. Für Fortgeschrittene, die gerne selbst mehr gestalten, könnte es bereits zu wenig Freiräume bieten.

Die Innenseiten sind durchgehend farbig gestaltet, jeder Monat und die zugehörigen Wochenübersichten haben eine eigene Colorierung. Man kann natürlich auch selbst die zahlreichen Bildchen noch etwas ausmalen oder erweitern … der Fantasie sind ja bekanntlich keine Grenzen gesetzt.

Das Kalendarium ist an kein bestimmtes Jahr gebunden, so dass man jederzeit mit diesem Buch starten kann. Man trägt einfach selbst die Daten ein. Ich habe trotzdem am Anfang diesen Jahres begonnen und somit ist es für mich eher lästig, dass ich alles noch ausfüllen muss und natürlich manchmal Lücken bleiben, wenn die tatsächlichen Monatstage abweichen.

Ich mag es, wenn die Überschriften einheitlich aussehen, deshalb habe ich an manchen Stellen auch Filzstifte benutzt, um die vorgedruckten Wörter zu ergänzen, aber dies drückt sich leider auf die Rückseite des Papiers durch.
Ein oder mehrere Lesebändchen wären auch noch prima gewesen, so fände man immer ganz schnell den aktuellen Tag oder andere Seiten, die man häufig aufschlägt.

Aber alles in allem ist dieser Planer eine nützliche Sache, die nebenbei auch richtig Spaß machen kann. Auch als Geschenk könnte ich es mir gut vorstellen.

Bewertung:

DIE REINSTEN von THORE D. HANSEN – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 424 Seiten
Verlag: Golkonda Verlag
Erscheinungsdatum: 1. März 2019
ISBN-13: 978-3946503903
Autor: Thore D. Hansen

Buchtrailer:

Meine Meinung:
Die Story ist alles andere als abwegig, wenn man sich mal ohne rosarote Brille ansieht, wo wir heute bereits stehen: Umweltzerstörung, Klimawandel, Überbevölkerung, Hunger, Krieg, soziale Ungerechtigkeit und zunehmende Digitalisierung prägen unseren Alltag.
Ausgehend von dieser Situation hat der Autor eine Geschichte verfasst, in der ganze 150 Jahre nach der großen Katastrophe von 2041 erneut ein Umbruch ansteht.
„Askit“, eine künstliche Intelligenz, bestimmt die Geschicke der verbliebenen Menschheit. In wenigen imposanten Metropolen leben die sogenannten „Reinsten“ mit den „Angepassten“ zusammen.
Askit sah die Ursachen für die selbstzerstörerische Lebensweise in der Natur des Menschen begründet, woraufhin er eine optimierte Rasse geschaffen hat: mit Hilfe von Gehirnimplantaten sind die Reinsten ganz nah mit ihm verbunden. Ihre Gefühle und Gedanken können kontrolliert und in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Sie werden anhand eines Punktesystems bewertet und nur die Besten unter ihnen erreichen ranghohe Posten, beispielsweise in der Wissenschaft.
Eve Legrand ist eine Meeresbiologin, die kurz vor ihrer wichtigsten Prüfung durch Askit steht. Ihre Mutter gehört zu den „Angepassten“, die ohne Implantat leben, aber innerhalb der Gemeinschaft. Außerhalb der Metropolen gibt es kleine Kolonien, in denen sich Abtrünnige und Degradierte (Verstoßene) angesiedelt haben.
Schon im Vorfeld der Prüfungen kommt es immer wieder zu seltsamen Situationen, die Eve nicht richtig einordnen kann. Und dann geschieht etwas, das ihr bisheriges Leben komplett aus der Bahn wirft: ausgerechnet sie, die den höchsten Punktestand aller Reinsten erreicht hat, wird von Askit degradiert. Gejagt von Drohnen und Kampfrobotern sucht Eve mit ihrer besten Freundin Adlin und deren Mann Samir erst einmal Schutz in einer der Kolonien, der ihnen nach anfänglichem Misstrauen auch gewährt wird. Weitere Reinste folgen, denn die Degradierungen betreffen viele der besten Absolventen.
Was bezweckt Askit mit diesem Schritt? Hat er sich von seiner bisherigen Vorgehensweise abgewandt oder wurde die künstliche Intelligenz gar von einem Virus befallen, wie manche glauben?
Eve und ihre Freunde erfahren von den Kolonisten vieles über die Vergangenheit, das alles bisher Geglaubte in Frage stellt. Was werden die Reinsten mit diesem Wissen tun?
Askit hat seine Verbindung zu Eve allerdings nie wirklich getrennt, viel mehr wird ihr plötzlich bewusst, dass von ihrer Entscheidung der Fortbestand der Menschheit abhängt …

Die Geschichte hat mich schon auf den ersten Seiten sehr berührt und mitgerissen. Wir werden in eine neue Welt katapultiert, in der beinahe alle unsere heutigen Probleme gelöst scheinen. Aber der erste Eindruck trügt, denn hinter der Fassade brodelt es gewaltig.
Zahlreiche Wissenschaftler arbeiten zusammen mit der künstlichen Intelligenz Askit daran, das Weltklima wieder auf ein Niveau zu bringen, das den Menschen auch außerhalb der geschützten Metropolen ein Überleben ermöglichen soll. Die Maßnahmen gegen die hohen Temperaturen und sich ausbreitende Wüsten tragen sichtbare Früchte, aber es gibt Zweifel, ob die Resultate dauerhaft sind.
Das Buch regt zum Nachdenken an, es zeichnet eine Zukunft, die wirklich realistisch erscheint, was andererseits auch wieder sehr erschreckend ist. Können wir solche Entwicklungen überhaupt noch aufhalten oder haben wir unser Schicksal bereits besiegelt?
Ebenso stellt sich die Frage, ob wir wirklich „besser“ wären, wenn wir unsere Emotionen im Griff hätten und Gefühle wie Wut, Neid oder ähnliches reguliert bzw. unterdrückt würden. In Askits Welt werden alle Menschen gleich behandelt: es gibt kein Arm und Reich mehr, alle haben den gleichen Zugang zu Bildung und Nahrung und müssen den gleichen Arbeitseinsatz für die Gemeinschaft leisten. Klingt erst mal sehr erstrebenswert, doch welchen Preis zahlt der Einzelne dafür? Wie wichtig ist eigenständiges Denken, welche Werte muss man höher ansiedeln?

Der Schreibstil ist flüssig und lebendig, das Buch hat mich schnell gefesselt, denn man kann sich alles sehr gut visualisieren.
Eve ist eine Hauptperson, die zwar nicht auf den ersten Blick uneingeschränkt sympathisch wirkt, aber sie hat auch keine einfache Aufgabe – und sie wächst mit ihr. Neben ihr gibt es noch weitere glaubwürdig charakterisierte Figuren, die man gern ins Leserherz schließt.
Im Laufe der Geschichte wird es verwirrend für die Beteiligten und auch ich hatte manchmal kleine Schwierigkeiten, dem Ganzen noch aufmerksam zu folgen und die verschiedenen Parteien und ihre Ziele auseinanderzuhalten. Doch am Ende werden die Hintergründe klar und alles ergibt Sinn.
Das emotionale Dilemma, in dem sich Eve wiederfindet, wird nachvollziehbar geschildert. Sie ist hin und her gerissen zwischen ihrer Unterwerfung gegenüber Askit und ihrer wahren Identität als freier Mensch.

Das Buch hat mich bestens unterhalten und zum Nachdenken bewegt. Ich kann es nur weiterempfehlen!

Für eine weitere Auflage sollte der Verlag noch einmal die doch recht zahlreichen Schreibfehler korrigieren, sogar der Name „Thyron“ (Eves Mann) ist oft falsch geschrieben. Normalerweise erwähne ich dies in Rezensionen nicht, aber hier war es leider sehr gehäuft.

Bewertung: