DAS KAFF von JAN BÖTTCHER – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 269 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 1 (9. März 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3351037163
ISBN-13: 978-3351037161
Autor: Jan Böttcher

Die Geschichte:
Michael Schürtz ist als Architekt in Berlin recht erfolgreich, doch ein Job als Bauleiter führt ihn zurück in den Ort, in dem er aufgewachsen ist. Er nennt diesen nur „das Kaff“, alles erscheint ihm zu spießig, klein und irgendwie unter seiner Würde. Doch im Laufe der Zeit nähert er sich den Menschen wieder an, seinen Geschwistern, früheren Gefährten im Fußballverein. Michas Überzeugungen geraten ins Wanken, er ist hin- und hergerissen zwischen Wehmut, Wiedersehensfreude und dem Wunsch, sofort wieder in die Großstadt zu flüchten …

Meine Meinung:
Was Jan Böttcher hier als „Kaff“ beschreibt, das ist ja in meiner Welt schon fast eine Kleinstadt. 😀 Ein eigener Fußballverein, Geschäfte und Lokale, das ist ja riesig gegen das Kaff, in dem ich aufgewachsen bin.

Aber ich konnte die Gedanken des Protagonisten trotzdem gut nachvollziehen, seine Wandlung nachfühlen. Michael ist ein sympathischer Kerl, der die Leute oft mit trockenem Humor und Ironie abblitzen lässt. Zunächst noch voll überzeugt von seiner eigenen Überzeugung und dann doch zusehends immer weicher werdend.

Jan Böttcher schildert die Story in einem Schreibstil, der nicht eintönig und gleichförmig ist, sondern er jongliert manchmal fast spielerisch mit den Worten. Seine Schilderungen der Landschaft und der Menschen lassen lebendige Bilder im Kopf entstehen.
Etwas mehr Humor hätte ich mir noch gewünscht, insgesamt überwogen fast eher die ernsten Töne und die emotionalen Momente. Doch einige Lacher sind schon darunter, unter anderem die „Nuss“.

Ein Roman über einen Mann, der eher unfreiwillig dazu angeregt wird, sich mit seiner Vergangenheit auszusöhnen. Michaels Wertevorstellungen geraten ins Wanken, er orientiert sich neu. Bei diesem Prozess habe ich ihn gern begleitet, das Buch hat mich gut unterhalten und ich empfehle es gerne weiter.

Bewertung:

CHÂTEAU MORT von ALEXANDER OETKER – Meine Rezension …

Broschiert: 336 Seiten
Verlag: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH (14. März 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3455000762
ISBN-13: 978-3455000764
Autor: Alexander Oetker
Teil 2 der „Luc Verlain„-Reihe nach „Retour“

Meine Meinung:
Heute serviere ich euch einen aufregenden 2018er Château Mort, blutrot, sehr gehaltvoll, tiefes sonniges Aroma, im Abgang stimmig und bestens passend zu den feinen Fleisch- und Fischgerichten der Region Aquitaine.
Als Frankreichfan war ich beim Lesen wieder total in meinem Element, wenngleich der Ort der Handlung nicht im Süden, sondern im Westen liegt. Doch auch die Atlantikküste durfte ich schon einmal bereisen und so konnte ich mir auch hier die Schauplätze sehr lebhaft vorstellen. Bei den ausführlichen Beschreibungen fällt dies aber auch sicher Lesern nicht schwer, die noch nicht selbst vor Ort waren. Der Autor schafft mit seinen Worten eine so lebendige Atmosphäre, dass man die Süße der Trauben fast schmecken kann, die stechende Sonne auf der Haut spürt und die salzige Meerluft des Atlantiks riecht.
Mit der gleichen Sorgfalt charakterisiert er die handelnden Personen, von denen ich bald ein genaues Bild vor Augen hatte – auch ohne Kenntnis des Vorgängerbandes. Kommissar Luc Verlain hat sich vorübergehend aus seinem geliebten Paris in die alte Heimat versetzen lassen, um seinen kranken Vater zu unterstützen. Ihm zur Seite steht bei den Ermittlungen seine Kollegin Anouk, mit der ihn aber weit mehr verbindet als nur der Job. Es sieht ganz danach aus, als hätte sich der Frauenheld Luc tatsächlich ernsthaft verliebt. Auch unter den übrigen Personen finden sich viele Sympathieträger, die es dem Leser leicht machen, gänzlich in die Geschichte einzutauchen und mitzufiebern.

Der aktuelle Fall, den Luc und Anouk zu lösen haben, dreht sich um einen vermeintlichen Giftmord im Rahmen des weltberühmten Marathon du Médoc. Die Veranstaltung ist deshalb so besonders, weil alle Läufer in den wildesten Verkleidungen antreten, weil die Strecke besonders idyllisch gewählt ist und einige Verpflegungsstationen (an denen auch Wein ausgeschenkt wird!) in den Gärten der schönsten Châteaus der Gegend liegen.
Das Opfer ist der sehr beliebte und geachtete Winzer Hubert de Langeville, was die Suche nach einem Motiv nicht gerade erleichtert. In den Fokus der Ermittlungen gerät ausgerechnet Lucs bester Freund Richard, den er schon seit Kindestagen kennt. Die Nachforschungen führen aber bald auch in andere Richtungen, denn immer mehr Geheimnisse aus Huberts Leben werden aufgedeckt und werfen ein neues Licht auf die Geschehnisse.

Wer Wein und alles damit Zusammenhängende liebt, der wird mit diesem Krimi voll auf seine Kosten kommen. Der Autor spart nicht mit Informationen rund um dieses Thema und mir persönlich war es manchmal schon fast etwas zu ausführlich. Aber die Story ist stimmig, es gibt wenig Action, sondern mehr ruhige Ermittlungsarbeit mit vielen Befragungen und Nachforschungen. Das Buch konnte mich von Anfang bis Ende fesseln und der Täter kam für mich zum Schluss zwar überraschend, aber alles passte zusammen.

Ein sehr atmosphärischer Krimi mit viel Flair, einer fesselnden Geschichte und sympathischen Personen. Hinweis: unbedingt zusammen mit einem Glas guten Rotweins genießen!

Bewertung:

DAS ENDE DES SCHWEIGENS von CLAUDIA RIKL – Meine Rezension …

Broschiert: 528 Seiten
Verlag: Kindler; Auflage: 1 (13. März 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3463406853
ISBN-13: 978-3463406855
Autorin: Claudia Rikl

Meine Meinung:
Dieser Krimi nimmt den Leser mit auf eine Reise in die dunkle Vergangenheit der ehemaligen DDR und der NVA. Militärischer Drill und völkischer Gehorsam sorgten für Ordnung und ein geregeltes Dasein. Und wehe, man beugte sich nicht den Regeln und schwamm gegen den Strom.

Auch Kommissar Michael Herzberg hat eine Menge Erinnerungen an diese Zeit, die er gerne für immer vergessen würde. Doch sein aktueller Fall bringt ihn diesbezüglich an seine Grenzen. Er ermittelt im Mordfall an einem ehemaligen NVA-Major.
Die Frau, die den Toten gefunden hat, ist eine psychisch sehr labile Journalistin, die auch einige Probleme mit sich herumschleppt. Trotzdem begibt auch sie sich auf die Spur des Täters und hofft, so an eine große Story zu gelangen.

Der Schreibstil von Claudia Rikl ist sehr schön lesbar, auch die Schauplätze kann man sich prima vorstellen. Ihre Charaktere wirken lebensecht, wenngleich leider nicht sehr sympathisch. Vielleicht ist das Ganze schon wieder zu authentisch, denn im wahren Leben sind Menschen auch selten überwiegend freundlich und umgänglich, aber mir fiel in diesem Krimi oft auf, dass ein sehr harscher Umgangston herrscht. Ein nettes kollegiales Miteinander gibt es in diesem Team eher selten, viel öfters dagegen Sticheleien, offene Anfeindungen, Misstrauen und sogar handfeste Auseinandersetzungen.
Besonders in einer Buchreihe ist es wichtig, dass man einen guten Draht zur Hauptfigur hat, was mir in diesem Fall bis zum Schluss nicht gelungen ist. Michael Herzberg war mir zu kompliziert, seine seltsame Obsession für eine Zeugin ließ ihn in meinen Augen irgendwie inkompetent und schwach wirken, dazu noch die Zwistigkeiten mit seiner ebenso anstrengenden Frau. Alles in allem nicht meine Traumbesetzung. Auch die Journalistin ist eine eher schwierige Person mit ihrer labilen Psyche.

Der Fall an sich ist durchaus spannend zu lesen, allerdings hätte der Text sehr gut um einiges gekürzt werden können. Mir wurde zu viel wiederholt, an manchen Stellen schien man sich im Kreis zu drehen, bis dann endlich das wirklich gut konstruierte Ende nahte. Mir fiel auch auf, dass sehr viel gestolpert und gefallen wurde … das ist nicht wirklich wichtig, aber es blieb mir im Gedächtnis. 🙂

Wer gerne ausführliche Ermittlerkrimis liest und dazu noch etwas über das Leben in der ehemaligen DDR wissen möchte, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen. Es ist eine Geschichte über Intoleranz, Verrat, Rache und hilfloses Leiden, die bis auf einige Längen fesselnd zu lesen ist.

Bewertung:

DER PREIS DES TODES von HORST ECKERT – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Wunderlich; Auflage: 1 (13. März 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3805200129
ISBN-13: 978-3805200127
Autor: Horst Eckert

Leseprobe (PDF)

Die Geschichte:
Kommissar Paul Sellin bearbeitet zumeist Vermisstenfälle, so auch das Verschwinden von Johanna Kling, einer jungen Frau, die für eine wohltätige Organisation tätig war. Als Monate später eine weibliche Leiche an einem See entdeckt wird, ahnt Sellin schon Böses. Seine Befürchtung bestätigt sich: Johanna ist tot, sie wurde Opfer eines Mordes.
Leider verfolgt Sellin der Tod auch im Privatleben, denn sein Arzt offenbart ihm eine niederschmetternde Diagnose. Er hat Krebs und wohl nur noch einige Monate zu leben. Sellin stürzt sich in die Arbeit, er will den Mord an Johanna auf jeden Fall noch aufklären.
Sarah Wolf ist Journalistin und Fernsehmoderatorin, die eine eigene Polit-Talkshow im Abendprogramm der ARD produziert. Privat trifft sie sich seit einiger Zeit mit dem Staatssekretär und Bundestagsabgeordneten Christian Wagner, doch ihre Beziehung halten beide noch geheim. Christian steht gerade als angeblicher Lobbyist im Fokus der Medien, denn er hat Verbindungen zu einem großen Krankenhausbetreiber und ist auch ehrenamtlich für eine Hilfsorganisation des Konzerns tätig.
Als Christian kurz darauf tot aufgefunden wird, bricht für Sarah eine Welt zusammen. Sie misstraut der Polizei und verfolgt auf eigene Faust einige Spuren. Ihr Weg führt sie bis nach Kenia in ein riesiges Flüchtlingslager, dort gerät sie selbst in große Gefahr …

Meine Meinung:
Dieses Buch ist einfach grandios: spannend und fesselnd bis zur letzten Seite. Ich habe es beinahe in einem Rutsch durchgelesen und war direkt traurig, als ich mich von Sarah, Paul, Petra und den anderen liebgewonnenen Charakteren verabschieden musste.

Sarah ist ehrgeizig und erscheint zunächst etwas unnahbar und karriereorientiert, doch im Laufe der Geschichte lernen wir eine andere Seite an ihr kennen und sie wurde mir zunehmend sympathischer.
Kommissar Sellin mochte ich sofort sehr gerne, genau wie seine Ex-Frau. Auch die Kollegen von Sarah sind tolle, lebendige Charaktere, die allesamt sehr authentisch und freundlich wirken. Eine rundum gelungene Besetzung, mit der man gerne mitfiebert.

Die Story ist sehr komplex und vielschichtig, sie beginnt scheinbar harmlos und noch sehr politisch geprägt, doch je tiefer man vordringt, desto brisanter, grausamer und erschreckender wird alles. Organisiertes Verbrechen schlimmsten Ausmaßes unter dem Deckmantel wohltätiger Hilfe. Die beschriebenen Zustände in einem Flüchtlingscamp sind sicher genauso nah an der Realität wie die gesamte übrige Geschichte. Man leidet mit den Menschen, denn der Autor schreibt mit so viel Liebe zum Detail und transportiert die Emotionen hautnah zum Leser. Mitreißend, fesselnd und immer wieder überraschend, denn bis zum Schluss bleibt die Dimension des Ganzen undurchschaubar.
So fand ich auch das Ende zwar nicht unbedingt tröstlich, doch im Hinblick auf die Themen absolut stimmig.

Ein Buch, das ich jedem Thrillerfan nur empfehlen kann. Unnötig blutige Szenen benötigt Horst Eckert nicht, um Hochspannung zu erzeugen. Er erlaubt uns einen kleinen Einblick in die Tiefen der menschlichen Seele, in Machtgier und Profitstreben, das keine Grenzen zu kennen scheint. Unbedingt lesen!

Bewertung:

FLÜCHTIGE SEELEN von MADELEINE THIEN – Meine Rezension …

Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: btb Verlag (9. Oktober 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442715768
ISBN-13: 978-3442715763
Originaltitel: Dogs at the Perimeter
Autorin: Madeleine Thien

Meine Meinung:
Mit diesem Buch hatte ich leider einige Probleme, denn ich konnte mich mit dem Schreibstil so gar nicht anfreunden. Er war mir zu sprunghaft, ungeordnet, verworren und stellenweise fast schwer lesbar. Möglicherweise auch zu poetisch-verklärt, ich kann es gar nicht wirklich beschreiben. Auf jeden Fall kam ich nicht in die Geschichte hinein, die Charaktere blieben mir irgendwie fremd und ihr Schicksal hat mich trotz der beschriebenen Schrecken nicht so richtig berühren können.
Es geht um die Neurologin Janie, die in den Siebzigerjahren aus Kambodscha nach Kanada fliehen konnte. Was sie zuvor in den Kriegswirren, in ihrer Zeit als Flüchtling und Zwangsarbeiterin erlebt hat, das drängt sich alles wieder in ihre Erinnerungen, als sie sich auf die Suche nach ihrem Bekannten Hiroji macht. Dieser ist plötzlich spurlos verschwunden und Janie erfährt, dass er zurück nach Kambodscha gereist ist, um dort seinen verschollenen Bruder zu finden.
Das Elend der Bevölkerung während des Krieges wird durchaus eindrücklich beschrieben, aber durch den Schreibstil wirkte alles etwas unzusammenhängend auf mich. Die Sprünge zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit machten das nicht besser. Bis zuletzt konnte ich nicht alle Personen sofort einordnen, es war wirklich Konzentration gefragt beim Lesen … keine leichte Kost.

Vielleicht habt ihr mit dem Buch mehr Glück als ich. Der Roman wurde sogar mit einem Literaturpreis ausgezeichnet, aber für mich war es einfach nicht das Richtige.

Bewertung:

ICH BIN DANN MAL OFFLINE von CHRISTOPH KOCH – Meine Rezension …

Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (9. Januar 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442375916
ISBN-13: 978-3442375912
Autor: Christoph Koch

Meine Meinung:
Oft ist es mit Büchern ja so, dass sie ungelesen jahrelang im Regal stehen und plötzlich kommt der Moment, in dem sie einfach goldrichtig sind. So erging es mir auch mit diesem Exemplar, von dem ich schon gar nicht mehr weiß, wie es einst den Weg zu mir gefunden hat. Aber da ich seit einigen Tagen beschlossen habe, eine Zeitlang auf mein Smartphone zu verzichten, hat mich Christoph Kochs Selbstversuch jetzt brennend interessiert.
Natürlich ist es nicht vergleichbar, denn er verzichtet ja konsequent auf die komplette Internet- und Handynutzung. Da ist ja mein Experiment geradezu lächerlich dagegen. Aber trotzdem sind gewisse Parallelen erkennbar, das beginnt schon bei der Reaktion Außenstehender, die gerne die Frage nach dem Sinn stellen.

Eigentlich begann bei Christoph Koch alles mit einer Wette, denn seine Freundin forderte ihn heraus mit der Behauptung, dass er leichter für einen Monat auf sie verzichten könnte als auf die moderne Technik. Diese Challenge nahm er an und hat den Selbstversuch am Ende sogar noch auf 40 Tage ausgedehnt. Chapeau!

In dieser Zeit schrieb er (nur offline natürlich) an seinem Buch, traf zahlreiche Menschen und hat viel recherchiert, was ohne Internet gar nicht so einfach ist, wie er feststellen musste.
So hat er unter anderem herausgefunden, dass die Glaubensgemeinschaft der Amish, die ja bekanntlich fast gänzlich auf die Errungenschaften der Technik verzichtet, gar nicht so „zurückgeblieben“ ist, sondern durchaus aufgeschlossen und freier als man denkt.
Er hat auch mit Menschen gesprochen, die in Suchtambulanzen täglich mit Patienten zu tun haben, die nicht nur Probleme mit (oder besser ohne?) Alkohol oder Drogen haben, sondern auch mit jenen, die sich eingestehen, nicht mehr ohne die ständige Mediennutzung leben zu können. In vielen Fällen sind dies Spielsüchtige, aber auch exzessive Nutzer diverser Datingapps, Social Media-Plattformen oder anderer Angebote im WWW sind unter den Betreuten.

Christoph Koch hat während dieser 40 Tage aber nicht nur unter dem Verzicht gelitten, sondern er hat auch gelernt, dass man seine Aufmerksamkeit wieder verstärkt anderen Dingen zuwenden kann, wie der Familie, der Natur, der Stille und Einkehr.
Ganz abkoppeln von der digitalen Außenwelt sollte man sich natürlich auch nicht, aber eine bewusste und zeitlich begrenzte Nutzung würde uns allen wohl gut tun.

Das Buch fand ich sehr interessant, ich habe daraus einiges gelernt und es gibt viele Impulse zum Nachdenken über den eigenen Onlinekonsum. Außerdem ist es absolut unterhaltsam, da er einen wunderbar locker-humorvollen Schreibstil hat, der einfach Spaß macht.
Natürlich ist es nicht mehr ganz topaktuell, da sich in den letzten Jahren die Situation wohl noch eher verschärft (verschlechtert?) hat, aber die Lektüre lohnt sich allemal!

Bewertung:

SABBATICAL von GUNNAR HOMANN – Meine Rezension …

Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (18. Dezember 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442486157
ISBN-13: 978-3442486151
Autor: Gunnar Homann

Meine Meinung:
Wie ich inzwischen herausgefunden habe, gibt es bereits ein Buch, in dem wir den Lehrer Viktor Hoffmann bereits kennenlernen durften: „All exclusive“. Aber auch in Unkenntnis dessen, hatte ich gleich einen guten Draht zur Hauptfigur.
Viktor ist Vater eines 19-jährigen Sohnes, lebt alleine und hat sich dafür entschieden, für 12 Monate den Beruf an den Nagel zu hängen, um ein „Sabbatical“ zu machen.
Eigentlich sollte er jetzt entspannt und voller Pläne sein, aber das Gegenteil ist der Fall: er weiß irgendwie nicht, was er mit der vielen freien Zeit anfangen soll. Um lästige Fragesteller zu befriedigen, hat er sich die Geschichte einer Weltreise ausgedacht, die er angeblich in Kürze antreten wird.
In Wahrheit ist nur ein kleiner Trip mit seinem Freund und Kollegen Joachim Brettschneider in dessen VW-Bus geplant. Doch der bis über beide Ohren verliebte Brettschneider wirft auch dieses Vorhaben wieder über Bord und überredet Viktor stattdessen zur Teilnahme an einem einwöchigen Bildhauerei-Workshop in Frankreich. Und das nur, weil die Kursleiterin ausgerechnet seine angebetete Liane ist, der im letzten Moment zwei Teilnehmer abgesagt haben.

Widerwillig sagt Viktor zu und fügt sich in sein Schicksal, das sich nicht positiver darstellt, als ihm klar wird, dass Sebastian Herbst ebenfalls zu Meisel und Beitel greift. Der ältere Professor hat ihm vor vielen Jahren seine große Liebe Casbah ausgespannt und er ist so ziemlich der letzte Mensch, mit dem Viktor in einem Sabbatical die kostbare Zeit verbringen möchte.
Auch für Joachim hält das Schicksal nur Zitronen bereit: Liane zeigt kein Interesse an ihm und so steigert er sich immer mehr in seinen Liebeskummer hinein. Auch Viktors Tipp, er solle doch einfach mit einer anderen Kursteilnehmerin flirten, bleibt zunächst eher fruchtlos. Dazu braucht es erst einen gehörigen Schlag auf den Kopf, aber bis dahin dürfen wir Zeugen vieler lustiger und tragischer Szenen sein, die für beste Leseunterhaltung sorgen.

Mit den Charakteren konnte ich mich schnell anfreunden, obwohl manche von ihnen eher spröde oder unnahbar wirken, andere dagegen etwas nervig und aufdringlich. Aber auch im richtigen Leben kann man nicht alle Menschen mögen. Viktor und Joachim sind auf jeden Fall sympathisch und das ist die Hauptsache.

Wer aufgrund des Covers nun wirklich die Story eines aufregenden Roadtrips erwartet, der könnte etwas enttäuscht werden, denn wirklich viel Zeit verbringen die Protagonisten nicht auf der Straße. So gesehen fand ich den Titel etwas irreführend, aber man bekommt dafür eine humorvoll-turbulente Liebesgeschichte aus Männersicht präsentiert, die sehr unterhaltsam ist.

Bewertung:

LOCKVOGEL von THERESE KERSTEN – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 282 Seiten
Verlag: edition a; Auflage: 1 (3. März 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3990012363
ISBN-13: 978-3990012369
Autorin: Therese Kersten

Meine Meinung:
Wenngleich ich gerade Single bin (zum ersten Mal seit 17 Jahren), hat mich dieses Buch sofort angesprochen. Das Thema „Treue“ ist schließlich in vielen Beziehungen irgendwie das A und O. Wobei dieser Begriff aber auch von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich ausgelegt wird: so ist es für einen schon zu viel, wenn der Partner mit anderen Leuten chattet, bei anderen beginnt Untreue mit einem Kuss und wieder für andere erst beim Sex.
Wahrscheinlich ist es auch so, dass man die Grenze bei sich selbst sogar etwas lockerer sieht, während man beim Partner schon früh misstrauisch wird. Schließlich weiß man ja selbst, was man tut und glaubt, es unter Kontrolle zu haben. Treue ist ein unglaublich komplexes Thema mit so vielen Facetten, dass man darüber wohl unendliche Diskussionen führen könnte – oder man kann ein Buch drüber schreiben, so wie es Therese Kersten hier getan hat.

Therese gewährt uns einen sehr intimen Einblick in ihre Vergangenheit und erzählt, wie es überhaupt dazu kam, dass sie eine Treuetester-Agentur gegründet hat. Schon diese Kapitel haben mich sehr in ihren Bann gezogen, denn es liest sich wesentlich spannender als so mancher Krimi.
Geboren und aufgewachsen ist sie in einer ruhigen Kleinstadt, die ihr aber immer schon zu spießig war und in der sie keine Zukunft sah. Zwei Jahre in Berlin haben ihr gezeigt, was sie eigentlich will: Abenteuer, Freiheit, Unabhängigkeit. All das bietet ihr schließlich der deutlich ältere Stefan, dem sie als 19-jährige nach Wien folgt. Mit ihm lernt sie am eigenen Leib, wie es sich anfühlt, belogen und betrogen zu werden und sie entwickelt Strategien, um die Wahrheit zu erfahren und sich selbst möglichst zu schützen. Gerne hätte sie in dieser Zeit selbst Hilfe von außen in Anspruch genommen, doch damals gab es noch keine passenden Dienstleistungen in Österreich – die Geschäftsidee war geboren.

In den restlichen Kapiteln plaudert Therese aus dem Nähkästchen und schildert wahre Fälle aus ihrer langjährigen Erfahrung als Treuetesterin. Hier wechseln sich Krimi, Drama und Komödie in einer bunten Mischung ab. Geschichten, die nur das Leben selbst schreiben kann, denn die Realität ist doch immer noch ein Quäntchen unglaublicher als es die menschliche Fantasie je sein könnte.
Auch an diesen Beispielen wird wieder sehr deutlich, wie unterschiedlich „Treue“ definiert werden kann, wo die Menschen ihre persönliche Grenze ziehen und dass es sogar sein kann, dass einem ein Seitensprung praktisch auch irgendwie aufgezwungen werden kann. Es gibt Leute, deren Eifersucht schon an Besessenheit grenzt, die mit ihrer Hartnäckigkeit „schlafende Hunde“ wecken. Und es gibt diejenigen, für die trotz aller eindeutigen Anzeichen nach erhaltener Bestätigung eine Welt zusammenbricht.

Besonders schön fand ich Thereses persönliches Happy End, für das ich ihr wünsche, dass sie niemals Treuezweifel haben muss.
Ein sehr berührendes, interessantes Buch, das mich allerbestens unterhalten hat: emotional, humorvoll, fesselnd und lehrreich. Ich kann es nur weiterempfehlen!

Bewertung:

Wer mehr über Thereses Agentur und Leben wissen möchte, dem sei nicht nur dieses tolle Buch empfohlen, sondern auch ihr Blog, der interessante Einblicke in die Welt der Treue und Liebe bietet.
Und wer selbst gerade über einen Treuetest nachdenkt: schon ab 24 Euro könnt ihr im Shop ein entsprechendes Angebot finden. Aber bedenkt: man muss die Wahrheit auch ertragen können und damit umzugehen wissen … alles Gute!

ZORN – LODERNDER HASS von STEPHAN LUDWIG – Meine Rezension …

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (26. Oktober 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596297753
ISBN-13: 978-3596297757
Autor: Stephan Ludwig
Teil 7 der „Claudius Zorn“- Reihe

Der Autor live über sein neues Buch 🙂

Meine Meinung:
Eins vorweg und um in Zorns Sprachgebrauch zu bleiben: ich find es scheiße, dass die ARD die Verfilmung der Reihe nach fünf Teilen eingestellt hat. :/ Hoffentlich findet sich jemand, der dies fortsetzt, es wäre wirklich schade drum.

Im inzwischen bereits 7. Teil wird es wieder sehr persönlich für Hauptkommissar Claudius Zorn, seinen brillanten Chef, den dicken Schröder, und die Staatsanwältin Frieda Borck.
Schröder ermittelt undercover in einer Therapiegruppe, bei der einige Mitglieder plötzlich in diverse Verbrechen verstrickt sind. Er will herausfinden, was dahintersteckt, doch dazu ist es nötig, dass er sich selbst auch öffnet und dem durchaus fähigen Therapeuten Dinge aus seiner Vergangenheit erzählt, die bisher niemand oder nur Zorn wusste.

Auch Zorn hat so seine Probleme, denn nach der verheerenden Explosion, bei der er sehr schwer verletzt wurde, fühlt er sich wie ein nutzloser Krüppel. Sein Sohn Edgar ist zwar ein großer Lichtblick im Leben, doch mit dem Rest hadert er wieder sehr. Aber sind wir mal ehrlich: Zorn als fröhlicher, ausgeglichener Mensch, dem ständig die Sonne aus dem Allerwertesten scheint? Wer will das schon? 😀

So dürfen wir uns also auch in diesem Teil wieder auf die gewohnt ironisch-humorvollen Dialoge zwischen Zorn und Schröder freuen, auf ihre unvergleichliche und irgendwie rührende Art, miteinander umzugehen. Das führt tatsächlich zu Szenen, die man dem Autor kaum zutraut, fast schon zu kitschig-idyllisch … 😉

Aber Stephan Ludwig kann auch anders: es geht auch wieder extrem blutig und actionreich zur Sache. Und schon aus Prinzip (ich denke da an eine Leserunde zu Band 2) muss ich leider einen halben Stern abziehen wegen der „Sache mit dem Hund“. In dieser Geschichte macht es zwar „mehr Sinn“ und war nicht ganz so ausführlich, aber ich mag das als Tierfreund einfach nicht, das verursacht echt Alpträume.
Es wird also viel gestorben und zwar auf vielfältige und teils fast originelle Weise, aber die Szenen werden nicht unnötig in die Länge gezogen und das Zwischenmenschliche und Humorvolle bilden einen wundervollen Ausgleich, der das Lesen zum echten Vergnügen macht.

Für mich als Fan der Reihe ein absolutes Muss. Wer Zorn und Schröder noch nicht kennt, der sollte wirklich alle Bücher nacheinander lesen, denn der private Teil nimmt schon viel Raum ein und die Charaktere entwickeln sich beständig weiter. Von mir eine klare Leseempfehlung!

Bewertung: