Moin von Richard Fasten – Meine Rezension…

Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (11. April 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548285694
ISBN-13: 978-3548285696

Über den Autor:
Richard Fasten, Jahrgang 1966, wurde in Cham (Oberpfalz) geboren und studierte Geschichte, Philosophie, Archäologie, Kommunikationsforschung und Phonetik in Bonn. Als freier Autor hat er mehrere Sachbücher veröffentlicht und schreibt u. a. Mitrate-Krimis für radioeins. Richard Fasten lebt in Berlin und ruht sich in Vorpommern aus.

Der Klappentext:
Provinzpolizist Boris Kröger hat es nicht leicht. Kaum geschieht im beschaulichen Altwarp am Oderhaff mal ein Mord, schon steht das Dorf Kopf! Von wegen Sonne, Strand und glasklare Beweisketten: In Altwarp herrscht Anarchie! Oma Machentut terrorisiert mit ihrem Rollator die Straßen, der einzige Fischer im Dorf stammt aus den Bergen Anatoliens, und eine Krimi-Autorin sucht Inspiration. Dabei hat Boris mit dem Mord an seinem ehemaligen Schulkameraden genug zu tun. Hier an der Fast-Ostseeküste ist die Welt wirklich nicht mehr in Ordnung. Zum Glück aber haben die stolzen „Hinterküstler“ noch immer jedem Mordswetter getrotzt!

Die Geschichte:
Boris Kröger staunt nicht schlecht, als plötzlich die berühmte Krimi-Autorin Dora Pan in der kleinen Polizeiwache auftaucht. Eigentlich ist sie auf der Suche nach seinem Vorgesetzten, mit dem sie vereinbart hat, die Gesetzeshüter aus Recherchegründen eine Weile bei ihrer spannenden Arbeit begleiten zu dürfen. Doch dieser ist gerade schwer beschäftigt: beim Angeln – und Kröger soll ihm dringend ein paar Köderwürmer vorbeibringen, natürlich im Dienstwagen.
In diese beschauliche Idylle passt natürlich kein Mord, doch genau mit einem solchen bekommt es Kröger bald zu tun. Der Bio-Bauer Hansen wird tot am Strand gefunden, eine seltene Abwechslung zu entlaufenen Hunden und gestohlenen Handtaschen, mit denen sich der Polizist normalerweise beschäftigt.
Dora Pan wird derweil von Krögers Oma eingeladen, in deren kleinem Häuschen zu campieren. Das trägt nicht gerade zur guten Laune von Boris bei, genauso wenig wie eine Überraschungsgeburtstagsparty mit ungebetenen Gästen und ein Serientäter, der nachts die Außenspiegel von Autos zerstört. Und dann wäre da auch noch der nervige Bürgermeister mit seinen übertriebenen Vorbereitungen des bevorstehenden Dorffestes – und bald noch weitere Leichen, die leider so gar nicht in die idyllische Szenerie passen wollen und dringend beseitigt werden müssen.

Meine Meinung:
Der Schreibstil von Richard Fasten gefällt mir extrem gut und an Lachern fehlt es in diesem Buch sicher nicht.
Als Krimi wurde das Buch ja nicht bezeichnet, sondern als „Ein Fastostseeküstenroman“, was also nicht unbedingt Spannung bedeuten muss. Tatsächlich geht es schon um die Lösung eines Kriminalfalles, aber der Humor steht meines Erachtens doch im Vordergrund. Besondere Spannung empfand ich nicht, allerdings auch niemals Langeweile. Die Seiten fliegen nur so dahin.
Was den Humor betrifft: über viele Szenen und Sätze musste ich wirklich lachen und mich fragen, wie einem so etwas nur einfällt. Wirklich prima geschrieben… allerdings haben mich manche Dinge irgendwann auch schon beinahe etwas genervt, wie z. B. die eigenwillige Ausdrucksweise der Oma „Machentut“. Das war stellenweise einfach zu viel für mich.
Aber insgesamt kann ich das Buch nur loben, denn es hat mich bestens unterhalten und die Auflösung des Rätsels am Ende kam sehr überraschend und war trotzdem schlüssig. Raum für eine Fortsetzung wurde auch gelassen und diese würde ich auf jeden Fall wieder lesen wollen.
Boris Kröger ist mir eigentlich recht sympathisch, ein nicht sehr ehrgeiziger, aber recht liebenswürdiger Kerl. Mit seiner Oma konnte ich mich leider aufgrund ihres nervigen „Sprachfehlers“ nicht so anfreunden, was doch eher schade ist.
Doch nicht nur seinen Hauptprotagonisten haucht Richard Fasten echtes Leben ein, auch die vielen teils recht skurrilen Nebendarsteller werden gut beschrieben und wirken nicht blass.

Fazit:
Eine toll durchdachte Geschichte, die mit vielen skurrilen Personen und Einfällen überzeugt. Freue mich schon auf eine eventuelle Fortsetzung!
Wertung: 4 von 5 Sternen

Bei Daggis Buch-Challenge 2014 hake ich hiermit Punkt 28 ab.

Er ist wieder da von Timur Vermes – Meine Rezension…

Audio CD
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Audio); Auflage: Aufl. 2013 (21. September 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3785747411
ISBN-13: 978-3785747414

Über den Autor:
Timur Vermes wurde 1967 als Sohn einer Deutschen und eines 1956 geflohenen Ungarn geboren, studierte er in Erlangen Geschichte und Politik und wurde dann Journalist. Er schrieb für die Abendzeitung und den Kölner Express und arbeitete für mehrere Magazine. Seit 2007 veröffentlichte er als Ghostwriter vier Bücher, zwei weitere sind in Vorbereitung.

Über den Sprecher:
Christoph Maria Herbst – Seine Titelrolle als unerträglicher Abteilungsleiter einer Versicherung in der TV-Serie Stromberg bringt dem Schauspieler seinen größten Erfolg, sowie Auszeichnungen, u. a. den Bayerischen Fernsehpreis, Adolf-Grimme-Preis, Deutschen Fernsehpreis und mehrere deutsche Comedy-Preise ein. Als Ausnahme-Hörbuchsprecher blickt er bereits auf zahlreiche Produktionen zurück, die allesamt Hörbuch-Bestseller wurden.

Die Kurzbeschreibung auf der CD-Hülle:
Ein literarisches Kabinettstück erster Güte
Frühjahr 2011. Adolf Hitler erwacht mitten in Berlin. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva, im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet er in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere – im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber den Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und „Gefällt mir“-Buttons.

Die Geschichte:
Adolf Hitler ist plötzlich wieder da. Entgegen aller Logik kommt er in Berlin zu sich, auf dem Boden liegend, die geliebte Uniform voller Staub und Dreck. Wie er das geschafft hat, obwohl er eigentlich tot sein müsste? Gesunde vegetarische Ernährung, kein Alkohol, keine Zigaretten – so die Erklärung des „Führers“.
Ohne Geld, Wohnung und bekannte Menschen bleibt ihm erst einmal nichts anderes übrig als das freundliche Angebot eines „Zeitungskrämers“ anzunehmen und in dessen Kiosk zu nächtigen. Dieser hilfsbereite Mann ist es schließlich auch, der das vermeintliche komödiantische Talent von Adolf erkennt und ihn mit Fernsehleuten bekannt macht. Und damit beginnt die Karriere des „irren youtube-Hitler“, wie er bald von allen genannt wird.
Etliche absurd-komische Szenen folgen, u. a. ein Besuch in der NPD-Zentrale, erste Begegnungen mit Handy, „Internetz“ und Plastiktüten… Adolf ist in einer Zeit gestrandet, die ihn einerseits begeistert, andererseits auch tief erschreckt – und er rechnet als vermeintliche Kunstfigur gnadenlos ab mit seiner neuen Umwelt. Ob nun unfähige Politiker, verunfallte Dauersmartphoneglotzer, schlecht gekleidete Kameraleute oder die Verlogenheit der Presse: keiner bleibt verschont von Adolfs feiner Kritik. Und dafür wird ihm schließlich auch noch eine große Anerkennung zuteil, die die Fernsehleute zu wahren Jubelstürmen veranlasst.

Meine Meinung:
Schon die allerersten Szenen, die Begegnung mit Fußball spielenden Kindern, sind einfach zu komisch. Dann folgt die Gewissheit über das aktuelle Tagesdatum, das Adolf an einem Zeitungskiosk herausfindet und daraufhin erst einmal ohnmächtig zusammenbricht.
Der Hitler in diesem Buch wirkt meist nicht wie ein fanatischer menschenverachtender Diktator, sondern vielmehr wie ein durchaus verletzlicher Mann, den man allerdings niemals unterschätzen darf.
Die Tücken des ungewohnten Alltags und die Begegnungen mit der modernen Technik sorgen schon für extrem viele Lacher, dazu kommt aber natürlich noch die Weltanschauung des „Führers“, die mit der Wirklichkeit oft schwer vereinbar ist.
In diesem Buch steckt so viel Gesellschafts- und Sozialkritisches, das aber in einer sehr humorvollen, ironischen und satirischen Weise vorgetragen wird.
Christoph Maria Herbst ist einfach erste Wahl für dieses geniale Hörbuch: er leiht den Personen individuelle Stimmen, vor allem natürlich Adolf. Schon allein diese Sprecherleistung macht dieses Hörbuch zu einem echten Vergnügen.
Die Story an sich ist zwar schnell erzählt, doch das Buch besteht aus weiten Teilen aus den Gedankengängen, Rückblicken und Zukunftsplänen von Adolf, die auch einiges an Geschichtswissen vermitteln.
Wir haben das Hörbuch im Auto gehört und uns köstlich amüsiert. Von kleinen Schmunzlern bis zu lauten Lachern war alles dabei, langweilige Stellen findet man hier keine. Timur Vermes hat sich eine herrliche absurd-komische Geschichte ausgedacht, die durchaus noch fortgesetzt werden könnte. Der Schluss lässt jedenfalls Raum dafür.

Fazit:
Eine gut durchdachte ironisch-komische Geschichte, die man mit dem nötigen Humor betrachten muss und dann mit einigen Stunden Lachens und bester Unterhaltung belohnt wird.

Bei Daggis Buch-Challenge 2014 hake ich hiermit Punkt 24 ab.

Ab morgen ein Leben lang von Gregory Sherl – Meine Rezension…

Audio CD
Verlag: Random House Audio; Auflage: gekürzte Lesung (14. April 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3837125793
ISBN-13: 978-3837125795
Originaltitel: The Future for Curious People (Algonquin, New York)

Über den Autor:
Gregory Sherl wurde 1986 geboren. Er hat drei Gedichtbände veröffentlicht, zuletzt „Monogamy Songs” und „The Origon Trail is the Origon Trail”. Letzterer stand auf der Shortlist des Believer Poetry Awards. Er ist Inhaber des Grisham Fellowships an der University of Mississippi.

Die Kurzzusammenfassung auf der Hülle:
„In Fällen von wahrer Liebe kann es zu Systemfehlern kommen.“
Evelyn Shriner ist auf der Suche nach dem Richtigen. Godfrey Burkes glaubt, seine große Liebe bereits gefunden zu haben.
Eines Tages treffen Evelyn und Godfrey aufeinander – in Dr. Chins Praxis, in der man mithilfe einer verblüffenden Apparatur seine romantische Zukunft sehen kann. Eine schicksalhafte Begegnung, doch das ahnen die beiden zu diesem Zeitpunkt noch nicht…

Die Geschichte:
In dieser Story steckt auch ein bisschen Fantasy, denn es gibt darin die Möglichkeit, in eine Praxis zu gehen, ein paar Pillen zu schlucken und sich dann mit der Hilfe einer Maschine die eigene Liebes-Zukunft zu vergegenwärtigen. Das kann natürlich auch zu Nebenwirkungen führen. Das denkbar schlimmste Szenario ist, wenn auf dem Bildschirm gar nichts erscheint, was dann bedeuten würde, dass man früh stirbt und gar keine Zukunft mehr hat. Doch diese „Vergegenwärtigungen“ können auch zur Sucht werden und da kann Evelyn Shriner mitreden: sie besucht immer und immer wieder die Praxis von Dr. Chin, um in ihre Zukunft zu blicken. Bei diesen Sitzungen hat man die Möglichkeit, vorher eine bestimmte andere Person zu nennen und sieht dann quasi die gemeinsame Zukunft mit ihm oder ihr.
Godfrey ist eigentlich davon überzeugt, bereits die Richtige gefunden zu haben und macht ihr sogar einen Antrag. Doch auch hier ist die Frau der zweifelnde Part in der Beziehung und deshalb schickt sie ihn zu Dr. Chin, um herauszufinden, ob sie auch wirklich glücklich miteinander werden.
In der Praxis von Dr. Chin treffen Evelyn und Godfrey schließlich aufeinander und damit beginnt ein Hin und Her der Gefühle.
Es geht um Liebe, Schuldgefühle, Zukunftsängste, Betrug und der großen Sorge, dass man sich falsch entscheiden könnte. Doch ist es dabei wirklich hilfreich, in die Zukunft sehen zu können? Oder ist gar alles nur Betrug?

Meine Meinung:
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Evelyn und Godfrey erzählt. Beim Hörbuch teilen sich diese Parts Jona Mues und Camilla Renschke, was sehr gut passt und angenehm zum Hören ist.
Die Charaktere waren mir ganz sympathisch und wirkten lebendig und gut gezeichnet. In dieser Geschichte tauchen so allerhand skurrile oder liebenswürdige Gestalten auf, wie z. B. die Mutter von Godfrey, die arme Hasen rettet. Das hat mir sehr gut gefallen.
Den Schreibstil fand ich gut und überhaupt nicht kitschig oder so, einfach toll zum Hören (oder Lesen).
Neben der Liebesgeschichte und den ganzen Beziehungswirren enthält das Buch auch viele humorvolle Stellen. Man kann sich schon köstlich darüber amüsieren, was manche Paare sich antun, um eine Beziehung zu retten.
Obwohl ein unschönes Wort für das männliche Geschlechtsteil sehr oft in dem Buch erwähnt wird (meistens in einem lustigen Kontext), enthält das Buch keine kitschigen oder anzüglichen Liebes- oder Sexszenen. Es geht vielmehr etwas romantisch zu, aber eigentlich auch nicht in großem Maße.
Es fällt mir schwer, das Buch irgendwie einzuordnen… Es ist kein typischer Liebesroman, aber wohl schon eher ein Roman für die weibliche Leserschaft. Mit Humor, Romantik und einer lustigen, gut durchdachten Geschichte.

Fazit:
Ein locker-leichter Liebesroman mit der richtigen Portion Humor, der mich gut unterhalten hat und den ich gerne weiterempfehle.
Wertung: 4 von 5 Sternen

Bei Daggis Buch-Challenge 2014 hake ich hiermit Punkt 26 ab.

ZERO von Marc Elsberg – Eine Gastrezension von Tina

Der moderne FAUST oder Seelenverkauf via Datensammlung

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (26. Mai 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764504927
ISBN-13: 978-3764504922

Worum geht es in diesem Buch?
Cynthia Bonsant ist Journalistin beim Daily in London. Zu Recherchezwecken bekommt sie eine neue Cyberbrille und taucht in die technischen Neuerungen des 21. Jahrhunderts ein. Als ihre Tochter sich die Brille leiht und damit via Gesichtserkennung auf Verbrecherjagd geht, wird ihr Freund Adam erschossen. Die Firma FreeMee, die unter anderem diese Brillen bereitstellt, kämpft nach dem Tod des Jungen um ihre wachsende Marktstellung. Währenddessen sucht das FBI nach einem Internetaktivisten, der einen Angriff auf den Präsidenten verüben wollte und Warnvideos über Datenklau und Datenkraken ins Internet lädt. Ein Sog aus Manipulationen und Macht nimmt seinen Lauf…

Tinas Meinung zum Buch:
Der Schreibstil ist sehr nüchtern und trotz der technischen Fachbegriffe sehr gut verständlich.
Marc Elsberg schafft es, den Leser direkt anzusprechen und ihm ein schlechtes Gewissen zu machen.
Das Buch rüttelt auf und appelliert an den Verstand, den eigenen Internetkonsum und damit die Datenflut einzuschränken oder zumindest zu überdenken. Ich habe mich mit diesem Thema noch nie eingehender beschäftigt und fand den Thriller sehr gelungen.
Das Ende hätte ich mir vielleicht noch ein wenig ausführlicher gewünscht, aber ich kann das Buch bedenkenlos weiterempfehlen und kann nur hoffen, dass diese brandaktuellen Themen zu personengeschützten Daten und deren Missbrauch noch ein klein wenig Zukunftsmusik sind.

Fazit:
Ein rasanter Thriller, der der Aufschrift „Roman“ keinesfalls gerecht wird. Der Mensch wird wieder einmal deutlich zum Sklaven des eigenen Fortschrittes.

Sternebewertung: 5 von 5

Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte – Rezension

Audio CD
Titel: Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte
Autor: Romain Puértolas
Verlag: Argon Verlag; Auflage: 2 (17. April 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839813220
ISBN-13: 978-3839813225
Originaltitel: L’extraordinaire voyage du fakir qui était resté coincé dans une armoire Ikea

Über den Sprecher Matthias Koeberlin:
Matthias Koeberlin (* 28. März 1974) ist nicht nur ein toller Schauspieler, sondern er leiht auch in so manchen Hörbüchern den unterschiedlichsten Protagonisten seine Stimme.
Und er macht das wirklich grandios, wobei es fast egal ist, welchem Genre das Buch angehört: seiner angenehmen, unaufdringlichen Stimme kann man stundenlang lauschen.

Über den Autor Romain Puértolas:
Romain Puértolas wurde 1975 in Montpellier geboren. Er war DJ, Zauberkünstler, Flugverkehrsmanager und Übersetzer und ist innerhalb Europas bereits vierzigmal umgezogen. Sein Debüt-Roman über den Fakir im Ikea-Schrank hat die Herzen der Franzosen im Nu erobert und wurde in 35 Sprachen übersetzt.

Die Kurzbeschreibung:
Ayarajmushee Dikku Pradash, charmanter Hochstapler in Turban und Seide sowie Träger eines Schnurrbarts beträchtlicher Größe, fliegt eines Tages aus Indien nach Paris. Er ist gelernter Fakir und möchte sich bei Ikea ein brandneues high-performance Nagelbett zulegen: Modell „Likstupiksta“, schwedische Kiefer, 15.000 Nägel (rostfrei), Farbe: Puma-rot.
Kaum am Flughafen angekommen, handelt sich Ayarajmushee Ärger mit dem Taxifahrer Palourde ein, verliebt sich im Ikea-Bistro in die schöne Französin Marie und nistet sich über Nacht im Möbellager ein. Als er sich in einem Ikea-Schrank vor der Nachtwache versteckt, gerät er auf eine irrwitzige Reise, die ihn quer durch Europa führt…

Die Geschichte:
Ayarajmushee Dikku Pradash (sprich: Ajaratschmuschii Dikku Pradasch) ist eigentlich ein ausgesprochener Egoist. In seinem armen indischen Heimatdorf hat er sich unter einem Vorwand so viel Geld erbettelt, dass er sich einen Flug ins ferne Paris leisten kann, um dort bei IKEA ein Nagelbett zu kaufen, das er mit einem gefälschten 100 Euro-Schein bezahlen will. So weit der Plan, doch alles sollte ganz anders kommen.
Erst einmal kommt das Falschgeld für die Bezahlung des Taxis vom Flughafen zu IKEA zum Einsatz. Damit macht sich Ayarajmushee allerdings den Taxifahrer Palourde zum Feind, der den Betrug am Abend bei seiner Abrechnung natürlich bemerkt. Doch zu diesem Zeitpunkt ahnt Ayarajmushee noch nicht, wie weit ihn die Rache des Mannes noch verfolgen wird.
Genauer gesagt sitzt Ayarajmushee zu diesem Zeitpunkt im bereits geschlossenen IKEA-Markt, bedient sich im Bistro am Kühlschrank und verzehrt seine Abendmahlzeit in einem Ausstellungswohnzimmer. Als plötzlich Angestellte auftauchen, flüchtet er sich in einen Schrank und damit beginnt seine abenteuerliche Reise. Dieser Schrank wird nämlich verpackt und landet in einem LKW, der Richtung England fährt. Bald bemerkt Ayarajmushee, dass er im LKW nicht alleine ist: Flüchtlinge verstecken sich zwischen der Ladung und halten den Inder gleich für einen der ihren. Zunächst bestreitet Ayarajmushee noch, dass er ebenfalls auf der Flucht wäre, doch das soll sich bald ändern… Und auch Ayarajmushee wird sich ändern!

Meine Meinung:
Diese fantasievolle Geschichte wird in einem ganz besonderen Stil erzählt, der manchmal fast so wirkt, als würde man aus einem Kinderbuch vorlesen. Gewollte Wiederholungen und Erklärungen scheinbar alltäglicher Dinge sind ein Merkmal dieser ungewöhnlichen Erzählung.
Bildgewaltige Beschreibungen (z. B. „sehnig und knotig wie ein Baum“) und ausführliche Charakterisierungen der Protagonisten bringen einem die Menschen im Buch sehr nahe. Ayarajmushee ist ein Mann, der eine tiefgreifende Wandlung durchlebt während dieser Geschichte und als Leser / Hörer kann man dies wunderbar nachvollziehen. Er wirkt sympathisch und liebenswürdig, zuweilen sehr naiv, andererseits aber auch wieder sehr gerissen und durchtrieben – ein vielschichtiger Charakter, den man gern begleitet auf seiner abenteuerlichen Reise.
Das Buch zeigt auch auf humorvolle Art und Weise, dass man sich im Leben immer zweimal begegnet, was im Fall von Ayarajmushee glücklicherweise meistens positiv endet.
Was das Buch aber auch enthält: eine große Portion Gesellschaftskritik, die durchaus zum Nachdenken anregt.
Ayarajmushee wird unfreiwillig zum „blinden Passagier“, zu einem „Illegalen“, zu einem „Flüchtling“. Was das bedeutet, erlebt der Fakir am eigenen Leib, aber er lernt auch vieles durch die Menschen, die ihm während seiner Reise begegnen.
Ein paar Einblicke in Ayarajmushees Kindheit ließen mich auch sehr schwanken zwischen Mitgefühl und einem Grinsen im Gesicht: der Autor versteht es, heikle Themen sehr ansprechend zu verpacken, ohne sie dabei jedoch ins Lächerliche zu ziehen.
Was man noch aus diesem Buch mitnehmen kann, das ist die Erkenntnis, dass Geben seliger ist denn Nehmen. Und dass Nächstenliebe in einem Menschen bessere Gefühle auslösen kann als der gelungenste Betrug.

Mich hat das Buch bestens unterhalten, es gibt keine Längen und man will ständig wissen, wie es weitergeht mit Ayarajmushee. Lediglich ein paar der gewollten Wiederholungen hätten meiner Meinung nach weg gelassen werden können, wobei das natürlich hier ein wichtiges Stilmittel ist.
Ich habe geschmunzelt, an ein paar Stellen laut gelacht und mich sehr amüsiert über die Naivität von Ayarajmushee, über die seltsamen Namen, die sich der Autor ausgedacht hat und über die Zufälle, die immer wieder weiterhelfen. Aber ich habe mir auch Gedanken über die vielen Millionen Flüchtlinge gemacht, die gerade jetzt in diesem Moment vielleicht ebenfalls in einem Schrank feststecken und deren Abenteuer wohl nicht so schön enden wird wie das des Fakirs.

Fazit:
Ein amüsantes, ungewöhnliches Buch mit einem liebenswürdigen Protagonisten, den man gern begleitet auf seiner abenteuerlichen Reise quer durch Europa – und zu einem besseren, neuen Ich. Eine klare Lese- bzw. Hörempfehlung!

Bei Daggis Buch-Challenge 2014 hake ich hiermit Punkt 5 ab.

Glycinienmord von Nicole Joens – Meine Meinung…

Broschiert: 320 Seiten
Verlag: CINDIGObook; Auflage: 1 (5. Mai 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3944251199
ISBN-13: 978-3944251196

Über die Autorin:
Nicole Joens, geboren 1961 als Nicole Houwer in München, lebt seit zwanzig Jahren als Drehbuchautorin in Deutschland. Davor hat sie sieben Jahre lang in New York gelebt, um dort Film-, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft zu studieren. Nebenbei hat sie als Cutterin für Dokumentarfilme gearbeitet, um in der teuren Stadt zu überleben.
„Maria sucht Josef“ war ihr Erstlingswerk. Beim Piper-Verlag folgten unter dem Pseudonym Noemi Jordan zwei Liebesromane in einem spannenden historischen Kontext. In den Anthologien „Schneegeflüster“, 2010 erschienen im Dianaverlag, und „Gelegenheit macht Liebe“, 2012 erschienen beim Piper-Verlag, wurden zwei ihrer New Yorker Kurzgeschichten veröffentlicht.
In zweiter Ehe glücklich verheiratet zieht sie mit ihrem Mann zwei Söhne in München groß. Ihre Produktionsfirma und den Verlag CINDIGO haben sie als Paar gemeinsam gegründet.
(Quelle: Amazon.de)

Über die Reihe:
„Glycinienmord“ ist der Auftakt der Reihe „Frauen morden besser“. Sechs weitere Bücher sind geplant.

Der Klappentext:
Kurz vor ihrem Tod schreibt Gisela Martin in einem Hospiz in Niederbayern mit Blut das Wort ‚Glycinie‘ auf ihre Bettdecke.
In New York erhält der erfolgreiche Ermittler und Dozent Dr. Jens Hauser kryptische Nachrichten über zwielichtige Machenschaften in seiner Heimat und nimmt daraufhin einen Auftrag der bayerischen Regierung an.
Gemeinsam mit der gewieften Berliner Polizeipsychologin Dr. Lilian Kämmerer und seiner attraktiven New Yorker Assistentin Olivia untersucht Dr. Jens Hauser schon bald in Bayern ungeklärte Todesfälle der Nachkriegszeit mit modernen forensischen Methoden. Dem Team wird schnell klar, dass bestimmte Fälle mit Absicht vertuscht wurden. Eine Spur führt bis in Regierungskreise…

Die Geschichte:
Jens, der in frühen Jahren seiner Polizeilaufbahn ins Ausland „strafversetzt“ wurde, kehrt nach langer Abwesenheit zurück in seine Heimatstadt Kelheim, um dort alte, ungeklärte Kriminalfälle aufzuklären.
Seine Mutter und deren Zwillingsschwester freuen sich sehr über den Besuch, haben sie doch „ihren Jungen“ sehr vermisst.
Der „Junge“ ist zwar inzwischen auch schon ca. 50 Jahre alt, was seinen Frauenverschleiß angeht, wirkt er manchmal dagegen eher wie ein Mittzwanziger, der sich noch „die Hörner abstoßen möchte“. Gelegenheit dazu bietet ihm zum Beispiel seine deutsche Kollegin Lilian, mit der er auch gleich eine Affäre beginnt. Sehr zum Missfallen von Olivia: die junge Frau ist Jens aus New York gefolgt und hegt große Gefühle für den Mann, dem sie als Assistentin zur Seite steht.
Aber um auf den eigentlichen „Kriminalfall“ zu kommen: in einem Rückblick ins Jahr 1969 lernen wir den damals noch kleinen Jens und seine Freundin Gisela kennen, die eine Leiche finden. Der Tote wird nie identifiziert und die Akte schnell geschlossen – ob es damit zusammenhängt, dass man in ihm einen „Zigeuner“ erkannte? Am gleichen Tag verschwindet auch Giselas Mutter spurlos – und auch der geliebte Hund von Jens taucht nicht mehr auf.
Zurück in der Gegenwart muss sich Jens gerade mit dem Tod von Gisela auseinandersetzen. Seine Jugendfreundin ist dem Krebs erlegen und hat eine blutige Botschaft hinterlassen: „Glycinie“. Der Name der imposanten Pflanze, unter deren üppigen Blüten und Blättern die beiden als Kinder auch an jenem schicksalsträchtigen Tag saßen, der ihrer beider Leben für immer verändern sollte.
Ohne Mutter wächst Gisela nur mit ihrem herrschsüchtigen Vater auf, der sein beträchtliches Vermögen mit zwielichtigen Geschäften verdient und der anscheinend über dem Gesetz steht.
Wird Jens das Rätsel lösen und den alten Kriminalfall nach so langer Zeit aufklären können? Oder verstrickt er sich zu sehr in seine eigene verworrene Gefühlswelt, die einfach von zu vielen Frauen beherrscht wird?

Meine Meinung:

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich gut lesen. Es gibt weder schwer verdauliche Schachtelsätze, noch größere Längen, allerdings auch nicht viele Dialoge, die manchmal vielleicht zusätzlich für Auflockerung gesorgt hätten. Viel Sorgfalt lässt die Autorin der Beschreibung ihrer Schauplätze angedeihen: man kann sich alles bildlich vorstellen und vor allem die imposante Szene am Ende des Buches profitiert davon.

Die Charaktere werden ebenfalls gut beleuchtet und wirken lebendig. Bei vielen Personen spielt auch die Vergangenheit eine große Rolle und diese wird in gekonnter Weise in die Geschichte eingeflochten.
Leider wirken nicht alle Charaktere sympathisch, was teilweise natürlich gewollt ist, aber hier betrifft es in meinem Fall leider den Hauptprotagonisten Jens. Er wirkt durch seine Affären und seine chaotische Gefühlswelt (falls man von Gefühlen sprechen will und nicht nur von Eroberungsdrang) irgendwie inkompetent auf mich. Dass er mit seinen (möglichen) Gespielinnen auch noch alle Altersklassen abdeckt, macht die Sache nicht besser für mich.
Es gibt aber auch durchaus Personen, mit denen man mitfühlen kann und die mich als Leser auch etwas berührt haben.

Die Liebesaffären von Jens und die damit verbundenen Auswirkungen nehmen leider meines Erachtens zu viel Platz ein und rauben stellenweise aufkeimender Spannung sofort wieder die Kraft. Von einem „Kriminalroman“ ist wirklich über weite Strecken nicht viel zu bemerken und auch die auf dem Buchrücken angekündigten „modernen forensischen Methoden“ muss man eher mit der altmodischen Lupe suchen.

Gut fand ich die geschickt platzierte Gesellschaftskritik, die in diesem Buch steckt, auch wenn viele Ansätze dann nicht weiter verfolgt wurden. Überhaupt bleibt einiges der Fantasie des Lesers überlassen, was aber auch stellenweise dem Umstand geschuldet sein könnte, dass das Buch Teil einer Reihe ist und eventuell später manches noch einmal aufgegriffen wird.
Das eigentliche Thema des Buches wird am Schluss mit einem gut durchdachten Showdown gelöst und viele lose Enden werden geschickt verknüpft. Manches in der Story wirkte aber auch zu effektheischend und konstruiert und lässt abschließende Erklärungen vermissen.

Fazit:
Spannung habe ich leider beim Lesen total vermisst, dafür habe ich mich aber umso öfter über das Verhalten des Hauptprotagonisten geärgert, der manchmal so wirkt, als möchte er jede hübsche Frau, die nicht bei Drei auf dem nächsten Baum ist, in sein Bett zerren.
Als Kriminalroman würde ich dieses Buch nicht bezeichnen, wer aber gerne eine tragisch-geheimnisvolle Familiengeschichte mit Liebesgeplänkel lesen möchte, dem kann ich das Buch durchaus empfehlen.
Meine Wertung: 2,5 von 5 Sternen

Bei Daggis Buch-Challenge 2014 hake ich hiermit Punkt 10 ab.

Tribunal von André Georgi – Meine Rezension…

Taschenbuch: 316 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: Originalausgabe (10. März 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3518465155
ISBN-13: 978-3518465158

Weitere Infos und eine Leseprobe auf den Seiten des Suhrkamp Verlags: http://www.suhrkamp.de/andre-georgi/tribunal_1176.html

Über den Autor:
André Georgi, geboren 1965 in Kopenhagen, ist in Berlin aufgewachsen. Er studierte Philosophie und Germanistik und lebt als Drehbuchautor und Dramaturg in Bielefeld. Von ihm stammen zwanzig Drehbücher zu Fernsehkrimis – darunter für den Tatort, für Bella Block und die Verfilmungen von Kurzgeschichten von Ferdinand von Schirach und Siegfried Lenz.
HIER findet ihr weitere Infos zum Buch und einen Trailer auf der Website des Autors.

Der Klappentext:
Metall, Glas Blut. Alle tot. Warum lebe ich noch?
Jasna Brandic, Topermittlerin des Tribunals in Den Haag, überlebt als Einzige ein brutales Attentat auf ihren Kronzeugen. Ohne diesen droht das Verfahren gegen den Massenmörder Kovac endgültig zu scheitern. Da erreicht Jasna die Nachricht, dass ein international gesuchter Kriegsverbrecher bereit ist, gegen Kovac auszusagen – vorausgesetzt, sie schafft es, ihn vor seinen eigenen Leuten zu schützen und lebend nach Den Haag zu bringen. Jasna setzt auf eigene Faust alles daran, den Mann zu finden. Sie ahnt nicht, dass sie Teil eines perfiden Spiels ist – eine Jagd auf Leben und Tod beginnt.

Die Geschichte:
Dem Klappentext ist hier nicht mehr viel hinzuzufügen. Jasna hat einen Job, um den sie wohl kaum ein Leser beneiden wird. Sie steht unter extremem Druck und trotz aller detaillierter Planungen und Vorsichtsmaßnahmen gelingt es den Leuten von Kovac, den Kronzeugen auszuschalten.
Doch bald meldet sich ihre mysteriöse Quelle aus Serbien wieder: Branko, der früher die „rechte Hand“ von Kovac war, will aussagen. Jasna besteht darauf, das Treffen mit dem Informanten selbst zu übernehmen und gerät dadurch selbst in tödliche Gefahr. Es ist kaum noch möglich, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und der kleinste Fehler kann der letzte sein.

Meine Meinung:
Zunächst musste ich mich erst etwas an den Schreibstil des Autors gewöhnen: zuweilen kurze, verknappte Sätze, die Dialoge fließen nahtlos in den Text ein, die Ausdrucksweise ist hart und deutlich. Später im Buch wirkte der Stil flüssiger – oder ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt schon vollkommen damit arrangiert. Auf jeden Fall passt er zum Thema.
Die Charaktere wirken lebendig, ihre Emotionen werden gut transportiert, man fühlt mit, man spürt ihren Schmerz. Manchmal ist dieser Schmerz wirklich schwer zu ertragen. Es geht hier immerhin um ein Thema, das nicht nur Fiktion ist: Krieg gab es zu jeder Zeit und es gibt ihn heute noch. Und die Gesichter des Krieges sind fast immer und überall gleich: Folter, Vergewaltigungen, Hinrichtungen, Massengräber, Plünderungen, zerstörte Leben und zerstörtes Land… Dem Autor gelingt es in grandioser Art und Weise, uns diese Schreckensschauplätze nahe zu bringen und bildgewaltige Szenarien zu erschaffen. Er hat für dieses Buch auch umfassend recherchiert und viele wahre Begebenheiten mehr oder weniger hintergründig in die Story eingebracht.
Das Buch ist eher nichts für zartbesaitete Leser, denn Manches wird ausführlich, grausam und blutig geschildert – und das Erzählte wirkt nach.
Der Spannungsbogen bewegt sich auf einem durchgehend sehr hohen Niveau und ich muss zugeben, dass mein Puls sich während einer atemlosen Verfolgungsjagd beschleunigt hat. Man mag das Buch nicht mehr aus der Hand legen, verschlingt ein kurzes Kapitel nach dem nächsten und fiebert mit.
Das Ende ist zwar ein Ende, aber es lässt Raum für weitere Gedanken. Der Krieg erzeugt ein sehr lautes Echo, das in manchen Menschen wohl nie mehr zum Verstummen gebracht werden kann…

Fazit:
Ein atemloser Thriller, der beim Lesen wirklich für beschleunigten Herzschlag bei mir gesorgt hat. Man will das Buch nicht mehr aus der Hand legen, auch wenn das Gelesene manchmal schwer zu verdauen ist.
Eine klare Leseempfehlung für hartgesottene Spannungsfans, die es gern auch mal blutig mögen!
Wertung: 5 von 5 Sternen

Bei Daggis Buch-Challenge 2014 hake ich hiermit Punkt 9 ab.

Die Madonna von Notre-Dame von Alexis Ragougneau – Meine Rezension:

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: List Hardcover (9. Mai 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3471351140
ISBN-13: 978-3471351147
Originaltitel: La Madone de Notre-Dame

Über den Autor:
Alexis Ragougneau, 1973 geboren, wurde für seine Theaterstücke mehrfach ausgezeichnet. Er hat lange in Notre-Dame gearbeitet und kennt das Pariser Wahrzeichen wie sein eigenes Wohnzimmer. »Die Madonna von Notre-Dame« ist sein erster Roman.

Der Klappentext:
Notre-Dame an einem Sommermorgen. Die Messe hat kaum begonnen, als eine ganz in Weiß gekleidete junge Frau leblos zu Boden sinkt. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden, doch Pater Kern lässt der Fall keine Ruhe: Wer ist der Unbekannte, den der Clochard Kristof in der Mordnacht beobachtet hat? Mit der Staatsanwältin Claire Kauffmann macht Pater Kern sich auf die Suche nach der Wahrheit – und kommt in den Gewölben von Notre-Dame einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur…

Die Geschichte:
Eine aufreizend gekleidete Frau wird tot in der Kathedrale gefunden. Ein Tatverdächtiger ist schnell gefunden: ein junger Mann, der am Abend vorher während einer Prozession einen Streit mit dem Opfer hatte.
Für die Polizei ist der Fall bald abgeschlossen, aber der kleine Pater Kern glaubt nicht an Schuld des Verhafteten. Er beginnt auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen und erhält dabei Hilfe von unerwarteter Seite: die Staatsanwältin Claire Kauffmann lässt ihn einen verbotenen Blick in die Akten werfen.
Bald gerät der Geistliche selbst in höchste Gefahr, denn Sünde und Glauben liegen oft erschreckend nahe beieinander…

Meine Meinung:
Der Autor legt sehr viel Wert auf die Beschreibung seiner Schauplätze und vor allem auf die detaillierte Ausarbeitung seiner Charaktere. Er beleuchtet die Vergangenheit der Protagonisten, thematisiert den Gesundheitszustand von Pater Kern sehr ausführlich, er lässt seine Figuren menschlich und verletzlich wirken.
Andere Personen dagegen sind eher etwas klischeehaft: der ruppige, dauerqualmende Polizist zum Beispiel. Und viele ungewöhnliche Figuren, die eher am Rande der Gesellschaft stehen, tauchen ebenfalls in diesem Buch auf und spielen große Rollen. Alles in allem eine gelungene Besetzung.
Zum Fall an sich würde ich sagen: dies ist kein herkömmlicher Krimi, sondern eher ein „Krimihäppchen mit opulenter Garnitur“. Es gibt eine Tote, einen Verdächtigen und nach kurzer Suche die Auflösung des Rätsels. Das hätte nur wenige Seiten in Anspruch genommen. Der Rest des Buches befasst sich – wie bereits erläutert – mit der detaillierten Charakterisierung der Protagonisten und mit sehr ausführlichen Beschreibungen von Nebenhandlungen.
Die Spannung bleibt dabei leider etwas auf der Strecke und ist nur unterschwellig vorhanden. Es ist eher ein Krimi der leisen Töne, ohne viel Action und ohne großes Blutvergießen.
Pater Kern ist ein sehr interessanter Mann mit einer schwierigen Vergangenheit und mit einem gesundheitlichen Leiden, das ihn stark beeinträchtigt. Er ist ein sympathischer und ungewöhnlicher „Krimi-Held“, von dem ich gerne noch mehr lesen würde. Das Buch bildet den ersten Teil einer Reihe und wenn man es quasi als ausführliche Einführung betrachtet, dann kann man die geringe Spannung und die vielen spannungsraubenden Details leichter verzeihen.

Fazit:
Ein Krimi der leisen Töne, der mit ungewöhnlichen Personen und einer sehr ausführlichen Erzählweise überzeugt.
Ich vergebe 2,5 von 5 Sternen.

Bei Daggis Buch-Challenge 2014 hake ich hiermit 47 Punkt ab.

Kindertotenlied von Bernard Minier – Meine Rezension:

Audio CD
Verlag: Argon Verlag; Auflage: 1 (20. Februar 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839813123
ISBN-13: 978-3839813126
Originaltitel: Le Cercle

Über die Reihe:
„Kindertotenlied“ ist das zweite Buch, in dem Kommissar Martin Servaz ermittelt. Teil 1 trägt den Titel „Schwarzer Schmetterling“ und es gibt durchaus eine fortlaufende Handlung, wobei man natürlich auch beide Bücher getrennt voneinander lesen / hören kann.

Über den Autor:
Bernard Minier ist im Südwesten Frankreichs, in den Ausläufern der Pyrenäen, aufgewachsen. Für „Schwarzer Schmetterling“ wurde er 2011 mit dem französischen Spannungsliteraturpreis Prix Polar ausgezeichnet. Der Thriller war ein internationaler Bestseller.

Über den Sprecher:
Johannes Steck, als Theater- und Fernsehschauspieler sehr erfolgreich, widmet sich heute vorrangig seiner vielgelobten Sprechertätigkeit. Für seine Lesung von Simon Becketts „Verwesung“ erhielt er 2012 den Publikumspreis HörKules. Seine tiefe Stimme mit dem rauen Timbre ist unverkennbar.

Die Kurzbeschreibung auf der CD-Hülle:
Eine Professorin der Elite-Universität Marsac liegt ertrunken und grausam gefesselt in der Badewanne. In ihrem Rachen steckt eine Taschenlampe. Ohrenbetäubende Musik von Gustav Mahler schallt durch die Nacht. Kindertotenlieder. Beklemmung macht sich in Kommissar Martin Servaz breit. Ist Mahler doch der Lieblingskomponist des hochintelligenten und seit Monaten flüchtigen Serienmörders Julian Hirtmann. Hauptverdächtig ist jedoch ein Student: ausgerechnet der Sohn von Kommissar Servaz` Jugendliebe Marianne. Für den Kommissar beginnt eine Reise in die Vergangenheit.

Die Geschichte:
Inmitten eines sommerlichen Gewittersturms geschieht in Südfrankreich ein grausamer Mord: eine Lehrerin wird in ihrer eigenen Badewanne ertränkt und am Tatort wird einer ihrer Schüler gefunden, der offensichtlich unter Drogen steht. Dass ausgerechnet eine CD von Gustav Mahler im Player liegt, lässt Servaz natürlich sofort an Julian Hirtmann denken. Der Schweizer Serienmörder war die Hauptperson in „Schwarzer Schmetterling“ und konnte am Ende fliehen.

In einem weiteren Handlungsstrang erzählt uns der Sprecher die furchtbare Geschichte einer entführten Frau, die von ihrem Peiniger bereits wochenlang gefangen gehalten wird.

Marianne, die Mutter des tatverdächtigen Schülers ruft Servaz an und bittet ihn um Hilfe. Tatsächlich darf er die Ermittlungen leiten und fühlt sich fortan wie auf einer Reise in die Vergangenheit. Er befragt seine früheren Kameraden, sucht nach Spuren in der Schule, die er selbst einmal besucht hat – und in der heute seine Tochter unterrichtet wird.
Servaz steht unter enormem Druck: einerseits die Verwicklungen mit seiner Vergangenheit, die Verlockungen Mariannes, die Angst vor Julian Hirtmann, der möglicherweise seiner Tochter etwas antun könnte. Eine schwere Zeit steht ihm bevor und er stößt psychisch an seine Grenzen…

Meine Meinung:
Der Schreibstil von Bernard Minier gefiel mir in „Schwarzer Schmetterling“ schon sehr gut und erinnert mich ein bisschen an seinen Landsmann Jean-Christophe Grangé, den ich auch grandios finde. Seine Charaktere wirken lebendig und ihre Emotionen sind fast greifbar. Auch die Schauplätze werden so gut beschrieben, dass man sich alles bestens visualisieren kann.
Minier kann mit seinen Worten zuweilen sehr düstere Stimmungen erzeugen, er schreibt nicht oberflächlich, sondern man fühlt mit den Personen und kann ihre Ängste spüren. An blutigen Szenen fehlt es auch nicht, für alle, die es etwas härter mögen. Die Spannung findet nicht nur auf psychischer Ebene statt, sondern es geht zuweilen auch actionreich zur Sache.
Die Story ist gut durchdacht und wird am Ende schlüssig aufgelöst, natürlich nicht, ohne den Leser bzw. Hörer vorher etwas in die Irre zu führen.
In diesem Buch findet einfach alles seinen Platz: Liebe, Hass, Verrat, Schuld, Angst, Tod, Rache, Schmerz, Freundschaft, Tragödie und am Ende auch Gerechtigkeit. Bernard Minier hat ein vielschichtiges Buch geschrieben, das mich bestens unterhalten hat. Ich freue mich schon, wenn der nächste Teil der Reihe in Deutschland erscheint, in der Originalsprache (Titel: N’éteins pas la lumière) gibt es das Buch bereits.

Fazit:
Vielschichtig, klug, erschreckend und spannend: „Kindertotenlied“ kann ich nur empfehlen! Das Hörbuch ist an keiner Stelle langweilig und Johannes Steck zuzuhören ist sowieso immer eine Freude!
Wertung: 5 von 5 Sternen

Bei Daggis Buch-Challenge 2014 hake ich hiermit Punkt 13 ab.

Argwohn von Jenk Saborowski – Meine Meinung…

Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (20. Januar 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492304206
ISBN-13: 978-3492304207

HIER findet ihr auf der Seite des PIPER Verlags weitere Infos und eine Leseprobe.

Über den Autor:
Jenk Saborowski, geboren 1977 im Taunus, studierte Publizistik und Germanistik und zog nach New York. Er organisierte die erste interaktive Hundeschau der Welt, betextete Reklametafeln und arbeitete bei mehreren Medienunternehmen, bevor er sich der Schriftstellerei zuwandte. Heute lebt der Autor mit seiner Frau und seiner Tochter in München und Frankfurt. Fragen, Wünsche und Anregungen gerne an den Autor unter js@jenksaborowski.de.

Mehr Informationen unter www.jenksaborowski.de

Über die Buchreihe:
„Argwohn“ ist bereits der dritte Teil der spannenden Thrillerreihe über die Agentin Solveigh Lang.
Wie bei allen Serien empfehle ich hier auch unbedingt, die Bücher der Reihenfolge nach zu lesen, da die Nebenhandlungen fortlaufend sind und man so auch die Entwicklung der Charaktere prima verfolgen kann.
Hier sind die bereits erschienenen Teile:

Kostenloser Bonus zu „Biest“:

Der Klappentext:
Die Karriere von Hauptkommissar Paul Regen scheint am Ende, als ein formalingetränkter Arm auf seinem Schreibtisch landet. Vor einigen Jahren wurden in Frankreich zwei Beinpaare auf einer Mülldeponie entdeckt. Ein Zufall?
Zur gleichen Zeit verüben Menschenhändler einen Anschlag auf die Europapolizei ECSB. Die Ermittlungen führen Agentin Solveigh Lang tief in den Sumpf des organisierten Verbrechens. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen? Sicher ist nur: Nichts ist, wie es scheint …

Die Geschichte:
Das Buch beginnt mit drei Haupthandlungssträngen, die so nach und nach geschickt ineinanderlaufen.
Der Münchner Hauptkommissar Paul Regen, der sich im (durchaus amüsanten) Dauerzwist mit seinem Vorgesetzten befindet, wird von diesem zu langweiliger Arbeit verdonnert. Er soll bei der Entwicklung eines neuen Programms mithelfen. Doch dann taucht plötzlich in der Isar ein abgetrennter Arm auf, der offensichtlich konserviert wurde. Regens Spürsinn erwacht sofort und er beginnt zu ermitteln. Leider ist sein Chef alles andere als begeistert, weshalb er mit ihm eine möglicherweise folgenschwere Wette abschließen muss, um den Fall weiter verfolgen zu dürfen.
Während Paul Regen mit „seinem Arm“ beschäftigt ist, wird auf die Zentrale der ECSB in Amsterdam ein feiger Bombenanschlag verübt. Sehr viele Menschen sterben oder werden schwer verletzt. Solveigh, die zum Zeitpunkt der Explosion noch nicht im Gebäude war, soll sich an einem Sammelpunkt einfinden. Doch sie will sich erst einmal vor Ort ein Bild der Lage machen. Was sie dort sieht, lässt keinen Zweifel zu: es gibt einen Verräter in der ECSB, denn die Bombe hätte sonst nicht so gezielt platziert werden können. Die Überlebenden des Teams haben jetzt auch noch mit gegenseitigem Misstrauen zu kämpfen und müssen gleichzeitig wieder eine funktionierende Zentrale aufbauen. Eine schwere Aufgabe, doch Solveigh gibt nicht so schnell auf und hat bald einen Verdacht.
Zur gleichen Zeit träumen zwei junge Mädchen in Moldawien von der großen, weiten Welt, von Ruhm und Reichtum. Ein Verwandter, der in Bukarest lebt, verspricht ihnen lukrative Modeljobs und so vertrauen sie ihm und verlassen den Schutz ihres kleinen Dorfes. Ein scheinbar verhextes Kleid begleitet sie auf ihrer Reise ins Ungewisse…

Meine Meinung:
Jenk Saborowskis Schreibstil ist einfach toll: immer mit einem kleinen Augenzwinkern und dem richtigen Quäntchen schwarzen Humors. Seine Protagonisten tragen ungewöhnliche Namen und benehmen sich auch entsprechend. Ohne es zu übertreiben, schafft er Charaktere, die angenehm von der Norm abweichen und die man einfach sympathisch finden muss mit ihren Ecken und Kanten.
Doch auch die Bösewichte, an denen es in diesem Buch nicht mangelt, sind gut ausgearbeitet, wirken lebendig und bedrohlich.
Wie eingangs schon erwähnt, empfehle ich auf jeden Fall, vorher die beiden Bücher „Operation Blackmail“ und „Biest“ zu lesen, denn so kennt man die meisten Personen schon und freut sich auf ein Wiedersehen mit „alten Bekannten“. Der Autor beschreibt zwar alle Protagonisten noch einmal sehr gut, aber manches baut doch sehr auf vergangenen Handlungen auf und wird nicht mehr sehr ausführlich thematisiert.
Angenehm kurze Kapitel, die jeweils mit Orts- und Zeitangaben versehen sind, machen das Lesen zu einem echten Vergnügen. Die Orts- und Szenenwechsel lassen niemals Langeweile zu und das Buch entwickelt sich zu einem echten Pageturner mit einem durchgehend recht konstanten Spannungsbogen.
Wie von Agententhrillern zu erwarten, bedienen sich die Ermittler neuester hochmoderner (und zuweilen verbotener) Techniken, welche in diesem Fall geschickt verwoben werden mit den ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden des Traditionspolizisten Regen. Nicht nur hier findet der Autor auch immer wieder Gelegenheit, ein bisschen Gesellschaftskritik in seine Story einzubauen, was mir sehr gut gefallen hat.
Das Buch hat mich bestens unterhalten, die geschickte Zusammenführung der anfänglich getrennten Handlungsstränge ist glaubhaft und perfekt gelungen. Am Ende erwartet den Leser ein echtes Herzschlagfinale, das mich ebenfalls komplett überzeugen konnte.

Fazit:
Beste Unterhaltung mit ungewöhnlichen Charakteren, einer gut durchdachten Story und viel Einsatz moderner „Agentenspielzeuge“! Spannend, emotional und frech – für mich auf jeden Fall ein 5-Sterne-Buch, das ich gerne weiterempfehle!

Und für alle, die jetzt neugierig geworden sind: ich verlose ein nagelneues Exemplar von „Argwohn“. Klickt einfach mal HIER.

Bei Daggis Buch-Challenge 2014 hake ich hiermit Punkt 39 ab.