BITTERSWEET von Miranda Beverly-Whittemore – Meine Rezension …

Taschenbuch: 418 Seiten
Verlag: Insel Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (7. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3458360700
ISBN-13: 978-3458360704
Originaltitel: Bittersweet
Übersetzerin: Anke Caroline Burger
Autorin: Miranda Beverly-Whittemore

Die Geschichte:
Wenn sie sich nicht auf dem College ein Zimmer teilen müssten, dann wären sich Mabel und Genevra (Ev) wohl niemals begegnet. Mabel stammt aus eher ärmlichen Verhältnissen, ihre Eltern betreiben eine chemische Reinigung. Ev dagegen ist eine „Winslow“ und ihre Familie kann man getrost als reich bezeichnen.
Man kann die beiden Mädchen nicht wirklich als Freundinnen bezeichnen, aber sie verstehen sich ganz gut. Umso überraschender kommt es für Mabel, dass Ev sie einlädt, in den Sommerferien mit ihr auf dem Landsitz ihrer Familie zu wohnen.
Ev bekommt dort zur Volljährigkeit ihr eigenes kleines Häuschen, das den Namen „Bittersweet“ trägt. In Vermont verbringen die Mädchen unbeschwerte Stunden am Strand, feiern mit der Familie und natürlich gibt es auch mehr oder weniger positive Begegnungen mit diversen Jungs. Doch Mabel lernt auch die dunkle Seite kennen: Streitigkeiten innerhalb der Familie, die ihren Ursprung anscheinend weit in der Vergangenheit haben. Die etwas exzentrische Tante Indo bittet Mabel, sich alten Dokumenten zu widmen und das Geheimnis der Winslows zu lüften.
Was wird sie wohl finden und ist sie bereit, ihr Wissen preiszugeben?

Meine Meinung:
Zunächst beginnt alles noch recht ruhig mit einem Einblick in den Schulalltag von Mabel und Ev, doch spätestens mit der Ankunft in Winloch, dem Landsitz der Winslows, wird es spannend.
Eine gewisse fesselnde Grundstimmung besteht sowieso von Anfang bis Ende, denn immer wieder werden gewisse Dinge angedeutet, die neugierig machen.

Sehr schön fand ich die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen, die durchaus für Urlaubsstimmung beim Lesen sorgen können. Die Autorin schafft eine lebendige Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Man spürt die Sonne auf der Haut, die Kieselsteine unter den Füßen, das schaukelnde Wasser beim Bootfahren, man hört die bellenden Hunde, die zwitschernden Vögel und den heulenden Wind während eines Sturms.

Die Charaktere wirken ebenso authentisch wie die Schauplätze: mit sehr viel Liebe zum Detail beschreibt die Autorin die Familienmitglieder und deren jeweilige Wohnsituation, die gewisse Eigenschaften der Figuren noch unterstreicht.
Mabel ist kein uneingeschränkt sympathischer Charakter, denn man spürt immer, dass sie irgendetwas verbirgt. Doch am Ende mochte ich sie schon, denn dann wird so einiges klar.
Ev ist noch schwieriger, denn bei ihr merkt man häufig, dass sie einfach ein verwöhntes, reiches Mädchen ist. Ihr Umgang mit anderen Menschen ist nicht immer sehr freundlich und deshalb war sie auch nicht mein Favorit.
Am liebsten mochte ich John und seine Hündin Abby, außerdem noch Evs jüngere Schwester Luvinia und deren stillen Freund. Es gibt also durchaus echte Sympathieträger in der Story und das ist auch nötig, um richtig mitfühlen zu können.

Mir hat die Geschichte wirklich sehr gut gefallen, denn besonders in der zweiten Buchhälfte sorgen überraschende Wendungen immer wieder für echte Spannung. Bestens durchdacht wird uns hier ein altes Geheimnis präsentiert und am Ende bleibt nur noch die Frage, was die Beteiligten daraus machen.
Die letzten Seiten fand ich super gelungen, man erhält sogar noch einen Einblick in die Zukunft der Figuren. Ein sehr stimmiger Abschluss für eine fesselnde Familiengeschichte.

Fazit:
Eine spannende Geschichte mit vielen Wendungen und Überraschungen, deren Ende mich vollends überzeugt hat.

Bewertung:
5pfoten

Bei Daggis Buch-Challenge hake ich hiermit Punkt 38 ab.

HOLLYWOOD STATION von Joseph Wambaugh – Meine Rezension …

Audio CD
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Audio); Auflage: 1. Auflage (13. Mai 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3785734476
ISBN-13: 978-3785734476
Autor: Joseph Wambaugh
Sprecher: Simon Jäger

Die gesamte „Hollywood“-Reihe:

Die Geschichte:
Wir begleiten eine ganze Polizeitruppe in Los Angeles bei ihrer Arbeit, genauer gesagt die Mitarbeiter der Hollywood Station. In der Gegend der Reichen und Schönen geht es alles andere als harmlos zur Sache: Raubüberfälle, Prostitution, Diebstähle, Mord und Betrügereien sind an der Tagesordnung.
Ein Obdachloser beobachtet ein paar Junkies dabei, wie sie Post stehlen. An anderer Stelle wird ein Juwelier überfallen und wertvolle Diamanten geraubt. Dann bekommen es die Hollywood-Cops auch noch mit einem Überfall auf einen Geldtransporter zu tun. Die Spuren führen unter anderem zur Russenmafia, doch bis zur Aufklärung der Verbrechen ist es noch ein langer Weg …

Meine Meinung:
Bisher hatte ich noch nichts von Joseph Wambaugh gehört oder gelesen und so habe ich mich erst einmal etwas informiert über diesen Autor. Er war früher selbst Polizist und er schreibt beeindruckend reale Krimis, in denen sich fast alles um den Arbeitsalltag der Cops dreht.

So geht es auch in „Hollywood Station“ hauptsächlich um die Ermittlungsarbeit, bei der wir die verschiedenen Charaktere begleiten dürfen.
Die Figuren wirken sehr authentisch und interessant. Ihre Eigenheiten und die zwischenmenschlichen Aspekte machen das Ganze noch realistischer. Einige Charaktere mochte ich lieber als andere, besonders zwei Frauen außerhalb der Polizei fand ich sympathisch. Umso mehr hat es mich gefreut, dass die Story für die beiden ein sehr schönes Ende nahm.

Fast so ausführlich wie die Polizisten lernen wir auch die übrigen Mitwirkenden kennen: Zivilisten, Obdachlose und Gauner jeglicher Größenordnung. Die Flucht vor bissigen Hunden, die tägliche Jagd nach Drogen, Erpressung und gegenseitiges Misstrauen – das sind nur einige der Probleme, die sie bewältigen müssen.
Alles wird sehr lebensnah und immer mit einem gewissen Maß an Spannung erzählt. Stellenweise wird es auch etwas actionreicher, aber meistens geht es eher ruhig zu.

Das Hörbuch hat mich gut unterhalten. Simon Jäger hat den verschiedenen Charakteren individuelle Stimmen geliehen. Das Ende war gleichzeitig traurig und tröstlich, wirklich sehr gut geschrieben!

Fazit:
Ein unterhaltsamer, spannender Krimi, der den Polizeialltag sehr lebensnah und ausführlich schildert.

Bewertung:4,5pfoten

Bei Daggis Buch-Challenge hake ich hiermit Punkt 3 ab.

DIE DRITTE STIMME von Cilla & Rolf Börjlind – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
Verlag: btb Verlag (10. November 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442753945
ISBN-13: 978-3442753949
Originaltitel: Den tredje rösten
Übersetzerin: Christel Hildebrandt
Über die Autoren: Cilla und Rolf Börjlind gelten als Schwedens wichtigste und bekannteste Drehbuchschreiber für Kino und Fernsehen. Sie sind unter anderem verantwortlich für zahlreiche Martin-Beck-Folgen sowie für die viel gepriesene Arne-Dahl-Serie. Ihr Markenzeichen sind starke Charaktere und eine stringente Handlung. „Die Springflut“ ist der Start einer Serie um die angehende Polizistin Olivia Rönning.

Die gesamte bisherige Rönning & Stilton – Reihe:

Die Geschichte:
Eine blinde Frau wird in Frankreich brutal ermordet und ihre zerstückelte Leiche in einem Waldstück vergraben. Niemand sollte sie je finden, doch der Wunsch des Täters geht nicht in Erfüllung …
In Schweden liest Abbas in einer französischen Tageszeitung etwas über den Mord und erkennt die Frau wieder. Er reist mit Ex-Kommissar Tom Stilton nach Marseille, um selbst Nachforschungen anzustellen.
Währenddessen ist auch Olivia, die inzwischen ausgebildete Polizistin ist, wieder einmal auf Spurensuche. Ein Nachbar ihrer Mutter hat sich erhängt und ausgerechnet seine Tochter Sandra hat die Leiche gefunden. Das nun elternlose Mädchen ist schwer geschockt und Olivia erkennt viele Parallelen zu ihrem eigenen Schicksal.
Als Olivia noch einmal das Haus betritt, in dem der Selbstmord geschah, kommt ihr einiges komisch vor. Unter anderem fehlt ein Laptop, den sie eigentlich für Sandra hätte holen sollen.
Bald geht die Polizei von einem Tötungsdelikt aus und möglicherweise hat die Arbeit des Opfers etwas damit zu tun: er hat in der Zollbehörde intern wegen eines Drogendiebstahls ermittelt.

Meine Meinung:
Vom ersten Teil der Reihe war ich ja extrem begeistert und so ging ich natürlich mit hohen Erwartungen an den Folgeband. Komischerweise konnte mich dieser leider nicht so überzeugen und ich frage mich, warum das so ist.
Der Schreibstil erschien mir irgendwie anders, nicht mehr so gut wie vorher. Viele Rezensenten drücken ja häufig ihren Unmut über ungelungene Übersetzungen aus, die den Lesespass an manchen Büchern schmälern würden. Darüber hatte ich mir vorher noch niemals so wirklich Gedanken gemacht, aber in diesem Fall hier wäre es eine mögliche Erklärung, denn Band 1 hatte einen anderen Übersetzer.
Jedenfalls sind mir häufige Wortwiederholungen aufgefallen, die so manche Abschnitte fast etwas plump wirken lassen. Mit ein paar Synonymen hätte man da sprachlich vieles retten können. Ein Beispiel aus einem Dialog:
„Nein. Aber er hätte mich nicht in dieser Form angerufen, wenn es sich nicht um etwas Ernstes gehandelt hätte. Außerdem schien er unter Druck zu stehen. Ich habe ihn gefragt, ob er unter Druck stehe, und das hat er mir bestätigt.“ Seite 160

Auch die Charaktere wirkten im Allgemeinen auf mich nicht mehr ganz so liebenswürdig wie noch im Vorgängerbuch. Die Stammbesetzung hat sich natürlich schon einen festen Platz im Leserherz erobert und es kam noch eine weitere Person hinzu, die ich gern mag: Luna, die neue Vermieterin von Tom. Aber ansonsten konnte mich das Geschehen emotional nicht so mitreißen wie gewohnt.

Die Story wird wieder in vielen Handlungssträngen mit häufigen Szenenwechseln erzählt. Das sorgt dafür, dass keine Längen aufkommen und die Spannung immer präsent ist. Man kann auch allem sehr gut folgen und bald erste Zusammenhänge erkennen. Einiges kam sehr überraschend, besonders am Ende passierte etwas, womit ich so nicht gerechnet hätte. Die Fälle werden schlüssig aufgeklärt, man erfährt aber über die Folgen oder weiteren Schritte nicht mehr viel. Genauso offen bleibt auch der Ausgang des persönlichen Rachefeldzugs von Tom.

In die Handlung wurden auch wieder einige sozial- und gesellschaftskritische Themen eingeflochten. Das fand ich ganz gut. Wir erfahren aber auch vieles aus Toms und Abbas‘ Vergangenheit – und auch von Olivia gibt es Neues. Sie hat sich eine Auszeit genommen und war in dieser Zeit im Ausland auf den Spuren ihrer Eltern unterwegs.

Für Fans der Serie gehört das Buch natürlich zum Pflichtprogramm. Für Neuleser stelle ich mir das Ganze sehr schwer vor, denn die Erlebnisse in Band 1 sind doch extrem wichtig für das Verständnis vieler Dinge. Daher rate ich allen Interessierten: unbedingt der Reihe nach lesen! Trotz kleinerer Enttäuschungen freue ich mich schon auf die Fortsetzung und das Wiedersehen mit vielen liebgewonnenen Figuren.

Fazit:
Leider nicht ganz so überzeugend wie Band 1 der Reihe, aber durchaus spannend, unterhaltsam und lesenswert!

Bewertung:
4pfoten

Bei Daggis Buch-Challenge hake ich hiermit Punkt 35 ab.

DIE SPRINGFLUT von Cilla & Rolf Börjlind – Meine Rezension …

Taschenbuch: 592 Seiten
Verlag: btb Verlag (12. Januar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442748208
ISBN-13: 978-3442748204
Originaltitel: Springfloden
Übersetzer: Paul Berf
Über die Autoren: Cilla und Rolf Börjlind gelten als Schwedens wichtigste und bekannteste Drehbuchschreiber für Kino und Fernsehen. Sie sind unter anderem verantwortlich für zahlreiche Martin-Beck-Folgen sowie für die viel gepriesene Arne-Dahl-Serie. Ihr Markenzeichen sind starke Charaktere und eine stringente Handlung. „Die Springflut“ ist der Start einer Serie um die angehende Polizistin Olivia Rönning.

Die gesamte bisherige Rönning & Stilton – Reihe:

Die Geschichte:
Vor knapp 24 Jahren im Jahr 1987 ereignete sich an einem einsamen Strand auf der kleinen Insel Nordkoster ein unsagbar grausames Verbrechen: eine hochschwangere Frau wurde stehend bis zum Hals im Sand vergraben – und dann kam die Springflut. Der Mord konnte niemals aufgeklärt werden, nicht einmal die Identität der Toten wurde enträtselt.
Damals war auch der inzwischen verstorbene Kommissar Arne Rönning an den Ermittlungen beteiligt.
Dessen Tochter Olivia besucht das dritte Semester der Polizeischule und im Rahmen einer freiwilligen Hausarbeit soll sie sich mit einem alten ungelösten Fall beschäftigen, einem sogenannten „Cold Case“. Sie entscheidet sich für den furchtbaren Mord an der unbekannten Frau auf Nordkoster. Um nähere Informationen zu den damaligen Nachforschungen zu erhalten, versucht sie den Ex-Polizisten Tom Stilton zu finden. Er leitete damals die Ermittlungen, ist aber nach seiner Kündigung wie vom Erdboden verschwunden. Immer tiefer gräbt Olivia bald in der Vergangenheit und legt sich dabei auch mit einflussreichen Leuten an, die ihr nur allzu deutliche Warnungen zukommen lassen.
In Stockholm machen derweil einige gewalttätige Jugendliche Jagd auf Obdachlose und schlagen diese brutal zusammen. Ihre Taten filmen sie mit dem Handy und stellen sie anschließend ins Internet. Die Polizei steht vor einem Rätsel und erst Hilfe von ungewöhnlicher Seite bringt sie schließlich weiter …

Meine Meinung:
Es ist fast etwas deprimierend, wenn ich mir vorstelle, wie viele wahre Schätze wohl noch ungelesen in meinem Bücherregal vor sich hinschlummern, während ich einfach niemals genug Zeit finden werde, sie alle zeitnah zu lesen.
Zu diesen Schätzen gehört auch „Die Springflut“ … hätte ich gewusst, dass dieser Krimi so extrem gut ist, dann hätte ich schon längst zugegriffen. 🙂

Bei diesem Buch stimmt einfach alles und zwar zu 100 %. Es kommt nicht oft vor, dass ich überhaupt nichts auszusetzen habe, aber hier gibt es nichts zu kritisieren. Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich die Handlung total in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen.

Leider kann ich nicht wirklich in Worte fassen, wie es die Autoren geschafft haben, dass alle „guten“ Charaktere so lebendig und liebenswürdig erscheinen. Egal ob beispielsweise die Schülerin Olivia, einige Obdachlose oder ein etwas seltsamer Spitzel: sie alle haben ihre Ecken und Kanten, aber trotzdem mochte ich sie irgendwie sofort. Vielleicht liegt es daran, dass man beim Lesen so richtig mittendrin ist in der Geschichte und man gar nicht anders kann, als mitzufühlen. Manche Protagonisten trifft es leider auch recht hart, was mich stellenweise echt traurig gestimmt hat.
In einem Krimi dürfen aber natürlich auch die Gegenspieler nicht fehlen. Auch die wirken authentisch und bei manchen stellt sich erst später heraus, welcher Kategorie sie wirklich angehören.

Der Schreibstil ist absolut grandios und mitreißend. Man merkt, dass die Autoren auch sehr erfolgreiche Drehbuchschreiber sind, denn man fühlt sich wie in einem Actionstreifen. Viele Handlungsstränge sorgen dafür, dass man ständig von einer Szene zur nächsten springt und die daraus resultierenden Cliffhanger machen alles noch fesselnder. Es gelingt trotz der Fülle an Figuren und Schauplätzen aber immer problemlos, den Überblick zu behalten. Und so kann man eindrucksvoll miterleben, wie ein Puzzleteil nach dem nächsten an seinen Platz fällt, die Handlungen greifen ineinander, alles wird zu einem großen Ganzen. Ein genial durchdachter Plot, der sehr komplex ist, aber kein Detail daran ist überflüssig. Es gibt in dieser Story keinerlei Längen, keine überflüssige Zeile – und auch keine Verschnaufpausen. Schlag auf Schlag passieren Dinge, die man manchmal vorhersehen kann, die aber meistens völlig überraschend und unerwartet kommen.

Ein großer Teil der Geschichte ist den persönlichen Lebensumständen und der Vergangenheit der Hauptfiguren gewidmet. Wenn man diese Serie lesen möchte, dann ist man sicher gut beraten, wenn man sich wirklich an die Reihenfolge hält. Man erfährt in diesem ersten Band so vieles über Olivia, Tom und deren Familien und Freunde, dass ich mir nicht vorstellen kann, die Wissenslücken mit wenigen Wiederholungen in den Folgebüchern füllen zu können.

Dieser Krimi ist aber nicht nur wegen seiner vielen wundervollen Charaktere so lesenswert, sondern auch wegen der vielen Themen, die hier aufgegriffen werden. Unter anderem werden sehr viele soziale Probleme angesprochen – und das reicht sogar bis nach Afrika.
Trotz der Fülle der Handlungen wirkt die Geschichte niemals überladen oder unstimmig, sondern einfach nur extrem spannend und sehr atmosphärisch.
Das Ende lässt noch einige Dinge offen im privaten Bereich der Hauptpersonen, so dass ich es kaum noch erwarten kann, die Fortsetzung zu lesen. Die Kriminalfälle indes werden natürlich aufgeklärt und auch hierbei stimmte alles.

Fazit:
Dieser atmosphärisch dichte und hochspannende Krimi hat mich so fasziniert, dass ich kaum angemessene Worte des Lobes dafür finden kann. Einfach nur genial, fesselnd, berührend und mitreißend …

Bewertung:
5pfotenplus

Bei Daggis Buch-Challenge hake ich hiermit Punkt 55 ab.

FINSTERAU von Andrea Maria Schenkel – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH; Auflage: 1. Auflage, (29. Februar 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3455403816
ISBN-13: 978-3455403817
Autorin: Andrea Maria Schenkel

Die Geschichte:
Finsterau ist ein kleines Dorf im Bayerischen Wald und dort wird 1947 der ärmliche Hof der Zauners zu einem schrecklichen Tatort. Die 24-jährige Afra und ihr kleiner Sohn wurden mit Messerstichen und Beilhieben getötet, als Hauptverdächtiger wird Johann Zauner verhaftet. Seine Aussagen sind wirr und widersprüchlich, aber vieles spricht gegen ihn und er wird verurteilt.
Erst viele Jahre später bricht ein anderer Mann sein Schweigen und plötzlich erscheint alles in einem anderen Licht …

Meine Meinung:
Dieser (Kurz-)Krimi lässt sich problemlos am Stück lesen und er weiß auch durchaus zu fesseln, aber mir fehlte trotzdem etwas.
Grundlage ist ja ein reales Verbrechen, dessen Eckdaten wir aber auch in einem Nachwort nicht erfahren. Es bleibt also nur die Erzählung und diese wird in kurzen Kapiteln aus Sicht verschiedener Beteiligter geschildert. Dabei lässt die Autorin viele örtlich und zeitlich typische Begriffe einfließen und ihre Dialoge wirken durch den Dialekt auch sehr glaubhaft. Sie stellt die Lebensbedingungen der Familie recht anschaulich dar.

Mir fehlten trotzdem die Emotionen, die Distanz zu den Charakteren konnte ich einfach nicht überwinden. Der berichtsähnliche Stil und die Beschränkung auf das Nötigste lassen das irgendwie nicht zu.
Die Story zeigt aber schön, wie kleine Details zu großen Missverständnissen führen können und zu welchen Ergebnissen ein Schweigen an der falschen Stelle führen kann.

Das Ende wird dann relativ schnell abgehandelt und vieles bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Hier hätte ich mir schon gewünscht, dass man noch etwas mehr erfährt.

Fazit:
Eine eher im Berichtsstil erzählte Kriminalgeschichte, die sich zwar gut lesen lässt, aber aufgrund der fehlenden Emotionen nicht lange im Gedächtnis haften bleibt.

Bewertung:
3pfoten

Bei Daggis Buch-Challenge hake ich hiermit Punkt 36 ab.

TOTENGEBET von Elisabeth Herrmann – Meine Rezension …

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (15. Februar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442482496
ISBN-13: 978-3442482498
Autorin: Elisabeth Herrmann

Die gesamte bisherige „Joachim Vernau“-Reihe:

Die Geschichte:
Der Berliner Anwalt Joachim Vernau kommt nach einer Schlägerei im Krankenhaus zu sich und leidet unter einer vorübergehenden Amnesie. Nur bruchstückhaft kommen die Erinnerungen an die Ereignisse wieder zurück, doch diese sorgen eher noch für mehr Verwirrung.
Eine junge Frau hat ihn aufgesucht, die ihm nur allzu vertraut vorkam. Doch nicht deshalb, weil er sie wirklich kannte, sondern weil er mit deren Mutter Rebecca zusammen im Jahr 1987 für wenige Monate in einem Kibbuz in Israel gelebt und gearbeitet hat. Sie stellte sich als Rachel vor und erzählte ihm vom tragischen Tod ihrer Mutter, den sie nun aufzuklären gedachte.
Doch was hat Rachel mit der Schlägerei zu tun, bei der Vernau angeblich seinen jüdischen Bekannten Rudolph Scholl angegriffen haben soll? Und warum ist die junge Frau plötzlich spurlos verschwunden?
Kurz darauf kommt es noch schlimmer: Scholl stürzt von seinem eigenen Balkon in den Tod und Vernau war dessen letzter Besucher. Marie-Luise übernimmt seine anwaltliche Vertretung, doch ausgerechnet Joachim hat wenig Vertrauen in die Justiz und beschließt, der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Er reist nach Tel Aviv und begibt sich auf Spurensuche in seiner eigenen Vergangenheit – und vor allem muss er Rachel finden.
Dabei öffnet er alte Wunden bei einigen Menschen, die diese Einmischung nicht so einfach hinnehmen wollen. Joachim stolpert von einer gefährlichen Situation in die nächste – und Rachels Rolle in der Geschichte ist auch alles andere als klar.

Meine Meinung:
Zunächst möchte ich mich gleich einmal in aller Form bei Elisabeth Herrmann entschuldigen. Bestimmt nicht, weil ich das Buch gleich schlecht bewerten werte, sondern eher im Gegenteil. Sie hat viel Herzblut in diese Geschichte gesteckt, ausgiebig recherchiert und bestimmt viele Monate daran geschrieben – … und ich? Lese dieses wundervolle Buch einfach mal so an einem Tag und warte jetzt schon wieder sehnsüchtig auf Nachschub. Aber ein bisschen hat sie natürlich auch selbst Schuld: wäre es nicht so fesselnd gewesen, müsste ich jetzt sicher nicht die ganze Hausarbeit morgen machen! 🙂

Im inzwischen fünften Teil der Reihe muss Joachim wirklich kräftig einstecken. Das tat mir wirklich leid, denn er ist doch so ein sympathischer, liebenswürdiger Charakter. Durch seine Hilfsbereitschaft manövriert er sich aber immer wieder in Situationen, die alles andere als gut für ihn sind.
Glücklicherweise ist er nicht alleine: seine Ex-Kanzleipartnerin Marie-Luise steht ihm mit Rat und Tat zur Seite, wenn auch dieses Mal meistens räumlich sehr weit voneinander getrennt.
Und natürlich dürfen sich die Stammleser auch über ein Wiedersehen mit Vernaus Mutter Ingeborg und ihrer Freundin Hüthchen freuen, die zwischendurch wieder für einige Schmunzelszenen sorgen.

Einige aufmunternde Momente sind auch nötig in der atemlosen, spannenden Story, in der Joachim oft nicht mehr weiß, wer Freund oder Feind ist. Je mehr er in der Vergangenheit stochert, desto undurchsichtiger wird die Sache. Und es veranlasst den immer noch ledigen Anwalt auch dazu, sich Gedanken über sein Leben zu machen. Wie würde seine Gegenwart aussehen, wenn damals in Israel einiges anders gelaufen wäre?

Wer die Bücher von Elisabeth Herrmann bereits kennt, der weiß, dass sie immer gerne Themen aufgreift, die ihr persönlich am Herzen liegen. Sie verbindet beispielsweise Geschichtliches aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges mit ihren fiktiven Stories. So auch hier in Totengebet und das fand ich wieder ungemein interessant.
Joachim Vernau besucht eine Seniorin im Altenheim und bei dieser Gelegenheit wird etwas angesprochen, was bei genauerem Überlegen nur allzu logisch ist. Viele Holocaust-Überlebende, die damals aus Deutschland flüchten konnten und ihr weiteres Leben im Ausland verbrachten, werden im Alter wieder von den Schrecken ihrer Vergangenheit heimgesucht und verfallen sogar wieder zurück in ihre alte Muttersprache. Man kann das ja oft bei sehr alten Menschen beobachten: das Kurzzeitgedächtnis wird unzuverlässig, aber an lange zurückliegende Ereignisse können sie sich plötzlich wieder lebhaft erinnern. Eine grausame Vorstellung …

Über fehlende Action in dieser Geschichte kann man sich ebenso wenig beklagen wie über einen Mangel an Verdächtigen, die kräftig für Verwirrung, falsche Spuren und einige Überraschungen sorgen. Fast möchte ich diesen „Kriminalroman“ eher als handfesten „Thriller“ bezeichnen, denn er hat alles, was man sich davon erwarten würde: Hochspannung von Anfang bis zum Ende und einen Protagonisten, der mehr als einmal in Todesgefahr gerät. Für Joachim wünsche ich mir, dass er im nächsten Teil wieder etwas schonender behandelt wird. 🙂

Durch Vernaus Reise nach Israel lernen wir auch noch einiges über dieses interessante Land und dürfen mit ihm am Strand spazieren gehen, aufregende Städte erkunden und im Kibbuz nach den Spuren der Vergangenheit suchen. Ständig hatte ich eine lebendige Vorstellung der Schauplätze im Kopf und konnte die heiße Sonne beinahe auf der Haut spüren. Elisabeth Herrmanns wundervoller, atmosphärischer Schreibstil macht es leicht, mit Haut und Haar in die Geschichte einzutauchen und alles andere vorübergehend auszublenden.

Fazit:
Eine spannende Geschichte mit vielen Irrwegen und Verstrickungen, die so zu fesseln vermag, dass ich sie in einem Rutsch lesen musste. Jetzt bleibt mir nur das Warten auf das nächste Buch mit Joachim Vernau, auf das ich mich schon sehr freue!

Bewertung:
5pfoten

Bei Daggis Buch-Challenge hake ich hiermit Punkt 7 ab.

NEVER SAY ANYTHING von Michael Lüders – Meine Rezension …

Taschenbuch: 367 Seiten
Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (8. Februar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3406688926
ISBN-13: 978-3406688928
Autor: Michael Lüders

DOWNLOAD der Leseprobe (PDF)

Die Geschichte:
Die deutsche Journalistin Sophie Schelling reist nach Marokko, um dort in einem entlegenen Bergdorf ein außergewöhnliches Bauwerk zu dokumentieren. Ein Mann hat dort eine freistehende „Himmelstreppe“ gebaut. Sophie und ihr Begleiter Hassan werden von den Einwohnern freundlich aufgenommen und kurze Zeit später Zeugen eines ungeheuren Anschlags.
Nur mit enormem Glück und der Hilfe von Verbündeten überlebt Sophie den Angriff und kann später ihren Kollegen in Berlin davon berichten. Doch sie stößt auf sehr geteilte Reaktionen: Ablehnung, Misstrauen, Angst und Unverständnis überwiegen leider das positive Feedback. Sie wird in der Redaktion zunehmend ausgegrenzt und gemieden.
Doch Sophie lässt sich davon zunächst nicht beeindrucken: sie veröffentlicht ihre Informationen auf eigene Faust und tritt damit eine wahre Lawine los. Eine Hetzjagd auf sie beginnt, bei der sie nie weiß, aus welcher Richtung der nächste Schlag gegen sie kommt.
Glücklicherweise findet sie auch in dieser schier ausweglosen Situation gegen übermächtige Gegner wertvolle Verbündete: ihre Nachbarin Helga, ihr Bruder Wolfgang und einige andere Menschen stehen ihr bei. Doch deren Ratschläge fallen sehr unterschiedlich aus: einige raten ihr zum Weitermachen, andere sehen darin ihren baldigen Tod. Wie wird sich Sophie entscheiden?

Meine Meinung:
Dieses Buch liest sich beinahe von selbst, so kommt es einem zumindest vor: man merkt kaum, wie schnell man die Seiten umblättert. Die Story ist so fesselnd und spannend, dass man nicht aufhören möchte mit dem Lesen.

Sehr deutlich merkt man, dass der Autor über ein umfangreiches Hintergrundwissen verfügt, denn alles wirkt leider nur allzu realistisch. Er hat bereits einige Sachbücher verfasst und man ist geneigt, ihm auch das Geschehen in diesem fiktiven Thriller in weiten Teilen zu glauben. Welche Interessen stecken wirklich hinter dem weltweiten Kampf gegen den Terror? Und warum sind unschuldige zivile Opfer nichts als unwichtiger Kollateralschaden in den Augen der Kriegstreiber?

„Macht und Lüge verhielten sich zueinander wie Geschwister, aber es kam selten vor, sie in flagranti beim Inzest zu erwischen.“ Seite 265

Die Themen, die hier aufgegriffen werden, sind erschreckend und nur allzu real. Beispielsweise die Überwachung der Bevölkerung, die einerseits natürlich auch guten Zwecken dienen kann (z. B. der Verbrechensbekämpfung), kann genauso gut auch für gegensätzliche Zwecke missbraucht werden. In unserer inzwischen global vernetzten Welt ist es für Profis leicht, elektronische Geräte zu manipulieren und sie gegen uns einzusetzen: Handys, Computer oder sogar die Bordelektronik neuerer Fahrzeuge können gehackt werden.
Dem Terror mit Bomben, Schusswaffen und Selbstmordattentaten steht eine andere Art von Terror gegenüber: der moderne Cyberkrieg mit Satellitenüberwachung, Drohnenangriffen und umfassender Überwachung, um möglichen Tätern auf die Spur zu kommen. Nur eines ist dabei sicher: die Verlierer sind meist unschuldige Menschen, die mit beiden Seiten gar nichts zu tun haben.

So ist auch Sophie zum Opfer geworden und sie schlägt sich wirklich tapfer, wenn man bedenkt, was sie erlebt hat. Auf mich wirkte sie sehr authentisch und sympathisch, sie ist eine Protagonistin, mit der man wirklich mitfühlt. Auch unter ihren Mitstreitern sind einige liebenswürdige Charaktere, die ebenso lebendig beschrieben werden wie Sophie.
Die gleiche Liebe zum Detail zeigt der Autor auch bei der Schilderung der Schauplätze. Alles ist wunderbar vorstellbar: von der Wüste in Marokko über prächtige Häuser im In- und Ausland bis hin zu verschneiten Landschaften in Norwegen.

Die Geschichte ist spannend vom Anfang bis zum Ende, wobei die Spannung nicht nur einigen actionreichen Szenen zu verdanken ist, sondern es ist vielmehr die ständige Unsicherheit, wem man trauen kann und wem nicht. Sophie erlebt Angriffe ganz verschiedener Art, teilweise nur sehr lästige, aber zunehmend auch lebensgefährliche. Sie ist hin- und hergerissen zwischen dem unbedingten Wunsch, die Wahrheit ans Licht zu bringen und der Sehnsucht nach ihrem früheren, sicheren Leben. Dieser Zwiespalt ist sehr gut spürbar und nachvollziehbar für den Leser und man fragt sich unweigerlich, wie man sich selbst entscheiden würde …

Fazit:
Ein sehr packender, spannender Thriller mit leider nur allzu aktuellem Hintergrund, den ich gerne weiterempfehle!

Bewertung:
5pfoten

Bei Daggis Buch-Challenge hake ich hiermit Punkt 13 ab.

DIE KRONE DES SCHÄFERS von Terry Pratchett – Meine Rezension …

MP3 CD
Verlag: der Hörverlag; Auflage: Ungekürzte Lesung (9. November 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3844520627
ISBN-13: 978-3844520620
Übersetzerin: Regina Rawlinson
Autor: Terry Pratchett

Die gesamte „Tiffany Weh“-Reihe:

Die Geschichte:
Die junge Hexe Tiffany Weh hat es alles andere als leicht im Leben. Im Kreideland ist sie schwer beschäftigt mit ihren täglichen Aufgaben, bei denen sie unter anderem in die Rolle von Hebamme, Ärztin, Köchin, Krankenpflegerin, Seelsorgerin oder Tierärztin schlüpft. Ständig bewacht und begleitet wird sie dabei von ihren Freunden, den „Wir sind die Größten!“: kleine, blaue, kilttragende Kobolde.
Als Tiffany aufgrund eines Todesfalles auch noch ein zweites Hexenrevier übernehmen muss, steht sie am Rande des Zusammenbruchs. Doch damit nicht genug: hinter den leider etwas durchlässig gewordenen Grenzen zwischen den Welten braut sich etwas zusammen. Grausam, gnadenlos, blutdürstig und voller Niedertracht wartet dort ein ganzes Volk darauf, die Menschen zu vernichten.
Kann Tiffany die Invasion aufhalten und wird sie als Junghexe von den alten Kolleginnen akzeptiert?

Meine Meinung:
Leider ist dies ja das letzte Buch von Terry Pratchett, der viel zu früh mit nur 66 Jahren im März 2015 verstorben ist.
Wahrscheinlich liest bzw. hört man dieses Buch irgendwie anders, so ging es zumindest mir: es ist ein Abschluss, der eigentlich noch keiner hätte sein sollen. Und dieses Gefühl hat mir die Geschichte an extrem vielen Stellen vermittelt.
Den Grundtenor empfand ich eher als melancholisch, problembeladen und manchmal fast schon deprimierend. Keine Spur von heiterer Leichtigkeit und zum Lachen gab es sehr wenig.

Tiffany ist inzwischen zwar erwachsen geworden, aber die meisten Menschen und die übrigen Hexen betrachten sie immer noch als „Mädchen“, was sie doch oft nervt. Leistet sie doch extrem gute Dienste als vollwertige Hexe – und diese Aufgaben werden sehr ausführlich geschildert. Ob das nun Hilfe bei Altersgebrechen ist, das Schneiden von knallharten Zehennägeln, Geburten und die folgende Sorge um die Kleinen inkl. Nachhilfe in Erziehungsdingen für unfähige Eltern oder das Heilen aller möglicher Wehwehchen bei Mensch und Tier: alles erledigt Tiffany zuverlässig und ohne Klagen, fast bis zur Selbstaufgabe.
Das war mir an einigen Stellen leider schon zu viel des Guten, denn Tiffany ist immerhin eine Hexe und könnte sich mit etwas Magie das Leben deutlich erleichtern. In unserer Welt würde man sagen, dass sie die Schwelle zum „Burnout“ praktisch schon überschritten hat, trotzdem will sie fast zwanghaft alles alleine schaffen und wirkt damit oft ziemlich verbissen. Manchmal war diese Selbstverleugnung echt zu heftig und ich hätte mir für Tiffany viel mehr Liebe, Freizeit und Freude am Leben gewünscht.

Die Geschichte ist auch ein Wiedersehen mit vielen anderen liebgewonnenen Figuren der Scheibenwelt: Oma Wetterwachs, Nanny Ogg, TOD, die Katze „Du“, die Hunde „Donner“ und „Blitz“, Tiffanys Familie, die „Größten“ und viele mehr tauchen darin auf.
Toll fand ich den jungen Gottfried, der aus hohem Haus stammt, aber so ganz anders ist, als ihn sich sein Vater gewünscht hat. Er ist Vegetarier, lehnt die Jagd ab und zieht einen kleinen Ziegenbock groß, der sonst keine Chance gehabt hätte zu überleben. Ein wundervoller Charakter, der in dieser eher traurigen Story oft ein Lichtblick für mich war. Von ihm stammt auch die geniale Erfindung des „Männerschuppens“: ein Rückzugsort für junge und alte Männer, an dem sie ihren Interessen nachgehen und ihren Ehefrauen aus dem Weg gehen können.

Zunächst geht es um das Hexenhandwerk und einen großen Abschied, doch dann dreht sich alles um die bevorstehende Gefahr, die auf die Menschen lauert. Es bilden sich ungewöhnliche Allianzen, neue Waffen werden erfunden und überhaupt befindet sich die Scheibenwelt im Wandel. Die Technisierung nimmt ihren Lauf und neuerdings durchziehen Eisenbahnschienen das Land. Der Abschied von Altem, Gewohntem ist genauso Thema wie die Überlegungen, was nach dem Tod auf uns warten mag.

Fazit:
Trotz aller Sentimentalitäten und Melancholie hat mich auch das letzte Buch von Terry Pratchett gut unterhalten. Man merkt wohl, dass er sicher noch vieles ergänzt und an einigem gefeilt hätte, wenn ihm die Zeit dazu geblieben wäre, aber es ist auch toll, so wie es ist.

Bewertung:
4,5pfoten

Bei Daggis Buch-Challenge hake ich hiermit Punkt 14 ab.

THE WIDOW von Fiona Barton – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Bantam Press (14. Januar 2016)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0593076214
ISBN-13: 978-0593076217
Autorin: Fiona Barton

Die Geschichte:
Vor mehr als drei Jahren verschwand die kleine Bella spurlos aus dem heimischen Garten, während ihre Mutter mit Hausarbeiten beschäftigt war. Die Ermittlungen von Detective Bob Sparkes liefen zunächst ins Leere, es vergingen viele Wochen ohne Ergebnis. Doch dann erhielt die Polizei einen Hinweis, der sie zu Glen Taylor führte. Er hielt sich mit seinem Lieferwagen zum Tatzeitpunkt in der Gegend auf und seine Aussage wirkte wenig glaubhaft. Doch seine Frau Jean bestätigte sein Alibi und Bob und sein Team suchten verzweifelt nach Beweisen für Glens Schuld. Eine Medienhetzjagd auf Glen und seine Familie begann und sollte noch lange anhalten.
Fast vier Jahre später wird Bella immer noch vermisst und Glen ist tot: von einem Bus überfahren. Seine Witwe Jean wird von Reportern belagert, doch nur eine dringt zu ihr durch: Kate Waters kann Jean zu einem Exklusivinterview überreden. Wird die Witwe jetzt ihr Schweigen brechen? Was weiß sie über Bellas Verschwinden?

Meine Meinung:
Dieses Buch wird auf dem Titel als „The ultimate psychological thriller“ angekündigt, zitiert wird dabei Lisa Gardner, deren Thriller ich immer absolut toll finde. Meine Erwartungen waren also schon sehr hoch … und leider konnte das Buch sie letztendlich nicht erfüllen.

Der Aufbau des Thrillers sagt schon sehr viel darüber aus, was hier wohl im Fokus stehen soll. Die relativ kurzen Kapitel sind jeweils mit bestimmten Personen überschrieben: z. B. „The Widow“, „The Reporter“ oder „The Detective“. Die Kapitel über die Witwe Jean werden außerdem aus ihrer Sicht erzählt. Das Datum ist ebenso Teil der Überschrift, da die Erzählung oft zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselt.
Es stehen also die involvierten Personen im Vordergrund der Story, ihre Gefühle und ihre Gedanken.
Der verzweifelte Detective Bob, der den Fall „Bella“ schnell zu einer persönlichen Sache erklärt und nicht eher ruhen kann, bis er die Wahrheit herausgefunden hat. Dabei nimmt er vieles in Kauf, ermittelt sogar heimlich und kann auch im Privatleben niemals abschalten.
Die forsche Reporterin Kate, bei der man nie so genau weiß, ob sie wirklich Mitgefühl empfindet für ihre Interviewpartner, oder ob es ihr nur um eine gute Story geht mit möglichst viel Publicity.
Die trauernde und niemals aufgebende Mutter von Bella, die versucht, die Presse für ihre Zwecke zu nutzen.
Der Verdächtige Glen, der von Anfang an wenig sympathisch wirkt und der seine Frau Jean sehr gut „unter Kontrolle“ hat.
Und natürlich die titelgebende Hauptperson: Jean, die Witwe. Sie ist ein sehr undurchsichtiger Charakter: einerseits die devote Ehefrau, aber andererseits wirkt sie auch wieder recht stark und selbständig.

Wenn die agierenden Personen so im Vordergrund stehen, dann wäre es hilfreich, wenn man wenigstens zu einer Figur eine nähere Beziehung aufbauen könnte. Leider gelang mir das nicht wirklich, es gab niemanden, der mir uneingeschränkt sympathisch gewesen wäre. Am ehesten noch Detective Sparkes – und natürlich die arme kleine Bella.

Neben den Einblicken in das Leben dieser Menschen spielen die Ermittlungsarbeiten eine große Rolle in dieser Geschichte. Sehr ausführlich begleiten wir Detective Sparkes und sein Team dabei, wie sie versuchen, einen Schuldigen für Bellas Verschwinden zu finden. Manchmal war mir das alles zu ausführlich, ich hatte das Gefühl, irgendwie nicht vorwärts zu kommen. Aber das mag durchaus beabsichtigt sein, denn es spiegelt auch den Erfolg der polizeilichen Bemühungen wider.
Auch recht ausführlich wird die Arbeit der Medien geschildert. Hier merkt man, dass die Autorin vom Fach ist.

Insgesamt fehlte mir einfach die Spannung in der Geschichte. Es war zwar niemals langweilig, aber ich hatte irgendwelche Überraschungen und Wendungen erwartet, die nicht vorhersehbar waren. Und das kam leider bis zum Schluss nicht, dafür ging dann plötzlich alles recht schnell auf den letzten Seiten. Mir blieb zu vieles offen und ich hätte mir einen Epilog gewünscht, der noch einmal etwas über das weitere Leben der so ausführlich charakterisierten Personen aussagt.

Fazit:
Fesselnd, aber nicht so richtig spannend. Außerdem wenig Überraschendes und das Ende wurde mir zu schnell abgehandelt. Für Fans von ruhigeren Psychothrillern sicher ein Lesetipp, für Thrillerleser, die Gänsehautmomente und Action erwarten, möglicherweise eher enttäuschend.

Bewertung:
3pfoten

Bei Daggis Buch-Challenge hake ich hiermit Punkt 49 ab (Geschenk des Verlags für eine Leserunde)

ALLEIN KANN JA JEDER von Jutta Profijt – Meine Rezension …

Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft; Auflage: EA, (1. Juni 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423260602
ISBN-13: 978-3423260602
Autorin: Jutta Profijt

Die Geschichte:
Die 71-jährige Rosa freut sich schon auf den bevorstehenden Umzug in ein neues Zuhause, zusammen mit ihrem Nachbarn und Partner Robert, doch dann findet sie diesen ermordet auf. Der nächste Schlag trifft sie, als sie erfährt, dass ihre neue Wohnung noch gar nicht gebaut wurde: sie wurde Opfer eines Betrügers und wird demnächst obdachlos sein.
Auch Rosas Tochter Ellen (46) hat ähnliche Probleme: ihr Ex-Mann setzt sie mit ihrer 13-jährigen Tochter Kim einfach auf die Straße, weil er das gemeinsame Haus dringend verkaufen will.
Am Ende landen sie alle in einer alten Villa, die sie sich mit einigen anderen Bewohnern teilen, die ebenfalls Betrugsopfer geworden sind und nun ohne Bleibe und Geld dastehen. Wie typische gesetzesbrüchige Hausbesetzer wirken sie allerdings nicht, eher im Gegenteil. Die ungewöhnliche Truppe hält trotz einiger Unstimmigkeiten fest zusammen, sie kochen und essen gemeinsam und versuchen, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen.
Dabei hat fast jeder der Mitbewohner ein Geheimnis und nur einige davon kommen ans Licht. Derweil läuft auch noch die Suche nach Roberts Mörder auf Hochtouren und bald taucht leider eine weitere Leiche auf …

Meine Meinung:
Eigentlich hatte ich ein sehr humorvolles Buch erwartet, aber es war dann doch eher eine wunderbare Mischung aus allem Möglichem, die mich super unterhalten hat: Spannung, Emotionen, Humor und viele Geheimnisse, die auch am Ende noch nicht alle gelüftet wurden.

Die Charaktere fand ich zwar nicht alle uneingeschränkt sympathisch, aber Ellen und „Schmittchen“ führen die Rangliste auf jeden Fall an. Ellen ist für mich auch die glaubwürdigste Figur, ihre Handlungen konnte ich am ehesten nachvollziehen. Ihre Mutter Rosa ist oft sehr anstrengend und mir etwas zu egoistisch. Kim ist eben ein typischer Teenager, aber sie hat auch ein großes Herz, was sich schön im Umgang mit dem obdachlosen Mardi zeigt.
Dann gibt es noch einige Männer in der Story, die alle sehr geheimnisvoll wirken, aber durchaus auch nicht unsympathisch. Der bereits erwähnte Konrad Schmitt ist so was wie die gute Seele des Hauses: er kauft ein, ergreift die Initiative beim Kochen, kümmert sich um alles Mögliche und steht immer für Harmonie ein. Doch auch er verbirgt etwas, genau wie Hans, der sich bestens mit Computertechnik auskennt und damit für allerhand Überraschungen sorgt.

Ein bisschen liest sich das Buch ja wie ein Krimi, obwohl es nicht diesem Genre zugeordnet wurde. Es hat mir sehr gefallen, dass so viele Geheimnisse in der Story stecken, über die man sich als Leser ständig Gedanken machen kann. Leider fehlen Hinweise, so dass man einfach auf die Auflösung warten muss und die gibt es am Ende nicht für alle offenen Fragen. Doch die Autorin schreibt bereits an einer Fortsetzung, die hoffentlich noch dieses Jahr erscheinen wird.
Die Story ist gut durchdacht und konnte mich wirklich fesseln. Es passiert ziemlich viel, hauptsächlich geht es dabei um die Erlebnisse von Ellen, Rosa und Kim. Aber die anderen Protagonisten werden sicher auch im nächsten Teil noch eine größere Rolle spielen, wenn es an ihre Geheimnisse geht. Besonders auf die Hintergründe von Mardi bin ich gespannt.

Fazit:
Ein spannendes, emotionales und unterhaltsames Buch mit vielen ungewöhnlichen Charakteren und vielen Geheimnissen, das ich in kürzester Zeit verschlungen habe. Jetzt warte ich ungeduldig auf die Fortsetzung!

Bewertung:
5pfoten

Bei Daggis Buch-Challenge hake ich hiermit Punkt 56 ab (482 g).