Exkarnation von Markus Heitz – Meine Rezension…

Broschiert: 608 Seiten
Verlag: Knaur TB (1. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426516233
ISBN-13: 978-3426516232

Über den Autor:
Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Kein anderer Autor wurde so oft wie er mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet, weshalb er zu Recht als Großmeister der deutschen Fantasy gilt.
Mit der Bestsellerserie um „Die Zwerge“ drückte er der klassischen Fantasy seinen Stempel auf und eroberte mit seinen Werwolf- und Vampirthrillern auch die Urban Fantasy. Markus Heitz lebt in Homburg.
Quelle: Droemer Knaur

Der Klappentext:
Ein Wagen rast unvermittelt auf sie zu und überrollt sie. Claire stirbt an Ort und Stelle, obwohl sie ihrem Mann noch helfen wollte, der vor ihren Augen bei einem ­Überfall erschossen wird – doch ihre Seele verlässt die Erde nicht. Beherrscht von dem Wunsch, den Mörder zur Rechenschaft zu ziehen, fährt sie in den Leib der Selbstmörderin Lene von Bechstein. Doch Lenes ­Körper war eigentlich für jemand anderen vorgesehen, und Claire gerät mitten hinein in einen uralten Krieg.

Die Geschichte:
Um es gleich vorneweg zu sagen: „Exkarnation“ ist als Zweiteiler angelegt. Markus Heitz versichert uns in der Danksagung, dass er sich mit „angemessener Geschwindigkeit“ daran macht, die Fortsetzung zu schreiben.
Bei seinem üblichen Schreibtempo werden wir uns also wahrscheinlich nicht allzu lange gedulden müssen. 🙂

Claire, eine Frau in den besten Jahren, die ein Café betreibt, stirbt durch einen heimtückischen Anschlag. Kurz vor ihrem Tod muss sie noch mit ansehen, wie ihr geliebter Mann brutal erschossen wird.
Als in diesem Moment emotionaler Anspannung dann schließlich ihre Seele die tote Hülle verlässt, geschieht etwas Seltsames: Claire erwacht wenig später im Körper einer fremden Frau.
Doch dieser Körper war eigentlich für eine andere Seele reserviert und so hat Claire unwissentlich den Zorn sehr mächtiger Wesen auf sich gezogen, der sog. „Seelenwanderer“.

In einem weiteren Handlungsstrang begleiten wir Eric, einen Jäger. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt von Wandelwesen zu befreien und so tötet er zum Beispiel Menschen, die sich in Bären, Tiger, Wölfe oder ähnliches verwandeln können und in dieser Gestalt morden. Eric ist selbst allerdings auch kein normaler Mensch: in seinem Inneren lauert ein Dämon. Und liiert ist er kurioserweise mit einer Vampirin, genauer: einer „Judastochter“.

Eine weitere interessante Person in dieser Geschichte ist Professor Inverno. Auch er befindet sich auf der Jagd, allerdings sind sein bevorzugtes Zielobjekt die Seelenwanderer. Auch er ist natürlich kein Normalsterblicher und birgt einige Überraschungen.

Die Wege all dieser Charaktere kreuzen sich natürlich früher oder später, was nicht immer positiv für alle Beteiligten endet.

Meine Meinung:
Wie man schon an der kurzen Inhaltsbeschreibung sieht, dürfen sich Fans von Markus Heitz auf ein Wiedersehen mit vielen „alten Bekannten“ freuen. Auch das Beerdigungsinstitut „Ars Moriendi“ aus „Oneiros“ ist mit von der Partie.

Diese bunte Mischung weiß der Autor geschickt mit ganz neuen Ansätzen zu würzen: die Idee der Seelenwanderer kommt hinzu und wird von ihm wunderbar logisch erklärt. Wenn er seine Thesen dann noch mit realen Beispielen aus unserer Geschichte unterlegt, ist man wirklich geneigt, ihm alles zu glauben! 🙂

Zu Schreibstil und Charakteren werde ich gar nicht viele Worte verlieren. Wer schon einmal ein Buch von Markus Heitz gelesen hat, der weiß bereits, dass hier ein Meister am Werk ist. Alles wirkt lebendig, zum Anfassen und Mitfühlen – ob nun emotionale Szenen oder das grausame Brechen einer Wirbelsäule. Ja, es geht stellenweise schon recht blutig zur Sache, aber schließlich lesen wir einen Thriller.

Es sind in diesem Buch aber bei Weitem nicht nur die greifbar brutalen Szenen, die für Spannung und Gänsehaut sorgen, sondern vielmehr auch die psychische Komponente. Durch die Möglichkeit der Seelenwanderung können sich die Protagonisten nämlich häufig nicht mehr sicher sein, wer eigentlich im Körper ihres Gegenübers steckt. Das sorgt für einige Überraschungen.

Trotz der mehr als 600 Seiten kommt es niemals zu Längen. Durch die wechselnden Schauplätze und die durchaus anspruchsvolle, komplexe Story ist etwas Konzentration gefragt, um nicht den Überblick zu verlieren.

Dass das Ende natürlich (leider) etwas offen gehalten war, liegt daran, dass es eine Fortsetzung geben wird. Eigentlich lese ich lieber Bücher, die abgeschlossen sind, aber ich schätze, wir werden nicht lange auf den zweiten Teil warten müssen – und auf diesen freue ich mich schon sehr!

Fazit:
Eine spannende, klug durchdachte Geschichte, die aufgrund vieler Personen, Schauplätze und Verwicklungen durchaus komplex und anspruchsvoll ist. Fans von Markus Heitz dürfen sich über ein Wiedersehen mit vielen Figuren aus anderen Büchern freuen. Toll geschrieben und absolut unterhaltsam!

Bewertung:
5pfoten

Der eiserne Sommer von Angelika Felenda – Meine Rezension…

Taschenbuch: 435 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag; Originalausgabe (18. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3518465422
ISBN-13: 978-3518465424

Seht euch den BUCHTRAILER an!

Über die Autorin:
Angelika Felenda, geboren in Nördlingen, hat Geschichte und Germanistik studiert und arbeitet als Übersetzerin in München.
„Der eiserne Sommer“ ist der Auftakt zu einer Serie um Kommissär Reitmeyer und ihr erster Roman.

Der Klappentext:
München, 1914. Kommissär Sebastian Reitmeyer hat es satt, die Marionette des Polizeipräsidenten zu sein. Während die Bevölkerung wie im Taumel das hundertjährige Bestehen des königlichen Leibregiments feiert, führen ihn seine Ermittlungen in einer Mordserie von den Villen der Großbürger bis ins berüchtigte Café Neptun, Vergnügungsort der Offiziere.
Aber gegen das Militär darf er per Gesetz nicht vorgehen, und der Polizeipräsident drängt ihn, nicht noch tiefer zu schürfen. Da macht er eine ungeheuerliche Entdeckung, die nicht nur ihn selbst zum Abschuss freigibt. Unmittelbar vor Kriegsausbruch könnte sie das ganze Land in den Untergang stürzen…

Die Geschichte:
Ein junger Mann wird tot aufgefunden, zunächst deutet alles auf einen Unfall hin. Doch Kommissär Reitmeyer und seine Truppe finden bald heraus, dass mehr dahintersteckt. Die Spuren führen in die höheren Kreise der Münchner Gesellschaft und leider auch zum Militär. Reitmeyer wird bald nahe gelegt, sich bedeckt zu halten, was die Ermittlungsergebnisse betrifft. Nichts soll an die Öffentlichkeit dringen, die gerade sowieso in hellem Aufruhr ist angesichts des drohenden Krieges. Leider bleibt es nicht nur bei einem Todesfall und so wird schließlich eine ganze Mordserie daraus, die immer weitere Kreise zieht.
Dass ausgerechnet die Ärztin Caroline und deren Familie ebenfalls in die Vorkommnisse verwickelt sind, macht es Sebastian nicht gerade leichter, denn er hat ein Auge auf die junge Frau geworfen…

Meine Meinung:
Trotz der über 400 Seiten gab es in diesem Buch keine Längen, ich habe mich durchgehend sehr gut unterhalten gefühlt.
Die Charaktere sind prima ausgearbeitet, vor allem Sebastian Reitmeyer, über den wir auch einiges aus seinem Privatleben erfahren dürfen. Die Dialoge wirken realistisch und sorgen oft für ein Schmunzeln, denn die Autorin bringt die manchmal etwas schnoddrige bayerische Art sehr treffend auf den Punkt.
Auch was die Zeit betrifft, in der dieser Krimi angesiedelt ist, wirkt alles sehr authentisch. Sebastian ist erst Anfang Dreißig, trotzdem hatte ich ständig das Gefühl, er wäre mindestens Mitte 40. Dabei könnte ich gar nicht genau erklären, woran das lag, aber für mich passte es einfach: damals wirkten die Menschen ja oft älter oder ernster.
Der Kriminalfall wird spannend erzählt und ist in seiner ganzen komplexen Vielschichtigkeit bestens durchdacht. Man weiß nie so genau, woran man ist und nicht selten wird der Jäger selbst zum Gejagten – einfach toll geschrieben.
Auch die Verwicklungen der „hohen Herrschaften“ werden glaubhaft und eindrucksvoll dargestellt – wie im richtigen Leben! Der Zwiespalt, in dem Kommissär Reitmeyer steckt, ist sehr gut nachfühlbar: einerseits sein Gerechtigkeitsempfinden, andererseits die Sorge um die eigene Zukunft.
Am Ende holt der grausame Krieg die Protagonisten ein und sorgt noch einmal für Herzklopfen. Und ich freue mich jetzt schon auf Band 2 der Reihe…

Fazit:
Ein solider, gut durchdachter Krimi, der mich gefesselt und sehr begeistert hat. Lebendige Charaktere spielen bis zur letzten Seite ein Katz- und Maus-Spiel der besonders kniffligen, pikanten Art.

Bewertung:
5pfoten

Totenleuchten von Klara Nordin – Meine Rezension…

Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: KiWi-Taschenbuch (14. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462046934
ISBN-13: 978-3462046939

Über die Autorin:
Klara Nordin ist ein Pseudonym. Die Autorin wurde 1960 in Heilbronn geboren. Nach ihrer Buchhändlerlehre studierte sie Germanistik und Pädagogik in Tübingen und arbeitete viele Jahre in verschiedenen Verlagen. 2001 wanderte sie nach Schweden aus und lebt seit einigen Jahren im schwedischen Lappland, genauer: in Jokkmokk, dem Schauplatz ihres Romans. Von dort aus ist sie als Studienleiterin für die »Schule des Schreibens« in Hamburg tätig und leitet in Deutschland regelmäßig Schreibkurse.

Der Klappentext:
Jokkmokk am Polarkreis. Auf dem zugefrorenen See finden Husky-Rennen statt, und die Einheimischen bereiten den alljährlichen samischen Wintermarkt vor, als ein junger Mann ermordet wird. Geschlachtet wie ein Rentier.
Linda Lundin hat gerade ihren neuen Job als Hauptkommissarin in Nordschweden angetreten, einen solch schrecklichen Mord hat auch sie selten gesehen. Wer tötet einen Jungen, der in der Provinzstadt rundum beliebt war? Und warum?
Gemeinsam mit ihren Kollegen Bengt und Margareta nimmt sie die Ermittlungen auf und stößt im kleinen Jokkmokk auf kuriose Bewohner, samische Geschichten und alte Geheimnisse.
Atmosphärisch so bestechend, dass man sofort in den hohen Norden reisen möchte, und ein hochspannender, brisanter Fall, der alle Gewissheiten in Frage stellt.

Die Geschichte:
Diese Story in wenigen Sätzen grob zu umreißen, ist eine echte Herausforderung. Die Autorin hat nämlich hier eine so klug durchdachte, dicht gewebte Geschichte zu Papier gebracht, in die so viele Personen verstrickt sind, dass man dies kaum in Kurzform verpacken kann.
Die Unglücksfälle scheinen sich in Jokkmokk zu häufen: ein schwerer Autounfall, bei dem eine Frau stirbt und ein Junge so sehr verletzt wird, dass er hinterher im Rollstuhl sitzen muss. Später kommt dieser junge Mann bei einem weiteren Unfall ums Leben – und kurz darauf wird dessen Freund brutal ermordet. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Todesfällen?
Die Ermittlungen fördern schnell gleich mehrere verdächtige Personen zutage: oft ist das mögliche Motiv Eifersucht, aber es könnte auch um Geld und Macht gehen?
Linda und ihre Kollegen Bengt und Margareta arbeiten mit Hochdruck und etliche Überstunden sind nötig, um schließlich den Fall zu lösen. Erschwerend kommt hinzu, dass Linda ein persönliches Problem hat, um das sie sich kümmern muss. Und auch Bengt und Margareta können sich nicht ohne Ablenkung auf ihre Arbeit konzentrieren: sie werden selbst in die Mordfälle verwickelt…

Meine Meinung:
Eigentlich bin ich kein Fan von Kälte, aber wenn das Thermometer bei uns über dreißig Grad anzeigt, dann kann man sich mit diesem kleinen Ausflug nach Lappland durchaus etwas Abkühlung verschaffen.

Die Autorin beschreibt alles so lebendig, dass man die Polarlichter fast vor sich sehen kann. Man spürt den schneidenden Wind im Gesicht, die Last an den Füßen, wenn man durch Tiefschnee stapft, man kann die Pizza „Lappland“ riechen, wenn sie frisch aus dem Ofen kommt.

Genauso realistisch wirken ihre feingezeichneten Charaktere: allen voran Linda und ihre beiden Kollegen Bengt und Margareta. Aber auch die Nebendarsteller in dieser Geschichte sind echte Persönlichkeiten, die alle ihre Licht- und Schattenseiten haben.

Klara Nordin schafft eine wundervolle, dichte Atmosphäre, in die man als Leser ganz und gar eintauchen kann. Sie zeichnet das glaubwürdige Bild einer Kleinstadt mit ihren vielfältigen, teils etwas verschrobenen Bewohnern – und mit vielen geheimnisvollen Verstrickungen.

Beim Lesen ist oft etwas Konzentration nötig, denn es scheint wirklich die halbe Stadt in diesen Mordfall verwickelt zu sein: sehr viele Namen, Verwandtschaftsverhältnisse und Orte, die es zu merken gilt. Als Hörbuch stelle ich mir die Lektüre fast etwas kompliziert vor.

Auch über die Kultur der Samen und die örtlichen Begebenheiten erfährt man sehr viel. Und das einfach so nebenbei, ohne dass es vom eigentlichen Geschehen zu sehr ablenken würde. Einfach stimmig und wundervoll erzählt.

Wenn ich einen Krimi lese, dann möchte ich natürlich am liebsten miträtseln, wer denn wohl hinter dem Verbrechen steckt. In diesem Buch hat die Autorin vortrefflich so viele falsche Spuren gelegt und Sackgassen errichtet, dass man eigentlich erst wenige Seiten vor dem Ende weiß, wer hinter dem Ganzen steckt. Und trotzdem konnte sie mich im Epilog nochmals überraschen und legte mit einer Prise schwarzen Humors noch eine Schippe drauf.

Dieses Buch kann ich einfach nur empfehlen, ich habe es in einem Rutsch durchgelesen und es hat mich perfekt unterhalten!
Jetzt bin ich schon sehr gespannt auf weitere Fälle, in denen Linda und ihre Truppe ermitteln dürfen, denn die Autorin hat bereits anklingen lassen, dass es wohl eine Fortsetzung geben wird!

Fazit:
Perfekt durchdachter, bis zum Ende spannender Krimi, der mit glaubhaften Protagonisten und einer sehr lebendigen Atmosphäre zu überzeugen weiß. Man fühlt sich beim Lesen fast so, als wäre man selbst ein Einwohner von Jokkmokk. Bitte unbedingt mehr davon!

Bewertung:
5pfoten

Vergessen von Elke Pistor – Meine Rezension…

Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (8. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548286100
ISBN-13: 978-3548286105

Über die Autorin:
Elke Pistor, geboren 1967, schreibt Kriminalromane, arbeitet als Seminartrainerin und leitet Schreibworkshops. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Köln.
Mehr von ihr auf www.elke-pistor.de

Der Klappentext:
Kommissarin Verena Irlenbusch steht unter Druck: Mitten in einer komplizierten Mordserie verschlimmert sich die Alzheimererkrankung ihrer geliebten Großmutter. Ein neuer Kollege, der ewig schlechtgelaunte Christoph Todt, hilft wenig weiter. Doch Verena bleibt professionelle Ermittlerin und liebevolle Enkelin – auch wenn es sie fast zerreißt.
Verena und Christoph kommen schließlich einem hochintelligenten Psychopathen auf die Spur, doch jetzt verfängt sich Verena in seinem Netz aus lang vergessener Schuld und neuem Hass. Wird sie diesen Fall heil überstehen?

Die Geschichte:
Verena Irlenbusch ist eine sehr gute Mordermittlerin, doch so richtig konzentrieren kann sie sich in letzter Zeit nicht mehr auf den Job: ihre Großmutter (bei der sie aufgewachsen ist) leidet zunehmend unter ihrer Alzheimererkrankung.
Ein weiterer Schicksalsschlag hat zur Folge, dass sie einen neuen Partner an die Seite gestellt bekommt: Christoph Todt. Der Mann ist verschlossen, unfreundlich und alles andere als kollegial – ein echter Alptraum für Verena.
Trotzdem müssen sie sich zusammenraufen, denn ein besonders schwieriger Fall erfordert die ganze Aufmerksamkeit: ein Zahnarzt hat sich aus seinem Praxisfenster gestürzt – und dieser Tote bleibt nicht lange allein.
Noch schlimmer: ein kleines Mädchen wurde entführt und verschleppt und es scheint eine Verbindung zu der Mordserie zu geben.
Kann Verena die Kleine noch rechtzeitig retten?

Meine Meinung:
Das titelgebende „Vergessen“ findet man in diesem Krimi immer wieder, unter anderem in Form der Alzheimererkrankung von Verenas Großmutter. Gut recherchiert fließen Informationen über diese und andere Formen psychischer und neuronaler Erkrankungen in die Geschichte ein.

Verena ist eine sehr sympathische Protagonistin, die realistisch dargestellt wird und mit der man gut mitfühlen kann. Ihre Zerrissenheit und ihre Emotionen sind Teil des Geschehens und lassen sie menschlich wirken.
Auch die übrigen Charaktere stehen nicht im Schatten der Hauptfigur: auch diese erhalten meist eine Vergangenheit, die ihre Handlungen nachvollziehbar erscheinen lässt.

Ein großes Thema in diesem Krimi ist auch die Frage nach Schuld oder Unschuld – oder der Schuldfähigkeit. Bei aller Unterhaltung sind hier auch Denkanstöße gegeben.

Gut durchdacht kreuzen, überlagern und finden sich am Ende anfänglich getrennte Handlungsstränge zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Spannung ist durchaus vorhanden, doch sie leidet meines Erachtens etwas unter der Vorhersehbarkeit eines wichtigen Details. Trotzdem weiß das Buch zu fesseln und so habe ich es auch in einem Rutsch durchgelesen.

Dass Verena Irlenbusch diesen Fall heil überstehen wird, ist eigentlich gar keine ernstzunehmende Frage: die Formulierung „Verena Irlenbusch in ihrem ersten Fall – smart, cool und hochsensibel“ impliziert praktisch schon weitere Bücher mit dieser sympathischen Ermittlerin. Und ich freue mich schon drauf!

Fazit:
Ein sehr gut gestrickter Krimi mit emotionalem Hintergrund und lebendig gezeichneten Charakteren – eine Leseempfehlung für alle, die nicht nur nach Nervenkitzel suchen, sondern auch Wert auf das „Drumherum“ legen.

Bewertung:
4,5 Pfoten
5pfoten

Die chinesische Sängerin von Jamie Ford – Meine Rezension…

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Bloomsbury Berlin (31. März 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3827011841
ISBN-13: 978-3827011848
Originaltitel: Songs of Willow Frost

Über den Autor:
Jamie Ford wuchs in der Nähe von Seattles Chinatown auf. Seine chinesischen Verwandten nannten ihn »Ji Mai«, was bald zu »Jamie« wurde. Er ist Absolvent der Squaw Valley Community of Writers. Nach dem Bestseller »Keiko« ist »Die chinesische Sängerin« sein zweiter Roman. Jamie Ford lebt mit seiner Familie in Montana, USA.

Der Klappentext:
Als William auf der Leinwand die chinesische Sängerin erblickt, ist er überzeugt, dass sie seine Mutter ist. Er reißt aus dem Waisenhaus aus, er streift durch die Straßen Seattles, die Konzerthallen und Lichtspielhäuser, er setzt alles daran, sie zu finden.
Wie in seinem Weltbestseller „Keiko“ erzählt Jamie Ford von zwei Menschen, die das Schicksal auseinandergerissen hat, er erzählt von der dramatischen Suche eines Jungen nach seiner Mutter, von Liebe und Vergebung.

Die Geschichte:
William lebt in Seattle im Sacred Heart – Waisenhaus und weiß wenig von seiner Vergangenheit. Seinen Vater kennt er nicht und seine Mutter scheint in einem Sanatorium gelebt zu haben und dort irgendwann verstorben zu sein. Er erhält keine Briefe und keine Besuche.
Doch als die Waisenkinder eines Tages in die Stadt fahren dürfen, um ihren gemeinsamen „Geburtstag“ zu feiern, entdeckt er Plakate, die eine große Live-Show ankündigen: unter anderem ist dort die chinesische Sängerin Willow Frost zu sehen. William ist sich sofort sicher: diese Frau ist niemand anderes als seine geliebte Mutter Liu Song.
Kurz darauf verlässt William zusammen mit der blinden Charlotte das Waisenhaus, um in der Stadt nach seiner Mutter zu suchen. Am Hinterausgang eines Theaters kommt es zu einer folgenschweren Begegnung…

Meine Meinung:
Der Schreibstil von Jamie Ford nimmt den Leser vollends mit in die Geschichte und damit ins Seattle der Dreißiger- und Vierzigerjahre: eine von Armut und Rassendiskriminierung geprägten Stadt, die mit allerlei Problemen zu kämpfen hat.

Hier begegnen wir dem 12-jährigen William, der seit 5 Jahren im Waisenhaus lebt. Das Leben im Heim wird sehr realistisch geschildert und auch die Protagonisten wirken lebendig und ausdrucksstark.
Nicht nur William, sondern auch seine Freunde sind sehr sympathische Kinder, die die vielfältigsten Schicksale ertragen mussten und müssen. Der historische Hintergrund erscheint gut recherchiert und ist sehr informativ.

Die Geschichte wird in wechselnden Zeiten erzählt: einerseits Williams Suche nach seiner Mutter im Jahr 1934, andererseits die Vergangenheit von 1921 bis 1929. Die Jahreszahlen finden sich immer übersichtlich am Anfang jeden Kapitels.
Dieses Buch hat mich absolut gefesselt und mit seiner emotionalen Erzählweise sehr beeindruckt. Man kann mit den Charakteren mitfühlen, stellenweise sind Taschentücher in greifbarer Nähe ganz hilfreich.

Fazit:
Ein wunderschönes, tragisches, emotionales Buch über eine von Verzicht, Liebe und Aufopferung geprägte Mutter-Sohn-Beziehung!

Bewertung:
5pfoten

Elchscheisse von Lars Simon – Meine Rezension…

Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Mai 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423215089
ISBN-13: 978-3423215084

Über den Autor:
Lars Simon ist Jahrgang 68 (das erklärt vielleicht einiges, aber nicht alles) und hat nach seinem Studium zuerst lange Jahre als Marketingleiter einer IT-Firma gearbeitet, bevor er als Touristen-Holzhaus-Handwerker mit seiner Familie mehr als sechs Jahre in Schweden verbrachte. Heute lebt er in der Nähe von Frankfurt/Main.

Die komplette Reihe:

Der Klappentext:
„Leben? In Gödseltorp, diesem Drecksnest? Da willst du nicht tot überm Zaun hängen!“ Mein Vater kam gleich zur Sache. Ich auch. Also beschloss ich, das Erbe von Tante Lillemor anzunehmen: Ein Gehöft in Mittelschweden mit knapp vierzig Hektar Nutzwald. Und hatte mir mein Therapeut nicht dazu geraten, wieder mehr der Ur-Mann zu sein, der ich einmal gewesen war? Steinaxt statt iPhone? Gödseltorp, ich komme!

Die Geschichte:
Torsten Brettschneider ist ein recht durchschnittlicher Mittdreißiger mit einem guten Job, Eigentumswohnung, Firmenwagen und einer im Lauf der Jahre etwas abgekühlten Beziehung. Das Besondere an ihm? Eines Tages erhält er die Nachricht aus Schweden, dass er einen großen Bauernhof in einem kleinen Dorf geerbt hat.
Beflügelt von den überschwänglichen Tipps seines besten Freundes Ferdinand, der nebenbei auch noch sein Therapeut ist, beschließt Torsten, das Erbe anzunehmen – und zwar ohne Kompromisse!
Er kündigt seinen Job, kauft sich einen gebrauchten VW-Bus und macht sich auf nach Schweden. Noch in Deutschland trifft er auf den Anhalter Rainer und nimmt ihn mit nach Schweden.
Den Empfang in Gödseltorp hat er sich allerdings anders vorgestellt: irgendwie scheint sich die ganze Dorfgemeinschaft gegen ihn verschworen zu haben. Doch so schnell gibt Torsten nicht auf…

Meine Meinung:
Der einfache, unverschnörkelte Schreibstil von Lars Simon gefällt mir sehr gut, lässt sich schön flüssig lesen.
Seine Charaktere sind herrlich skurril und durchgeknallt, aber dabei trotzdem meistens irgendwie liebenswürdig.
Torsten, der Hauptprotagonist, wirkt größtenteils recht sympathisch, sein Freund Rainer nervt mit der Zeit manchmal ein bisschen durch seine sprachlichen Eigenheiten.

Die Story ist ganz gut durchdacht und endet in einem actionreichen Finale. Leider waren viele der Gags doch sehr vorhersehbar und wirkten deshalb nicht mehr so lustig.
Der Autor wirft mit Klischees und Vorurteilen nur so um sich, aber es handelt sich hier schließlich auch um ein „Comedy-Buch“ und nicht um einen bierernsten Roman.

Mich hat die Geschichte jedenfalls gut unterhalten und ich bin gespannt, wie es mit Torsten, Rainer & Co. weitergeht. Man darf kein Werk der Hochliteratur erwarten, dann wird man von diesem Buch bestimmt nicht enttäuscht werden. Es ist einfache Unterhaltung mit viel Schwedenflair für Zwischendurch!

Fazit:
Humorvolle, leichte Unterhaltung mit skurrilen Charakteren. Die Gags sind manchmal leider recht vorhersehbar, aber ich freue mich trotzdem auf die Fortsetzung, die im November erscheint.

Bewertung:
3,5 Pfoten
4pfoten

Rubinrotes Herz, eisblaue See von Morgan Callan Rogers – Meine Rezension…

Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Knaur TB (1. Dezember 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426509563
ISBN-13: 978-3426509562

Über die Autorin:
Morgan Callan Rogers, Jahrgang 1952, wuchs an der Küste von Maine auf, wo auch ihre Geschichten spielen. Heute lebt sie in Maine und in South Dakota.

Über die Reihe:
Die Geschichte von Florine wird in zwei Büchern erzählt:

Der Klappentext:
Ein Fischerdorf an der Küste Maines, am nordöstlichsten Zipfel der USA. Dicht an dicht schmiegen die Häuser sich an die Granitfelsen.
Florine lebt geborgen bei ihren Eltern und ihrer Großmutter inmitten der Gemeinschaft der Familien, die hier seit Generationen auf Hummerfang gehen. Die kleinen Reibereien zwischen ihrer lebenshungrigen Mutter Carlie und dem bodenständigen Vater können das Leben der Elfjährigen nicht ernsthaft erschüttern.
Bis Carlie eines Tages spurlos verschwindet. Alle Nachforschungen scheinen ins Leere zu laufen. Die Frage, ob ihre Mutter Opfer eines Verbrechens wurde oder freiwillig ging, wird Florine in den folgenden Jahren ständig begleiten. Sie kann nicht fassen, dass der Alltag um sie herum weitergeht, und gibt das Warten auf Carlies Rückkehr nicht auf. Doch langsam, fast unbemerkt, holt das Leben auch Florine wieder ein, mit all seinen Rückschlägen und all seinen Verheißungen – und schließlich mit voller Wucht.

Meine Meinung:
Das Buch stand schon lange in meinem Bücherregal und hin und wieder habe ich das wunderschöne Cover bewundert, aber gelesen habe ich es nie. Doch jetzt darf ich bald an einer Leserunde zu „Eisblaue See, endloser Himmel“ teilnehmen und da war es natürlich klar, dass ich vorher noch schnell Teil 1 der Reihe lesen musste.
Und jetzt frage ich mich wirklich, warum ich es nicht schon viel früher gelesen habe: es ist so ein tolles Buch!

Florine, ihre Familie und ihre Freunde sind so liebenswürdige, wundervoll gestaltete Charaktere, die man als Leser einfach gernhaben muss.
Wir dürfen an Florines Leben teilhaben bis zur Schwelle zum Erwachsensein. Es sind lustige, tragische, emotionsgeladene, spannende, aber auch alltägliche Momente, die die Protagonisten erleben. Man hat als Leser immer das Gefühl, ein Teil des Ganzen zu sein und bleibt nicht außen vor. Mich hat die Geschichte sehr gefesselt und ich habe das Buch praktisch an einem Stück gelesen.
Florine ist ein aufgewecktes, liebenswürdiges Mädchen, das durch das plötzliche Verschwinden ihrer Mutter grausam aus ihrem sorglosen Dasein gerissen wird. Dadurch entwickelt sie eine gewisse Härte und ein großes Durchsetzungsvermögen, das sie auch braucht, um die weiteren Jahre zu bestehen.
Wir dürfen an Kinderstreichen teilhaben, später die widersprüchlichen Gefühle der Pubertät mit Florine und ihren Freunden teilen und schließlich die aufregende erste Liebe erleben.
Der Schreibstil der Autorin ist einfach toll: manchmal fast etwas poetisch, stellenweise so witzig, dass man einfach lachen muss.

„Der Frühling stieß gegen den Sommer, entschuldigte sich und eilte weiter. Wir sahen zu, wie der erste Mensch auf dem Mond landete, staunten über dieses Wunder, und dann war es vorbei, und wir alle landeten wieder auf der Erde.“
Zitat Seite 264

Fazit:
Diese Geschichte hat einfach alles, was man sich von einem guten Buch wünscht: etwas Spannung, sympathische Charaktere, viel Gefühl und eine fesselnde Story. Jetzt freue ich mich sehr auf die Fortsetzung!

Bewertung:
5pfoten

Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker von Renate Bergmann – Meine Rezension…

Audio CD
Verlag: Der Audio Verlag (1. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3862314545
ISBN-13: 978-3862314546

Wer die Facebookseite von Renate Bergmann witzig findet, kann sich ruhigen Gewissens auch das (Hör)Buch kaufen. Kuckt doch mal rein!

Über die Autorin / den Autor:
Renate Bergmann, geb. Strelemann, wohnhaft in Berlin. Trümmerfrau, Reichsbahnerin, Haushaltsprofi und vierfach verwitwet: Seit Anfang 2013 erobert sie Twitter mit ihren absolut treffsicheren An- und Einsichten – und mit diesem Buch jetzt die ganze analoge Welt.

Torsten Rohde, Jahrgang 1974, hat in Brandenburg/Havel Betriebswirtschaft studiert und als Controller gearbeitet. Sein Twitter-Account @RenateBergmann, der vom Leben einer Online-Omi erzählt, entwickelte sich zum Internet-Phänomen. „Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker“ unter dem Pseudonym Renate Bergmann ist seine erste Buch-Veröffentlichung.
Quelle: Amazon.de

Die Kurzbeschreibung:
Renate Bergmann ist 82, fährt Rollator und hat „den Krieg nicht überlebt, um Kunstfleisch aus Soja zu essen“. Sie ist vierfach verwitwet und fährt im Sommer quer durch die Stadt, um alle Gräber zu pflegen. Die restliche Zeit verbringt sie mit ihrer besten Freundin Ilse und deren Ehemann Kurt. Zusammen jagen sie Schnäppchen, mischen den Berliner Verkehr auf und futtern sich bei fremden Beerdigungen durch. Seit ihr Neffe Stefan ihr sein altes Handy geschenkt hat, lässt Renate auch den Rest der Welt an ihrem Leben teilhaben: Auf Twitter und Facebook unterhält sie tausende Fans mit ihren Weisheiten rund um Häkeldeckchen und Buttercremetorte. Ein urkomisches Hörvergnügen, gelesen von Marie Gruber.

Meine Meinung:
Erst mal der löbliche Teil: Marie Gruber hat ihre Sache wirklich super gemacht, man nimmt ihr die alte Dame absolut ab. Alles klingt sehr authentisch und wirklich nach einer Seniorin! Prima gesprochen!

Dann zum weniger löblichen Teil: Renate Bergmann nervt! Leider muss ich das so sagen, denn wirklich erfreuen konnte ich mich nicht an ihren „Gags“. Wie andere Leser / Hörer bei diesem Buch ständig laut lachen können? Ich kann es echt nicht nachvollziehen…

Mit „Online“ oder „Twitter“ hat das Buch auch nicht viel zu tun. Es wird zwar anfangs erklärt, wie sie das alte Handy des Neffen bekommen hat und er ihr dann nach einigen Querelen eigene Accounts bei Facebook und Twitter einrichtet, aber danach folgen eigentlich nur noch Geschichten aus ihrem Leben, die sie ausführlich erzählt.
Die eigentlichen „Tweets“ sind in der Hörbuchversion schlecht erkennbar.

Tja, warum fand ich das nicht lustig? Weil Renate mir schon mal ziemlich unsympathisch ist! Sie ist so eine nervige alte Frau, die ihre Nase in Dinge steckt, die sie nichts angehen, die an der Kasse absichtlich lange nach Kleingeld sucht, die skrupellos bei Beerdigungen Essen stiehlt, die kein gutes Haar an ihrer Tochter lässt und die den Nachbarn auf den Geist geht mit ihrer Aufdringlichkeit. Renate und ich würden auch im echten Leben keine Freunde, denn für sie wäre ich sicher eine „liederliche Person“… das Wort „liederlich“ konnte ich irgendwann schon nicht mehr hören.

Es gab wenig wirklich lustige Passagen, dafür viele Uralt-Witze (wie z. B. über die Körpergröße von Philipp Lahm) und schon tausendmal gehörte Dinge, wie das typische „Ins-Taschentuch-spucken-und-dem-Kind-den-Mund-abwischen“.
Dann gab es auch noch Sachen, die so an den Haaren herbeigezogen waren, dass es schon fast weh tat: auf einer Kreuzfahrt beim Landgang Tupperdosen kaufen, um anschließend das Buffet zu plündern und die Wurst per Post nach Hause zu schicken?!? Naja…
Die Gags wurden einem irgendwie so ins Gesicht geschleudert, ich mag da eher den feinen, ironischen Humor, der nicht mit dem Holzhammer daherkommt.

Was ich allerdings nicht verstehen kann: viele Leser regen sich darüber auf, dass „Renate Bergmann“ ein fiktiver Charakter ist. Über so etwas habe ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht, denn ich bin niemals davon ausgegangen, dass hier wirklich eine Ü80-Frau am Werk ist. Dafür stecken viel zu viele Widersprüche in diesem Buch: einerseits will Renate ja ernst genommen werden und betont ständig, was sie doch für ein korrekter, toller Mensch ist, andererseits macht sie sich ständig lächerlich mit diversen Aktionen. Ganz abgesehen von den vielen krampfhaft falsch ausgesprochenen Begriffen, was sowieso keiner ernst nehmen kann: auch in diesem Alter kennt man sicher eine „Jeans“ oder den „ADAC“ und kennt Wörter, wie „Toyota“, „Rosamunde Pilcher“, „Internet“ oder „CD-Spieler“.

Positiv sind noch einige Passagen anzumerken, die mich an meine eigene Kindheit erinnert haben, obwohl ich nicht mal halb so alt bin wie Renate: die Erzählungen über „die gute Stube“ zum Beispiel. Außerdem konnte Renate am Ende noch etwas an Sympathie gewinnen, als sie von ihren Tierheimkatzen berichtet.

Fazit:
Meistens leider sehr alte Gags, die dem Leser / Hörer mit wenig Feingefühl präsentiert werden. Vieles war auch sehr weit hergeholt und insgesamt wirkt Renate nicht besonders authentisch. Sympathie konnte ich für die Frau Bergmann leider auch wenig entwickeln.

Bewertung:
2,5 Pfoten
3pfoten

Der Klang der Lüge von Liv Winterberg – Meine Rezension…

Broschiert: 496 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423260181
ISBN-13: 978-34232601834
Auch als eBook erhältlich.

Über die Autorin:
Liv Winterberg, 1971 geboren, studierte Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Sie arbeitet als Journalistin, Drehbuchautorin und Rechercheurin und lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Ihr Debütroman ‚Vom anderen Ende der Welt‘ wurde auf Anhieb ein Besteller. 2013 ist Liv Winterbergs zweiter historischer Roman „Sehet die Sünder“ erschienen.

Der Klappentext:
Liebe in Zeiten der Lüge
Sériol, 1308. In dem idyllischen Pyrenäendorf findet die junge Alissende, eine Vertriebene, einen Platz im Leben und ihre große Liebe. Dass fast alle Dorfbewohner der Religionsgemeinschaft der Katharer angehören, kümmert sie nicht. Ein voller Bauch ist ihr wichtiger. In dieses Paradies bricht jäh das Entsetzen, als die Männer des Bischofs alle „Ketzer“ festnehmen. Zurück bleiben die Kinder und Alissende, die sich nicht länger heraushalten kann und will…

Die Geschichte:
Alissende flieht mit den beiden Brüdern ihrer Ziehmutter vor der Judenverfolgung aus Paris. Heimatlos, ausgehungert und verzweifelt erreichen sie schließlich das kleine Bergdörfchen Sériol und werden wider Erwarten herzlich empfangen.
Die Brüder dürfen bei der Feldarbeit helfen und erhalten dafür sogar einen Lohn, Alissende darf im Haushalt der relativ wohlhabenden Familie Richard die Stelle der Magd übernehmen, da diese kürzlich geheiratet und den Hof verlassen hat.
Alissende sieht sich am Ziel ihrer Träume: sie ist glücklich, fühlt sich von der Familie angenommen und im Dorf heimisch. Und dann trifft sie auch noch auf den Schäfer Simon und verliebt sich Hals über Kopf.
Doch über der Idylle liegt ein grausamer Schatten: die meisten Familien im Dorf gehören der Glaubensgruppe der „Guten Menschen“ an, der Katharer. Doch der Bischof von Pamiers verfolgt diese sog. „Ketzer“ und durch einen gemeinen Verrat wird er schließlich auf die Bewohner von Sériol aufmerksam.
Es folgen viele Verhaftungen und nur die kleineren Kinder werden zurückgelassen. Aber auch Alissende und ein paar ältere Kinder können den Häschern entkommen.
Sie hält im Dorf die Stellung, verteilt verschiedene Aufgaben an die Kinder und gibt ihnen Halt und Hoffnung. Doch werden die Bewohner zurückkehren können oder wird das fast verlassene Dorf gar von Plünderern heimgesucht? Und wo ist Simon, der auch eine wichtige Rolle in diesem Komplott spielt?

Meine Meinung:
Liv Winterbergs wundervollem Schreibstil kann man sich kaum entziehen. Die Landschaften werden vor dem inneren Auge lebendig, ihre Charaktere scheinen zu atmen und zu fühlen. Alissende ist eine sympathische, vielschichtige Figur, die man schnell liebgewinnt. Trotz ihrer nicht immer leichten Vergangenheit ist sie kein bisschen egoistisch, sie hat das Herz einer Löwin – und oft auch deren Appetit. 🙂
Auch die anderen Bewohner von Sériol wirken realistisch in ihren Handlungen und Gefühlsregungen.
Die Entbehrungen und Umstände des damaligen Lebens kann man sehr gut nachfühlen und die Läuse, die Alissende von so manchen Kinderköpfen zupft, verursachen echten Juckreiz beim Lesen.

Die Geschichte ist angelehnt an echte Verhörprotokolle, die aus dieser Zeit erhalten sind. Das Dorf hieß zwar anders, aber die detaillierten Aussagen der damaligen Augenzeugen lassen ein so lebendiges Bild entstehen, das Liv Winterberg in ihre fiktive Story einfließen ließ.
So entstand ein Roman, der realitätsnah und mit so vielen Emotionen, aber auch viel Spannung für viele schöne Lesestunden sorgt.

Mit Alissende, den Kindern und vielen anderen Personen habe ich mitgefiebert, mich über ihre Erfolge gefreut, mit ihnen um ihre Liebsten gezittert. Den Ausflug in die längst vergangene Zeit habe ich trotz Ungezieferbefalls und Strohmatratzen sehr genossen.
Es gab viel Spannendes, überraschende Wendungen, aber auch oft humorvolle Szenen zum Schmunzeln. Und das Ende ist ein Ende, mit dem ich sehr zufrieden bin, auch wenn die Geschichte nicht für alle Beteiligten gut ausgehen kann.

Fazit:
Ein wunderschönes Buch über Liebe, Zusammenhalt, Freundschaft, aber auch über bitteren Verrat und allerhand Lügen. Sympathische lebendige Charaktere zum Gernhaben und eine realistische Atmosphäre, der man sich kaum entziehen kann, machen es zu einem echten Lesevergnügen!

Bewertung:
5pfoten

Die Achse meiner Welt von Dani Atkins – Meine Rezension…

Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Knaur TB (1. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426515393
ISBN-13: 978-3426515396
Originaltitel: Fractured

Über die Autorin:
Dani Atkins wurde 1958 in London geboren. „Die Achse meiner Welt“ ist ihr Debütroman und wurde in dreizehn Sprachen übersetzt. Heute lebt sie mit ihrem Mann in einem Dorf im ländlichen Herfordshire.
Sehr berührend fand ich ihre Worte am Ende des Buches, in dem sie erklärt, wie es überhaupt dazu kam, dass sie diesen Roman geschrieben hat.

Der Klappentext:
Was würdest du tun, wenn dir das Leben eine zweite Chance gäbe?

Stell dir vor, du erwachst in einer perfekten Version deines Lebens.
Greifst du zu und lebst diesen Traum bedingungslos weiter?
Oder fragst du dich, wann deine Welt aus dem Gleichgewicht geriet und was mit deinem alten Leben geschehen ist?

Eine mitreißende Geschichte über Liebe, Familie und Identität – mit einem packenden Ende.

Die Geschichte:
Rachel ist 18 und trifft sich mit ihrer Clique zu einem letzten gemeinsamen Abendessen, bevor sie sich alle an verschiedene Orte aufmachen, um zu studieren. Doch mitten in die ausgelassene Stimmung schleicht sich der Tod: ein außer Kontrolle geratenes Fahrzeug rast in das Restaurant.
Fünf Jahre später reist Rachel zurück in ihren Heimatort, um die Hochzeit ihrer besten Freundin Sarah zu feiern. Sie ist gezeichnet von den Folgen des Unfalls, aber schlimmer als die sichtbaren Narben wiegt immer noch der Verlust ihres besten Freundes Jimmy.
Trotzdem versucht Rachel, Stärke zu zeigen und trifft sich am Abend vor der Hochzeit mit ihrer alten Clique und deren Partnern.
Als sie nach dem Treffen von extremen Kopfschmerzen geplagt wird, bricht sie an Jimmys Grab ohnmächtig zusammen.
Sie erwacht im Krankenhaus und plötzlich steht ihr Leben Kopf: nichts ist mehr so, wie sie es in Erinnerung hatte. Ihre Narbe ist verschwunden, dafür ist Jimmy wieder da!
Verzweifelt kämpft Rachel zunächst gegen die neue Realität an, doch dann erkennt sie, dass ihr „zweites Leben“ eigentlich gar nicht so schlecht ist…

Meine Meinung:
Zunächst fühlte ich mich an einen Jugendroman erinnert. Rachel und ihre Freunde auf der Schwelle zum Erwachsensein mit all den Gefühlen und Schwierigkeiten, die diese Zeit beinhaltet.
Doch dann zerstört der schreckliche Unfall alles und es folgt ein Zeitsprung von 5 Jahren.

Rachel erzählt ihre Geschichte selbst in der Ich-Form und da der erste Teil eher einen Rückblick darstellt, lernen wir sie nur als traumatisierte, junge Frau kennen, die das Unglück nie richtig verarbeiten konnte. Die Art und Weise wie sie sich quasi selbst bestraft für etwas, wofür sie nichts konnte, machte sie für mich zu einem etwas anstrengenden Charakter. Ich hätte sie am liebsten fest gedrückt und auch ein bisschen geschüttelt, um ihr klar zu machen, dass sie ihr Leben doch endlich genießen und das Beste daraus machen soll.

Das wurde auch noch nicht besser, als sich die Achse ihrer Welt praktisch verschoben hat und sie in einer völlig anderen Realität erwacht. Sehr verbissen versucht sie, ihre Umgebung davon zu überzeugen, dass alles nur ein Traum ist – wenn auch ein recht schöner. Doch das weiß sie erst sehr spät zu schätzen – und dann folgt auch schon das höchst berührende Ende.

Dani Atkins schreibt ungeheuer fesselnd und ich ertappte mich dabei, dass ich regelrecht ungeduldig war beim Lesen. Dabei ist es nicht so, dass es irgendwo zu störenden Längen kommen würde, eher im Gegenteil: Rachels geheimnisvolle Spurensuche, geschickt eingestreute mysteriöse Wahrnehmungen und Alpträume halten die Spannung konstant hoch.
Ein großes Thema sind neben der Liebe auch Freundschaften und Familie. Rachels Vater ist ein unglaublich fürsorglicher Mann, der sich rührend um seine Tochter kümmert.

Während einer (seltenen) Lesepause dachte ich genauer über die Geschichte nach und stellte Vermutungen an. Dass ich damit richtig lag, erfuhr ich erst auf den letzten Seiten und trotzdem hat mich die Auflösung extrem berührt. Das Ende lässt im Rückblick vieles klarer erscheinen, man versteht die Zusammenhänge – und Rachel hat noch viel Sympathie gewonnen.

Auch Leser, die sich nicht viel aus Liebesgeschichten machen, können beruhigt zu diesem Buch greifen: es ist an keiner Stelle zu emotional und ausführliche Bettszenen bleiben auch aus.
Es ist einfach eine stimmige Story mit viel Spannung, Herz und einem berührenden Schluss, der auch ein bisschen zum Nachdenken anregt. Wie würden wir uns an Rachels Stelle verhalten?

Fazit:
Sehr fesselnde, mysteriöse Geschichte mit überraschendem, berührendem Ende. Tipp: Taschentücher bereithalten!

Bewertung:
4 von 5 Sterne