Ein Leben mehr von Jocelyne Saucier – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Insel Verlag; Auflage: 1 (8. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3458176527
ISBN-13: 978-3458176527
Originaltitel: Il pleuvait des oiseaux
Übersetzerin: Sonja Finck
Autorin: Jocelyne Saucier, geboren 1948 in der Provinz New Brunswick, lebt heute in einem Zehn-Seelen-Ort im Wald, im nördlichen Québec. Sie arbeitete lang als Journalistin, bevor sie mit dem literarischen Schreiben begann. Ein Leben mehr ist ihr vierter Roman, der erste in deutscher Sprache.

Die Geschichte:
Eine Naturfotografin entdeckt ihre Leidenschaft für ein neues Motiv: alte Menschen, die in den vielen Jahren ihres Daseins so viel erlebt haben, dass man es an ihren Augen ablesen kann:

Ihre verhärmten Gesichter sind schwer zu entziffern. Von alten Menschen erfährt man nur etwas, wenn man ihnen in die Augen sieht. Die Augen enthalten ihre Lebensgeschichte. (S. 82)

Sie stößt durch die Gespräche mit den alten Menschen auf eine lange zurückliegende Tragödie: große Brände überzogen das Land Anfang des 20. Jahrhunderts. Der große Brand von 1916 hat zahlreiche Opfer gefordert und die Fotografin versucht fortan, noch lebende Augenzeugen des Infernos zu finden und zu interviewen.
Viele Geschichten gleichen sich, überschneiden sich, klingen im ersten Moment erfunden und unglaublich, doch das Meiste scheint doch wahr zu sein. Und immer wieder berichten die Überlebenden von einem Jungen, der bei diesem Brand seine komplette Familie verloren hat und danach tagelang durch die schwelende Landschaft geirrt ist.

Der Fotografin gelingt es, die Spur des mysteriösen Mannes bis in die kanadische Wildnis zu verfolgen, wo er zusammen mit zwei anderen Männern in völliger Abgeschiedenheit in einigen Hütten lebt …

Meine Meinung:
Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt: einige Passagen aus Sicht eines wissenden Erzählers und dann wieder Kapitel, in denen verschiedene beteiligte Personen berichten.
So entwickelt sich eine vielschichtige Story, die mich immer mehr fesseln konnte. Zunächst in noch eher ruhigeren Tönen, doch so nach und nach wurde es immer emotionaler, berührender und bewegender.

Unter den Protagonisten gab es für mich keinen besonderen Favoriten: sie wirken alle auf ihre eigene Weise liebenswürdig und besonders. Von einigen erfährt man mehr, von anderen weniger, aber sie wirken alle lebendig und glaubwürdig in ihrer etwas kauzigen Art.

Die Tücken des Alters werden nicht verklärt in dieser Gemeinschaft, in der der Tod ein ständiger Begleiter ist, der sich nie weit von den Kameraden entfernt. Auch das würdige Aus-dem-Leben-Scheiden ist ein Thema, mit dem sich das Buch beschäftigt.
Aber für einige geht es weniger um das Ende, sondern um einen neuen Anfang: ein Leben MEHR, ein neues Leben, das durchaus im hohen Alter noch von vorne beginnen kann.
Und das liest sich einfach wundervoll – und hat einige weniger positive Szenen wieder gutgemacht.

Die Beschreibungen der Landschaft und des einfachen Einsiedlerdaseins waren sehr idyllisch und atmosphärisch, auch wenn es nicht mein bevorzugter Lebensstil wäre, schon allein wegen der grausamen Fallenstellerei, die leider oft erwähnt wird.

Insgesamt ein schönes Buch, das trotz der wenigen Seiten eine sehr bewegende Geschichte erzählt. Eine klare Leseempfehlung für alle, die Storys mögen, die das Herz berühren!

Fazit:
Entwickelt sich langsam, zieht den Leser immer mehr in seinen Bann und endet mit einem wohligen Seufzen.

Bewertung:
4,5pfoten

Ihr unschuldiges Herz von Richard Hagen – Meine Rezension …

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (17. September 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442377870
ISBN-13: 978-3442377879
Autor: Richard Hagen

Der zweite Teil der Reihe:

Die Geschichte:
Die Kinderärztin Sieglinde Reichard wird tot in einem Weinberg gefunden, ihr Herz hat der Mörder mitgenommen. Staatsanwältin Inga Jäger und Kriminalhauptkommissar Kai Gebert tappen lange im Dunkeln und haben zunächst nur den Ehemann als Hauptverdächtigen im Visier. Doch dann wird klar, dass es sich nicht um eine Einzeltat handelt, denn es hat in der Vergangenheit weitere tote Frauen gegeben, die auf die gleiche Art und Weise starben. Was steckt wirklich dahinter?
Bei ihren Ermittlungen stößt Inga plötzlich auf Widerstände: ausgerechnet ihr eigener Chef verbietet ihr, eine Spur in die Vergangenheit weiter zu verfolgen. Doch sie lässt sich nicht beirren und bringt unglaubliche Gräueltaten ans Licht, die viele Menschen am liebsten für immer vergessen würden …

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich extrem gefesselt und das lag nicht nur an dem erschreckenden Hintergrund, den der Autor für diesen Krimi gewählt hat.

Auch der Schreibstil ist einfach toll: glaubwürdige Dialoge, eine lebendige Atmosphäre und viel Wissenswertes über die Region und deren Besonderheiten.

Die beiden Hauptpersonen Inga und Kai sind ein tolles Team, auch wenn sie sich zu Beginn erst einmal zusammenraufen müssen. Danach ist ihr Umgang miteinander einfach super und wirkt sehr realistisch: kleine Neckereien und zwischendurch auch mal ein paar Konflikte – wie im richtigen Leben! Ich mag die beiden Charaktere sehr gerne und hoffe, dass sie noch ganz viele Fälle gemeinsam lösen werden!
Es waren auch noch einige andere interessante und liebenswürdige Figuren dabei, die teilweise auch im Folgeband wieder eine Rolle spielen.

Der Kriminalfall ist zunächst noch sehr undurchsichtig, dann wird immer deutlicher, dass der Ursprung der Morde in der Zeit des Zweiten Weltkriegs liegt. Gut recherchiert bringt uns der Autor in dieser fiktiven Story erschreckende reale Ereignisse näher, die allein schon für Gänsehaut sorgen. Dazu präsentiert er uns noch einen echten Showdown, der nach der ohnehin schon spannenden Erzählung einen passenden Abschluss bildet. Die Geschichte ist actionreich und mit manchmal auch etwas blutigen Passagen, doch Richard Hagen hat es nicht nötig, bei Ekelszenen unnötig ausführlich zu werden, um damit den nötigen Thrill zu erzeugen.

Fazit:
Ein erschreckendes Hintergrundthema, das super durchdacht in einen spannenden Krimi mit sympathischen Ermittlern gepackt wurde … klare Leseempfehlung!

Bewertung:
5pfoten

Baba Dunjas letzte Liebe von Alina Bronsky – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (17. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462048023
ISBN-13: 978-3462048025
Autorin: Alina Bronsky

Die Geschichte:
Baba Dunja ist eine über 80-jährige Frau, die unfreiwillig über Landesgrenzen hinweg zu einer kleinen Berühmtheit wurde – und das nur, weil sie in hohem Alter in ihr Heimatdorf zurückgekehrt ist. Allerdings muss man erwähnen, dass besagtes Dorf Tschernowo leider sehr nahe an Tschernobyl liegt und damit in der „Todeszone“, die noch immer stark radioaktiv verstrahlt ist.
Im Lauf der Zeit gesellten sich weitere Bewohner zu Baba Dunja und so lebt sie nun mit einer Handvoll Leute in einer etwas seltsamen Dorfgemeinschaft, in der sogar die Verstorbenen noch sehr präsent sind. Man könnte das Ganze fast schon als „Idylle“ bezeichnen, doch dann tauchen zwei Fremde in Tschernowo auf – und Baba Dunjas kleine Welt zerbricht …

Meine Meinung:
Auf dieses Buch habe ich mich sehr gefreut, denn die Leseprobe auf vorablesen hat mich absolut überzeugt.
Schon nach wenigen Sätzen habe ich mich in den ironisch-witzig-lockeren Schreibstil von Alina Bronsky verliebt. Gleich auf der ersten Seite brachten mich Baba Dunjas Gedanken über den Hahn der Nachbarin zum Schmunzeln:

„Seine innere Uhr ist durcheinander, schon immer gewesen, aber ich glaube nicht, dass es mit der Strahlung zu tun hat. Man kann sie nicht für alles, was blöd zur Welt kommt, verantwortlich machen.“ (Seite 5)

Herrlich skurrile Charaktere machen dieses Buch zu etwas Besonderem, doch vor allem geht es natürlich um Baba Dunja, die uns die Geschichte außerdem aus ihrer Perspektive erzählt. Sie war mir gleich sympathisch, denn sie ist bescheiden, hilfsbereit, klug und hat viel Sinn für schwarzen Humor.
Ihre Nachbarin Marja ist eine tierliebe, schrullige Frau, die gegen jedes Wehwehchen die passende Pille parat hat.
Sie und noch einige andere Figuren habe ich auch sehr schnell ins Herz geschlossen.

Zunächst dreht sich alles um das etwas einsame Leben in Tschernowo und wie es dazu kam. Wir erfahren auch, dass Baba Dunja zwei Kinder hat: ihr Sohn lebt in Amerika und ihre Tochter ist Ärztin in Deutschland. Außerdem hat sie eine Enkelin, die sie allerdings noch nie im Leben gesehen hat.
Die wirklich witzigen Szenen finden sich eher am Anfang des Buches, dann kippt das Ganze etwas ins Tragische und der Ton wird ernster. Mir hat die Story sehr gut gefallen und sie konnte mich so fesseln, dass ich das Buch in einem Rutsch durchlesen musste.

Mein einziger Kritikpunkt bezieht sich auf das Ende: es ist mir viel zu offen und lässt so viele meiner Fragen unbeantwortet. Wer von den Dorfbewohnern ist noch da, wo ist Laura und was ist aus Glascha geworden? Ein kleiner Epilog hätte wenigstens ein wenig Licht ins Dunkel bringen können.

Fazit:
Trotz des offenen Endes eine klare Leseempfehlung: witzig, liebenswert, herzlich und herrlich skurril!

Bewertung:
4pfoten

Lauras letzte Party von J. K. Johansson – Meine Rezension …

Taschenbuch: 266 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (6. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3518465902
ISBN-13: 978-3518465905
Originaltitel: Laura
Autor(en): J. K. Johansson
Übersetzerin: Elina Kritzokat

Die weiteren Bücher der Trilogie, die alle noch in diesem Jahr erscheinen werden:

Die Geschichte:
Miia kehrt nach vielen Jahren als 37-jährige Sonderpädagogin wieder an ihre alte Schule zurück. Gemischte Gefühle begleiten sie bei diesem Schritt, doch ihren Job bei der Polizei konnte sie aufgrund ihrer Internetsucht nicht mehr ausüben.
Der Schulbeginn wird überschattet vom Verschwinden der 16-jährigen Laura, die nach einer Party nicht mehr nach Hause kam. Auch Miias Bruder Nikke arbeitet an der Schule: er hatte in den letzten Monaten sehr viel Kontakt zu Laura in seiner Funktion als Schulpsychologe.
Da die Eltern auch das Internet (Facebook) in die Suche nach ihrer Tochter einbeziehen, können sich die Ermittler bald vor Hinweisen nicht mehr retten, doch was darf man den oft anonymen Kommentatoren in den sozialen Netzwerken überhaupt glauben? Steckt wirklich ein Körnchen Wahrheit in den Gerüchten, die bald haufenweise über Laura verbreitet werden?
Miia will es herausfinden, obwohl sie ja nicht mehr zur Polizei gehört, mischt sie sich in die Ermittlungen ein …

Meine Meinung:
Das war leider wieder mal ein Buch, an das ich vollkommen ahnungslos heranging, ohne zu wissen, dass es Teil einer Trilogie ist. Erst auf der letzten Seite wurde mir das klar, denn das fast vollkommen offene Ende dieses Romans – selbstverständlich mit Cliffhanger – erschien mir wie die typischen Staffelfinalsendungen im Fernsehen. Wenn man allerdings bedenkt, dass unter den Autoren auch Drehbuchschreiber sind, verwundert das nicht weiter.

Am Schreibstil habe ich überhaupt nichts auszusetzen, das Ganze las sich wirklich absolut flüssig und auch die Dialoge wirkten recht authentisch.

Womit ich eher Probleme hatte, das war die Protagonistin Miia: sie hat es einfach nicht geschafft, mein Leserherz für sich zu gewinnen. Der Funke sprang nicht über, sie ist einfach eine Frau, die ich im richtigen Leben auch nicht wirklich mögen würde – und das liegt sicher nicht daran, dass sie zwei Riesenpizzas verdrücken kann und davon nicht dicker wird! 🙂 Mich haben eher ihre ständigen Männer-Eskapaden gestört, auf diese Szenen hätte ich gerne verzichtet.

Auch sonst gab es keine absoluten Sympathieträger unter den weiteren Personen in dieser Geschichte. Nikke hat mir zu oft gelogen, der Polizist Korhonen war auch ein bisschen seltsam und Miaas Freundinnen empfand ich eher als anstrengend.

Was die Story betrifft: hier ist sehr vieles absolut vorhersehbar und wenig spannend. Die ersten beiden Drittel der Geschichte kamen mir auch recht gemächlich vor, dann hatte ich einen Teil der Lösung auch schon durchschaut und im letzten Drittel kam zwar noch etwas Action auf, aber es wirkte auch alles irgendwie zerstückelt und nicht richtig rund. Die offensichtlichen Zusammenhänge werden dann auch am Ende nicht aufgeklärt und ich hätte den Ermittlern manchmal gerne einen Klaps auf den Hinterkopf verpasst, damit sie endlich die Augen öffnen.
Es wird auch schon deutlich, welche Verstrickungen und Enthüllungen in den Folgebänden auf den Leser warten, so dass ich die Bücher hauptsächlich aus dem Grund lesen möchte, um zu sehen, ob ich mit meinen Vermutungen richtig lag. 😉

Fazit:
Hätte ich gewusst, dass es sich um einen Dreiteiler handelt, dann hätte ich die Bücher auf jeden Fall „am Stück“ gelesen. Bis jetzt empfand ich die Geschichte noch als weniger spannend und sehr vorhersehbar.

Bewertung:
3pfoten

Bärenklau: Exkommissar Bösenschreck ermittelt von Ralf Waiblinger – Meine Rezension …

Broschiert: 375 Seiten
Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 1 (1. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839217504
ISBN-13: 978-3839217504
Autor: Ralf Waiblinger

Das erste Buch der Reihe:

Die Geschichte:
Ex-Kommissar Bösenschreck, der inzwischen sein Dasein eher als handzahmes Schoßhündchen unter der Fuchtel seiner Frau Barbarella verbringt, gerät in unerwartete Schwierigkeiten. Eigentlich wollte er nur kurz in der elterlichen Bäckerei etwas abholen, doch er platzt mitten in den größten Katzenjammer hinein: aus dem streng verschlossenen Safe wurde das geheime Familienbackbuch gestohlen. Und das Schlimmste: Bösenschrecks Nachfolger Butscher will nicht ermitteln, denn es geht ja schließlich „nur“ um ein Backbuch.
Dass sich aus diesem Diebstahl einige Mordfälle, spektakuläre Verfolgungsjagden über Landesgrenzen und einige verwirrende Verstrickungen ergeben, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen …

Meine Meinung:
Als absoluter Hundefan war ich natürlich sofort Feuer und Flamme, als ich von diesem „Hundekrimi“ gehört habe. Dieses Buch musste ich unbedingt lesen – und ich wurde nicht enttäuscht.

Zunächst war ich etwas überrascht, als sich herausgestellt hat, dass hier keinesfalls nur Hunde eine Rolle spielen, sondern dass die Figuren extrem vielfältig sind: hier ist alles vertreten vom Hamster bis zum Krokodil.
Ex-Kommissar Spekulantius Bösenschreck ist beispielsweise hündischer Adoptivsohn eines Katzen-Ehepaars und verheiratet mit einer Seehunddame. Ein fröhliches Durcheinander, das uns der Autor mit einem genial bebilderten „Who is who“ am Anfang des Buches gleich wundervoll näherbringt.

Apropos Bilder: immer wieder sind wundervolle Illustrationen einiger Szenen eingefügt, die zusätzlich dafür sorgen, dass man sich alles prima vorstellen kann.
Wobei das beim sehr detaillierten, atmosphärischen Schreibstil des Autors eigentlich gar nicht nötig wäre, denn man ist sowieso sofort mitten im Geschehen und alles läuft wie ein Film vor dem inneren Auge ab.

Zunächst hatte ich zwar noch etwas Schwierigkeiten mit den ungewöhnlichen Namen und den verschiedenen Spezies der Figuren (wobei das Personenverzeichnis natürlich da schnell weiterhilft), aber im Lauf der Geschichte lernt man sie alle kennen – und wer schon den ersten Teil „Hasenpfeffer“ kennt, der wird hier sowieso auf viele liebgewonnene alte Bekannte stoßen.

Während der Anfang der Krimistory noch eher ruhig auf mich wirkte, geht es in der zweiten Hälfte des Buches sehr action- und ereignisreich zur Sache. Verwirrend viele Verdächtige bringen nicht nur den ermittelnden Kommissar Butscher an seine Grenzen, sondern auch als Leser kann man prima mitraten und sich den Kopf zerbrechen. Der Schluss war dann sehr überraschend für mich, aber alles wurde sehr stimmig aufgeklärt.

Besonders toll an diesem Buch sind die vielen Wortspielereien rund um die ungewöhnlichen Charaktere. Und irgendwie bekommt auch jede Figur ihren besonderen Auftritt, der ihr quasi auf den Leib geschneidert ist. So wird ein Hamster zum „hamsternden“ Messie, ein Wildschwein ist der Besitzer eines „schweinischen“ Nachtclubs oder ein Maulwurf wühlt sich als Beamter gern fleißig durch seine Aktenberge.

Fazit:
Ein humorvoller Krimi mit ungewöhnlichen Figuren und tollem Wortwitz, der mit einer spannend-verwirrenden Story und viel Action überzeugen kann. Einfach loslesen, schmunzeln und sich drüber freuen!

Bewertung:
5pfoten

So unselig schön von Inge Löhnig – Meine Rezension …

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (14. Januar 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548282083
ISBN-13: 978-3548282084
Autorin: Inge Löhnig
BUCHTRAILER
LESEPROBE (PDF)

Die gesamte Reihe bisher:

Die Geschichte:
Vicki fotografiert gerne verlassene Gebäude und so kommt es, dass sie eines Tages in einer ehemaligen Brauerei eine dort abgelegte Frauenleiche findet. Sofort ruft sie die Polizei, obwohl sie in ihrer Vergangenheit eher auf der anderen Seite des Gesetzes stand. Sie hat einige kleine Vorstrafen, ist aber inzwischen auf dem richtigen Weg und macht sogar eine Lehre in einem Reisebüro.
Kommissar Dühnfort und sein Team übernehmen den Fall und finden bald Parallelen zu einem anderen Mord, der vor sechs Jahren geschah. Haben sie es mit einem Serienmörder zu tun? Aber warum hat er so lange gewartet, bis er wieder zugeschlagen hat?
Vicki entdeckt indes eine Auffälligkeit auf einem ihrer Fotos, das sie in der Brauerei geschossen hat. Sie wendet sich aber nicht gleich wieder an die Polizei, sondern beginnt selbst mit Nachforschungen. Das bringt sie bald in größte Gefahr …

Meine Meinung:
Wie manch andere Leser auch, empfand ich in diesem Band der Dühnfort-Reihe eher die Protagonistin Vicki als Hauptfigur und Sympathieträger. Konstantin Dühnfort ist währenddessen zu sehr mit seinem Gefühlschaos beschäftigt und mit den Folgen seines Segelunfalles im letzten Teil. Das Hin und Her zwischen ihm und Gina nimmt einigen Platz ein in diesem Buch und wirkt recht authentisch.

Die Ermittlungen werden sehr ausführlich und spannend geschildert. Es gibt viele Spuren und gleich drei Hauptverdächtigte, zwischen denen das Pendel kreist, um immer wieder in eine andere Richtung auszuschlagen. Ein tolles Verwirrspiel, das mich auch lange Zeit immer wieder an meiner Vermutung zweifeln ließ.
Die Auflösung gefiel mir dann auch sehr gut, psychologisch wieder einmal sehr schön ausgearbeitet und überzeugend erklärt.

Vicki ist eine interessante und sehr liebenswürdige Figur, die man schnell ins Herz schließt. Durch ihre schlimme Vergangenheit lässt sie sich nicht unterkriegen, sie ist eine richtige Kämpfernatur. Ihr oft unangepasstes Verhalten macht sie nur noch sympathischer.
Tino und sein Team wirken in diesem Band nicht so harmonisch, wie sie es sein sollten. Hoffentlich entspannt sich die Situation im nächsten Teil wieder, denn diese Atmosphäre war wirklich nicht so schön.

Über den Schreibstil von Inge Löhnig möchte ich nur sagen: grandios! Ich mag ihre Bücher einfach total! 🙂

Fazit:
Ein spannendes Verwirrspiel mit vielen Verdächtigen … Vicki ist eine tolle Protagonistin, die sehr viel Herz und Action in diese Geschichte bringt!

Bewertung:
5pfoten

Sungs Laden von Karin Kalisa – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 255 Seiten
Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (14. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3406681883
ISBN-13: 978-3406681882
Autorin: Karin Kalisa
LESEPROBE

„Sungs Laden“ ist für mich ein modernes Märchen, das dringend wahr werden sollte! Eine wundervolle Geschichte über die geglückte Integration vieler bunter Nationalitäten in das kleine Berliner Stadtviertel Prenzlauer Berg.

Seinen Anfang nahm alles bereits zu Zeiten der DDR, als noch zahlreiche vietnamesische Vertragsarbeiter als billige Arbeitskräfte einreisen durften, viele von ihnen mit furchtbaren Kriegserlebnissen und -erinnerungen im Gepäck.
Dann fiel die Mauer und eine neue Zeitrechnung brach an: viele Ostdeutsche verließen alles, um im Westen ihr Glück zu suchen. Die Beschäftigten in den großen Betrieben verloren reihenweise ihre Arbeitsplätze und standen plötzlich auf der Straße. Vor allem die Vietnamesen traf dies hart, denn die meisten von ihnen hatten noch nicht einmal die deutsche Sprache erlernt. So kam es, dass viele der ehemaligen Vertragsarbeiter in die Kriminalität abrutschten, andere dagegen bauten sich zaghaft neue Existenzen auf.
So auch die Eltern von Sung, die die Chance ergriffen, einen kleinen leerstehenden Gemischtwarenladen zu übernehmen.
Sung wuchs zwischen Obstkisten und vielen ehemaligen DDR-Waren auf, denn sein Vater warf grundsätzlich keine Ladenhüter weg. Nicht nur das machte ihn bald zu einer beliebten Anlaufstelle für alle möglichen Bewohner des Viertels.

Die eigentliche Geschichte nimmt ihren Lauf durch ein Schulprojekt, an dem Sungs Sohn Minh mit seiner Großmutter teilnimmt. Diese nimmt eine alte Holzpuppe mit auf die Bühne und erzählt ein ergreifendes Märchen, das alle Zuhörer zutiefst berührt.
Das war quasi der erste Dominostein, der alles ins Rollen brachte, was danach geschehen sollte. Eine Lehrerin organisiert daraufhin eine Protestveranstaltung gegen die Raumnot und die Etatkürzungen in der Schule, bei der sie zahlreiche dieser vietnamesischen Holzpuppen einsetzt. Das Spektakel wird ein voller Erfolg und erfährt viel Aufmerksamkeit.
Und so setzen sich die Aktionen immer weiter fort, verzweigen sich, vereinen Menschen, spinnen feine Fäden zwischen den Nationen – und am Ende spannen sich sogar echte Brücken zwischen den Häusern. Das Viertel wächst zusammen, es wird bunt, lebendig und zu einem unheimlich schönen Ort, an dem sogar der Amtsschimmel bei so mach gewagter, nicht ganz gesetzeskonformer Aktion im Stall bleiben darf.

Sung ist – wie seine ganze Familie und viele der anderen zahlreichen Protagonisten in diesem Buch – ein absolut liebenswürdiger Charakter, dem man einfach nur das Beste im Leben wünscht. Und dafür kämpft er in dieser Geschichte, genau wie seine Eltern um ihren Platz in dieser fremden Welt kämpfen mussten.

Absolut eindrucksvoll schildert die Autorin die Gefühlswelt von Sungs Eltern, die einerseits froh waren, der kriegsgebeutelten Heimat zu entkommen, andererseits aber auch in Deutschland nur geduldet waren. Sie drückt dies teilweise mit sehr einfachen Worten aus, die trotzdem eine enorme Wirkung entfalten. Das Buch liest sich einfach toll und es ist an keiner Stelle zu gefühlsbetont oder gar kitschig.

Man merkt an vielen Stellen, dass sich Karin Kalisa mit den fremden Kulturen sehr genau beschäftigt hat: unglaublich viel Wissen steckt in diesen Seiten. So bietet das Buch nicht nur allerbeste Leseunterhaltung, sondern es ist auch noch lehrreich.

Angesichts der aktuellen Flüchtlingsdiskussion möchte man das Buch so manchem Zeitgenossen in die Hand drücken, um ihm ein bisschen die Augen zu öffnen für das, was sein könnte, wenn man nur wollte. Wenn man bereit ist, über seinen Schatten zu springen, den Blick über den eigenen Tellerrand zu erheben und den Mut hat, Grenzen zu überschreiten, dann könnte man viel bewegen in dieser Welt! Sung und seine Familie sind ein sehr schönes, wenn auch fiktives Beispiel dafür.

Fazit:
Ein modernes Märchen, das unbedingt wahr werden sollte. Mit unheimlich liebenswürdigen Charakteren und einer wundervoll erdachten Story, die auch noch gespickt ist mit viel Wissenswertem!

Bewertung:
5pfoten

Treuetat von Elke Pistor – Meine Rezension …

Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (10. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548286119
ISBN-13: 978-3548286112
LESEPROBE
Autorin: Elke Pistor

Der erste Teil der Reihe, den ihr unbedingt vorher noch lesen solltet:

Die Geschichte:
Ein Journalist stirbt unter seltsamen Umständen nach einem Autounfall, eine Fußpflegerin wird ermordet aufgefunden und ein Student ist auf der Flucht. Ist er der Täter – oder hat er nur Angst, selbst zum Opfer zu werden? Welches Geheimnis verband die Toten?
Schwierige Fragen, denen Verena und ihr Kollege Christoph auf den Grund gehen müssen. Unterstützung bekommen sie dabei von Leonie, die nach ihrem Motorradunfall wieder in das Berufsleben einsteigen will.
Verena, die sich immer noch mit Schuldgefühlen wegen Leos Schicksal plagt, hat aber auch noch private Probleme: ihrer Großmutter geht es zusehends schlechter, die Alzheimererkrankung wird schlimmer. Auch Christoph hat es nicht leicht: er bereitet sich auf sein Leben als alleinerziehender Vater vor. Und Leo trainiert hart, um wieder voll einsatzfähig zu sein.

Meine Meinung:
Wer einen „reinen“ Krimi erwartet, der könnte von diesem Buch etwas enttäuscht sein, vor allem, wenn man den ersten Teil der Reihe noch nicht kennt, der viel wichtige Vorgeschichte aus dem Leben der Ermittler erzählt.

Für mich war es ein absolut perfektes Buch, das sich zu einem großen Teil mit dem Privatleben des Ermittlertrios Verena, Christoph und Leonie beschäftigt. Es wirkt alles nur allzu menschlich und authentisch, ganz getreu dem Motto „Jeder hat sein Päckchen zu tragen“.
Verena zerbricht fast selbst an dem ständigen Spagat zwischen Berufs- und Privatleben, in dem sie sich der Betreuung ihrer dementen Großmutter verschrieben hat. Freizeit mit Hobbies, Freunden und Ausgehen gibt es für sie praktisch nicht mehr und trotzdem wird sie ständig von Schuldgefühlen geplagt, dass sie noch immer nicht genug für ihre Oma da ist.
Leonie hat immer noch mit den Folgen ihres Motorradunfalls zu kämpfen: sie ist körperlich noch beeinträchtigt und darf zunächst nur wenige Stunden arbeiten. Sie erledigt die Innendienstarbeit für Verena und Christoph – und ist darüber erst einmal alles andere als glücklich.
Auch Christoph hat Schlimmes hinter sich: seine Frau hat Selbstmord begangen und seine Tochter hat nun eine längere Zeit in einer Pflegefamilie verbracht, damit er sein Trauma in Ruhe verarbeiten konnte. Doch nun darf er sie zu sich holen, was ihm aber nicht nur Freude bereitet, sondern vor allen Dingen große Angst vor dem Leben als alleinerziehender, berufstätiger Vater.

Die Krimihandlung dreht sich um ein sehr interessantes Thema, das zur Zeit auch wieder in aller Munde ist: die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs, die Opfer, aber auch die Täter. Verena erfährt auch einiges aus der Vergangenheit ihrer eigenen Familie, das ihr eine andere Sicht auf so manches ermöglicht, womit sie im Lauf der Geschichte noch konfrontiert wird.
Die Todesfälle werden nicht unnötig blutig geschildert, so dass man diesen Krimi auch Lesern empfehlen kann, die es etwas ruhiger mögen. An Spannung fehlt es trotzdem nicht, denn die Autorin schafft schnell eine fesselnde Atmosphäre, die sich beständig hält bis zum überraschenden Ende.
Eine prima durchdachte Story mit viel Herz, Gefühl, ein bisschen Humor und auch einem Quäntchen gut platzierter Gesellschaftskritik. Mir hat dieser Teil der „Verena Irlenbusch“-Reihe wieder absolut super gefallen und ich hoffe auf baldigen Lesenachschub!

Fazit:
Extrem menschlich, authentisch und berührend … klingt noch nicht nach Krimi? Spannend ist es natürlich auch noch! 🙂

Bewertung:
5pfoten

Du stirbst in meinem Herzen nicht von Simone Veenstra – Meine Rezension …

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Franckh Kosmos Verlag; Auflage: 1 (5. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3440144801
ISBN-13: 978-3440144800
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre
LESEPROBE

Über die Autorin:
Alles über Simone Veenstra erfahrt ihr HIER auf ihrer Homepage. Dort findet ihr auch ein Special zu diesem Buch, auf das ich am Ende der Rezension noch genauer hinweisen möchte.

Die Geschichte:
Die 17-jährige Mara leidet immer noch sehr unter dem Unfalltod ihres Vaters, der ein knappes Jahr zurückliegt. Besonders schlimm ist für sie auch, dass er unter sehr mysteriösen Bedingungen gestorben ist und sie nicht an die offiziellen Versionen glauben will. Mara vermutet, dass ihr Vater Opfer eines Verbrechens wurde.
Etwas Abwechslung in den tristen Dorfalltag bringt dann plötzlich ein Neuer in der Schulklasse: mit Jonah versteht sich Mara nach einigen Startschwierigkeiten sehr gut, denn auch sie ist eine „Zugezogene“.
Jonah bestärkt Mara in ihrem Glauben, dass hinter der seltsamen Häufung von Unglücksfällen in der Gegend vielleicht doch mehr steckt als purer Zufall. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach der Wahrheit – und damit auch in große Gefahr!

Meine Meinung:
Auch wenn ich nicht mehr wirklich zur Zielgruppe dieses Buches gehöre, hat es mich bestens unterhalten und mir sehr gut gefallen.

Das lag einerseits natürlich an den wirklich sympathischen Charakteren: Mara, Jonah und diverse andere Figuren haben sich schnell in mein Leserherz geschlichen. Simone Veenstra macht es dem Leser aber auch ziemlich leicht, ihre Protagonisten zu mögen: sie haucht ihnen echtes Leben ein, beschreibt sie als glaubwürdige Personen, mit denen man gerne mitfiebert.

Ein ebenso hohes Maß an Authentizität legt die Autorin in ihr gesamtes Setting: die Schauplätze, die Eigenheiten des dörflichen Landlebens, der Schulalltag mit allem Drum und Dran … alles wirkt so lebendig, dass man schnell mitten im Geschehen ist.
Da ich selbst in einer dörflichen Umgebung aufgewachsen bin (übrigens in der Nähe der Originalschauplätze), kann ich nur bestätigen, dass Simone Veenstra die Atmosphäre perfekt wiedergegeben hat.
Auch die typischen „Teenagerprobleme“ hat sie super in Worte gefasst. Wenn ich mich so an diese Zeit zurück erinnere, kann ich die Gefühle von Mara sehr gut nachvollziehen: beispielsweise den Konflikt zwischen Liebe und Freundschaft.

Aber neben der kleinen Liebesgeschichte, die sich prima in die Story einfügt, steht natürlich eher das Spannende im Vordergrund, schließlich ist es ja ein Thriller.
Der Autorin gelingt es sehr schnell, eine geheimnisvolle Aura zu schaffen, die bis zur Lösung des Rätsel Bestand hat. Über mangelnde Spannung kann man sich jedenfalls nicht beklagen, das Buch hat mich so gefesselt, dass ich es praktisch in einem Rutsch durchlesen musste.
Mara und Jonah gehen dem Geheimnis gemeinsam auf den Grund, wobei sie einige Grenzen überschreiten und sich damit auch selbst in Gefahr begeben. Aber das gehört zu einem guten Thriller ja schließlich dazu! 🙂
Die Auflösung war überraschend und super durchdacht. Natürlich hab ich mich beim Miträtseln auch von geschickt gelegten falschen Spuren verwirren lassen, aber am Ende war alles schlüssig. Auch ein kleines Happy End durfte nicht fehlen, das fand ich besonders gelungen.

Fazit:
Fesselnd, toll durchdacht, glaubwürdig, sympathisch – bitte mehr davon!

Bewertung:
5pfoten

Und hier geht es zum angekündigten SPECIAL, das eine tolle Ergänzung zum Buch bildet.
Es handelt sich um eine Sonderausgabe des „Färsbacher Boten“, also einer kleinen Lokalzeitung, auf dessen letzter Seite Mara einen Kurzgeschichtenwettbewerb gewonnen hat. Und hier kommt ihr ins Spiel: denkt euch eine möglichst originelle Überschrift zu Maras Text aus und schickt euren Vorschlag bis einschließlich 15.08.2015 an kontakt(at)simone-veenstra.de.
Zu gewinnen gibt es drei Picknickkörbe mit fränkischen Spezialitäten! Also macht alle mit! 🙂

Watch me – Ich werde es wieder tun von James Carol – Meine Rezension …

Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (19. Juni 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 342321595X
ISBN-13: 978-3423215954
Originaltitel: Watch Me
Übersetzer: Wolfram Ströle
Autor: James Carol

Der erste Band der Reihe und der erste Teil einer ergänzenden Kurzgeschichten-eBook-Reihe, die die Vergangenheit von Jefferson Winter beleuchten soll:

Hier findet ihr LESEPROBEN!

Die Geschichte:
Der ruhelose Profiler Jefferson Winter wird in die Kleinstadt Eagle Creek gerufen, um den brutalen Mord an einem Rechtsanwalt aufzuklären, der bei lebendigem Leib verbrannt wurde.
Alles deutet auf einen Serienmörder hin, denn die Vorgehensweise wirkt sehr routiniert und alles andere als gewöhnlich. Ein Video des Verbrechens ist zunächst der einzige Hinweis auf den Mord, da die Ermittler den Tatort und die Leiche nicht finden können. Was die Sache erst recht brisant macht: der Täter hat auf einer Internetseite einen makabren Countdown gestartet. Die Polizei und auch Jefferson vermuten, dass bei Ablauf der Zeit der nächste Mord geschehen wird. Ob sie den Mörder noch rechtzeitig aufhalten können?

Meine Meinung:
Während im ersten Buch der Reihe noch horrortaugliche Szenen die Lesergemüter erschüttert haben, geht es hier vergleichsweise harmlos zu. Der Autor verliert sich nicht in detaillierten Beschreibungen diverser Gräueltaten und so ist dieser Thriller auch für Leser geeignet, die es lieber etwas unblutiger mögen.

Hauptperson ist natürlich wieder der junge Profiler Jefferson Winter, der mir inzwischen doch sehr ans Leserherz gewachsen ist. Während er im Vorgängerband noch oft wie ein überheblicher Hellseher wirkt, wurde er in „Watch me“ deutlich menschlicher dargestellt. Man merkt, dass er durchaus zu Mitgefühl fähig ist und dass er auch oft von Selbstzweifeln geplagt ist. Außerdem hat er nicht immer recht mit seinen Vermutungen, was ihn auch noch ein ganzes Stück liebenswürdiger macht.
Zwei weitere Figuren spielen eine große Rolle in dieser Geschichte: der Polizist Taylor und die Pensionsbesitzerin Hannah. Sie helfen Jefferson bei der Aufklärung des Falles – und ich mochte die beiden sofort.

Die Story ist wieder einmal sehr gut durchdacht und in der Realität auch größtenteils vorstellbar. Wir begleiten Jefferson und seine beiden Helfer – trotz der beeindruckenden Profilerfähigkeiten – bei solider Ermittlungsarbeit: Durchsuchungen, Befragungen, Hinweise sammeln und auswerten. Alles relativ normal und nicht hochspannend, aber trotzdem sehr fesselnd.
Leider schweben in Thrillern ja üblicherweise nicht nur die Opfer in großer tödlicher Gefahr, sondern oft ziehen auch die Ermittler den Zorn der Täter auf sich. So wird es auch in „Watch me“ sehr brenzlig und das sorgte für mich am meisten für Spannung in dieser Geschichte.

Die Auflösung fand ich gelungen und ich bin gespannt, was Jefferson Winter im nächsten Buch erleben wird. 🙂

Fazit:
Nicht ganz so spannend wie der erste Teil der Reihe, aber trotzdem sehr lesenswert. Jefferson wirkt etwas menschlicher und verletzlicher – und seine sympathischen Mitstreiter haben mir super gefallen.

Bewertung:
4,5pfoten