DIE KINDER von WULF DORN – Meine Rezension …

Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (4. September 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453270940
ISBN-13: 978-3453270947
Autor: Wulf Dorn

Würde ich mir selbst einen Plot für einen Thriller ausdenken müssen, dann wäre er dem von „Die Kinder“ sehr ähnlich. Einzig bei der Opferwahl würde ich etwas selektiver vorgehen, aber eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik wäre bei mir sicher auch enthalten.

Schon die ersten Seiten haben es geschafft, mich absolut zu fesseln. Das Buch ist durchgehend spannend und wartet mit einigen Überraschungen auf. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Laura Schrader, die von ihrem Ex-Schwager eingeklemmt hinter dem Steuer eines verunfallten Wagens gefunden wird. Im Kofferraum liegt eine entsetzlich zugerichtete Kinderleiche, aber das ist noch der harmlose Teil der Story. Viel mysteriöser sind die mehr als 160 Personen, die spurlos verschwunden sind. Das ganze Dorf, in dem Laura mit ihrer Schwester und deren Tochter Urlaub gemacht hat, ist völlig verlassen.
Der Psychologe Robert Winter soll im Auftrag der Polizei mit Laura Schrader reden, um herauszufinden, was passiert ist. Was sie ihm berichtet, klingt so unglaublich, dass niemand ihr wirklich Glauben schenken mag.

Ein bisschen fällt diese Geschichte schon in die Kategorie „Mystery“, aber lasst euch davon nicht abschrecken, falls ihr normalerweise nicht zu diesem Genre greift. Für zartbesaitete Leser sei noch gesagt, dass es schon recht blutig und grausig zur Sache geht, aber nicht übertrieben in die Länge gezogen, sondern im Rahmen des Nötigen.

Im Vorwort erklärt uns Wulf Dorn, dass vieles in diesem Thriller tatsächlich der Realität entspricht und wenn ihr das Buch gelesen habt, dann werdet ihr es verstehen. Nichts ist erschreckender und grausamer als das echte Leben – zumindest für diejenigen, die nicht auf der Sonnenseite stehen.
Ein Buch, das den Leser nachdenklich zurücklässt – und trotzdem einige Stunden für spannende Unterhaltung sorgt.
Es ist zu wünschen, dass der Autor damit auch etwas bewirken kann.

Bewertung:

PROJEKT ORPHAN von GREGG HURWITZ – Meine Rezension …

Broschiert: 480 Seiten
Verlag: HarperCollins; Auflage: 1 (7. August 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3959671083
ISBN-13: 978-3959671088
Originaltitel: The Nowhere Man

Den ersten Band der Reihe „Orphan X“ fand ich einfach spitzenmäßig, so war meine Vorfreude auf die Fortsetzung natürlich riesengroß und ich wurde nicht enttäuscht. Im direkten Vergleich fand ich „Projekt Orphan“ zwar einen Tick schwächer als den Vorgänger, aber das lag nur daran, dass die Schauplätze irgendwie etwas begrenzt sind.
Für Fans von hartgesottenen Einzelkämpfern im Stil eines „Transporter“, James Bond oder Jason Bourne ist dieses Buch genau das Richtige: teils recht blutige Auseinandersetzungen, bei denen doch am Ende immer das Gute siegt.

Hauptperson ist der Mittdreißiger Evan Smoak, der auf seine Umgebung eigentlich recht durchschnittlich und harmlos wirken mag, doch hinter der Fassade steckt ein extrem gut ausgebildeter Killer, der früher unter dem Decknamen „Orphan X“ tätig war. Inzwischen hat er seinem offiziellen Berufsleben allerdings den Rücken gekehrt und ist nur noch auf eigene Faust unterwegs. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in größter Not zu helfen und dabei nie einen Unschuldigen zu töten – die Schuldigen allerdings haben wenig zu lachen, wenn er sie erst mal gefunden hat.

Im zweiten Band der Reihe gerät Evan leider selbst in größte Not – und das mehr oder weniger fast durch Zufall. Gejagt wird er eigentlich von seinen früheren Orphan-Kollegen, doch gefangen genommen hat ihn ein mysteriöser Unbekannter – und das nur des schnöden Geldes wegen. Evan bleibt nicht viel Zeit, denn er muss einem Mädchen helfen, das Opfer eines brutalen Menschenhändlers wurde. Und dann ist da auch noch ein kleiner Junge, der ebenfalls auf Rettung hofft.
So tragisch wie sich das Ganze anhört, so ist es dann auch: wir dürfen sehr viel an Evans Gedanken teilhaben, wir erleben ihn als mitunter auch sehr verletzlichen Charakter. Emotionen spielen eine große Rolle in diesem Thriller – und nicht nur in Form körperlichen Schmerzes.
Schmerz, Blut, diverse gut erklärte Kampfkniffe, die man nicht am eigenen Leib spüren möchte und zahlreiche Tote durch alle möglichen Ursachen machen das Buch für zartbesaitete Leser vielleicht nicht zum größten Vergnügen. Man muss schon wirklich Fan solcher actiongeladenen Stories sein, bei denen auch Tarantino gerne Regie führt.

Da Evan die meiste Zeit gefangen gehalten wird, beschränkt sich die Handlung auf eher wenige Schauplätze. Üblicherweise wird bei solchen Geschichten gefühlte zehn Mal um den Erdball gejettet, aber das hält sich hier in Grenzen. Trotzdem kommt natürlich keine Langeweile auf, sondern das Buch weiß von Anfang bis zum Ende zu fesseln.
Über ein Wiedersehen mit einigen Figuren aus dem Vorgängerband habe ich mich sehr gefreut, Überraschungen inklusive.
Wer Band 1 noch nicht gelesen hat, dem würde ich dazu raten, aber auch ohne Vorkenntnisse könnte man „Projekt Orphan“ ohne Verständnisschwierigkeiten genießen.

Bewertung:

TODESREIGEN von ANDREAS GRUBER – Meine Rezension …

Taschenbuch: 576 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (21. August 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442483131
ISBN-13: 978-3442483136
Autor: Andreas Gruber

Nach einer längeren Leseflaute war dieses Buch mein erstes richtiges Highlight. Es hat zwar über 500 Seiten, aber es hätten auch gerne noch einmal so viele sein dürfen, denn bei dem tollen Schreibstil will man ständig weiterlesen.
Es ist aber nicht nur der lockere, atmosphärische Schreibstil von Andreas Gruber, der mich immer wieder begeistert, sondern vor allem auch seine Protagonisten, die mir längst ans Leserherz gewachsen sind. Nach „Todesfrist“, „Todesurteil“ und „Todesmärchen“ dürfen wir inzwischen schon den vierten Fall mit dem sehr gewöhnungsbedürftigen Profiler Maarten S. Sneijder und seiner sympathischen (Ex-)Kollegin Sabine Nemez genießen.
Sneijder mag ich persönlich eigentlich sehr gerne, denn er ist ein Einzelgänger, der seine Mitmenschen meist nicht leiden kann, der sich aber liebevoll um einen zugelaufenen Hund kümmert. Genau mein Ding … 🙂 Er ist ein brillianter Fallanalytiker, nimmt aber gerne Pfade abseits des Dienstwegs, um ans Ziel zu gelangen.
Sabine hat mit den Eigenheiten von Maarten manchmal noch große Probleme, aber die beiden sind ein tolles Team, das noch unterstützt wird von Tina Martinelli, einer ebenfalls sehr liebenswürdigen Person.

Dieses Buch beginnt mit einer Szene, die echt Gänsehaut verursacht und über die wir uns alle wahrscheinlich schon Gedanken gemacht haben: ein Geisterfahrer ist auf der Autobahn unterwegs. Drei LKW-Fahrer schließen sich zusammen und wollen diesen stoppen. Eine Situation, die mich sofort gefesselt hat und Andreas Gruber schafft es, diese Spannung bis zur letzten Seite aufrecht zu erhalten. Wirklich einfach mitreißend und extrem gut geschrieben.
Der Kriminalfall entpuppt sich dann als nicht ganz klassischer Rachefeldzug. Doch wer sich an wem rächen will, das wird wirklich erst ganz zum Ende klar. Ein Mann will den Tod seiner Familie aufklären und geht dabei scheinbar über Leichen. Man schwankt als Leser zwischen Sympathie und Antipathie für Hardy und wenn man die Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, erscheinen immer neue Facetten des Geschehens.
Auch sehr schön an dieser Reihe: blutige Szenen werden nicht unnötig ausgeschmückt, so dass auch Leser mit nicht so starkem Magen gerne zugreifen können.
Einfach ein grandioser Thriller, der allerbeste Leseunterhaltung bietet und durchgehende Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.
Und wichtig noch für alle Tierliebhaber: kein Vierbeiner kommt zu Schaden, darauf kann man sich bei diesem Autor eigentlich fast immer verlassen. 🙂

Bewertung:

DER NÄHER von RAINER LÖFFLER – Meine Rezension …

Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch) (24. April 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404174542
ISBN-13: 978-3404174546
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren

Aus der inzwischen dreiteiligen Reihe um Fallanalytiker Martin Abel habe ich bisher nur Teil 1 „Blutsommer“ gelesen und fand diesen auch sehr gelungen. Mit „Der Näher“ dürfen wir den etwas ungewöhnlichen Protagonisten also bei seinem neuesten Fall begleiten und erfahren auch wieder einiges aus seinem Privatleben, was ich bei Buchreihen immer sehr spannend finde, da einem so die Figuren noch mehr ans Leserherz wachsen.
Der aufzuklärende Fall entpuppt sich als extrem blutige und stellenweise etwas fragwürdige Angelegenheit. Aber gut: bei Thrillern ist es üblich, dass man etwas übertreibt und die Glaubwürdigkeit auch gerne mal außen vor gelassen wird.
Für zartbesaitete Leser würde ich das Buch nicht empfehlen, für schwangere Frauen schon gar nicht.
Gegen Ende der Geschichte häuften sich dann auch noch brutale Tierquälerszenen, die dann auch für meinen Geschmack absolut zu viel waren und ich habe hier großzügig quergelesen, da es manche Dinge in der Ausführlichkeit wirklich nicht braucht.
Insgesamt war mir die Story zu unglaubwürdig, blutige Szenen zu sehr „ausgeschlachtet“ und am schlimmsten fand ich persönlich die Tierquälereien. Bis zu einem gewissen Punkt ist das Buch aber durchaus unterhaltsam und auch spannend, doch einfach immer etwas „too much“.
Für Fans der Reihe aber sicher ein Muss, denn man will ja auch wissen, wie es mit Martin und seiner Hannah so weitergeht.

Bewertung:

IN TIEFEN SCHLUCHTEN von ANNE CHAPLET – Meine Rezension …

Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: KiWi-Taschenbuch (17. August 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462050427
ISBN-13: 978-3462050424

Als Südfrankreichfan musste ich natürlich diesen Krimi unbedingt lesen und wurde nicht enttäuscht. Der Schreibstil ist ungekünstelt, toll zu lesen und sehr atmosphärisch.
Besonderen Wert legt die Autorin auf sehr ausführliche Beschreibungen der Landschaft, was ein bisschen wie Urlaub wirkt beim Lesen. Man kann den Mistral förmlich spüren, man ist live dabei, wenn die Hauptperson Tori Godon Wanderungen durch die wunderschöne Gegend des Vivarais unternimmt, man riecht die wilden Kräuter und die Blumen, man schmeckt das köstliche regionale Essen.
Manchmal vergisst man direkt, dass man eigentlich einen Kriminalroman liest, denn die Spannung ist meist nur sehr unterschwellig spürbar, aber durchaus vorhanden. Ein verschwundener Urlauber und ein altes Geheimnis sind die Eckpunkte der Handlung, um die die Autorin eine sehr stimmige Geschichte gewoben hat, in der wir tief in die Vergangenheit der wundervollen Gegend eintauchen dürfen.
Viele Jahrhunderte zurück führt uns Toris Suche nach der Wahrheit, wir erfahren sehr viele Details über die Entstehung mysteriöser Höhlenmalereien, über die Hugenotten und ihre Verfolgung und sogar der Zweite Weltkrieg spielt noch eine Rolle. Eine sehr vielschichtige, interessante Story, die mich sehr gefesselt hat.
Auch die Charaktere fand ich sehr gelungen, allen voran Tori mit ihrer etwas ungewöhnlichen Lebensgeschichte. Sehr viele französische „Originale“, die verschroben und recht speziell wirken, aber einfach perfekt in die Story passen. Und für mich als Hundefreund auch ganz wichtig: July, die treue Begleiterin von Tori, die ich sofort ganz tief ins Herz geschlossen habe.

Diesen sehr unblutigen und fesselnden Krimi mit viel geschichtlichem Hintergrund und wunderschönen Beschreibungen von Land und Leuten kann ich nur weiterempfehlen. Ein kleiner Urlaub, der den Alltag für einige Stunden vergessen macht.

Bewertung: